Ein Feuer auf der Tiefe [A Fire upon the Deep - de]
- Автор: Виндж Вернор (Вернон) Стефан
- Серия: Qeng Ho (de) #1
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 3-453-88125-7
- Переводчик: Erik Simon
- Жанр: Космическая фантастика
Электронная книга - «Ein Feuer auf der Tiefe [A Fire upon the Deep - de]». Краткое содержание книги:
›Ein Feuer auf der Tiefe‹ wurde mit dem Hugo Gernsback Award als bester Roman des Jahres ausgezeichnet.
Sieh dir die Fundamente unserer neuen Burg an, Tyrathect. Ich habe Amdijefri gesagt, dass sie das Sternenschiff gegen Holzschnitzerin verteidigen soll. Das wird sie tun — später im Sommer, wenn ich Holzschnitzerin vor den Wällen zerschmettere. Aber betrachte die Fundamente der Schutzmauer rund um das Sternenschiff. Bis unsere Besucher eintreffen, wird sich über dem Schiff ein Gewölbe erheben. Ich habe ein paar unauffällige Versuche mit seiner Rumpfhülle angestellt. Sie kann durchschlagen werden; ein paar Dutzend Tonnen Gestein, die darauffallen, können sie hübsch zertrümmern. Aber Ravna braucht sich keine Sorgen zu machen, das dient alles dem Schutze ihres Gewinns. Und es wird einen offenen Hof in der Nähe geben, von besonders hohen Mauern umgeben. Ich habe Jefri gebeten, sich dafür von Ravna Hilfe zu holen. Der Hof wird gerade groß genug sein, um Ravnas Schiff zu umschließen und es ebenfalls zu schützen.
Es sind noch viele Einzelheiten zu klären. Wir müssen die Werkzeuge herstellen, die Ravna beschrieben hat. Wir müssen die Ausschaltung Holzschnitzerins arrangieren, und das, ehe die Besucher eintreffen. Ich brauche deine Hilfe bei alledem und rechne mit ihr. Letzten Endes, wenn die Besucher uns betrügen wollen, werden wir uns so gut wie nur möglich schlagen. Und wenn nicht… nun, du wirst mir wohl zustimmen, dass ich mindestens so weit greife wie mein Lehrer.«
Dieses eine Mal hatte das Flenser-Fragment nichts zu erwidern.
Die Steuerkabine des Schiffs war Jefris und Amdis Lieblingsplatz im ganzen Herrschaftsgebiet Fürst Stahls. Der Aufenthalt hier konnte Jefri nach wie vor sehr traurig stimmen, doch nun schienen die guten Erinnerungen stärker zu sein…, und hier gab es die größte Hoffnung für die Zukunft. Amdi war immer noch von den Fensterbildschirmen bezaubert — selbst wenn alle Ansichten nur Holzwände zeigten. Bis zu ihrem zweiten Besuch hatten sie sich schon an den Gedanken gewöhnt, den Ort als ihr privates Reich zu betrachten, wie Jefris Baumhaus daheim auf Straum. Und tatsächlich war die Kabine viel zu klein, um mehr als ein einziges Rudel aufzunehmen. Für gewöhnlich pflegte ein Glied ihres Leibwächters unmittelbar im Eingang zum Hauptraum zu sitzen, doch selbst das schien eine unbequeme Pflicht zu sein. Dies war ein Ort, wo sie wichtig waren.
Bei all ihrer Wildheit waren sich Amdi und Jefri doch des Vertrauens bewusst, das Fürst Stahl und Ravna in sie setzten. Die beiden Kinder mochten draußen vielleicht herumtollen und ihre Wächter zum Wahnsinn treiben, aber die Geräte in dieser Steuerkabine mussten so sorgsam behandelt werden, als ob Mutti und Vati hier wären. In mancher Beziehung war nicht viel im Schiff übrig geblieben. Die Datios waren zerstört, Jefris Eltern hatten sie draußen gehabt, als Holzschnitzerin angriff. Den Winter über hatte Herr Stahl die meisten losen Gegenstände hinausgenommen, um sie zu untersuchen. Die Kälteschlaf-Zellen standen jetzt sicher in kühlen Kammern in der Nähe. Jeden Tag inspizierte Amdijefri die Zellen, betrachtete jedes vertraute Gesicht, überprüfte die Diagnoseanzeigen. Kein Schläfer war seit dem Überfall gestorben.
Was sich noch im Schiff befand, war fest mit der Hülle verbunden. Jefri hatte auf die Kontrolltafeln und Anzeigen hingewiesen, die die Rakete der Containerkapsel steuerten; von diesen hielten sie sich strikt fern.
Herrn Stahls Polsterung verhüllte die Wände. Das Gepäck, die Schlafsäcke und Übungsgeräte von Jefris Gefährten waren verschwunden, aber das Beschleunigungsgespinst und die fest eingebaute Ausrüstung waren noch da. Und über die Monate hinweg hatte Amdijefri Papier und Federhalter und Decken und anderen Kram hereingebracht. Immer wehte von den Lüftern ein leichter Luftzug durch den Raum.
Es war ein glücklicher Ort, sonderbar sorglos trotz all den Erinnerungen, die er weckte. Hier würden sie die Klauenwesen und all die Schläfer retten. Und es war der einzige Ort auf der Welt, wo Amdijefri mit einem anderen menschlichen Wesen sprechen konnte. In mancher Beziehung wirkten die Methoden der Sprechverbindung so mittelalterlich wie Fürst Stahls Burg: Sie hatten einen einzigen flachen Bildschirm — keine Tiefe, keine Farbe, keine Bilder. Alles, was sie ihm abringen konnten, waren Buchstaben und Ziffern. Aber er stand in Verbindung mit der Ultrawelle des Schiffs, und die war immer noch darauf programmiert, sich auf ihre Retter auszurichten. Es war kein Stimmerkennungsmodul an das Terminal angeschlossen; Jefri war fast in Panik verfallen, ehe ihm klar wurde, dass der untere Teil des Bildschirms als Tastenfeld fungierte. Es war eine mühsame Arbeit, jeden Buchstaben von jedem Wort einzutippen — obwohl Amdi ziemlich gut darin war, indem er mit zwei Nasen auf die Tasten drückte. Und mittlerweile konnte er Samnorsk sogar besser als Jefri lesen.
Amdijefri verbrachte viele Nachmittage hier. Wenn ihn eine Botschaft vom Vortag erwartete, brachten sie sie Seite für Seite auf den Schirm, und Amdi schrieb sie ab und übersetzte sie. Danach gaben sie die Fragen und Antworten ein, die Herr Stahl mit ihnen durchgesprochen hatte. Dann mussten sie ziemlich lange warten. Selbst wenn Ravna am anderen Ende aufpasste, konnte es etliche Stunden dauern, ehe sie eine Antwort erhielten. Aber die Verbindung war um so vieles besser als während des Winters, sie konnten fast spüren, wie Ravna näher kam. Die inoffiziellen Gespräche mit ihr waren oft der Höhepunkt des Tages.
Bisher war dieser Tag ziemlich anders verlaufen. Nach dem Angriff der falschen Arbeiter hatte Amdijefri eine halbe Stunde lang gezittert. Herr Stahl war verwundet worden, als er sie zu beschützen versuchte. Vielleicht gab es überhaupt keinen sicheren Ort. Sie machten sich an den Außenschirmen zu schaffen und versuchten, durch Ritzen in den rohen Außenwänden der hölzernen Umbauung zu spähen.
»Wenn wir hätten hinausschauen können, hätten wir Herrn Stahl warnen können«, sagte Jefri.
»Wir sollten ihn bitten, ein paar Löcher in die Wände zu machen. Wir könnten eine Art Wachtposten sein.«
Sie wendeten den Einfall ein bisschen hin und her. Dann begann die jüngste Nachricht vom Rettungsschiff einzutreffen. Jefri sprang in das Gespinst beim Bildschirm. Hier hatte Vati immer gesessen, und es war eine Menge Platz dort. Zwei von Amdi schlüpften zu ihm. Ein anderes Glied sprang auf die Armlehne und stützte sich mit den Pfoten auf Jefris Schultern. Sein schlanker Hals reckte sich zum Schirm hin, um gut sehen zu können. Der Rest quirlte durcheinander, um Papier und Federhalter bereitzulegen. Es war einfach, die Botschaften später wieder abzuspielen, aber Amdijefri fand es spannend, sie ›live‹ eintreffen zu sehen.
Zuerst kam der übliche Vorspann — das war nicht so interessant, wenn man es ungefähr zum tausendsten Mal sah —, dann Ravnas eigentliche Worte. Nur dass es diesmal bloß Daten waren, etwas, das zum Entwurf des Radios gehörte.
»Mist. Es sind Zahlen«, sagte Jefri.
»Zahlen!«, sagte Amdi. Er ließ ein freies Glied auf den Schoß des Jungen klettern. Es streckte die Nase dicht an den Schirm und überprüfte, was das Glied an Jefris Schulter sah. Die vier auf dem Fußboden waren fleißig am Schreiben, sie übersetzten die Dezimalzahlen auf dem Bildschirm in die Xe und Os und Is und Deltas im Vierersystem der Klauenwesen. Fast von Anfang an hatte Jefri erkannt, dass Amdi wirklich gut in Mathe war. Jefri war nicht neidisch. Amdi sagte, dass auch kaum eins von den Klauenwesen so gut war, Amdi war ein ganz besonderes Rudel. Dennoch… Jefri seufzte und lehnte sich ins Gespinst zurück. Dieser Zahlenkram kam jetzt immer öfter. Mutti hatte ihm einmal eine Geschichte vorgelesen: »In der Langsamen Zone verschollen«, wie schiffbrüchige Forscher einer verlorenen Kolonie die Zivilisation gebracht hatten. Da hatten die Helden sich einfach an die richtigen Dinge erinnert und gebaut, was sie brauchten. Von Genauigkeit oder Verhältnissen oder Entwürfen war nicht die Rede gewesen.