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Kalle Blomquist [с иллюстрациями]

Электронная книга - «Kalle Blomquist [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:

Liebe junge Detektive!
Aufgepaßt: Dieses Buch enthält die gesammelten Erfahrungen des großen Meisterdetektivs Kalle Blomquist. Vollzählig. Das ist von unschätzbarem Wert für Euch. Denn ob Ihr nun auf der Suche nach einem verborgenen Schatz seid oder einen exakten Plan ausarbeiten müßt, wie man einen langgesuchten Juwelendieb endlich zur Strecke bringen kann, oder blitzschnell entscheiden müßt, wenn der eigene Blutsbruder plötzlich gekidnappt wird, egal also in welch verzwickte Situation Ihr kommt, Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv, wird Euch den richtigen Tip geben.
Und wer weiß, vielleicht spricht man dann eines Tages von Euch als dem großen Meisterdetektiv …

VERLAG FRIEDRICH OETINGER
HAMBURG

Deutsch von Cäcilie Heinig und Karl Kurt Peters
Bilder von Volker Heydorn
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»Ist jemand hier, so ist er auf gar keinen Fall dort.« Nicke lachte und leuchtete noch einmal pedantisch genau die Mulde ab.

»Na, stell dir vor, er ist hier, weil er nicht dort ist«, flüsterte Kalle mit einem Seufzer der Erleichterung.

ACHTES KAPITEL

Ein neuer Tag stieg empor, und wie immer schien die Sonne wieder über die Bösen und die Guten. Sie weckte Kalle und Anders, die friedlich auf den Tannenzweigen in ihrer Hütte schlum-merten.

»Was wollen wir denn heute essen?« fragte Anders ironisch.

»Frühstück: Blaubeeren«, sagte Kalle. »Mittagessen: Blaubeeren – und zum Abendbrot, na, was denkst du: Wollen wir da nicht zur Abwechslung mal ein paar Blaubeeren mehr essen?«

»Nein, nein, für das Abendbrot muß Eva-Lotte sorgen«, sagte Anders voller Überzeugung.

Sie erinnerten sich an gestern und seufzten sehnsuchtsvoll bei dem Gedanken an alles, was sie da gegessen hatten. Aber sie be-sannen sich auch auf die schauerlichen Erlebnisse, und es lief ihnen unangenehm den Rücken hinunter. Sie wußten, heute abend mußten sie alles noch einmal mitmachen. Es war unabän-derlich. Der Professor erwartete sie. Das konnten sie gut verstehen. Einer mußte also wieder zu seinem Fenster hochklettern, um zu hören, wo sich diese Papiere befanden. Wenn sie die Dokumente des Professors retten konnten, hatten sie eine wirklich gute Tat in ihrem Leben vollbracht.

Kalle betastete seine zerschrammten Arme und Beine.

»Es ist wohl besser«, sagte er, »wenn ich es mache. Blaue Flecke gehören zu blauen Flecken. Aber jetzt wäre ein kleines flottes Frühstück nicht zu verachten.«

»Die Zubereitung des Essens liegt in meiner Hand«, sagte Anders dienstbereit. »Bleib bitte hier. Du bekommst deine Blaubeeren ans Bett.«

Rasmus und Eva-Lotte bekamen ihr Frühstück auch ans Bett, nur war ihr Frühstück wesentlich stabiler. Nicke hatte sich anscheinend entschlossen, den vorlauten Mädchenmund auf diese Weise zu stopfen. Triumphierend hielt er der halbwachen Eva-Lotte ein Tablett unter die Nase: Schinken und Rührei, dicke süße Haferflocken mit kühler Sahne und belegte Butterbrote. Es sah aus wie ein Frühstück für ein Regiment.

»Auf, auf, essen, Mädchen! Damit du nicht verhungerst!«

drängte er. Eva-Lotte blinzelte mit einem Auge auf das Tablett.

»Es macht sich«, sagte sie anerkennend. »Aber morgen könntest du getrost noch einige gebackene Waffeln dazulegen. Voraus-gesetzt, daß dich bis dahin die Polizei noch nicht geschnappt hat.«

Rasmus setzte sich hastig auf.

»Die Polizei darf Nicke nicht schnappen«, sagte er, und seine Stimme zitterte ein wenig. »Die dürfen doch wohl nicht nette Leute mitnehmen.«

»Nette Leute nicht, aber Kidnapper nehmen sie«, sagte Eva-Lotte kühl und griff zu einem Wurstbrot.

»Nee du, hör du mal«, sagte Nicke. »Jetzt langt mir das Ge-fasel vom Kidnapper aber bald.«

»Und mir langt es bald, immer noch gekidnappt zu sein. Das gleicht sich also aus.«

Nicke glotzte sie böse an: »Dich hat niemand gebeten herzu-kommen. Ohne dich wäre hier die schönste Sommerfrische.« Er ging zu Rasmus und setzte sich neben ihn. Rasmus reckte seine kleine warme Hand und streichelte Nickes Kinn.

»Ich finde, Kidnapper sind nett«, stellte er fest. »Was machen wir heute, Nicke?«

»Zuerst wollen wir einmal herrlich frühstücken«, erwiderte Nicke. »Dann werden wir weitersehen.«

Die Auffassung, daß Nicke ein netter Kerl sei, hatte Rasmus schon seit den ersten Stunden auf der Insel.

Von Anfang an war Rasmus der Meinung gewesen, daß diese ganze Reise ein wunderbarer Einfall seines Vaters war. Es machte Spaß, Auto zu fahren, es war schön, im Motorboot zu sitzen, und an der Anlegestelle auf dieser Insel lagen so viele Boote! Er wollte Vati auch noch bitten, daß er baden durfte. Aber dann war dieser dumme Onkel gekommen und hatte alles in Unordnung gebracht.

Er hatte so seltsam mit Vati gesprochen, und Vati war böse geworden und hatte seinen Rasmus angeschrien, und dann war Vati verschwunden und hatte sich nicht mehr bei Rasmus sehen lassen.

Und langsam waren ihm Zweifel gekommen, ob alles wirklich so wunderbar war. Er hatte versucht, gegen seine Tränen, die hervor wollten, anzukämpfen, aber schnell waren die ersten unterdrückten Schluchzer in einen Sturzbach von Tränen über-gegangen. Peters hatte ihn unsanft zu Nicke geschoben und gesagt: »Übernimm du den Jungen.«

Das war ein schwerer Auftrag für Nicke gewesen. Er hatte sich kummervoll den Kopf gekratzt. Wußte er, wie man mit weinenden Kindern umzugehen hatte? Aber er war bereit gewesen, alles zu tun, um die Heulerei zu beenden.

»Soll ich dir einen Flitzbogen machen?« hatte er in seiner Not vorgeschlagen. Das hatte wie eine Zauberformel gewirkt.

Die Tränen hatten so schnell aufgehört, wie sie begonnen hatten, und Rasmus’ Glaube an die Menschheit war wiederhergestellt gewesen. Dann hatten sie zwei Stunden lang Zielschießen mit dem neuen Flitzbogen geübt – und für Rasmus stand fest: Nicke war nett. Und wenn nun Eva-Lotte sagte, daß Nicke ein Kidnapper war, dann waren Kidnapper eben nett.

Genau wie zu erwarten gewesen war, stieg die Sonne höher und höher und schien weiterhin über die Bösen und über die Guten.

Sie schien und erwärmte die Klippen, auf denen Kalle und Anders badend den Tag verbrachten. Sie schien auf Nicke, der auf Eva-Lottes Treppe saß und Borkenboote schnitzte, und auf Rasmus, der die fertigen Boote in der Regentonne an der Hausecke probe-fahren ließ. Sie spielte in Eva-Lottes blondem Haar, während diese auf ihrer Bank im Zimmer saß und Nicke, der sie nicht hinaus-lassen wollte, haßte. Und die Sonne ärgerte Peters, weil sich Peters an diesem schönen Sommertag über alles ärgerte und deshalb bei der Sonne keine Ausnahme machte. Aber ohne sich um den Ärger von Peters zu kümmern, verfolgte die Sonne ruhig ihre Bahn und ging schließlich – wie zu erwarten gewesen war – im Westen hinter den Wäldern drüben auf dem Festland unter.

Damit war nun der zweite Tag auf der Insel auch zu Ende.

Nein, nicht zu Ende! Jetzt fing er erst an!

Es begann damit, daß Peters zu Eva-Lotte kam. Eva-Lotte beachtete er allerdings nicht. Mit ihr war er fertig. Sie hatte gesehen, wie Rasmus und der Professor geraubt wurden. Sie hatte sich in das Auto geschmuggelt, weil dieser Idiot von Svanberg nicht ordentlich genug aufgepaßt hatte. Sie war der einzige Augenzeuge und durfte nicht frei umherlaufen. Es war zwar beschwerlich, sie hier auf der Insel zu haben, aber es war nicht zu ändern. Möglicherweise konnte sie den Kleinen beruhigen, bis dessen dickschä-deliger Vater Vernunft angenommen hatte. Mehr war von Peters’

Seite über Eva-Lotte nicht zu sagen. Um sie brauchte er sich nicht mehr zu kümmern. Er wollte mit Rasmus sprechen.

Rasmus lag bereits in seinem Bett auf der Bank. Vor sich auf der Decke hatte er fünf kleine Borkenboote liegen. An der Wand hing sein Flitzbogen. Er fühlte sich reich und war glücklich. Es machte Spaß, auf dieser Insel zu sein, wirklich Spaß, und Kidnapper waren nett.

»Hör mal, kleiner Mann«, sagte Peters und setzte sich zu Rasmus, »was würdest du sagen, wenn du den ganzen Sommer auf der Insel bleiben müßtest?«

Ein Lächeln huschte über Rasmus’ Gesicht: »Den ganzen Sommer! Du bist aber nett! Dann können Vati und ich also bei dir die Sommerferien verbringen?«

»Eins zu null für Rasmus«, dachte Eva-Lotte und lächelte boshaft. Aber sie sagte nichts. Dieser Peters war nicht der Mann, zu dem man so ohne weiteres sprach. Nicke saß auf einem Stuhl am Fenster und war sehr zufrieden. Endlich war das großschnäuzige Mädchen gezwungen zu schweigen.

Peters war nicht so zufrieden. »Hör mal, Rasmus«, fing er an, aber Rasmus unterbrach ihn freudestrahlend.

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