Kalle Blomquist [с иллюстрациями]
- Автор: Линдгрен Астрид
- Год: 1982
- Язык: немецкий
- ISBN: 3 789 12931 3
- Жанр: Детское действие
Электронная книга - «Kalle Blomquist [с иллюстрациями]». Краткое содержание книги:
Aufgepaßt: Dieses Buch enthält die gesammelten Erfahrungen des großen Meisterdetektivs Kalle Blomquist. Vollzählig. Das ist von unschätzbarem Wert für Euch. Denn ob Ihr nun auf der Suche nach einem verborgenen Schatz seid oder einen exakten Plan ausarbeiten müßt, wie man einen langgesuchten Juwelendieb endlich zur Strecke bringen kann, oder blitzschnell entscheiden müßt, wenn der eigene Blutsbruder plötzlich gekidnappt wird, egal also in welch verzwickte Situation Ihr kommt, Kalle Blomquist, der Meisterdetektiv, wird Euch den richtigen Tip geben.
Und wer weiß, vielleicht spricht man dann eines Tages von Euch als dem großen Meisterdetektiv …
VERLAG FRIEDRICH OETINGER
HAMBURG
Deutsch von Cäcilie Heinig und Karl Kurt Peters
Bilder von Volker Heydorn
»Warum eigentlich? Kann Nicke euch nicht leiden?«
»Nicke weiß doch nicht, daß wir hier sind«, sagte Anders.
»Und er darf es niemals wissen. Nicke ist ein Kidnapper, verstehst du?«
»Sind Kidnapper nicht nett?« fragte Rasmus.
»Nein«, sagte Eva-Lotte.
» Ich finde, sie sind nett«, versicherte Rasmus. »Ich finde, Nicke ist sooo nett. Warum dürfen Kidnapper keine Geheimnisse erfahren?«
»Weil sie das nicht dürfen«, sagte Kalle kurz. »Und du darfst nie eine Weiße Rose werden, wenn du nicht schweigen kannst.«
»Ja, ja, das kann ich«, rief Rasmus eifrig. Er war bereit, bis an das Ende seines Lebens zu schweigen, wenn er eine Weiße Rose werden durfte.
Schwere Schritte kamen auf das Haus zu, und Eva-Lottes Herz schlug vor Schreck einen kleinen Purzelbaum.
»Verschwindet!« flüsterte sie. »Beeilt euch! Nicke kommt.«
Einen Augenblick später drehte sich der Schlüssel im Schloß.
Der Schein einer Taschenlampe erhellte das Zimmer, und Nik-ke fragte mißtrauisch: »Mit wem sprichst du?«
»Dreimal darfst du raten«, sagte Eva-Lotte. »Hier sitzen Rasmus und ich und dann ich und Rasmus. Mit mir selbst pflege ich nicht zu sprechen. Nun rate, mit wem habe ich wohl gesprochen?«
»Aber du bist ein Kidnapper, und Kidnapper dürfen niemals Geheimnisse erfahren«, sagte Rasmus voller Mitleid.
»Nee du, hör du mal«, sagte Nicke und machte einen heftigen, schnellen Schritt auf Rasmus zu. »Fängst du auch schon an, mich Kidnapper zu schimpfen?«
Rasmus nahm Nickes große Hand und sah vertrauensvoll auf in das wütende Gesicht.
»Ja, aber ich finde doch, daß Kidnapper nett sind«, beteuerte er. »Ich finde, du bist sehr, sehr nett, kleiner Nicke!«
Nicke murmelte etwas Unverständliches und wollte gehen.
Da hielt Eva- Lotte ihn zurück. »Ist das Absicht, daß man hier in diesem Hause zu Tode gehungert werden soll?« fragte sie laut. »Warum bekommt man hier kein Nachtessen?«
Nicke drehte sich um und sah Eva-Lotte aufrichtig erstaunt an. »Deine armen Eltern«, sagte er schließlich. »Die müssen ja Millionäre sein, um dich satt zu kriegen.«
Eva-Lotte grinste. »An Appetit fehlt es mir nie«, stellte sie zufrieden fest.
Nicke sagte nichts. Er hob Rasmus von ihrem Knie und trug ihn zur Bank. »Ich glaube, Häschen, du mußt jetzt schlafen«, sagte er.
»Müde bin ich nicht«, versicherte Rasmus. »Ich habe ja den ganzen Tag geschlafen.« Nicke drückte ihn wortlos in das Kissen, das auf der Bank lag. »Willst du mir, bitte, die Füße noch gut einwickeln«, bat Rasmus. »Ich finde es nämlich so unordentlich, wenn die Zehen herausgucken.«
Kichernd und mit einem recht erstaunten Ausdruck im Gesicht tat Nicke, worum er gebeten worden war. Dann stand er da und sah nachdenklich auf Rasmus hinab.
»Du bist mir schon eine nette kleine Ordnung«, sagte er. Der dunkle Kopf des Jungen ruhte auf dem Kissen. Im schwachen Schein der Taschenlampe sah er unwahrscheinlich zart und lieblich aus. Seine Augen waren blank, und sie lachten Nicke freundlich an.
»Oh, wie bist du doch nett, kleiner Nicke«, sagte er, »komm, ich will dich umfassen und drücken. Aber genau so, wie ich Vati immer drücke.« Nicke kam gar nicht dazu, sich zu wehren.
Rasmus legte einfach die Arme um seinen Hals, und dann drückte er Nicke so kräftig, wie seine kleinen fünfjährigen Ärm-chen es erlaubten.
»Tut es weh?« fragte er stolz.
Zuerst konnte Nicke gar nichts sagen. Dann schluckte er, und dann murmelte er undeutlich: »Nee, das tut nicht weh …
Das nicht …«
SIEBTES KAPITEL
Oben auf einem Felsen lag das Häuschen, wo der Ingenieur Peters seinen kostbaren Gast einquartiert hatte. Es lag dort wie ein Adlernest und war nur von einer Seite zugänglich. Die Rückwand schloß mit dem Felsen ab, der ziemlich senkrecht zum Strand abfiel.
»Wir müssen dort hinaufklettern«, sagte Kalle und zeigte mit dem fettigen Zeigefinger zu dem Fenster des Professors hinauf.
»Wenigstens einer von uns.«
Nach seinem Abenteuer in der Schloßruine war Anders nicht besonders darauf aus, an steilen Klippen herumzuklettern, wenn es auch diesmal lange nicht so beängstigend hoch war.
»Können wir nicht den richtigen Weg an der Vorderseite hochschleichen wie normale Sterbliche?« schlug er vor.
»Ja, und genau Nicke oder jemand anders in die Arme laufen.
Niemals!«
»Klettere du«, sagte Anders. »Ich bleibe hier unten und passe auf.«
Kalle bedachte sich keinen Moment. Er leckte das letzte Schinkenfett von den Fingern und begann zu klettern.
Es war inzwischen nicht mehr so dunkel. Die runde Scheibe des Mondes stieg langsam empor. Noch wußte Kalle nicht, ob er dafür dankbar sein sollte. Es war zwar leichter, im Mondschein zu klettern, aber es war auch leichter, den zu sehen, der kletterte. Vielleicht war es besser, dafür dankbar zu sein, daß der Mond schien und sich dann und wann einmal hinter einer ziehenden Wolke versteckte. Kalle atmete ruhig und kletterte. An und für sich war es bestimmt keine besonders gefährliche Berg-steigerangelegenheit, aber der Gedanke, ganz plötzlich vielleicht eine Koppel Kidnapper an den Fersen kleben zu haben, trieb ihm doch den Angstschweiß auf die Stirn.
Vorsichtig tasteten sich seine Füße und Hände vor. Langsam arbeitete er sich empor. Manchmal war es nicht leicht. Es konnte ihm schon einige schwindelnde Augenblicke lang geschehen, daß er gleichsam wie im leeren Nichts schwebte und es schwer hatte, das Feste zu fassen. Aber anscheinend besaßen seine Füße doch die instinktive Begabung, sich zwischen lockerem Gestein, Spalten und Wurzeln zurechtzufinden, und so fand sich immer wieder eine Stelle, an die er sich klammern konnte.
Nur einmal verließ der Instinkt seinen großen Zeh, und er stieß einen Stein ab, der mit großem Getöse die Steilung hinun-terrollte. Kalle war vor lauter Aufregung dicht daran, selbst hin-terherzurollen, aber eine Baumwurzel, die er noch fassen konnte, rettete ihn. Zitternd klammerte er sich an ihr fest und wagte lange Zeit nicht, sich zu rühren.
Anders hörte den Lärm, als der Stein herunterkam. Um ihn nicht auf den Schädel zu bekommen, sprang er blitzschnell zur Seite und murmelte wütend in sich hinein: »Am besten bläst er noch auf der Posaune, damit sie ja sicher hören, daß er kommt!«
Aber anscheinend hatte niemand außer Anders den Krach gehört. Und als Kalle mit klopfendem Herzen noch einige Minuten lang gewartet hatte, ohne daß etwas geschah, ließ er die rettende Wurzel los und kletterte weiter.
In seinem dunklen Zimmer lief der Professor auf und ab wie ein Tier im Käfig. Es war nicht auszuhalten, einfach nicht auszuhalten! Man wurde verrückt davon. Ganz sicher würde er verrückt werden, so verrückt, wie dieser Peters wohl schon lange war. Er war also einem Geistesgestörten ausgeliefert. Er wußte nicht, was man mit Rasmus machte. Er wußte nicht, ob er jemals wieder hier herauskam. Und hier war es so dunkel wie in einer Grabkammer. Tausend Flüche über diesen Peters! Ein Licht hätte er ihm wohl zumindest geben können. – Wenn man diesen Strolch doch nur einmal zwischen die Finger bekommen könnte!
– Ruhig! – Was war das? Der Professor blieb steif stehen. Waren es nur seine aufgepeitschten Nerven, die ihm einen Streich spielten, oder war wirklich etwas da, was an das Fenster klopfte? Aber dieses Fenster, durch dessen Gitter er den ganzen siebenfach verdammten Tag gestarrt hatte, dieses Fenster lag doch über dem Abgrund – dort konnte doch wohl kein Mensch … Himmel, da klopfte es wieder. Es war tatsächlich jemand da!
Mit einem Gefühl, das aus wildem Hoffen und Verzweiflung gemischt war, lief er zum Fenster und öffnete es. Der Bauherr dieses Wochenendhauses mußte wohl eine Vorliebe für Gefängnisgitter gehabt haben – wie hätte er sonst dieses uner-reichbare Fenster vergittern lassen können! Aber wenn es auch vielleicht als skurriler Einfall für ein Wochenendhaus gedacht war, ein starkes Eisengitter blieb es trotzdem.