Die Elfensteine von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Schwert von Shannara #2
- Год: 1986
- Язык: немецкий
- Переводчик: Mechtild Sandberg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfensteine von Shannara». Краткое содержание книги:
»Das ist Genewen«, verkündete er strahlend. Dann lachte er. »Seht ihr? Ich sagte euch, daß wir fliegen können.«
Angesichts des Riesenvogels waren Wil und Amberle eher bereit, die Geschichte zu glauben, die Perk ihnen dann erzählte.
Vor der Zeit von Jerle Shannara und vor dem Ausbruch des Zweiten Krieges der Rassen verließ eine kleine Schar von Elfen — aus Gründen, die nun längst vergessen waren — ihre Heimat und wanderte nach Süden, um sich am Fuß des Irrybis-Gebirges in einem rauhen, unerforschten Gebiet bergigen Waldlands anzusiedeln, das an ein großes Wasser grenzte, den Rassen als blaue Scheide bekannt. Diese Elfen waren Perks Vorfahren. Im Lauf der Jahre wurden sie zu Jägern und Fischern, die westlich vom Myrian-See in kleinen Dörfern an der steilen Felsküste der blauen Scheide hausten. Die Elfen entdeckten schon bald, daß sie diese Felsen mit einer Familie riesiger Vögel teilten, die in den Höhlen über den Wassern der blauen Scheide ihre Nester bauten.
Nach einem legendären Vogel der alten Welt nannten sie diese Vögel Rocks. Die Rocks und die Elfen wahrten zunächst tunlichst Abstand voneinander, doch mit der Zeit erkannten die Elfen, daß die Riesenvögel ihnen von großem Nutzen sein konnten, wenn es möglich war, sie zum Tragen und Befördern von Lasten abzurichten. Die Elfen waren einfallsreiche und resolute Leute und machten sich sogleich daran, dieses Ziel zu verwirklichen. Nach zahlreichen Fehlschlägen entdeckten sie tatsächlich einen Weg, mit den Vögeln Kontakt aufzunehmen und sich mit ihnen zu verständigen, und das führte dazu, daß zunächst einige der jungen Vögel ins Geschirr genommen wurden. Nach einiger Zeit der Erfahrung schafften es die Elfen schließlich, sich zu Herren der ganzen Vogelsippe zu machen. Die Rocks wurden zu Reittieren der Elfen, die jetzt ihre Jagd- und Fischgründe weiter ausdehnen konnten. Die Vögel wurden aber auch zu starken Beschützern ihrer Herren, indem man sie darauf abrichtete, mit den Feinden der kleinen Gemeinde zu kämpfen. Die Elfen ihrerseits verteidigten die Rocks gegen andere Tiere, die etwa die Brutstätten überfallen oder in ihre Futtergebiete einfallen wollten. Sie machten es sich zur Aufgabe, für die Vögel zu sorgen, sie bei Krankheit und Verletzung zu behandeln und zu heilen, sich stets um ihr Wohlbefinden zu kümmern. Im Lauf der Jahre wurde das Band zwischen Elf und Vogel immer fester. Das Land, in dem sie gemeinsam lebten, nannten sie Rockshort. Es war klein und abgeschieden, in einer Wildnis gelegen, die nur dünn besiedelt war und selten von Reisenden aufgesucht wurde. Jede Verbindung zwischen Rockshort und den größeren Elfengemeinden nördlich vom Wildewald war längst abgebrochen. Die Elfen im Rockshort hatten ihre eigene Regierung gebildet, und wenn sie auch die Souveränität des Elfenkönigs in Arborlon über die Mehrheit der Westland-Elfen anerkannten, so betrachteten sie sich doch als ein selbständiges Volk. Sie nannten sich selbst die Luftelfen und die übrigen Westland-Elfen die Landelfen.
Perk war Sohn und Enkel von Himmelsreitern. Himmelsreiter waren jene Männer, die die gewaltigen Rocks abrichteten, ritten, und die für die Ernährung und für die Verteidigung der im Rockshort lebenden Elfen undVögel zuständig waren. Es gab noch andere Ämter, die den Männern und Frauen vom Rockshort übertragen wurden, doch das des Himmelsreiters war das am meisten begehrte. Nur der Himmelsreiter konnte dem Rock befehlen. Nur er durfte fliegen, die Himmelsbahnen von einem Zipfel des Landes bis zum anderen durchreiten. Der Himmelsreiter war ein Mann, der Vertrauen und Ehre genoß, der sein Leben in den Dienst seiner Mitbürger stellte, der stets als ein Symbol ihrer Lebensweise gelten würde.
Perk befand sich im zweiten Jahr seiner Ausbildung als Himmelsreiter. Die, denen dieses Amt einmal übertragen werden sollte, wurden früh ausgewählt, und die Ausbildung dauerte dann bis zu dem Tag, an dem der Junge das Mannesalter erreichte. Häufig war die Wahl schon vorbestimmt, wie im Fall von Perk, von dem erwartet wurde, daß er in die Fußstapfen seines Vaters und seines Großvaters treten würde, die beide Himmelsreiter waren. Genewen war der Vogel seines Großvaters, doch dieser war zu alt, um noch regelmäßig im Dienste des Rockshort zu fliegen. Wenn Perk das Mannesalter erreichte, würde Genewen in seinen Besitz übergehen. Die Rocks wurden sehr alt, lebten im allgemeinen vier-, in seltenen Fällen fünfmal so lang wie die Elfen. Ein Rock konnte also im Lauf seines Lebens mehreren Herren dienen. Genewen war zuerst von Perks Großvater in Dienst genommen worden, doch wenn ihre Gesundheit erhalten blieb, würde sie eines Tages Perks Sohn dienen, vielleicht auch seinem Enkel.
Im Augenblick jedoch diente sie Perk, der unter der Aufsicht seinesGroßvaters zum Himmelsreiter ausgebildet wurde. Ein Übungsflug hatte den Elfenjungen ins Steinkamm-Gebirge und zu dieser Begegnung mit Wil und Amberle geführt. Im Rahmen seiner Ausbildung zum Himmelsreiter mußte er vom Rockshort aus immer längere Flüge unternehmen. Und bei jedem Flug hatte er ganz bestimmte Aufgaben zu erfüllen, mußte ganz bestimmte Vorschriften befolgen. Diesmal sollte er dem Rockshort sieben Tage fernbleiben, wobei man ihm nur einen schmalen Proviant an Brot und Käse und einen Kanister Wasser mitgegeben hatte. Was er sonst noch brauchte, um seinen Hunger zu stillen, mußte er sich selbst beschaffen. Er hatte den Auftrag, bestimmte Teile des Gebirgslandes rund um den Wildewald zu erforschen und bei seiner Rückkehr genau zu beschreiben. Der Wildewald selbst war ihm verboten, wie allen, die sich noch in der Ausbildung befanden. Er durfte in dem Land, das an den Wildewald angrenzte, landen, nicht aber in dem Gebiet selbst. Und er war gehalten, allen Kontakt mit seinen Bewohnern zu vermeiden.
Die Anweisungen waren klar und deutlich, und Perk stellte sie nicht in Frage. Am Morgen seines zweiten Tages jedoch entdeckte er, während er am Ostrand des Steinkamms entlang nach Süden flog, Wil und Amberle, zwei vermummte Gestalten, die im Schutz einer Gruppe von Fichten unter ihm schliefen. Er schwang sich herab, um die beiden näher in Augenschein zu nehmen, und sogleich war seine Neugier geweckt. Wer waren diese Wanderer, Elfen wie er selbst, ein junger Mann und ein junges Mädchen, ganz offensichtlich aus einem anderen Teil des Landes? Was taten sie so schlecht ausgerüstet in diesem rauhen Land? Esbedurfte nur kurzer Überlegung, dann war sein Entschluß gefaßt. Er hatte Anweisung, jeden Kontakt mit den Bewohnern des Wildewalds zu vermeiden, hinsichtlich eventueller Kontakte mit anderen jedoch war ihm nichts gesagt worden — ein Versehen seines Großvaters vielleicht, aber auf jeden Fall eine Tatsache. Obwohl Perk durch die hohen Anforderungen seiner Ausbildung Bedachtsamkeit und Vorsicht gelernt hatte, war er dennoch ein Junge mit eben der Abenteuerlust eines Jungen. Sein Großvater hatte die Tür angelehnt gelassen, da war es nur natürlich, daß er sie jetzt ganz aufstoßen wollte. Er wollte gehorsam sein, aber er war auch wißbegierig. Und manchmal mußte eben der Gehorsam vor der Wißbegierde weichen.
Und dies war eine solche Gelegenheit — zum Glück für Wil und Amberle.
Nachdem Perk zum Ende gekommen war, beantwortete er geduldig die Fragen der beiden. Doch seine Ungeduld, das neue Abenteuer anzugehen, gewann schließlich die Oberhand. Mit erwartungsfrohem Blick fragte er seine neuen Freunde, ob sie zum Abflug bereit seien. Genewen war zwar nicht daran gewöhnt, mehr als einen Reiter zu tragen, doch sie konnte es leicht schaffen. Sie würde sie im Nu über die Bergkette des Steinkamms hinwegtragen.