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Unendlichkeit [Revelation Space - de]

Электронная книга - «Unendlichkeit [Revelation Space - de]». Краткое содержание книги:

Vor Urzeiten lebte auf dem Planeten Resurgam das Volk der Amarantin. An der Schwelle zum Raumfahrtzeitalter jedoch wurde ihre blühende Kultur durch eine kosmische Katastrophe völlig vernichtet und so daran gehindert, in den Weltraum vorzudringen. Ein unglückliches Zusammenspiel physikalischer Gesetze? Oder alles andere als ein Zufall? Eine Millionen Jahre später will sich die Menschheit auf Resurgam ansiedeln. Die Kolonisten stoßen dort auf das Vermächtnis des außerirdischen Volkes: eine verschüttete Stadt und die riesige Statue eines geflügelten Amarantin. Es ist eine archäologische Sensation, und ihrem Entdecker, dem genialen Wissenschaftler Dan Sylveste, ist großer Ruhm gewiss. Sylveste aber bedeuten die Funde noch viel mehr: Er will die Wahrheit über das Schicksal der Amarantin herausfinden und ist bereit, dafür nicht nur sein eigenes, sondern auch das Leben anderer aufs Spiel zu setzen. Gemeinsam mit einer Gruppe von Cyborgs und ausgestattet mit einem Waffenarsenal, das ein ganzes Sonnensystem vernichten könnte, beginnt er seine Nachforschungen. Bald schon muss er allerdings erkennen, dass jemand — oder etwas — mit allen Mitteln verhindern will, dass er erfährt, was tatsächlich mit den Amarantin geschah…
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»Ich frage mich«, sagte Khouri, »was das Geschütz eigentlich vorhat, wenn es erst draußen ist. Gibt es irgendetwas in seiner Reichweite?«

»Resurgam wäre denkbar.« Volyova blickte von ihrem Armband auf. »Aber vielleicht bekommt es ja gar keine Chance mehr.«

Diesen Augenblick wählte die Mademoiselle, um zu manifestieren. Irgendwie gelang es ihr, sich in den Fahrstuhl zu drängen, ohne Khouri und dem Triumvir den Platz streitig zu machen. »Sie irrt sich. Es wird nicht funktionieren. Ich habe nicht nur das Geschütz unter meiner Kontrolle.«

»Sie geben es also zu?«

»Wozu sollte ich es abstreiten?« Die Mademoiselle lächelte stolz. »Sie erinnern sich, dass ich einen Avatar von mir in den Feuerleitstand heruntergeladen hatte? Nun, dieser Avatar kontrolliert jetzt den Geschützstand. Nichts, was ich tue, kann ihn oder vielmehr sie beeinflussen. Sie ist für mich ebenso unerreichbar wie ich für mein ursprüngliches Ich auf Yellowstone.«

Der Fahrstuhl wurde langsamer. Volyova war ganz in die komplexen kleinen Anzeigen vertieft, die über ihr Armband huschten. Auf einer Schemazeichnung war das Shuttle zu sehen. Es glitt am Rumpf des Lichtschiffes entlang wie ein winziger Schildfisch an der glatten Flanke eines sich sonnenden Haies.

»Aber Sie haben ihr die Befehle gegeben«, sagte Khouri. »Sie wissen verdammt genau, was sie vorhat, oder etwa nicht?«

»Oh, die Befehle waren ganz einfach. Wenn sie eine Möglichkeit fände, über den Leitstand auf Systeme zuzugreifen, mit denen sich der Abschluss der Mission beschleunigen ließe, sollte sie nichts unversucht lassen, um dieses Ziel zu erreichen.«

Khouri schüttelte entsetzt und ungläubig den Kopf.

»Ich dachte, ich sollte Sylveste töten.«

»Vielleicht lässt sich das mit dieser Waffe schneller erledigen, als ich dachte.«

»Nein«, sagte Khouri, nachdem sie die Bemerkung der Mademoiselle in ihrer vollen Tragweite erfasst hatte. »Sie würden nicht einen ganzen Planeten auslöschen, nur um einen Menschen zu töten.«

»Wir haben doch nicht plötzlich unser Gewissen entdeckt?« Die Mademoiselle schüttelte den Kopf und kräuselte spöttisch die Lippen. »Sie hatten Sylvestes wegen keinerlei Skrupel. Warum sollte Sie dann der Tod der anderen so sehr belasten? Oder ist es einfach eine Frage der Größenordnung?«

»Es ist einfach…« Khouri zögerte, denn sie wusste, dass ihr Einwand die Mademoiselle nicht beeindrucken würde. »Unmenschlich. Aber ich erwarte nicht, dass Sie das verstehen.«

Der Fahrstuhl hielt an, die Tür ging auf. Vor ihnen lag, halb überflutet, der Zugang zum Feuerleitstand. Khouri musste sich erst orientieren. Seit sie den Fahrstuhl bestiegen hatten, litt sie unter mörderischen Kopfschmerzen. Jetzt ließen sie allmählich nach, aber sie wollte lieber nicht darüber nachdenken, wodurch sie ausgelöst worden waren.

»Rasch«, sagte Volyova und eilte hinaus.

»Sie können nicht begreifen«, sagte die Mademoiselle, »warum ich es auf mich nehmen würde, eine ganze Kolonie zu zerstören, um den Tod eines einzigen Mannes sicherzustellen.«

Khouri folgte Volyova. Das Wasser reichte ihr bis an die Knie.

»Ganz recht, das begreife ich nicht. Aber ich würde in jedem Fall versuchen, Sie daran zu hindern, auch wenn mir die Gründe bekannt wären.«

»Nicht, wenn Sie alles wüssten, Khouri. Dann würden Sie mich sogar noch anfeuern.«

»Dann ist es Ihre eigene Schuld, wenn Sie mich nicht aufklären.«

Sie zwängten sich durch abgedichtete Schotts. Jedes Mal, wenn sich der Wasserspiegel egalisierte, wurden tote Pförtnerratten aus den Ritzen geschwemmt, in die sie sich zum Sterben verkrochen hatten, und trieben vorbei.

»Wo ist das Shuttle?«, rief Khouri.

»Es parkt drüben am Außenschott«, sagte Volyova. Dann drehte sie sich um und sah Khouri fest an. »Das Geschütz ist noch nicht aufgetaucht.«

»Heißt das, wir haben gewonnen?«

»Es heißt, wir haben noch nicht verloren. Ich will Sie immer noch im Leitstand haben.«

Die Mademoiselle war verschwunden, aber ihre körperlose Stimme hing immer noch seltsam dumpf in dem engen Gang.

»Es nützt Ihnen nichts. Im Feuerleitstand gibt es kein System, das ich nicht übersteuern kann. Sie könnten nichts ausrichten.«

»Warum geben Sie sich dann so offensichtlich Mühe, mich zurückzuhalten?«

Die Mademoiselle antwortete nicht.

Zwei Schotts weiter erreichten sie die Deckenluke, die zum Leitstand führte. Sie waren inzwischen in Laufschritt gefallen, und so dauerte es eine Weile, bis das Wasser nicht mehr an den schrägen Korridorseiten emporschwappte.

Als es sich vollends beruhigt hatte, runzelte Volyova die Stirn.

»Da stimmt etwas nicht«, sagte sie.

»Was?«

»Hören Sie nicht? Da ist ein Geräusch.« Sie legte den Kopf in den Nacken. »Scheint direkt aus dem Feuerleitstand zu kommen.«

Jetzt hörte es auch Khouri. Ein schrilles metallisches Kreischen wie von einem durchdrehenden antiken Antriebsmotor.

»Was ist das?«

»Ich weiß es nicht.« Volyova hielt inne. »Jedenfalls hoffe ich, dass ich es nicht weiß. Gehen wir rein.«

Volyova streckte sich und zog an der Klappe der Deckenluke, bis sie sich öffnen ließ. Eingetrockneter Schiffsschleim löste sich von den Dichtungen und regnete ihnen auf die Schultern. Die Metall-Leiter wurde ausgefahren, das Kreischen wurde lauter. Es kam eindeutig aus dem Feuerleitstand. Die helle Innenbeleuchtung war eingeschaltet, aber sie flackerte, als ob sich da oben etwas bewegte und die Lichtbahnen durchbräche. Was immer es war, es war auch noch schnell.

»Ilia«, sagte Khouri. »Das ist mir nicht geheuer.«

»Willkommen im Club.«

Volyovas Armband meldete sich und sie beugte sich darüber. Im gleichen Augenblick durchlief ein gewaltiges Zittern das ganze Schiff. Die beiden Frauen wurden gegen die glitschigen Seitenwände geschleudert und fielen ins Wasser. Bevor Khouri sich aufrappeln konnte, zog ihr eine kleine Flutwelle aus zähflüssigem Schlamm die Beine weg. Sie stürzte aufs Deck. Etwas von dem Schleim geriet ihr in den Mund. Seit ihrer Militärzeit hatte sie nichts mehr gegessen, was so sehr nach Scheiße schmeckte. Volyova packte sie an den Ellbogen und zog sie hoch. Khouri würgte und spuckte den Schlamm aus, aber der abscheuliche Geschmack blieb.

Volyovas Armband schrillte jetzt ununterbrochen.

»Was zur Hölle…?«

»Das Shuttle«, sagte Volyova. »Wir haben es eben verloren.«

»Was?«

»Ich meine, es wurde gesprengt.« Volyova hustete. Ihr Gesicht war nass. Sie musste selbst einen ordentlichen Schluck von dem Zeug erwischt haben. »Soweit ich feststellen kann, brauchte das Geschütz dazu nicht einmal bis nach draußen zu fahren. Kleinere Waffen haben ihm die Arbeit abgenommen — sie haben das Shuttle angegriffen.«

Von oben aus dem Leitstand drangen Furcht erregende Geräusche.

»Und da soll ich jetzt hinauf?«

Volyova nickte. »Wir müssen Sie in den Kampfsitz kriegen, das ist im Moment unsere letzte Chance. Aber keine Sorge. Ich bin dicht hinter ihnen.«

»Hören Sie sich das an«, meldete sich plötzlich die Mademoiselle. »Sie hat keine Hemmungen, Sie vorzuschicken, obwohl sie selbst den Mumm dazu nicht hat.«

»Oder die Implantate«, schrie Khouri laut.

»Wie bitte?«, fragte Volyova.

»Nichts.« Khouri setzte den Fuß auf die unterste Leitersprosse. »Ich sage nur einer alten Freundin, sie kann mich mal.« Sie rutschte von dem schleimverklebten Metalltritt ab. Beim nächsten Versuch fand sie einigermaßen Halt und zog den zweiten Fuß nach. Nun befand sie sich mit dem Kopf in dem kleinen Schacht, der nicht mehr als zwei Meter über ihnen in den Leitstand mündete.

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