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Электронная книга - «Die Klinik». Краткое содержание книги:

Boston, Suffolk General Hospital: Hier praktizieren Adam Silverstone, der vielversprechende Operateur und Wissenschaftler, Rafael Meomartino, ein kubanischer Aristokrat und ehemaliger Playboy, und der Farbige Spurgeon Robinson. Sie alle unterliegen der unerbittlichen Aufsicht von Dr. Longwood. Eines Tages pflanzt Meomartino einem jungen Mädchen eine Niere ein und gibt sie in die Obhut von Silverstone. Alles verläuft gut, aber dann stirbt das Mädchen über Nacht. Dr. Longwood wittert einen Kunstfehler und sucht einen Schuldigen ...
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RAFAEL MEOMARTINO

Meomartino kam an diesem Abend nach Hause, als Hunt-ley eben Brinkley im Fernsehen Gute Nacht sagte. Liz lag in einem Hauskleid auf der Couch im Wohnzimmer, die Schuhe auf dem Boden, das Haar nur ganz leicht in Unordnung, und ihre Müdigkeit betonte die zarten Linien um ihre Augen. Sie drehte den Kopf herum und bot ihm die Wange zum Kuß. »Wie war es heute?«

»Schrecklich«, sagte er. »Wo ist der Junge?«

»Im Bett.«

»So früh?«

»Weck ihn nicht. Er ist total erschöpft, und ich auch.«

»Pappi?« rief Miguel aus seinem Zimmer.

Er ging hinein und setzte sich auf das Bett. »Wie geht's?«

»Gut«, sagte der Junge; er fürchtete sich im Dunkeln, und sie ließen eine Lampe mit einer schwachen Birne auf dem Schreibtisch brennen.

»Kannst du nicht einschlafen?«

»Nein«, sagte er. Als Rafe die Hand des Kindes unter der Decke hervorholte, sah er, daß sie schmutzig war.

»Hast du nicht gebadet?«

Miguel schüttelte den Kopf. Rafe ging ins Badezimmer, ließ eine Wanne mit warmem Wasser vollaufen und trug dann den Jungen aus dem Bett ins Bad, zog ihn aus und wusch ihn sehr behutsam. Gewöhnlich schlug Miguel um sich und plantschte, jetzt aber war er schläfrig und lag still. Er begann schneller zu wachsen, als sein Fleisch nachkommen konnte. Seine Hüftknochen standen vor, seine Arme und Beine waren dünn.

»Du wirst ein sehr großer Mann werden«, sagte Rafe.

»Wie du.«

Rafe nickte. Er rieb ihn mit einem Tuch ab, zog ihm einen frischen Pyjama an und trug ihn ins Schlafzimmer zurück.

»Mach ein Zelt«, bat Miguel.

Er zögerte, denn er war müde und hungrig.

»Bitte«, sagte der Junge.

Also ging er in sein Arbeitszimmer und kam mit einer Ladung Bücher zurück, nahm eine Decke vom Bett, breitete sie zwischen Bett und Schreibtisch aus und beschwerte jede Ecke des Tuchs mit vier, fünf Büchern. Dann löschte er das Licht, und er und sein Sohn krochen in das Zelt. Der Acrylteppich war weicher als ein Rasen. Der kleine Junge schmiegte sich an ihn und umfing ihn mit den Armen.

»Erzähl mir über den Regen. Du weißt schon.«

»Draußen regnet es sehr stark. Alles ist kalt und naß«, sagte Rafe gehorsam.

»Was noch?« Der Bub gähnte.

»Im Wald zittern die kleinen Tiere vor Kälte und vergraben sich im Laub und in der Erde, damit ihnen warm wird. Die Vögel haben die Köpfe unter ihre Flügel gesteckt.«

»Aber ist uns kalt und sind wir naß?«

»Nein«, murmelte der Junge.

»Warum nicht?«

»Ein Zelt.«

»Ganz richtig.« Er küßte die Wange, die noch immer babyweich war, und berührte seinen Sohn sanft zwischen den dünnen Schulterblättern, halb tätschelnd, halb streichelnd.

Nach einer Weile verriet ihm das ruhige gleichmäßige Atmen, daß das Kind schlief. Vorsichtig machte er sich frei, kroch dann hinaus, nahm das Zelt auseinander und brachte Miguel wieder in sein Bett.

Im Wohnzimmer lag Liz noch immer auf der Couch.

»Das hättest du nicht tun müssen«, sagte sie.

»Was?«

»Ihn baden. Ich hätte ihn in der Früh gebadet.«

»Es macht mir nichts aus, ihn zu baden.«

»Er wird nicht vernachlässigt. Ich habe viele Fehler, aber ich bin eine gute Mutter.«

»Was gibt's zum Abendessen?« fragte er.

»Ich hab' eine casserole. Ich brauche nur den Herd anzudrehen, um sie zu wärmen.«

»Bleib' nur«, sagte er. »Ich mach' schon.«

Während er wartete, daß das Essen warm wurde, dachte er, ein Drink würde sie beide erfrischen. Er suchte in einem Küchenschrank nach dem Kräuterlikör, als er die Beefeater-Flasche hinter einer runden Hafermehlschachtel erblickte. Sie war noch immer kalt, als er sie berührte, und war sichtlich bis knapp vor seiner Heimkehr im Eisschrank gestanden.

Es wird Zeit, dachte er, daß du diesen Dingen ins Auge blicken mußt.

Er stellte die Flasche auf ein Tablett mit zwei Gläsern und trug sie in das Wohnzimmer.

»Martini?«

Sie sah die Flasche an, sagte aber nichts. Er goß den Drink ein und reichte ihn ihr.

Sie schlürfte. »Er müßte kälter sein«, sagte sie. »Aber sonst hätte selbst ich keinen besseren mixen können.«

»Liz«, sagte er, »warum das Theater? Du willst untertags trinken? Dann trinke. Du brauchst die Flaschen nicht vor mir zu verstecken.«

»Halte mich«, sagte sie nach einem Augenblick. »Bitte.«

Er legte sich neben sie und hielt sie in den Armen, während er auf dem Rand des schmalen Sofas balancierte.

»Warum hast du getrunken?«

Sie lehnte sich zurück und sah ihn an. »Es hilft«, sagte sie.

»Wogegen?«

»Ich habe Angst.«

»Warum?«

»Du brauchst mich nicht mehr.«

»Liz -«

»Es ist wahr. Als ich dich kennenlernte, hast du mich schrecklich gebraucht. Jetzt bist du stark. Selbstständig.«

»Muß ich schwach sein, um dich zu brauchen?«

»Ja«, sagte sie. »Ich werde es verderben, Rafe. Ich weiß es. Ich tue es immer.«

»Unsinn, Liz. Siehst du nicht, wie dumm das ist?«

»Vor unserer Ehe kam es nie wirklich darauf an. Nachdem ich es mit Bookstein verpfuscht hatte und wir geschieden waren, war ich tatsächlich glücklicher. Aber ich kann den Gedanken nicht ertragen, es wieder zu verpfuschen.«

»Wir werden nichts verpfuschen«, sagte er hilflos.

»Wenn du daheim bist, ist alles in Ordnung. Aber das verdammte Krankenhaus nimmt dich alle sechsunddreißig Stunden wieder weg. Wenn du nächstes Jahr in die Praxis gehst, wird es noch schlimmer werden.«

Er zog ihre Lippen mit dem Finger nach, aber sie wandte den Kopf ab. »Wenn du mit dem Krankenhaus ins Bett gehen könntest, würde ich dich überhaupt nie sehen«, sagte sie.

»Nächstes Jahr wird es besser sein«, sagte er. »Nicht schlimmer. Ich verspreche es dir.«

»Nein«, sagte sie. »Wenn ich mich an Tante Frances erinnere, dann sehe ich sie vor mir, wie sie auf meinen Onkel wartete. Sie sah ihn fast nie. Er verkaufte seine Praxis und ging erst, nachdem sie gestorben war, ins Krankenhaus arbeiten. Als es zu spät war.«

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