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Электронная книга - «Die Klinik». Краткое содержание книги:

Boston, Suffolk General Hospital: Hier praktizieren Adam Silverstone, der vielversprechende Operateur und Wissenschaftler, Rafael Meomartino, ein kubanischer Aristokrat und ehemaliger Playboy, und der Farbige Spurgeon Robinson. Sie alle unterliegen der unerbittlichen Aufsicht von Dr. Longwood. Eines Tages pflanzt Meomartino einem jungen Mädchen eine Niere ein und gibt sie in die Obhut von Silverstone. Alles verläuft gut, aber dann stirbt das Mädchen über Nacht. Dr. Longwood wittert einen Kunstfehler und sucht einen Schuldigen ...
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Am schlimmsten waren die Nächte, die er an dem Blutwäscheapparat verbrachte, festgehalten von Nadelfingern, während sich die Glasrohre hellrot färbten, ihm wie ein Vampir das Blut aussaugten, und er dalag, lange Stunden an das Bett gefesselt, Gefangener einer Maschine, die ihm Leben spendete.

Sie machte keinen Lärm, aber sie plätscherte leise. Er wußte, daß es ein lebloses Produkt der menschlichen Be-gabung für Mechanik war, dennoch kam ihm mitunter das Plätschern wie ein leises spöttisches Lachen vor.

Wenn er befreit wurde, entfloh er ihr erleichtert und ging in die Stadt wie ein Seemann auf Urlaub, nahm einen Drink im Ritz-Carlton, aß bei Locke-Ober, wo er oft seine Diätregeln mit dem Gefühl durchbrach, daß ihm die Kochsalzbeschränkung buchstäblich etwas vom Salz des Lebens raubte. Regelmäßig bestellte er nach dem Essen reichlich Brandy. Er war nie knausrig gewesen, jetzt aber erstaunte er Louie, den Kellner, der ihn seit dreißig Jahren bediente, mit verschwenderischen Trinkgeldern.

Besessen von dem Wunsch, das Buch fertigzuschreiben, arbeitete er jede Nacht; er schrieb so schnell er nur konnte und beobachtete sich mit der Distanz eines Fremden, der einem Pferderennen zusieht und ironisch amüsiert fragt, wer wohl gewinnen würde.

Ein-, zweimal ließ Elizabeth den kleinen Jungen bei ihm in der Wohnung, und Longwood spielte mit seinem Großneffen auf dem Boden, während die Sonne durch das Fenster strömte, und er sich in seiner Schwäche mit dem Jungen gleichaltrig fühlte, sich zufrieden gab, die Spielzeugautos, die Miguel mitgebracht hatte, herumzurollen; das blaue wurde von der kleinen dicken Hand und das rote von den langen knochigen Fingern geschoben, die noch vor kurzem chirurgische Instrumente gehalten hatten, um den Teppich herum, zwischen den Sesselbeinen hindurch und unter dem Speisezimmertisch. Manchmal nahm er nachmittags den Jungen auf wirkliche Fahrten in einem wirklichen Auto mit, gewöhnlich auf kurze Ausflüge, aber eines Nachmittags befand er sich auf der Route 128, hielt das Gaspedal niedergedrückt, die Tachometernadel rückte immer höher und höher, und der Wagen jagte über die Straße.

»Du fährst zu schnell, Lieber«, sagte Frances milde.

»Ich weiß«, sagte er grinsend.

Dann hörte er, wie er glaubte, einen Krankenwagen, und als er seinen Irrtum erkannte, hatte der Verkehrspolizist bereits sein Motorrad neben ihm angehalten, und er fuhr den Wagen an den Straßenrand.

Der Polizist sah sein graues Haar, und dann die Nummerntafel des Arztes am Wagen. »Ein Notfall, Doktor?«

»Ja«, sagte er.

»Soll ich Sie begleiten?«

»Nein, danke«, sagte er, und der Polizist nickte, salutierte und fuhr weg.

Als Longwood wieder nach Frances blickte, war sie verschwunden, bevor er sie hatte fragen können, was er wegen Elizabeth tun solle, und der kleine Junge schlief auf dem Vordersitz, eingerollt wie ein Kätzchen. Longwood begann zu zittern, zwang sich jedoch, weiterzufahren, kehrte mit dreißig Stundenkilometer nach Cambridge zurück, und hielt sich dicht an der rechten Straßenseite.

Er nahm den Jungen nie wieder auf eine Fahrt in dem wirklichen Auto mit.

Die Kanülen eiterten in seinem Fleisch. Man versetzte die Anschlußstücke mehrmals, bis die kleinen Einschnittnarben ein Muster auf seinem Bein bildeten. In seinem Organismus hatten sich Toxine angesammelt, und eines Nachmittags begann sein ganzer Körper zu jucken. Er kratzte sich, bis er blutete, und dann lag er im Bett und wand sich, und Tränen strömten ihm über das Gesicht.

Am Abend ging er zur Blutwäsche ins Krankenhaus, und als sie die Kratzspuren sahen, verschrieben sie ihm Bena-dryl und Stelazin, und Dr. Kender sagte ihm, daß er statt zweimal wöchentlich nunmehr dreimal an die Maschine müsse. Sie gaben ihm Montag, Mittwoch und Freitag neun Uhr früh als Termine, statt wie bisher Dienstag und Donnerstag abend. Das bedeutete, daß er, selbst wenn er sich an jenen Tagen wohlfühlte, nicht zur Arbeit ins Krankenhaus kommen konnte. Er rief noch immer jeden Abend Silverstone oder Meomartino an, um einen Bericht über die Station zu erhalten, stellte jedoch die Visiten ein.

Gelegentlich, wenn er allein war, weinte er. Einmal blickte er auf und sah Frances neben seinem Bett sitzen.

»Kannst du mir nicht helfen?« fragte er sie.

Sie lächelte ihn an. »Du mußt dir selbst helfen, Harland«, sagte sie.

»Was hätten wir für diesen Mann tun können, meine Herren?« fragte er das Todeskomitee.

Aber niemand antwortete.

Er versuchte nicht mehr in die Appleton-Kapelle oder eine andere Kirche zu gehen, aber eines Nachts, als er dasaß und an dem Buch arbeitete, erfüllte ihn plötzlich eine neue Gewißheit: er würde es beenden. Dieses Wissen war sehr stark. Es überfiel ihn nicht in einem Ausbruch farbiger Lichter oder aufklingender Musik, wie solche Augenblicke immer in schlechten Fernsehsendungen am Oster-morgen geschildert wurden. Es war einfach ein ruhiges, kraftvolles Versprechen.

»Danke, Herr«, sagte er.

Am nächsten Morgen ging er, bevor er sich an der Maschine meldete, in Mrs. Bergstroms Zimmer und stand an ihrem Bett. Sie schien zu schlafen, aber nach einigen Augenblicken öffnete sie die Augen.

»Wie fühlen Sie sich?« fragte er.

Sie lächelte. »Nicht sehr gut. Und Sie?« »Sie wissen von mir?« fragte er interessiert.

Sie nickte. »Wir sitzen im selben Boot. Sie sind der Doktor, der krank ist, nicht?«

Also wußten es sogar die Patienten. Es gehörte zu jenen Neuigkeiten, die sich in einem Krankenhaus schnell verbreiten.

»Kann ich irgend etwas für Sie tun?« fragte er.

Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Dr. Kender und seine Leute kümmern sich um alles. Machen Sie sich keine Sorgen. Sie werden sich auch um Sie kümmern.«

»Ja, bestimmt«, sagte er.

»Sie sind wunderbar. Es ist gut, jemanden zu haben, dem man vertrauen kann.«

»Ja, wirklich«, sagte er.

Kender kam herein und sagte ihm, daß sie warteten, um ihn an den Apparat anzuschließen. Sie verließen zusammen das Zimmer, und auf dem Gang wandte sich Longwood an den jüngeren Mann. »Sie hat ein unglaubliches Vertrauen zu Ihnen. Sie glaubt, Sie seien unfehlbar.«

»Das kommt vor und ist kein Nachteil. Es hilft uns«, sagte Kender.

»Aber es ist natürlich ein Nachteil, daß ich mir Ihrer Grenzen bewußt bin«, sagte er.

Longwood legte sich nieder und ließ sich von der Schwester an die Maschine anschließen. Im nächsten Augenblick begann der Apparat spöttisch zu plätschern. Er legte sich zurück und schloß die Augen. Vorsichtig am Ausschlag kratzend, begann er von Anfang an Gott alles zu erzählen.

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