Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne)
- Автор: Достоевский Федор Михайлович
- Язык: немецкий
- Переводчик: Richard Hoffmann
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Verbrechen und Strafe (Schuld und Sühne)». Краткое содержание книги:
»Nun, wenn es ein Ding ist, so ist es gut! Ich habe schon selbst geglaubt ...« murmelte Sossimow, sich vom Sofa erhebend. »Es ist für mich aber Zeit; ich werde vielleicht noch vorbeikommen ... Wenn ich Sie noch antreffe ...«
Er verabschiedete sich und ging.
»Was für ein prächtiger Mensch!« bemerkte Pulcheria Alexandrowna.
»Ja, ein prächtiger, ausgezeichneter, gebildeter, kluger Mensch ...« begann plötzlich Raskolnikow mit einer unerwarteten Hast und einer bisher ungewohnten Lebhaftigkeit. »Ich weiß nicht mehr, wo ich ihn vor meiner Erkrankung getroffen habe ... Ich glaube, ich bin mit ihm schon irgendwo zusammengekommen ... Auch er ist ein guter Mensch!« sagte er, mit dem Kopfe auf Rasumichin weisend. »Gefällt er dir, Dunja?« fragte er und fing plötzlich aus unbekanntem Grunde zu lachen an.
»Sehr«, antwortete Dunja.
»Pfui, was bist du für ein ... Schwein!« sagte Rasumichin furchtbar verlegen und errötend und erhob sich von seinem Stuhl.
Pulcheria Alexandrowna lächelte leise, und Raskolnikow lachte laut auf.
»Wo willst du denn hin?«
»Auch ich ... muß gehen.«
»Du mußt gar nicht, bleib nur da! Da Sossimow fortgegangen ist, mußt du auch gehen. Geh nicht weg ... Wie spät ist es denn? Ist es schon zwölf? Was hast du für eine nette Uhr, Dunja! Was schweigt ihr schon wieder? Bloß ich allein rede immer! ...«
»Es ist ein Geschenk von Marfa Petrowna«, antwortete Dunja.
»Ein wertvolles Stück«, fügte Pulcheria Alexandrowna hinzu.
»Aber so groß, fast keine Damenuhr.«
»Ich liebe gerade solche Uhren«, sagte Dunja.
– Es ist also kein Geschenk vom Bräutigam – dachte Rasumichin und wurde, er wußte selbst nicht warum, froh darüber.
»Und ich glaubte, es sei ein Geschenk von Luschin«, bemerkte Raskolnikow.
»Nein, der hat Dunjetschka noch nichts geschenkt.«
»So, so! Wissen Sie noch, Mamachen, wie ich mal verliebt war und heiraten wollte?« sagte er plötzlich mit einem Blick auf die Mutter, die über die unerwartete Wendung und den Ton, mit dem er das sagte, erstaunt war.
»Gewiß, mein Freund!«
Pulcheria Alexandrowna wechselte mit Dunjetschka und Rasumichin Blicke.
»Hm! Ja! Was soll ich euch erzählen? Ich erinnere mich kaum. Sie war ein kränkliches Mädchen,« fuhr er fort, nachdenklich und mit gesenkten Augen, »ganz krank; sie gab gern Almosen und sehnte sich nach einem Kloster. Einmal weinte sie furchtbar, als sie mir davon zu erzählen begann; ja, ja ... ich erinnere mich ... ich erinnere mich genau. Sie war ... so unschön. Ich weiß wirklich nicht, warum ich so an ihr hing ... ich glaube, weil sie immer krank war ... Wenn sie auch noch lahm oder buckelig gewesen wäre, so hätte ich sie, glaube ich, noch mehr lieb gewonnen ... (Er lächelte nachdenklich.) Es war so ... ein Frühlingstraum ...« ...«
»Nein, es war nicht bloß ein Frühlingstraum«, sagte Dunjetschka begeistert.
Er blickte die Schwester aufmerksam und gespannt an, aber er hörte sie nicht oder verstand sogar ihre Worte nicht. Dann stand er in tiefer Nachdenklichkeit auf, trat an die Mutter heran, küßte sie, kehrte auf seinen Platz zurück und setzte sich wieder hin.
»Du liebst sie auch noch jetzt!« sagte Pulcheria Alexandrowna gerührt.
»Sie? Jetzt? Ach ja ... Sie sprechen von ihr! Nein. Dies alles ist jetzt wie in einer anderen Welt ... und es ist auch so lange her. Und alles, was rings geschieht, ist, als geschähe es nicht hier ...«
Er blickte sie alle aufmerksam an.
»Auch ihr alle ... es ist, als sähe ich euch aus einer Entfernung von tausend Werst ... Weiß der Teufel, warum wir darüber sprechen! Warum soll man mich ausfragen?« fügte er ärgerlich hinzu und verstummte, an den Nägeln kauend und wieder in Nachdenklichkeit versinkend.
»Wie schlecht ist doch deine Wohnung, Rodja, sie ist wie ein Sarg«, sagte plötzlich Pulcheria Alexandrowna, das schwere Schweigen unterbrechend. »Ich bin überzeugt, daß diese Wohnung die halbe Schuld daran hat, daß du ein solcher Melancholiker geworden bist.«
»Die Wohnung? ...« antwortete er zerstreut. »Ja, die Wohnung hat viel dazu beigetragen ... ich habe auch schon selbst daran gedacht. Wenn Sie wüßten, was für einen sonderbaren Gedanken Sie eben ausgesprochen haben, Mamachen«, fügte er plötzlich mit einem seltsamen Lächeln hinzu.
Es hätte nicht viel gefehlt, und dieses Beisammensein, diese Verwandten nach dreijähriger Trennung, dieser verwandtschaftliche Ton des Gesprächs bei voller Unmöglichkeit, über etwas Bestimmtes zu sprechen, – dies alles wäre ihm schließlich ganz unerträglich geworden. Es gab jedoch eine unaufschiebbare Sache, die heute noch, so oder anders, unbedingt erledigt werden mußte, – das hatte er schon vorhin, als er erwachte, beschlossen. Jetzt freute er sich über diese Sache wie über einen Ausweg.
»Hör mal, Dunja,« begann er ernst und trocken, »ich bitte dich natürlich wegen des Gestrigen um Verzeihung, aber ich halte es für meine Pflicht, dich wieder daran zu erinnern, daß ich an der Hauptsache noch festhalte. Entweder ich oder Luschin. Mag ich ein Schurke sein, aber du darfst es nicht. Einer von beiden. Wenn du aber Luschin heiratest, höre ich gleich auf, dich als Schwester anzuerkennen.«
»Rodja, Rodja! Das ist doch dasselbe, was du gestern gesagt hast!« rief Pulcheria Alexandrowna bekümmert. »Und warum nennst du dich immer einen Schurken, ich kann es nicht ertragen! Und auch gestern schon ...«
»Bruder,« antwortete Dunja fest und gleichfalls trocken, »in allem liegt ein Irrtum deinerseits. Ich habe es mir in der Nacht überlegt und habe den Irrtum gefunden. Alles kommt daher, daß du anscheinend annimmst, ich bringe mich jemandem und für jemand zum Opfer. Es ist gar nicht so. Ich heirate einfach für mich selbst, denn ich habe es auch selbst schwer; es wird mich natürlich sehr freuen, wenn es mir gelingt, meinen Verwandten nützlich zu sein, aber das ist nicht der eigentliche Beweggrund zu meinem Entschlusse ...«
– Sie lügt! – dachte er und kaute vor Wut an seinen Nägeln. – Die Stolze! Sie will nicht eingestehen, daß sie Wohltaten erweisen will! Oh, diese niedrigen Charaktere! Auch wenn sie lieben, ist es, als ob sie haßten ... Oh, wie ich ... sie alle hasse! –
»Mit einem Worte, ich heirate Pjotr Petrowitsch,« fuhr Dunjetschka fort, »weil ich von zwei Übeln das kleinere wähle. Ich habe die Absicht, alles ehrlich zu erfüllen, was er von mir erwartet, folglich betrüge ich ihn nicht ... Warum hast du eben gelächelt?«
Sie errötete sogar, und ihre Augen blickten zornig.
»Wirst du alles erfüllen?« fragte er mit einem giftigen Lächeln.
»Bis zu einer gewissen Grenze. Die Manier und die Form des Antrages von Pjotr Petrowitsch zeigten mir sofort, was er braucht. Natürlich schätzt er sich selbst, vielleicht sogar allzu hoch, aber ich hoffe, daß er auch mich schätzt ... Was lachst du schon wieder?«
»Was errötest du aber wieder? Du lügst, Schwester, und du lügst mit Absicht, aus weiblichem Eigensinn, nur um deinen Willen durchzusetzen ... Du kannst Luschin nicht achten: ich habe ihn gesehen und gesprochen. Also verkaufst du dich für Geld und handelst in jedem Falle niedrig, und ich freue mich, daß du wenigstens noch erröten kannst!«
»Es ist nicht wahr, ich lüge nicht! ...« schrie Dunjetschka auf, ihre ganze Fassung verlierend. »Und ich würde ihn auch nicht heiraten, wenn ich nicht überzeugt wäre, daß er mich schätzt und ich ihm teuer bin. Ich würde ihn auch nicht heiraten, wenn ich nicht fest überzeugt wäre, daß auch ich ihn achten kann. Zum Glück kann ich mich davon ganz sicher und sogar heute noch überzeugen. Eine solche Heirat ist aber keine Gemeinheit, wie du sie nennst! Und selbst wenn du recht hättest und wenn ich mich wirklich zu einer Gemeinheit entschlossen hätte, ist es dann nicht grausam von dir, so mit mir zu sprechen? Warum verlangst du von mir Heldentum, das du vielleicht auch selbst nicht hast? Es ist Despotismus, es ist eine Vergewaltigung! Wenn ich wen zugrunde richte, so doch nur mich allein. Ich habe noch niemand ermordet! ... Was siehst du mich so an? Was bist du blaß geworden? Rodja, was ist mit dir? Rodja, Liebster! ...«