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Jaina Prachtmeer: Gezeiten des Krieges

Электронная книга - «Jaina Prachtmeer: Gezeiten des Krieges». Краткое содержание книги:

Die Asche des Weltenbebens ruht über den so unterschiedlichen Königreichen Azeroths. Während sich die geschundene Welt langsam von den Folgen der gewaltigen Katastrophe erholt, setzt die berühmte Zauberhexerin Lady Jaina Prachtmeer alles daran, die Beziehung zwischen Allianz und Horde wieder zu verbessern. Denn unlängst haben wachsende Spannungen die beiden Fraktionen an den Rand eines neuen Krieges geführt, der den letzten Rest an Stabilität zu zerstören droht in der … WORLD OF WARCRAFT®
Düstere Nachrichten erreichen Jainas geliebtes Städtchen Theramore. Eines der mächtigsten Artefakte des Blauen Drachenschwarms – die Fokussierende Iris – wurde gestohlen. Um die mysteriösen Umstände der Tat zu klären, entschließt sich Jaina zu einem ungewöhnlichen Bündnis mit dem ehemaligen Blauen Drachenaspekt Kalecgos. Gemeinsam wollen die beiden ruhmreichen Helden dem dreisten Diebstahl auf den Grund gehen. Doch es droht bereits weiteres Unheil am Horizont.
Garrosh Höllschrei versammelt die Armeen der Horde zu einer Invasion Theramores. Ungeachtet steigender Unzufriedenheit in den eigenen Reihen, strebt der skrupellose Kriegshäuptling eine neue Ära der Herrschaft der Horde an. Seine unstillbare Gier nach Macht, lässt ihn dabei zu den brutalsten Mitteln greifen, um jene mundtot zu machen, die es wagen könnten, seine Position als Anführer in Frage zu stellen.
Allianztruppen sammeln sich in Theramore um den Angriff der Horde abzuwehren. Doch sie rechnen nicht mit dem tatsächlichen Ausmaß der verschlagenen und heimtückischen Strategie des Kriegshäuptlings. Garroshs Angriff wird Jaina unwiderruflich verändern und die Friedenshüterin in eine chaotische, alles verschlingende Macht verwandeln – auch bekannt als: Gezeiten des Krieges.
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Go’el, Garrosh hat geschmolzene Riesen versklavt und sie bei der Schlacht um die Feste Nordwacht zu seinem Vorteil eingesetzt. Und um Theramore zu zerstören, hat er …“

Der Bote hielt inne, als ein Stöhnen und Keuchen aus den Reihen der ehemaligen Horde- und Allianzmitstreiter ringsum erklang. Sie hatten ihren Fraktionen gegenüber zwar nicht die Treue aufgekündigt, sie aber doch in den Hintergrund gerückt, um einem größeren Wohl zu dienen. Sie waren Schamanen geworden, und als Schamane hören zu müssen, dass Elementarwesen – und obendrein noch solche Elementarwesen! – als Kriegswerkzeuge versklavt wurden, war schrecklich. Die Worte „um Theramore zu zerstören“ hingen schwer in der Luft.

„Fahr fort!“, forderte Thrall grimmig.

„Um Theramore zu zerstören, hat er ein Artefakt der blauen Drachen gestohlen und es als Energiequelle für die größte Manabombe verwendet, die je erbaut wurde. Theramore wurde vollständig vernichtet. Es ist nichts mehr übrig, außer Ruinen, die von arkaner Energie verseucht wurden. Unsere Späher melden, dass niemand innerhalb der Stadtmauern überlebt hat.“

Niemand hat überlebt. Jaina, seine Freundin, die beharrliche Stimme des Friedens, war tot. Thrall rang um Atem, während Aggra seine Hand drückte. Er verstärkte ebenfalls den Druck seiner Finger, sogar so sehr, dass es sie schmerzen musste; dennoch ließ Aggra seine Hand nicht los. Sie wusste besser als die meisten anderen, welch tiefen Stich diese Nachricht seinem Herzen zugefügt hatte, und wollte ihn voller Liebe unterstützen.

Leises Schluchzen wurde hörbar, als sich eine der Draenei auf der Suche nach Trost zu ihrem Trollfreund umdrehte. Der Troll umarmte sie zwar sanft, doch der Zorn stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Alle waren sie fassungslos, selbst diejenigen, von denen Thrall wusste, dass sie sich gegen den Frieden stellten. Ein so mutwilliger Massenmord barg keine Ehre für die Horde, und die Skrupellosigkeit, die ihm zugrunde lag, durfte nicht ungestraft bleiben.

Doch so unglaublich es auch schien, die Nachricht war noch nicht zu Ende. Unfähig, selbst zu sprechen, bedeutete Thrall dem Boten fortzufahren.

Der junge Orc kam dem Befehl nach, aber seine Stimme war belegt vor Bedauern. „Unsere Flotte hat sich aufgeteilt, um eine Blockade rings um Kalimdor zu bilden. Die Allianz wird also keine Hilfe zur Mondfederfeste oder nach Teldrassil oder in eine andere Stadt schicken können, und es wird auch nur den wenigsten gelingen, von dort zu fliehen. Garrosh hat sich öffentlich damit gerühmt, dass er den gesamten Kontinent erobern wird und alle Spuren der Allianz vertreiben oder auslöschen möchte. Die einzig gute Nachricht, die ich für Euch habe, mein Freund, ist die, dass nicht alle Mitglieder der Horde Garroshs Pläne unterstützen. Einige von uns sehen durchaus, wie gefährlich der Pfad ist, auf den er uns führt, und wir fürchten, dass die Horde darunter leiden wird. Voller Sorge um unser Volk verbleibe ich, Euer Freund, Etrigg.“

Thrall gab mit einem Nicken zu verstehen, dass er die Botschaft vernommen hatte, aber in Gedanken hörte er andere Worte, gesprochen vor nicht allzu langer Zeit von einer Frau, die nun tot war.

Alles hat seinen Preis, Go’el. Du hast einen Preis gezahlt, um dein Wissen und deine Fähigkeiten zu erwerben … Garrosh versucht, einen Streit zwischen der Allianz und der Horde zu schüren – einen Streit, den er allein heraufbeschworen hat … Als Schamane kannst du die Winde kontrollieren. Aber nun zieht der Sturm des Krieges auf, und falls wir Garrosh nicht bald aufhalten, werden viele Unschuldige den Preis für unser Zögern bezahlen müssen.

Nun waren wirklich viele Unschuldige gestorben. Eine ganze Weile stand Thrall einfach nur da, versunken in einen schmerzhaften Gewissenskampf, während die anderen Mitglieder des Ringes ihre Bedenken zum Ausdruck brachten. Hatte sie recht gehabt? Hätte das alles verhindert werden können, wenn er die Arbeit hier anderen überlassen hätte?

Es hatte eine Zeit gegeben, da hätte ihn eine solche Frage tagelang gequält. Doch nun dachte er ruhig darüber nach, so, wie der Verstand es gebot, und verwarf den Gedanken dann. Jaina hatte stets betont, die eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen wäre ebenso töricht, wie sie zu überschätzen. Er hatte während der Schlacht gegen Todesschwinge für die vier Aspekte das Element der Erde repräsentiert, und auch wenn er gewiss nicht allein für den Heilungsprozess verantwortlich war, der sich hier zutrug, wusste er doch, dass er einen großen Beitrag dazu geleistet hatte.

Er hatte die Welt im wahrsten Sinne des Wortes verändert, indem er sie geheilt hatte.

Natürlich beunruhigte es ihn ebenso sehr wie die anderen Schamanen, dass Garrosh geschmolzene Riesen einsetzte, und er teilte auch ihre Trauer angesichts des ehrlosen Angriffes auf Theramore, der Zweckentfremdung eines gestohlenen Artefakts und des feigen Massenmordes aus der Ferne. Doch zugleich wusste er, dass er – mehr noch, dass sie alle – jetzt hier gebraucht wurden. Diesen Ort konnten sie nicht verlassen.

Nobundo fasste gerade genau diesen Gedanken in Worte, als sich Thrall mit schwerem Herzen wieder der Unterhaltung zuwandte. „Wir sehen die ersten Fortschritte. Wir können jetzt nicht aufhören – keiner von uns.“

„Aber was wird er wohl als Nächstes tun?“, fragte Rehgar. „Geschmolzene Riesen für seine eigensüchtigen Zwecke zu versklaven, das könnte alles zunichtemachen, worauf wir hingearbeitet haben!“

„Wir haben uns mit dem Zirkel des Cenarius und den Aspekten verbündet, um Nordrassil zu retten“, warf Muln Erdenwut ein. „Eine solche Zusammenarbeit hat es noch nie zuvor gegeben, und sie hat das bewirkt, was wir alle erhofft haben. Nordrassil ist geheilt, und deswegen gibt es auch für die gesamte Welt eine Chance auf Heilung. Doch falls Garrosh zu so etwas in der Lage ist, was kann er dann erst unserem Weltenbaum antun?“

Thrall blickte zu seinen Freunden hinüber. Ihre Gesichter spiegelten seine eigene Unentschlossenheit wider, und nachdem Muln und Nobundo einen Blick gewechselt hatten, trat Letzterer vor.

„Diese Nachricht erfüllt mich mit Wut und Trauer“, erklärte er. „Nicht nur, weil die Elementarwesen missbraucht wurden, sondern wegen … … allem. Es stimmt, die Erde könnte sich wieder im Zorn erheben, weil sie so geschändet wurde, und – richtig, auch Nordrassil selbst ist in Gefahr. Aber falls wir jetzt in unserem Streben innehalten, um Garrosh in die Schranken zu verweisen – und ich bin mir nicht sicher, wie die Horde auf solche Bemühungen reagieren würde –, dann gehen wir ein großes Risiko ein. All das Gute, das wir bewirkt haben, könnte umsonst gewesen sein. Go’el – einst führtest du die Horde. Du hast Garrosh als deinen Nachfolger bestimmt. Außerdem wissen wir alle von deiner Freundschaft mit der nach Frieden strebenden Lady Jaina Prachtmeer. Falls du dich um diese Angelegenheit kümmern möchtest, wird niemand deine Beweggründe infrage stellen. Dasselbe gilt auch für euch andere. Wir sind hier, weil wir hier sein wollen – weil wir dazu berufen sind. Doch falls ihr diesen Ruf nicht länger hört, dann steht es euch auch frei, zu gehen. Ihr habt unseren Segen.“

Lange schloss Thrall die Augen. Er war erschüttert, schockiert, wütend, und er wollte nichts lieber, als eine Rüstung anlegen, den Schicksalshammer in die Hand nehmen und nach Orgrimmar marschieren. Er wollte Grom Höllschreis Sohn für all die törichten, überheblichen, zerstörerischen Untaten bestrafen, die er begangen hatte. Garrosh war sein Fehler, und wenn jemand die Pflicht hatte, diesen Fehler zu korrigieren, dann er. Thrall hatte versucht, Garrosh das orcische Ehrgefühl zu vermitteln. Doch statt den besten Taten seines Vaters nachzueifern, hatte sich der junge Höllschrei nur die schlimmsten zum Vorbild genommen.

Aber er konnte nicht gehen, durfte seinen Schmerz nicht stillen. Noch nicht. Selbst wenn jetzt, in diesem Augenblick, Jaina Prachtmeers Geist auftauchen und nach Rache verlangen würde – er müsste ihr sagen, dass es nicht ginge.

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