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Paganinis Fluch

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Paganinis Fluch
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Axels Herz schlug bis zum Hals, als er ihren Slip herabzog. Sie lag vollkommen still, als er ihren Bauch, die kleinen Brüste, den Hals, das Kinn, die Lippen küsste. Sie spreizte vorsichtig die Beine, und er legte sich auf sie, spürte, wie sie langsam ihre Schenkel gegen seine Hüften presste. Als er in sie hineinglitt, liefen ihre Wangen feuerrot an. Sie zog ihn an sich, streichelte seinen Nacken und Rücken und seufzte jedes Mal leise, wenn er in sie hineinsank.

Als sie schließlich keuchend zur Ruhe kamen, hatte sich zwischen ihren nackten Körpern eine dünne Schicht aus warmem Schweiß gebildet. Eng umschlungen lagen sie mit geschlossenen Augen in seinem Bett und schliefen schon bald ein.

Spende Boerse

63

Der Johan-Fredrik-Berwald-Wettbewerb

Als Axel an jenem Tag erwachte, an dem er alles verlieren sollte, war es hell. Er und Greta hatten die Vorhänge nicht zugezogen, sie waren einfach zusammen im Bett eingeschlafen und hatten die ganze Nacht erschöpft und glücklich in den Armen des anderen geschlafen.

Axel verließ das Bett, betrachtete Greta, die mit vollkommen ruhigem Gesicht und in die dicke Decke gewickelt schlief. Er ging zur Tür, blieb vor dem Spiegel stehen und musterte kurz seinen nackten siebzehnjährigen Körper, ehe er ins Musikzimmer ging. Vorsichtig schloss er die Tür zum Schlafzimmer, ging zum Flügel und nahm seine Geige aus dem Kasten. Er legte sie an die Schulter, stellte sich ans Fenster und blickte in den Wintermorgen hinaus, auf den Schnee, der in langen Schleiern von den Dächern herabwehte, und begann, aus dem Gedächtnis Maurice Ravels »Tzigane« zu spielen.

Das Stück fing mit einer traurigen Zigeunerweise an, langsam und bedeutungsschwer, aber dann steigerte sich das Tempo. Die Melodie löste immer schnellere Echos ihrer selbst aus, die wie funkelnde, sekundenschnelle Erinnerungen an eine Sommernacht waren.

Er spielte ungeheuer schnell.

Er spielte, weil er glücklich war, überlegte nicht, ließ die Finger einfach mit dem sprühenden, perlenden Bach fließen, tanzen.

Axel lächelte in sich hinein, als er an das Gemälde dachte, das im Salon seines Großvaters hing, der immer behauptete, es sei Ernst Josephsons leidenschaftlichste Version des Wassergeists Näck. Als Kind hatte Axel die Sagen über dieses Zauberwesen geliebt, das mit seinem schönen Geigenspiel Menschen anlockte und ertrinken ließ.

Axel dachte, dass er in diesem Moment dem Näck ähnelte, dem nackten Jüngling, der im Wasser sitzend spielt. Der große Unterschied zwischen Axel und dem Näck auf Josephsons Bild bestand jedoch darin, dass Axel glücklich war.

Der Bogen lief über die Saiten, wechselte atemberaubend schnell die Position. Er scherte sich nicht darum, dass sich Rosshaar löste und vom Frosch herabhing.

So muss Ravel gespielt werden, dachte er. Er muss glücklich gespielt werden, nicht exotisch. Ravel ist ein glücklicher Komponist, ein junger Komponist.

Er ließ den Nachhall der abschließenden Töne in der Geige verweilen, davonwirbeln wie der leichte Pulverschnee auf den Dächern. Dann ließ er den Bogen sinken und wollte sich gerade vor dem Winter verbeugen, als er hinter sich eine Bewegung erahnte.

Er wandte sich um und sah Greta in der Tür stehen. Sie hielt die Decke vor sich und sah ihn mit eigentümlichen dunklen Augen an.

Als er ihr ernstes Gesicht sah, wurde er besorgt.

»Was ist los?«

Sie antwortete nicht, schluckte nur hart. Zwei große Tränen liefen ihre Wangen herab.

»Greta, was ist los?«, wiederholte er.

»Du hast gesagt, du hättest nicht geübt«, sagte sie.

»Nein, ich … ich«, stammelte er. »Ich habe dir doch erzählt, dass es mir leichtfällt, neue Stücke zu lernen.«

»Gratuliere.«

»Es ist nicht, wie du denkst.«

Sie schüttelte den Kopf.

»Ich begreife nicht, wie ich so dumm sein konnte«, sagte sie.

Er legte Geige und Bogen fort, aber sie kehrte ins Schlafzimmer zurück und schloss die Tür hinter sich. Er zog eine Jeans an, die über einem Stuhlrücken hing, ging zur Tür und klopfte an.

»Greta? Darf ich reinkommen?«

Sie antwortete nicht. Er spürte in seinem Inneren die Sorge wachsen. Einen Moment später trat sie vollständig angezogen aus dem Zimmer. Sie sah ihn nicht an, ging nur zum Flügel, packte ihre Geige ein und ließ ihn allein.

*

Das Konzerthaus war ausverkauft. Greta trat als Erste der Finalisten auf. Als sie kam, sah sie ihn nicht an, grüßte ihn nicht. Sie trug ein tiefblaues Samtkleid und eine schlichte Halskette mit einem Herzen.

Axel saß in der Künstlergarderobe und wartete mit halb geschlossenen Augen. Es war vollkommen still. Das einzige Geräusch war ein schwaches Säuseln hinter einem staubigen Belüftungsgitter aus Plastik. Sein jüngerer Bruder Robert kam zu ihm.

»Willst du nicht bei Mama sitzen?«, fragte Axel.

»Ich bin zu nervös … ich kann nicht zusehen, wenn du spielst, ich bleibe lieber hier sitzen und warte auf dich.«

»Spielt Greta schon?«

»Ja, es klingt schön.«

»Für welches Stück hat sie sich entschieden, war es Tartinis Violinsonate …«

»Nein, es war etwas von Beethoven.«

»Gut«, murmelte Axel.

Sie saßen wortlos zusammen, blieben stumm. Nach einer Weile klopfte es an die Tür. Axel stand auf und öffnete einer Frau, die erklärte, nun sei er bald an der Reihe.

»Viel Glück«, sagte Robert.

»Danke«, sagte Axel, nahm Geige und Bogen und begleitete die Frau durch einen Korridor.

Von der Bühne schlug ihm lauter Applaus entgegen, und Axel erhaschte einen kurzen Blick auf Greta und ihren Vater, als die beiden in ihre Garderobe eilten.

Axel ging durch den Gang und musste anschließend hinter einem Schirm neben der Bühne warten, bis der Conferencier ihn vorstellte. Nachdem er seinen Namen gehört hatte, ging er geradewegs in das blendende Scheinwerferlicht hinaus und lächelte dem Publikum zu. Ein Raunen ging durch den Konzertsaal, als er erklärte, er werde Maurice Ravels »Tzigane« spielen.

Er setzte die Geige an und hob den Bogen. Dann begann er, die wehmütige Einleitung zu spielen und trieb das Tempo anschließend in Richtung des Unmöglichen. Das Publikum hielt den Atem an. Er hörte selbst, dass es absolut brillant klang, aber diesmal perlte die Melodie nicht wie das Wasser eines Bachs. Er spielte nicht glücklich, sondern wie der richtige Näck. Er spielte mit gehetzter, fiebriger Trauer. Als er drei Minuten gespielt hatte und die Töne fielen wie nächtlicher Regen, begann er, absichtlich einzelne Töne zu überspringen, senkte das Tempo, spielte ein bisschen falsch und brach das Stück schließlich ab.

Es war still im Konzertsaal.

»Ich bitte um Entschuldigung«, flüsterte er und ging von der Bühne ab.

Das Publikum applaudierte höflich. Seine Mutter stand von ihrem Platz auf, eilte ihm hinterher und stoppte ihn im Gang.

»Komm her, mein Junge«, sagte sie und legte ihre Hände auf seine Schultern.

Sie streichelte seine Wange, und ihre Stimme war warm und vor Rührung belegt, als sie sagte:

»Das war unglaublich, die beste Interpretation, die ich jemals gehört habe.«

»Entschuldige, Mutter.«

»Nein«, antwortete sie, wandte sich von Axel ab und verließ den großen Konzertsaal.

Axel ging zu seiner Gaderobe zurück, um seine Kleider zu holen. Auf dem Weg dorthin wurde er vom Dirigenten Herbert Blomstedt aufgehalten.

»Ehe Sie so getan haben, als würden Sie falsch spielen, klang es sehr gut«, sagte dieser mit gedämpfter Stimme.

*

Als Axel nach Hause kam, herrschte eine betäubende Stille im Haus. Es war bereits später Abend. Er ging in die Dachetage hinauf, durch das Musikzimmer und ins Schlafzimmer und schloss die Tür. In seinem Kopf hörte er noch immer die Musik. Er hörte sich ein paar Töne auslassen, unerwartet das Tempo vermindern und verstummen.

Er verstummte immer wieder.

Axel legte sich aufs Bett und schlief neben seinem Geigenkasten ein.

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