Riordan, Rick - Helden des Olymp
- Автор: Halbgott Der verschwundene
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Riordan, Rick - Helden des Olymp». Краткое содержание книги:
»Das hat du gesehen?«
Hephaistos wies auf einen Arbeitstisch neben sich, wo ein leuchtender Bronzespiegel ein undeutliches Bild von Leo zeigte, der auf dem Rücken des Drachen schlief.
»Bin ich das?«, fragte Leo. »Ich meine – gerade jetzt, während ich diesen Traum habe – und mir zusehe, während ich den Traum habe?«
Hephaistos kratzte sich im Bart. »Jetzt verwirrst du mich. Aber ja – das bist du. Ich behalte dich immer im Auge, Leo. Aber mit dir zu sprechen, das ist, äh … noch was anderes.«
»Du hast Angst«, sagte Leo.
»Gummiring und Gangschaltung!«, schrie der Gott. »Natürlich nicht!«
»Doch, du hast Angst.« Aber Leos Zorn war verflogen. Er überlegte seit Jahren, was er seinem Dad sagen würde, wenn sie sich begegneten – wie er ihn zusammenstauchen würde, weil er als Vater so ein Versager war. Aber als er jetzt den Bronzespiegel ansah, dachte Leo daran, wie sein Dad ihn all die Jahre beobachtet hatte, sogar seine blöden wissenschaftlichen Experimente.
Hephaistos war zwar vielleicht noch immer ein Versager, aber Leo glaubte, ihn jetzt etwas besser zu verstehen. Leo kannte sich damit aus, vor allen wegzulaufen, nicht dazuzugehören. Er kannte sich damit aus, sich in einer Werkstatt zu verkriechen, statt mit organischen Lebensformen umgehen zu müssen.
»Aha«, sagte Leo missmutig. »Du behältst also alle deine Kinder im Auge? Im Camp hast du so um die zwölf. Wie hast du überhaupt geschafft … ach, egal. Ich will es gar nicht wissen.«
Vielleicht wurde Hephaistos jetzt rot, aber sein Gesicht war so zerschunden und verfärbt, dass das schwer zu sagen war. »Götter sind anders als Sterbliche, Junge. Wir können an vielen Orten gleichzeitig sein – wo immer die Menschen uns anrufen, wo immer unser Einflussbereich stark ist. Wir sind sogar nur ganz selten mit unserem gesamten Wesen an einem Ort. Unsere wahre Form ist gefährlich, mächtig genug, alle Sterblichen zu vernichten, die uns ansehen. Du hast Recht … eine Menge Kinder. Und wenn du dann noch an unsere unterschiedlichen Erscheinungsformen denkst, griechisch und römisch …« Die Finger des Gottes erstarrten auf seinem kleinen Motor. »Äh, ich will sagen, es ist kompliziert, ein Gott zu sein. Und ja, ich versuche, alle meine Kinder im Auge zu behalten, aber dich ganz besonders.«
Leo war ziemlich sicher, dass Hephaistos sich fast versprochen und etwas Wichtiges gesagt hätte, aber er konnte sich nicht vorstellen, was.
»Und warum meldest du dich jetzt?«, fragte Leo. »Ich dachte, die Götter seien verstummt.«
»Das sind wir auch«, knurrte Hephaistos. »Zeus’ Befehl – überaus seltsam, sogar für seine Verhältnisse. Er hat alle Visionen, Träume und Iris-Botschaften vom und zum Olymp blockiert. Hermes langweilt sich zu Tode, weil er die Post nicht austragen darf. Zum Glück habe ich noch meinen alten Piratensender.«
Hephaistos streichelte einen Apparat, der auf dem Tisch stand. Das Ding sah aus wie eine Kombination aus Satellitenschüssel, V6-Motor und Espressomaschine. Immer, wenn Hephaistos den Apparat berührte, flackerte Leos Traum und wechselte die Farbe.
»Hab das Ding im Kalten Krieg benutzt«, sagte der Gott liebevoll. »Sender Freier Hephaistos. Das waren tolle Zeiten. Ich habe es behalten, wenn auch vor allem für Bezahlfernsehen und virale Gehirnvideos …«
»Virale Gehirnvideos?«
»Aber jetzt bin ich wieder froh, dass ich es habe. Wenn Zeus wüsste, dass ich Kontakt zu dir aufnehme, würde er mir die Haut abziehen.«
»Warum ist Zeus so ein Mistkerl?«
»Hrmpf. Das ist seine Spezialität, Junge.« Hephaistos nannte ihn »Junge«, als wäre Leo ein nerviger Maschinenteil – eine zusätzliche Unterlegscheibe zum Beispiel, die keinem klaren Zweck diente, die Hephaistos aber nicht wegwerfen wollte, aus Angst, dass er sie eines Tages brauchen würde.
Nicht gerade herzerwärmend. Aber Leo war sich auch nicht sicher, ob er »mein Sohn« genannt werden wollte. Er hatte auf jeden Fall nicht vor, diesen riesigen, unbeholfenen, hässlichen Kerl »Dad« zu nennen.
Hephaistos hatte seinen Motor satt und warf ihn über die Schulter nach hinten. Ehe der Motor auf dem Boden aufprallte, fuhr er Hubschrauberrotoren aus und stürzte sich in eine Mülltonne.
»Ich vermute, es lag am Zweiten Titanenkrieg«, sagte Hephaistos. »Der hat Zeus total verärgert. Wir Götter sind … na ja, blamiert worden. Anders kann man es wohl nicht nennen.«
»Aber ihr habt gewonnen«, sagte Leo.
Der Gott grunzte. »Wir haben gewonnen, weil die Halbgötter aus …« Wieder zögerte er, als ob er sich fast versprochen hätte. »aus dem Camp Half-Blood die Führung übernommen haben. Wir haben gewonnen, weil unsere Kinder unsere Schlachten für uns ausgefochten haben, klüger, als wir es hätten tun können. Wenn wir uns an Zeus’ Plan gehalten hätten, wären wir alle in den Tartarus hinabgestiegen, um gegen den Sturmriesen Typhon zu kämpfen, und Kronos hätte gesiegt. Schlimm genug, dass Sterbliche unseren Krieg für uns gewinnen mussten, aber dann hat auch noch dieser junge Emporkömmling Percy Jackson …«
»Der Typ, der verschollen ist?«
»Hmpf. Ja. Der. Der besaß die Frechheit, unser Angebot, ihn unsterblich zu machen, abzulehnen und uns zu sagen, wir sollten besser auf unsere Kinder aufpassen. Äh, das soll keine Beleidigung sein.«
»Wieso Beleidigung? Bitte, ignorier mich ruhig weiter.«
»Sehr verständnisvoll von dir …« Hephaistos runzelte die Stirn, dann seufzte er müde. »Das sollte Sarkasmus sein, oder? Maschinen besitzen normalerweise keinen Sinn für Sarkasmus. Aber wie gesagt, die Götter fühlten sich von den Sterblichen vorgeführt. Zuerst waren wir natürlich dankbar. Aber nach ein paar Monaten kam Verbitterung auf. Wir sind doch schließlich Götter. Wir sollten bewundert werden, verehrt, man muss uns Ehrfurcht und Respekt zollen.«
»Auch, wenn ihr im Unrecht seid?«
»Vor allem dann. Und dass Jackson unser Geschenk zurückwies, als wäre es irgendwie besser, sterblich zu sein und kein Gott … na ja, das konnte Zeus nicht schlucken. Also beschloss er, wir müssten jetzt unbedingt zu den traditionellen Werten zurückkehren. Götter müssten geachtet werden. Unsere Kinder sollten gesehen, aber nicht besucht werden. Der Olymp wurde verschlossen. Jedenfalls war das ein Teil seiner Argumentation. Und natürlich haben wir auch von bösen Dingen gehört, die sich unter der Erde regen.«
»Du meint die Riesen. Und Monster, die sich sofort wieder neu bilden. Die Toten, die auferstehen. Solchen Kleinkram?«
»Ganz recht, Junge.« Hephaistos drehte einen Knopf an seinem Piratensender. Leos Traum wurde schärfer und war plötzlich richtig in Farbe, aber das Gesicht des Gottes war ein solches Chaos aus roten Schwielen und blauen und schwarzen Flecken, dass Leo sich das Schwarzweißbild zurückwünschte.
»Zeus glaubt, er könne die Zeit zurückdrehen«, sagte der Gott. »Die Erde wieder in Schlaf wiegen, solange wir uns still verhalten. Wir anderen glauben das eigentlich nicht. Und ich sage ganz offen, wir sind nicht im Stande, noch einen Krieg auszufechten. Denn gegen die Titanen haben wir nur mit Mühe und Not überlebt. Wenn wir so weitermachen, wird das, was als Nächstes kommt, noch schlimmer.«
»Die Riesen«, sagte Leo. »Hera hat gesagt, Halbgötter und Götter müssten sich zusammenschließen, um sie besiegen zu können. Stimmt das?«
»Mmm. Ich gebe meiner Mutter ja nur überaus ungern Recht, aber es stimmt. Diese Riesen sind schwer umzubringen, Junge. Sie sind aus einer ganz anderen Linie.«
»Andere Linie? Das hört sich an wie Rennpferde.«
»Ha!«, sagte der Gott. »Eher wie Kampfhunde. Damals, am Anfang, weißt du, stammten alle von denselben Eltern ab – Gaia und Uranos, Erde und Himmel. Sie hatten unterschiedliche Würfe von Kindern – die Titanen, die Älteren Zyklopen und so weiter. Dann kam Kronos, der Obertitan – na ja, du hast sicher gehört, dass er seinen Vater Uranos mit einer Sense zerstückelt und die Weltherrschaft an sich gerissen hat. Dann kamen wir Götter, die Kinder der Titanen, und haben sie besiegt. Aber damit war die Sache noch nicht zu Ende. Die Erde gebar eine neue Generation von Kindern, nur wurden die von Tartarus gezeugt, dem Geist des ewigen Abgrunds – dem düstersten, übelsten Ort in der Unterwelt. Diese Kinder, die Riesen, sind nur zu einem einzigen Zweck geboren worden – sich an uns für den Sturz der Titanen zu rächen. Sie haben sich erhoben, um den Olymp zu zerstören, und fast wäre es ihnen gelungen.«