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Riordan, Rick - Helden des Olymp

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Riordan, Rick - Helden des Olymp
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Noch mehr machte ihm das mit seiner Mom zu schaffen. Medea hatte in der Unterwelt die Zukunft gesehen. Und deshalb war ihre Beschützerin, die Frau in den schwarzen Erdgewändern, vor sieben Jahren in die Werkstatt gekommen, um ihm Angst einzujagen, um sein Leben zu ruinieren. Deshalb war seine Mutter gestorben – wegen etwas, das Leo eines Tages vielleicht tun könnte. Auf eine seltsame Weise war er eben doch schuld am Tod seiner Mutter, auch wenn es nicht seine Feuerkräfte waren.

Als sie Medea in dem explodierenden Warenhaus zurückgelassen hatten, hatte Leo das ein bisschen zu gut gefunden. Er hoffte, dass sie nicht mehr entkommen und direkt in die Felder der Verdammnis zurückgeschickt worden war, wohin sie schließlich gehörte. Auch auf diese Gefühle war er nicht stolz.

Und wenn Seelen aus der Unterwelt zurückkehren konnten – wäre es da möglich, auch Leos Mutter zurückzuholen?

Er versuchte, nicht weiter darüber nachzudenken. Das waren doch Frankenstein-Vorstellungen. Es war nicht natürlich. Es war nicht richtig. Medea mochte ja ins Leben zurückgeholt worden sein, aber sie hatte nicht so ganz menschlich gewirkt mit ihren rauchenden Nägeln und ihrem glühenden Kopf und allem anderen.

Nein, Leos Mom war tot. Etwas anderes zu glauben würde Leo in den Wahnsinn treiben. Aber dennoch machte der Gedanke sich immer wieder bemerkbar, wie ein Echo von Medeas Stimme.

»Wir werden bald landen müssen«, teilte er seinen Freunden mit. »Ein paar Stunden noch, um sicherzugehen, dass Medea uns nicht verfolgt. Ich glaube nicht, dass Festus viel länger durchhalten kann.«

»Ja«, stimmte Piper zu. »Trainer Hedge möchte sein Vogelbauer sicher auch bald verlassen. Die Frage ist nur – wohin fliegen wir?«

»Zur Bay Area«, tippte Leo. Seine Erinnerungen an das Warenhaus waren verschwommen, aber er bildete sich ein, so etwas gehört zu haben. »Hat Medea nicht etwas über Oakland gesagt?«

Piper gab so lange keine Antwort, dass Leo sich schon fragte, ob er etwas Falsches gesagt hatte.

»Pipers Dad«, warf Jason ein. »Dein Dad ist in Schwierigkeiten, oder? Er ist in irgendeine Falle gelockt worden.«

Piper atmete zitternd aus. »Hört mal, Medea hat gesagt, dass ihr beide in der Bay Area sterben müsst. Und außerdem … selbst wenn wir hinflögen, die Bay Area ist riesig. Zuerst müssen wir Aeolus finden und die Sturmgeister loswerden. Boreas meinte, nur Aeolus kann uns sagen, wo genau wir hinmüssen.«

Leo grunzte. »Aber wie finden wir Aeolus?«

Jason beugte sich vor. »Du meinst, du siehst das nicht?« Er zeigte nach vorn, aber Leo sah nur Wolken und die Lichter einiger Städte, die in der Dämmerung aufleuchteten.

»Was denn?«, fragte Leo.

»Das … was immer es ist«, sagte Jason. »In der Luft.«

Leo schaute sich um. Piper wirkte ebenso verwirrt wie er.

»Na gut«, sagte Leo. »Könntest du das mit dem ›was immer es ist‹ ein bisschen genauer formulieren?«

»Wie ein Kondensstreifen«, sagte Jason. »Nur dass er leuchtet. Ganz schwach zwar, aber er ist eindeutig vorhanden. Wir folgen ihm schon seit Chicago, deshalb dachte ich, du siehst ihn.«

Leo schüttelte den Kopf. »Vielleicht kann Festus ihn spüren. Meinst du, Aeolus hat ihn gemacht?«

»Na ja, es ist ein magischer Pfad im Wind«, sagte Jason. »Und Aeolus ist der Windgott. Ich glaube, er weiß, dass wir Gefangene für ihn haben. Er sagt uns, wohin wir fliegen müssen.«

»Oder es ist wieder eine Falle«, sagte Piper.

Ihr Tonfall gefiel Leo gar nicht. Sie hörte sich nicht nur nervös an. Sie schien völlig verzweifelt, als ob ihrer aller Schicksal schon besiegelt und Piper an diesem Schicksal schuld sei. »Pipes, alles in Ordnung bei dir?«, fragte er.

»Nenn mich nicht so.«

»Na gut, von mir aus. Dir gefällt keiner von den Namen, die ich mir für dich ausdenke. Aber wenn dein Dad in Schwierigkeiten steckt und wir irgendwie helfen können …«

»Das könnt ihr nicht«, sagte sie und ihre Stimme zitterte noch mehr. »Hört mal, ich bin müde. Wenn es euch nichts ausmacht …«

Sie ließ sich gegen Jason zurücksinken und schloss die Augen.

Na gut, dachte Leo – ziemlich deutliches Signal dafür, dass sie nicht reden will. Schweigend flogen sie eine Weile weiter. Festus schien zu wissen, wohin es ging. Er flog eine sanfte Kurve nach Südwesten, hoffentlich mit Kurs auf die Festung des Aeolus. Noch ein Windgott, den sie besuchen mussten, und eine ganz neue Art von Wahnsinn … Leo konnte es kaum erwarten.

Ihm ging zu viel durch den Kopf, um zu schlafen, aber jetzt, wo er nicht mehr in Gefahr war, sah sein Körper das anders. Sein Energieniveau sank rapide. Das monotone Schlagen der Drachenflügel ließ seine Augenlider schwer werden. Sein Kopf kippte auf die Brust.

»Penn du ruhig eine Runde«, sagte Jason. »Ist schon gut. Gib mir die Zügel.«

»Nö, ich schaff das schon …«

»Leo«, sagte Jason. »Du bist keine Maschine. Außerdem bin ich der Einzige, der den Kondensstreifen sehen kann. Ich sorge dafür, dass wir Kurs halten.«

Leos Augen fielen ganz von selbst zu. »Na gut. Nur …«

Er konnte den Satz nicht mehr beenden, denn er sackte vornüber, auf den warmen Hals des Drachen.

Im Traum hörte er eine knisternde Stimme, wie aus einem alten Radio mit schlechtem Empfang: »Hallo? Funktioniert dieses Dings?«

Langsam konnte Leo auch etwas erkennen – zumindest undeutlich. Alles war verschwommen und grau und immer neue Bildstörungen jagten vor seinen Augen vorüber. Er hatte noch nie mit so schlechter Verbindung geträumt.

Er schien sich in einer Werkstatt zu befinden. Aus den Augenwinkeln sah er Kreissägen, Drehbänke und Werkzeugschränke. Eine Esse glühte fröhlich vor der einen Wand.

Es war nicht die Schmiede im Camp, die hier war viel größer. Auch nicht Bunker 9 – es war viel wärmer und behaglicher und offenbar nicht verlassen.

Dann sah Leo, dass etwas die Mitte seines Blickfeldes blockierte – etwas Großes und Verschwommenes und sehr Nahes. Leo musste schielen, um es richtig sehen zu können. Es war ein riesiges hässliches Gesicht.

»Heilige Mutter!«, wimmerte er.

Das Gesicht wich zurück und wurde klarer. Ein bärtiger Mann in verdrecktem Blaumann starrte auf ihn herab. Sein Gesicht war geschwollen und mit Beulen übersät, als ob er von einer Million Bienen gestochen worden oder über Kies geschleift worden wäre. Möglicherweise auch beides.

»Hrmpf«, sagte der Mann. »Heiliger Vater, Junge. Ich finde, den Unterschied müsstest du kennen.«

Leo blinzelte. »Hephaistos?«

Zum ersten Mal seinem Vater gegenüberzustehen hätte Leo vermutlich sprachlos machen oder vor Ehrfurcht erstarren lassen müssen. Aber nach allem, was er an den letzten beiden Tagen durchgemacht hatte, nach Zyklopen und einer Zauberin und einem Gesicht im Kloschlamm, war Leo einfach nur noch genervt.

»Jetzt tauchst du also auf?«, fragte er. »Nach fünfzehn Jahren? Tolle Leistung, Fellgesicht. Warum steckst du deine hässliche Nase in meine Träume?«

Der Gott hob eine Augenbraue. Ein kleiner Funke leuchtete in seinem Bart auf. Dann warf er den Kopf in den Nacken und lachte so laut, dass das Werkzeug auf den Arbeitstischen klirrte.

»Du klingst genau wie deine Mutter«, sagte Hephaistos. »Esperanza fehlt mir.«

»Sie ist seit sieben Jahren tot.« Leos Stimme zitterte. »Aber dir scheint das ja egal zu sein.«

»Das ist mir nicht egal, Junge. Und du bist mir auch nicht egal.«

»Sieh an. Und deshalb sehe ich dich heute zum ersten Mal.«

Der Gott stieß ein tiefes Brummen aus, sah aber eher verlegen aus als wütend. Er zog einen winzigen Motor aus der Tasche und fing an, zerstreut an den Kolben herumzufummeln – genau wie Leo es machte, wenn er nervös war.

»Ich kann nicht gut mit Kindern umgehen«, gestand der Gott. »Oder mit Menschen. Na ja, eigentlich mit allen organischen Lebensformen. Ich wollte eigentlich bei der Beerdigung deiner Mom mit dir sprechen. Und dann, als du in der fünften Klasse warst … dieses Naturkundeprojekt, das du da erarbeitet hast, die mit Dampf angetriebene Futtermaschine für Geflügel. Sehr beeindruckend.«

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