Die Elfensteine von Shannara
- Автор: Брукс Терри
- Серия: Schwert von Shannara #2
- Год: 1986
- Язык: немецкий
- Переводчик: Mechtild Sandberg
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Elfensteine von Shannara». Краткое содержание книги:
»Das bedeutet, daß er von unserem Kommen wußte.« Sie sprach aus, was ihm durch den Kopf gegangen war. »Wie ist das nur möglich?«
Er schüttelte den Kopf. »Es war eben so.«
Es war die falsche Antwort, und er wußte es. Röte schoß ihr ins Gesicht.
»So, wie uns die Dämonen eben in Havenstead fanden? So, wie sie Allanon eben in Paranor fanden? So, wie sie uns eben überall zu finden scheinen, wo wir gerade sind?« Ihre Stimme blieb gesenkt, doch Zorn schwang unverkennbar mit. »Sag mal, wofür hältst du mich eigentlich, Wil?«
Es war das erstemal, daß sie ihn bei seinem Vornamen nannte, und das überraschte ihn so, daß er sie für eine Weile nur stumm anstarrte. Gekränktheit und Argwohn spiegelten sich in ihren Augen, und er sah, daß er ihr entweder verraten mußte, was Allanon vor ihr hatte verheimlichen wollen, oder daß er ihr ein Märchen auftischen mußte. Die Entscheidung war leicht getroffen. Er berichtete ihr von dem Spion. Als er geendet hatte, schüttelte sie verstimmt den Kopf.
»Du hättest mir das viel früher erzählen sollen.«
»Allanon bat mich, es nicht zu tun«, erklärte er. »Er meinte, für dich sei das alles schon schlimm genug.«
»Der Druide kennt mich nicht so gut, wie er meint. Du hättest es mir trotzdem sagen sollen.«
Er wollte sich nicht länger mit ihr über diesen Punkt streiten. Deshalb nickte er zustimmend.
»Ich weiß. Aber ich hab’s eben nicht getan.«
Sie schwiegen. Einer der Wachtposten tauchte wie ein Gespenst aus dem Nebel auf und verschwand wieder. Amberle blickte ihm nach, wandte sich dann wieder Wil zu. Ihre Stimme drang aus den Falten ihrer Kapuze hervor, während ihr Gesicht von dunklen Schatten umwölkt war.
»Ich bin nicht zornig. Wirklich nicht.«
Er lächelte schwach. »Gut. Es ist hier auch so schon trist genug.«
»Aber ich wäre zornig gewesen, wenn du mir jetzt nicht die Wahrheit gesagt hättest.«
»Deswegen hab’ ich sie dir ja gesagt.«
Sie ließ das Thema auf sich beruhen.
»Wenn dieser Spitzel gehört hat, was in der Nacht vor unserem Aufbruch im Studierzimmer meines Großvaters gesprochen wurde, dann kennen die Dämonen unser Ziel, nicht wahr?«
»Ich denke schon.«
»Das heißt, daß sie auch von Sichermal wissen; sie wissen alles, was der Ellcrys den Erwählten gesagt hat, weil Allanon es uns weitererzählt hat. Ihre Aussichten, das Blutfeuer zu finden, sind so gut wie unsere.«
»Vielleicht doch nicht.«
»Weshalb nicht?«
»Wir haben die Elfensteine.« Er fragte sich, ob das wirklich der Vorteil war, als den er es hinstellte. Er wußte ja gar nicht, ob er fähig sein würde, sich ihrer noch einmal zu bedienen. Der Gedanke machte ihn niedergeschlagen.
»Wer kann so nahe gekommen sein, daß er hören konnte, was wir sprachen?« fragte sie stirnrunzelnd.
Er schüttelte wortlos den Kopf. Diese Frage hatte er sich auch schon gestellt.
»Ich hoffe nur, meinem Großvater geht es gut«, murmelte sie nach einer kleinen Weile.
»Ich vermute, es geht ihm besser als uns.« Wil seufzte. »Wenigstens hat er ein warmes Bett.«
Er zog die Knie bis unter sein Kinn in dem Bemühen, ein wenig wärmer zu werden. Amberle zitterte vor Kälte, und er zog sie an sich, um sie zu wärmen.
»Ich wollte, es wäre schon vorüber«, flüsterte sie wie zu sich selbst.
»Ich wollte, es hätte nie begonnen.«
Sie hob den Kopf und sah ihn an.
»Da wir gerade bei Wünschen sind — ich wünschte, du wärst immer ehrlich zu mir, Wil. Von jetzt an keine Geheimnisse mehr, ja?«
»Keine Geheimnisse mehr«, versprach er.
Danach schwiegen sie. Wenig später sank Amberles Kopf an seine Schulter. Sie schlief. Wil störte sie nicht. Er starrte in die Finsternis hinaus und dachte an schönere Tage.
Zwei Tage lang stapfte die kleine Truppe durch die düstere Trostlosigkeit des Wirrnismoors. Die meiste Zeit regnete es — stetiger dünner Nieselregen, der hin und wieder von schweren Wolkenbrüchen abgelöst wurde, die die schon durchweichte Erde noch schlammiger machten und die Wanderer, denen schon kalt und elend genug war, völlig durchnäßten.Über ihnen hing der Nebel in dichten Schwaden, die über Buschwerk und stillen, moorigen Teichen wogten. Die Sonne blieb hinter dunklen Wolken verborgen, und nur ein schwaches Aufleuchten des Himmels gegen Mittag kündigte von ihrer Anwesenheit. In der Nacht herrschte nur undurchdringliche Schwärze.
Der Marsch war beschwerlich, und die Wanderer kamen nur langsam voran. Im Gänsemarsch schlugen sie sich durch das Geschlinge des Moors, bahnten sich mit Schwertern einen Weg durch dorniges Gestrüpp, stapften über schlammigen Grund, der unter ihren Füßen gluckste und gurgelte, zogen an Seen und Tümpeln vorüber, aus deren von grünem Schleim bedecktem Wasser widerlicher Gestank aufstieg. Dürres Holz lag überall, und bei jedem Schritt mußten sie achtgeben, daß sie nicht über knorrige Wurzeln stolperten. Über der Vegetation hing ein grauer Schleier, der ihre Grüntöne dämpfte und der ganzen Landschaft etwas kränklich Winterliches gab. Jene Wesen, die im Moor lebten, hielten sich verborgen. Nur hin und wieder waren seltsame Laute zu hören, die sich in der Stille auflösten, und Schatten glitten geisterhaft durch die regengraue Düsternis.
Kurz vor Mittag des dritten Tages erreichten die Wanderer einen See, dessen Wasser still und reglos unter dem bleiernen Himmel lag. Wurzeln und tote Bäume, die wie die gebrochenen Glieder der Erde selbst aus dem von Seerosen bedeckten Wasser ragten, schienen den See ersticken zu wollen. Seine Ufer waren, so weit das Auge reichte, von dichtem Gestrüpp und verwildertem Buschwerk überwuchert. Das andere Ufer war in den Nebelschwaden, die sich über das Wasser wälzten, versunken.
Es war klar, daß jeder Versuch, den See zu umrunden, einen riesigen Umweg verlangen und Stunden wertvoller Zeit kosten würde. Es blieb nur eine Alternative, und für die entschieden sie sich. Katsin führte sie, wie er das fast den ganzen Tag getan hatte. Die anderen Elfen-Jäger gruppierten sich paarweise, so daß ein Paar vor Wil und Amberle schritt, und eines hinter ihnen. Nachdem sie sich durch das Gestrüpp gekämpft hatten, das ihnen den Zugang verwehren wollte, traten sie auf eine schmale Brücke aus Erde und Wurzelwerk, die vom Ufer in den See hinausragte und sich im Nebel verlor. Wenn sie Glück hatten, spannte sich die Brücke bis an das andere Ufer.
Vorsichtig tasteten sie sich voran, setzten mit Bedacht einen Fuß vor den anderen auf dem unebenen Grat, der zu beiden Seiten von glucksendem Sumpfwasser umspielt wurde. Schnell schloß sich die Nebelwand hinter ihnen, und das Land versank hinter ihr. Regen schlug ihnen in die Gesichter, während sie vorwärtsschritten, und Windböen rissen an ihren Kleidern. Dann lichtete sich unversehens der Nebel, und sie sahen, daß die Brücke keine dreißig Schritte entfernt im See versank.
Jenseits hob sich ein massiger Erdhaufen aus dem Wasser, der mit Steinen und wuchernden Pflanzen bedeckt war. Das andere Ufer des Sees war nicht zu sehen. Sie waren in eine Sackgasse geraten.
Crispin wollte ein Stück vorauseilen, um zu erkunden, was sich jenseits des gewaltigen Erdhaufens befand, doch Katsin hob abwehrend die Hand. Er warf rasch einen Blick nach hinten zu den anderen und legte mahnend einen Finger auf die Lippen. Dann wies er auf den Erdhaufen, machte Crispin auf einen langgezogenen Kamm aufmerksam, der sich leicht gewölbt zum Wasser hinunterschwang. Ganz vorn stieg aus zwei kleinen Löchern, die unmittelbar über dem Wasserspiegel lagen, Dampf in die Luft auf.
Atemlöcher!
Wortlos winkte Crispin sie zurück. Er hatte nicht die Absicht, das Ding, das da draußen im Wasser schlief, zu stören.
Doch es war zu spät. Das Geschöpf hatte sie gewittert. Urplötzlich hob sich sein massiger Leib aus dem See und überschüttete sie mit stinkendem brackigen Wasser. Mit einem lauten Schnauben öffnete es die gelben Augen, die bis dahin unter Seerosenblättern verborgen gewesen waren. Zuckende Fühler tasteten von dem schlammstarrenden Leib in die Luft, und ein breites, flaches Maul wandte sich ihnen mit weit geöffnetem Rachen zu. Einen Moment lang hing es über dem See, dann sank es unter das Wasser und war verschwunden.