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Die Kriegerin der Himmelsscheibe

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Die Kriegerin der Himmelsscheibe
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»Scheußlich, nicht wahr?« Furlar verzog das Gesicht, als hätte er auf etwas Saures gebissen. »Man nennt das Amphore. Dieses Ding kommt von fürchterlich weit her und hat einen fürchterlich großen Wert.«

»Aber warum ...?«

»Warum man es vom Ende der Welt zu uns bringt?« Furlars Gesicht verzog sich noch mehr. »Das ist doch wohl offensichtlich, oder? Weil man damit viel Gewinn machen kann.« Er klopfte gegen die Amphore. Wie zu erwarten gewesen war, klang sie hohl. »Diese Dinge werden von den Meerleuten bis oben hin mit Gewürzen vollgestopft, bevor man sie auf die Reise schickt. Und Goseg handelt dann mit beidem. Mit den Gewürzen wie auch mit diesen ... Amphoren.«

»Ah ja.« Isana hätte sich am Kopf gekratzt, hätte sie das gekonnt. »Und was habt ihr jetzt vor? Wollt ihr etwas in eure dünnen Goldplättchen einpacken, und dies dann Goseg zum Tausch anbieten?«

»Aber nein«, empörte sich Furlar. »Das nun wirklich nicht. Hier wird gar nichts eingepackt!«

»Sondern?«

Ohne viel Feingefühl stellte Furlar die Amphore wieder ab. »Wir haben eine ganz andere Idee«, sagte er in schwärmerischem Tonfall. »Wir werden aus diesen Goldplättchen Ornamente formen. Und die sollen dann in meine Krüge eingebrannt werden. Danach können wir Goseg Goldkrüge anbieten! Und diese Amphorenhändler mögen sehen, wo sie bleiben!«

»Goldplättchen? Ornamente? Tonkrüge?« Isana schüttelte den Kopf. »Was soll das denn? Das klappt doch niemals. Und wahrscheinlich sieht das ... naja, nicht ganz so großartig aus.«

»Du hast ja keine Ahnung!« Furlar wirkte nicht beleidigt, im Gegenteil. Er kicherte wie ein kleines Mädchen. »Das sieht sogar richtig, richtig gut aus. Und wir haben etwas zum Handeln, was unseren Stand gegenüber Goseg sehr verbessern wird.«

Isana starrte ihn wortlos an. »Ich hoffe nur, der neue Hohepriester haut euch die Krüge nicht um die Ohren, wenn ihr ihm damit kommt.«

»Ganz im Gegenteil«, versicherte ihr Furlar. »Er wird uns die Krüge sogar aus den Händen reißen. Und dein Vater kann dann so viel Erz und Kupferbarren dafür eintauschen, dass die Schmiede wieder mit voller Kraft zu betreiben ist. Und meinen Namen wird man selbst im Land der Amphorenhändler rühmen!«

»Na, wenn das mal gut geht«, sagte Isana skeptisch. »Das ist doch eine sehr merkwürdige Idee, die ihr beide da ausgeheckt habt.«

»Keine merkwürdige, sondern eine großartige Idee«, widersprach ihr Furlar. »Und in aller Bescheidenheit«, er strich sich mit der freien Hand über den Bauch, »wir beide sind schon etwas ganz Besonderes. Dein Vater ist mit Abstand der beste Schmied im ganzen Umkreis, und mir sagt man nach, dass ich im Töpfern auch nicht wesentlich schlechter bin.«

Abdurezak schwieg lange, nachdem ihm Arri erzählt hatte, was ihr widerfahren war. Sein Gesicht wirkte wie in Stein gemeißelt, und selbst, als er sich vorbeugte, um ein paar Holzscheite ins Feuer nachzuschieben, zeigte er keinerlei Regung. Arri machte das wahnsinnig. Sie hatte Abdurezak angefleht, sie anzuhören, nachdem man sie zurückgebracht hatte. Erst hatte er sich beharrlich geweigert. Und jetzt, nach quälend langen Stunden und Tagen, und nachdem er ihre Schilderung angehört hatte, ohne sie mit einer Frage zu unterbrechen oder auch nur eine einzige ihrer Schilderungen zu kommentieren, wirkte er lediglich geistesabwesend und in sich gekehrt.

»Du weißt, dass ich dich einmal sehr geschätzt habe«, sagte er schließlich.

Arri hatte das Gefühl, man stoße ihr ein glühendes Messer ins Herz und drehe es darin um. Dass ich dich einmal sehr geschätzt habe! Das war schlimmer, als wenn er sie der Lüge bezichtigt hätte. Es war ein einziger Satz, aber er fasste alles zusammen, die Vergangenheit, die Gegenwart und auch die Zukunft.

Früher einmal geschätzt.

Jetzt also nicht mehr.

»Ich habe mir lange überlegt, ob ich dir die Gelegenheit geben soll, mir deine Sicht der Dinge zu schildern«, sagte er leise. »Nicht alles, was Taru und Rar behauptet haben, hat mich überzeugt. Aber was du jetzt erzählst?« Er schüttelte den Kopf. »Nor soll noch leben? Unter dem Dach des Langhauses in dem aufgegebenen Dorf, gar nicht weit entfernt von hier? Und Amar soll nur so etwas wie sein Handlanger sein?«

»Das habe ich nicht gesagt«, widersprach Arri mit Tränen in den Augen. »Amar ist der Hohepriester ...«

»Und Nor sieht aus wie ein Wurm?« Abdurezak kniff die Augen zusammen, und plötzlich sahen sie aus wie die einer uralten Schildkröte. »Er hat nichts Menschenähnliches mehr an sich? Und doch hört Amar auf seine Befehle?«

»Nein. Oder ja.« Arri rang weniger um Worte als vielmehr um Fassung. Sie wusste, wie viel davon abhing, dass sie Abdurezak überzeugen konnte. »Schick ein paar Männer in das verlassene Dorf. Sie können dort selbst nachsehen ...«

Abdurezak schnitt ihr mit einer raschen Handbewegung das Wort ab. »Du weißt selbst, dass das unnötig ist. Es waren ja schon ein paar von uns am Langhaus. Die Jäger. Soll ich dir ihre Namen nennen? Oder willst du mit ihnen in meinem Beisein sprechen?«

Beschämt senkte Arri den Blick. Das Feuer griff gierig nach der neuen Nahrung, die ihm der Älteste angeboten hatte, und einzelne Funken sprangen aus den knisternden Flammen hoch, als wäre ein Freudenfest zu feiern.

Doch das Gegenteil war der Fall.

»Ich frage dich noch einmal«, sagte Abdurezak. »Soll ich Franwar und die anderen holen? Möchtest du sie in meinem Beisein befragen?«

Arri schüttelte den Kopf. »Nein«, hauchte sie.

»Und warum nicht?«, fragte Abdurezak leise.

Arri blickte wieder hoch. Sie sah das Feuer, sie sah den Ältesten - und vor allem sah sie jetzt wieder Dragosz’ Gesicht so deutlich vor sich, als hätte sie ihn gerade erst in den Armen gehalten. Während der Ereignisse in dem Dorf hatte sie kaum Zeit gehabt, an ihn zu denken. Das war jetzt anders. In den Nächten, wenn sie sich in den Schlaf weinte, gab es nur noch sein Gesicht. Allerdings war es kein friedlicher Anblick. Das Bild des sterbenden Dragosz, der mit Schaum auf den Lippen ihren Namen gerufen hatte, während sich seine Hand in die ihre verkrallt hatte - sie bekam es einfach nicht aus dem Kopf.

»Warum soll ich sie nicht holen, Arianrhod?«, hakte Abdurezak beharrlich nach.

»Weil ... weil sie Nor nicht gesehen haben«, flüsterte Arri. »Weil ich die Einzige war, die man auf den Dachboden gelassen hat.«

»Du widersprichst dir selbst«, sagte Abdurezak kalt. »Oder hast du mir nicht auch gesagt, dass man Larkar unter dem Dach gefangen hielt?«

»Doch«, bestätigte Arri. »Das habe ich gesagt. Aber Larkar ist nicht hier. Er kann meine Geschichte nicht bestätigen.«

Abdurezak nickte, als hätte er diese Antwort erwartet. »Wie praktisch für dich, nicht wahr? Niemand hat etwas gesehen, und der einzige Zeuge ist einer von Ragoks Männern, der plötzlich aufgetaucht und genauso plötzlich wieder verschwunden ist. Was ja auch kein Wunder ist. Denn Ragok und seine Leute sind gar nicht in der Gegend. Oder glaubst du nicht, dass sie irgendein anderer sonst noch gesehen hätte?«

»Ja ... aber ...« Arri beugte sich so weit nach vorn, wie es ihre Fesseln zuließen. »Taru und Rar können doch bestätigen, dass Larkar dort war.«

Abdurezak starrte sie schweigend an, und in seinem Blick veränderte sich etwas. Jede Spur von Anteilnahme verschwand daraus und machte etwas Platz, das Arri noch nie an ihm gesehen hatte: einer Mischung aus Enttäuschung und kalter Entschlossenheit.

»Warum tust du das nur?« Der alte Mann stieß einen tiefen Seufzer aus und schüttelte dann den Kopf. »Taru und Rar haben mir versichert, dass sie Larkar nicht gesehen haben. Genauso wie sie bekräftigt haben, dass sie dich nicht haben entführen wollen, sondern deine Flucht nur im letzten Augenblick vereiteln wollten.«

So ist das also, dachte Arri entsetzt. Ich verliere alles. Jetzt habe ich auch noch den letzten Rest des Vertrauens von Abdurezak verloren.

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