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Ganz Deutschland lacht!. 50 deutsche Jahre im Spiegel ihrer Witze

Электронная книга - «Ganz Deutschland lacht!. 50 deutsche Jahre im Spiegel ihrer Witze». Краткое содержание книги:

Wann haben Sie zuletzt gelacht? Über was können wir in Deutschland überhaupt noch lachen? Und worüber wurde einmal in Deutschland gelacht? Welche Witze wurden weitergegeben und wie reagiert der deutsche Witz auf Zeitströmungen?
Fragen über Fragen - Antworten und viele Beispiele finden sich in diesem Doppelband der erfolgreichen Witzebücher >Ganz Deutschland lacht< und >Kennen Sie den ...?<.
Peter Jamin, geboren 1951, arbeitet als Schriftsteller, Journalist und Filmemacher in Düsseldorf.
Michael Lentz (1926-2001) war Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln.
Chris Howland, geboren 1928 in London, kam als Soldat nach Deutschland und startete seine Karriere beim BFN in Hamburg. Bekannt wurde er als Humorist, Sänger und Schauspieler. Dieter Thoma, geboren 1927, Journalist, Kabarettist und freier Schriftsteller, war lange Jahre Chefredakteur und Moderator verschiedener Sendungen beim WDR.
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An einem sehr schönen Frühlingstag geht der Dirigent Sir Thomas Beecham die Fleet Street entlang. Die Sonne kommt heraus, und er hat einen Mantel an. Es wird ihm zu warm, also ruft er ein Taxi, gibt dem Taxifahrer seinen Mantel, legt ihn in den Wagen und sagt: >Follow me!< Dann geht er weiter.«

Ohnesorgs Ehefrau Franziska ist Staatsanwältin, aber deswegen nicht weniger an Musik interessiert. Sie freut sich über das nächste Beispiel. Für weitere Späße fehlt ihr heute leider die Zeit.

Sir Thomas Beecham dirigiert die Londoner Symphoniker. Die 9. von Bruckner steht auf dem Programm und soll geprobt werden. Der Dirigent klopft an das Pult und sagt: »Meine Damen und Herren! Ich habe die 9. von Bruckner sicher dreihundertmal dirigiert, ich nehme an, jeder von Ihnen hat sie bis zu zweihundertmal gespielt. Wir treffen uns morgen zur Aufführung.« Da meldet sich ein junger Geiger in der zweiten Reihe: »Sir, ich habe die 9. von Bruckner noch nie gespielt!« Sagt Sir Thomas: »Sie wird Ihnen gefallen!«

»Ich glaube, dass viele Musiker auch ganz besonders reiche und glückliche Persönlichkeiten sind, weil diese nichtverbale Tätigkeit des Musikmachens und des Sich-Mitteilens über das Erzeugen von Melodien und Rhythmen und alles das, was Musik ausmacht, ihre Erlebnisfähigkeit prägt. Das formt natürlich auch eine Persönlichkeit.« Apropos nichtverbale Tätigkeit:

Ein Konzertsaalvermieter sagt zu einem Musiker: »Ich habe sie alle erlebt, Rubinstein, Brendel, Serkin, Isaac Stern, Menuhin, Rostropowitsch — keiner hat so geschwitzt wie Sie!«

Musiker spielen nicht nur mit Instrumenten, sondern gelegentlich auch mit Worten. »Richard Strauss hat in seiner Alpensinfonie ein Hauptthema, das aus dem Bruch'schen Violinkonzert stammt. Das ist ein Zitat, aber er hat selbst immer gesagt, das sei die BruchStelle«, flachst mein Gastgeber und fährt fort:

»Da kommt der Komponist Hans Pfitzner zu Richard Strauss in die Garderobe, nachdem er die Alpensinfonie zum erstenmal gehört hat, Strauss hat sie selbst dirigiert. Und Pfitzner sagt: >Na, Herr Kollege, da ist Ihnen ein wunderbares Werk gelungen, aber Sie müssen nur aufpassen: Kurz vor Erstürmung des Gipfels hätten Sie sich fast noch einen Bruch geholt.<«

»Natürlich gibt es Lachen und Gelächter in der Musik. Es gibt auch komische Instrumente. Humor in der Musik hat damit zu tun, dass Menschen ungewöhnliche Klangfarben wahrnehmen. Da ist zum Beispiel das Fagott als eines dieser Instrumente, das einfach Schmunzeln hervorruft. Oder die Klarinette. Klarinette kommt vom lateinischen »clarus« und heißt »die hell Tönende«. Sie ist erhellend und besonders geeignet, um Fröhliches ertönen zu lassen, womöglich Gelächter wiederzugeben.

In Mozarts Oper >Cosi fan Tutte< ist sogar von überirdischer Heiterkeit die Rede: »Das war auch Mozarts Absicht. Er hat in dieser Oper auch ein Lehrstück gesehen: So sind sie halt, die Menschen, sprechen von ewiger Liebe und sind nicht in der Lage, auch nur zehn Minuten allein zu sein. Wir müssen alle mit unseren Unvollkommenheiten leben, und deshalb ist es gut, wenn wir dazu ein heiteres, von göttlicher Gelassenheit getragenes Verhältnis haben. Es heißt ja sogar beim >Don Giovanni< ausdrücklich >Drama giocoso<, auch wenn es um den Tod zweier Menschen geht.

Humor finden wir auch im Liedgesang, beim Klavierlied. Nehmen wir Hugo Wolf, >Der Rezensent<. Da hat Wolf ein Mörike-Gedicht vertont, und der Rezensent, den er vorher veräppelt hat, wird mit einem kleinen Tritt gegen das Gesäß die Treppe heruntergeworfen. Das ist musikalisch unglaublich eindrucksvoll illustriert. Und schließlich erklingt ein Walzer als Nachspiel zu diesem Lied. Das zeigt eben auch, wie sich Humor und Fröhlichkeit durch Dreiertakte sehr schön ausdrücken lassen.«

Gibt es auch in der modernen Musik eigentlich noch so etwas wie Fröhlichkeit?

»O ja. Das beginnt schon bei Richard Strauss. Er hat die Tonsprache, die Klangsprache enorm ausgeweitet, zum Beispiel. Im >Till Eu-lenspiegel<. Es gab in der Musikgeschichte eigentlich zwei große Schritte fortschrittlicher Instrumentierung. Den einen setzt Berlioz, den anderen Strauss. Natürlich stehen da Oboen und Englisch Horn und vor allen Dingen Klarinette und Es-Klarinette stark im Vordergrund. Der >Till Eulenspiegel< strotzt geradezu von frechen Bemerkungen, die in Musik umgesetzt werden. Und wenn der Till schließlich aufgehängt wird, geht die Es-Klarinette in die obersten Regionen und verhaucht auf eine sehr witzige Weise. Selbst von seiner >Sa-lome< sagte Strauss bei einer Probe, sie sei ein Scherzo mit tödlichem Ausgang.«

Bei Otto Nicolai und seinen >Lustigen Weibern von Windsor< steht in der Partitur: »Elfen und Kobolde melden sich kichernd«. Hier gackern allerdings nicht Instrumente, sondern Stimmen. Damit kommen wir zu den Tenorwitzen. Tenöre und Bratscher sind bevorzugt Opfer von Witzen:

Ein neuer Tenor ist im Stadttheater zum Vorsingen bestellt. Nach zwei Zeilen der ersten Arie verhustet er sich und bricht ab Im zweiten Versuch kommt er auch nur eine Zeile weiter. Der Rest geht wieder im Husten unter.

Beim dritten Ansatz singt er die erste Strophe fast perfekt durch. Aber als er im zweiten Teil zum hohen C ansetzen will, verhustet er sich wieder.

Da schüttelt sich der Sänger, schaut böse in die Runde und ruft: »Scheiß Theater!«

Ein Tenor auf einem Schiff verlässt nach dem Aufstehen seine Kajüte und geht auf das Oberdeck. Er blickt über die Reling in den Nebel und ruft: »Was? Weiter sind wir noch nicht?!«

Ein Tenor kommt im Theater die Treppe hoch. Es begegnet ihm die Sekretärin des Intendanten. Er fragt: »Ist der Intendant da?« »Nein.«

Sagt er: »Weiß ich doch!«

Ein Tenor wird von einer Verehrerin angesprochen. »Ich habe Sie vorgestern in der Straßenbahn gesehen.« »War ich gut?«

Kennt und mag Ohnesorg ausschließlich Musikerwitze?

»O nein, da sind auch ganz andere, allgemeine. Einer meiner Lieblingswitze ist dieser:

Der kleine Moische wird vom Rabbi gefragt: »Moische, wie viel ist zweimal zwei?«

Moische springt auf, schaut den Rabbi ganz verzweifelt an, nimmt seine Finger zur Hilfe, wiegt seine beiden Hände und stammelt: »Sieben?!«

Darauf der Rabbi: »Moische, wie oft hab' ich dir schon erklärt: Zweimal zwei ist vier! OK — fünf! Aber nicht sieben!«

Das ist für mich einer der anrührendsten Witze, den ich kenne: Der Cellist Misha Maisky hat ihn mir mal erzählt, als wir über das >rich-tige< Tempo im letzten Satz von Haydns C-Dur Cello-Konzert diskutiert haben.«

Damit sind wir zurück in der Musik:

Max Reger wird nach einem Konzert, in dem besonders die Fagotte zur Geltung kamen, von einer musikinteressierten adeligen Dame gefragt: »Sagen Sie, Maestro, bringen die Musiker diese merkwürdigen Töne mit dem Mund hervor?« Sagt Reger: »Hoheit, das will ich doch sehr hoffen!«

»Der berühmte Liedbegleiter Gerald Moore, ein wunderbarer Erzähler, hat mich um eine schöne Anekdote über den russischen Bassisten Schaljapin bereichert«, erzählt Ohnesorg:

»Moore und Schaljapin haben ein Lied einstudiert, da fragt der Sänger: »Hm, können wir das nicht einen halben Ton höher spielen?«

»Ja, ja, muss ich halt transponieren, kann das schon machen.« Er fragt: »So ist es tief. Wie klingt es jetzt?« Sagt Schaljapin: »Too low, too low.« »Und einen halben Ton höher?«

»Too high, too high. Don't you have something in between?«

Der Gründungsintendant der Kölner Philharmonie hat die Beziehung nach Köln nie verloren. »Eine der Qualitäten des Rheinlands ist eben, dass die Bewohner wirklich Humor haben. Ich glaube, man kann den Anfang der Bundesrepublik viel besser verstehen, wenn man hier gelebt hat und Adenauer in den Kontext der rheinischen Menschen bringen kann, als wenn man ihn nur abstrakt als Staatsmann sieht. Humor zu haben bedeutet auch, nachsichtig und tolerant zu sein.«

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