Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне

Электронная книга - «Autobiographische Schriften». Краткое содержание книги:

Autobiographische Schriften
1 ... 57 58 59 60 61 62 63 64 65 ... 75
Перейти на страницу:

»Tagebuch eines Schriftstellers.«

Aus der Zeitschrift »... Bürger« vom Jahre 1873. Einführung.

Erster Beitrag Dostojewskis in Nr. 1 der Wochenschrift »... Bürger«, Januar 1873. Siehe Vorwort. E. K. R.

Am zwanzigsten Dezember erfuhr ich, daß alles schon entschieden und ich nunmehr Redakteur des »Bürger« war.Fürst W. Meschtscherski (geb. 1845), der Gründer und Herausgeber der Petersburger konservativen Wochenschrift »... Bürger«, hatte Ende des Jahres 1872 Dostojewski zur Mitarbeiterschaft aufgefordert und dessen Bestätigung als Schriftleiter am 20. Dezember ohne Schwierigkeiten erlangt, da man Dostojewskis politische Richtung nun anders beurteilte, als in den vierziger Jahren und nach seiner Rückkehr aus Sibirien. – Von Dostojewskis ersten Werken waren »Arme Leute« im »Petersburger Almanach« erschienen, den Njekrassoff, der Proletarier und Dichter des Proletariats, 1846 herausgab; die übrigen Werke Dostojewskis bis zu seiner Verhaftung 1849 erschienen in Krajewskis liberalen »Vaterländischen Annalen«, deren Kritiker und Zugstück der »gefährliche« Bjelinski war. Auch 1859, nach seiner Rückkehr aus Sibirien, veröffentlichte Dostojewski die kleineren Romane »... kleine Held« und »... Gut Stepantschikowo« in den »Vaterländischen Annalen«. Von 1861–63 erschien alles, was er schrieb, in seiner Zeitschrift »... Zeit«, so auch die »Winteraufzeichnungen über Sommereindrücke«, die, geschrieben nach seinem Besuch bei Herzen in London, deutlich Herzens Einfluß verraten. Die Herausgeber und Mitarbeiter der »Zeit« (der amtlich allein bestätigte Herausgeber war Dostojewskis Bruder, gegen den politisch nichts vorlag), Dostojewski, Apollon Grigorjeff und Strachoff, nannten sich »... Bodenständigen« (»Poischwenniki«), und namentlich der konservative Hegelianer Strachoff polemisierte in der »Zeit« aufs schärfste gegen Njekrassoffs »Zeitgenossen«, das Organ der Radikalen (oder der sog. »Nihilisten«), doch gleichzeitig wurde von Grigorjeff – der neben Strachoff von entscheidendem Einfluß auf Dostojewskis politisches Denken war – trotz seiner Beziehung zu den Slawophilen und seiner Mitarbeiterschaft an Pogodins »Moskowiter«, der ultranationale Katkoff verspottet (die Literatur sei für Katkoff Heluba, er habe nur ihre politische Macht erkannt und suche diese auszunutzen). Jedenfalls waren die Zensoren sich noch nicht darüber klar, ob sie die »Zeit« oder die Bodenständigen als linksstehend oder rechtsstehend betrachten sollten, und auf Katkoffs Denunziation hin wurde die Zeitschrift 1863 sistiert (vgl. S. 160 Anm.). Der Aufstand der Polen wurde damals zum Anlaß einer Prüfung und Scheidung der Geister in Rußland. Herzens Aufruf für die Polen (vgl. S. 175 Anm.) entzog ihm mit einem Schlage die ganze große Liebe der fortschrittlich, aber national gesinnten russischen Intelligenz und trieb diese seinem Gegner Katkoff zu, der nun in den »Moskauer Nachrichten« (1863 von neuem von ihm übernommen) einen leidenschaftlichen Feldzug gegen Herzen begann. Herzens in London erscheinendes Blatt »... Glocke« (mit dem Epitaph »viros voco«), das bis dahin die führende Stimme der nicht reaktionären Mehrheit der Intelligenz gewesen war, verlor in kürzester Zeit vier Fünftel seiner Abonnenten und ging 1865 ein. 1864–65 arbeitete Dostojewski nach dem frühen Tode Grigorjeffs (1864) mit Strachoff in konservativ-nationalem Sinne an der Herausgabe der »Epoche« (die Fortsetzung der sistierten »Zeit«), die aus finanziellen Gründen im Frühjahr 1865 einging, 1866 erschien sein erster großer Roman »Rodion Raskolnikoff« in Katkoffs konservativem »Russischen Boten«, 1868 »... Idiot« und 1871–72 »... Dämonen« in demselben Blatt, das inzwischen zum Organ der geistigen Elite geworden war. Danach wurde er 1872 ohne Bedenken von seiten der Polizei als Redakteur bestätigt. E. K. R. Dieses außergewöhnliche Ereignis, d. h. außergewöhnlich nur für mich (ich will niemanden beleidigen) – vollzog sich indes auf eine ganz einfache Weise. Und an demselben zwanzigsten Dezember las ich in den »Moskauer Nachrichten« einen Bericht über die Hochzeit des Kaisers von China, der einen mächtigen Eindruck in mir hinterließ. Dieses großartige und allem Anscheine nach überaus komplizierte Ereignis hat sich nämlich gleichfalls auf eine erstaunlich einfache Weise abgespielt: es war da alles schon seit tausend Jahren vorgesehen und festgesetzt, alles bis in die kleinste Einzelheit, in fast zweihundert Bänden des Zeremoniells. Als ich nun die ganze Größe dieses chinesischen Ereignisses mit meiner Ernennung zum Redakteur verglich, – empfand ich plötzlich eine gewisse Undankbarkeit für unsere vaterländischen Einrichtungen, ungeachtet dessen, daß man mich so leicht bestätigt hatte, und ich dachte bei mir, daß es für uns, d. h. für mich und den Fürsten Meschtscherski, in China ganz unvergleichlich leichter wäre als hier, den »Bürger« herauszugeben. Dort ist alles so klar... Wir würden uns beide an dem bestimmten Tage auf dem dortigen Hauptamt für die Presseangelegenheiten einfinden und vertreten. Nachdem wir mit der Stirn auf den Fußboden gestoßen und diesen mit der Zunge geleckt, würden wir aufstehen, die Zeigefinger vor uns in die Höhe heben und zugleich ehrfurchtsvoll die Köpfe neigen. Der Hauptgewalthaber in Sachen der Presse würde natürlich keine Miene verziehen und tun, als schenke er uns nicht die geringste Beachtung, wie irgendwelchen hereingeflogenen zwei Fliegen. Doch der dritte Gehilfe seines dritten Sekretärs würde sich hierauf erheben und, das Diplom meiner Ernennung zum Redakteur in der Hand, mit eindringlicher, jedoch freundlicher Stimme die von den Gesetzen des Zeremoniells hierfür bestimmte Belehrung aufsagen, – eine an sich so klare und so verständliche Belehrung, daß uns beiden das Anhören derselben unsagbar angenehm wäre. Und im Falle ich in China so dumm und so reinen Herzens wäre, daß ich, der Schwäche meiner Fähigkeiten mir wohl bewußt, nun, wo ich mich zur Übernahme einer Schriftleitung anschickte, Angst und Gewissensbisse verspürte, so würde mir sofort bewiesen werden, daß ich doppelt dumm sei, wenn ich solche Empfindungen hegte. Daß ich vielmehr von eben diesem Augenblicke an überhaupt keinen Verstand brauchte, selbst wenn ich einen hätte! Ja, es sei sogar, im Gegenteil, unvergleichlich zuverlässiger, wenn gar keiner vorhanden sei. So etwas aber wäre doch – ohne Zweifel – wirklich höchst angenehm zu hören. Und nachdem der dritte Gehilfe des dritten Sekretärs mit den schönen Worten die Rede geschlossen: »Gehe hin, Redakteur, von nun an kannst du mit neuer Gewissensruhe Reis essen und Tee trinken,« würde er mir ein schönes Diplom, das auf rotem Atlas mit goldenen Lettern gedruckt ist, überreichen. Fürst Meschtscherski würde eine schwerwiegende Sportel aus seiner Hand gleiten lassen, und dann würden wir beide, nach Hause zurückgekehrt, sogleich die prachtvollste Nummer des »Bürger« herausgeben, eine, wie wir sie hier niemals herausgeben werden. In China würde es uns vortrefflich gelingen.

Allein ich argwöhne, daß in China Fürst Meschtscherski mich unbedingt mit einem Hintergedanken aufgefordert haben würde, Redakteur zu werden, nämlich hauptsächlich zu dem Zweck, um sich von mir auf dem Hauptamt der Presseangelegenheiten stets dann vertreten zu lassen, wenn er ersucht wird, sich dort einzufinden, um Schläge mit Bambusstäben auf die Fußsohlen in Empfang zu nehmen. Doch ich würde ihn dort schnell überlisten: ich würde sofort aufhören, den »Bismarck«Gemeint ist einer der zahlreichen Romane des Fürsten Meschtscherski »Einer von unseren Bismarcks«, der damals im »Bürger« erschien und die Petersburger höhere Gesellschaft nicht ohne satirischen Beigeschmack schildert. E. K. R. weiter zu drucken, dafür aber selbst vorzügliche Artikel schreiben, – so daß man mich höchstens nach jeder zweiten Nummer zu den besagten Bambusstäbchcn rufen würde. Dafür würde ich aber lernen, Artikel zu schreiben.

1 ... 57 58 59 60 61 62 63 64 65 ... 75
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)