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18 Geisterstories

Электронная книга - «18 Geisterstories». Краткое содержание книги:

Schaurige Geschichten von klassischen und modernen Gespenstern.
Ausgewählt und herausgegeben von Manfred Kluge.
Inhalt:
Laertes
Karl Hans Strobl
Vier Geister in ›Hamlet‹
Fritz Leiber
Das arme alte Gespenst
Heinrich Seidel
Die Klausenburg
Ludwig Tieck
Der Geisterberg
Gustav Adolf Becquer
Gäste zur Nacht
Alexander Puschkin
Der schwarze Schleier
Charles Dickens
Das weiße Tier
Ein Nachtstück
Georg von der Gabelentz
Das geheimnisvolle Telegramm
Anonymus
Der geraubte Arm
Vilhelm Bergsöe
Die Nacht von Pentonville
Jean Ray
Das Gespenst
Knut Hamsun
Der Geist
Frederic Boutet
Die Kleinodien des Tormento
Paul Busson
Altersstarrsinn
Robert Bloch
Der Spuk von Rammin
Hanns Heinz Ewers
Reitet, Colonel!
Mary-Carter Roberts
Die Stimme aus dem Jenseits
Werner Gronwald
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»Auf die einfachste und natürlichste Weise von der Welt«, antwortete Niels Daae. »Ich hatte diese Nacht die Wache auf dem Hospitale; aber weil ich ziemlich viel Punsch bei Lars Mathiesen getrunken hatte, schlief ich mehr, als ich wachte, und fand es daher passend, mich gegen die Morgenstunde fortzuschleichen. Als ich nach Krystalgaden heimging, kam ich an der Regenz vorbei und sah dich hier rittlings in bloßem Hemde auf der Fensterbank sitzen und den Nachtwächter durch das Geschrei ›Feuer, Mordjo!‹ oder dergleichen alarmieren. Es gelang mir endlich, Jensen dort unten aufzuklopfen, und durch sein Fenster kam ich in die Regenz. Es ist auch eine sonderbare Manier, sich in bloßem Hemde mitten auf die Diele zu legen!«

»Wo kommen die Arme her?« fragte ich, noch halb verstört.

»Ach, der Teufel hole die Arme!« rief Niels Daae; »sieh nur zu, daß du wieder auf die Beine kommst! Die Arme da? Das sind ja keine andern als die, welche ich selbst abgeschnitten habe. Es war ein ausgezeichnet schlauer Einfall. Du weißt ja, wie brummig Sölling wird, wenn er einmal eine Repetierstunde aussetzen soll. Nun hatte ich die Gänse zugeschickt erhalten und wollte euch gerne zu Lars Mathiesen mithaben. Ich wußte, ihr solltet die Osteologie der Arme vornehmen, deshalb ging ich zu Sölling, machte die Tür mit seinem eigenen Schlüssel auf und stahl die Arme von seinen Skeletten. Dasselbe tat ich hier auf der Regenz, und deinen mauste ich, während du unten im Lesezimmer warst. Bist du so genial gewesen, sie vom Gestell herabzureißen und die Etiketten abzunehmen? Ich hatte sie so schön mit Papierstreifen bezeichnet, damit jeder sein Eigentum wieder erhalten könne.«

Ohne ein Wort zu reden, kleidete ich mich an und ging bald mit Daae unter dem Arme in die frische, kühle Morgenluft hinaus.

In Krystalgaden trennten wir uns, und ich wanderte unverweilt nach dem Westerwalle, wo Sölling wohnte. Ohne der Einwendungen seiner alten Wirtin zu achten, ging ich in das Zimmer, wo Sölling den Schlaf der Gerechten schlief. Dort nahm ich den Arm, der noch, in Papier gewickelt, auf seinem Schreibtische lag, legte das Markstück an seine Stelle und eilte so rasch wie möglich auf den Kirchhof zurück.

Wie seltsam war alles verändert, als ich wieder dies Revier betrat! Der Morgennebel hatte sich gelichtet und hing wie glänzende Reifperlen in den Zweigen der Bäume, wo die Sperlinge zwitscherten. Keiner der Arbeiter war noch auf dem Kirchhofe. Ich schritt zu der großen Hänge-Eiche hinüber und stand wieder vor dem schweren Sarge von Eichenholz. Behutsam ließ ich den geraubten Arm in denselben hinabgleiten und klopfte mit sorglicher Hand die rostigen Nägel fest, gerade als die ersten Strahlen der blassen Novembersonne über den Kirchhof spielten.

Erst da ward es mir wieder leicht ums Herz.

Doktor Siemsen schwieg und schaute fragenden Blickes im Kreise umher. Draußen erklang das Schellengeläute des kleinen isabellfarbenen norwegischen Kleppers, der ungeduldig den Kopf schüttelte, und bald darauf saß der joviale Doktor wieder auf seinem hochlehnigen Sessel mit Fußsack und Kutschverdeck.

Aber im Pfarrhause schlief man nicht allzuviel in dieser Nacht, – selbst der Vetter Jakob war erschüttert.

Die Nacht von Pentonville von Jean Ray

Der flämische Fantast Jean Ray (1887-1964) ist eine von Legenden umwobene Gestalt, die meist seine Leser erfanden und denen er nicht widersprach. Die wenigsten stimmten, und schon gar nicht jene, derzufolge Ray, der eigentlich Raymundus Johannes Maria de Kremer hieß, einen Großteil seines Lebens als Abenteurer, Schmuggler und Pirat verbracht hat. In Wirklichkeit fristete er sein Leben zunächst als Angestellter der Stadtverwaltung von Gent und arbeitete später als freier Journalist. Eine seiner ersten Gruselgeschichten erschien 1919 in der Filmzeitschrift ›Cinemablad‹. Der erste Band mit fantastischen Erzählungen, ›Les contes du whisky‹, wurde 1925 publiziert. Danach erschienen Jahr für Jahr Erzählbände und Romane, die er in französischer Sprache schrieb. Jean Ray hat ein umfangreiches literarisches Oeuvre hinterlassen, von dem in Deutschland nur sehr wenig übersetzt vorliegt, obwohl seine Bücher äußerst erfolgreich waren und Meisterwerke der fantastischen Literatur sind.

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Die Behörden sorgten dafür, die geheimnisvollen Umstände, unter denen Richter und Henker ums Leben kamen, zu vertuschen.

Wir kennen aber die Namen mehrerer Richter, die Todesurteile ausgesprochen haben und deren Ende von grauenhalten Visionen begleitet war.

Catherine Crowe (Die dunkle Seite der Natur)

Rock Smitherson blickte an der Ecke Westbourne Road – Barbara Street auf seine Uhr und stellte erfreut fest, daß er noch eine halbe Stunde Zeit hatte, ehe er wieder in die Tretmühle mußte.

Das rote Fenster einer Kneipe leuchtete in der regnerischen Nacht: er warf einen argwöhnischen Blick rund um sich, denn die Vorschriften untersagten ihm, die Tavernen in der Nähe des Schauplatzes seiner täglichen Aufgabe zu besuchen.

»Dog-nose?« schlug der Schankwirt, ein dicker, pausbäckiger Mann mit Hängeschnurrbart vor. »Das ist das Richtige an einem solchen Abend.«

»Dog-nose«, antwortete Smitherson zustimmend.

Der Dicke maß sorgfältig den Gin, den Zucker und das heiße Wasser ab.

»Morgen ist es also soweit?«

»Um acht. Um acht Uhr zehn kommt der Anschlag hinaus, mehr als zehn Minuten früher als drüben in Newgate.«

»Hilary Channing?« fragte der Wirt, indem er nun für sich ein Glas Gin pur eingoß.

»Tatsächlich, so heißt er … He, Cuffy, noch ein Glas, und dann füllen Sie mein flaches Fläschchen mit Ihrer Medizin. Es ist gegen die Vorschrift, aber es tut ja jeder. Das geht einem schon an die Nerven, wenn man sie so früh sterben sieht.«

»Zwanzig, ein-, zweiundzwanzig Jahre, wie?« fragte Cuffy.

»Einundzwanzig genau. Einer von meinen eigenen Jungs ist kaum älter; nun, verstehen Sie, das greift einem ans Herz, und er sieht auch gar nicht bösartig aus. Blond wie reifes Korn und Augen wie’n junges Mädchen; wirklich ein Jammer!« Cuffy nickte schweigend und langsam mit seinem großen Kopf.

»Und wenn man bedenkt, daß ihm sein Verbrechen alles in allem ein Pfund zwei Shilling und eine kleine Damenuhr eingebracht hat, die er im Leihhaus für eine halbe Krone verpfändet hat! Lausig!«

»Eine alte Straßenhändlerin, die ja doch noch vor Jahresende gestorben wäre, so schwindsüchtig war sie, schreiben die Zeitungen«, fügte Cuffy hinzu.

»Und den hochtrabenden Beinamen ›Mustergefängnis‹ setzt man uns etwas zu oft vor«, knurrte Smitherson, seinem eigenen Gedankengang folgend. »Wenn es wirklich das wäre, müßte man Jack Ketch draußen lassen mit dem ausdrücklichen Befehl, seine Knoten in Gefängnissen zu machen, die keine Musterbeispiele sind. Es ist schändlich! Muster … Pah, die Kalkmilch und das Phenol, das man drinnen tonnenweise verbraucht, hindern nicht, daß es so schwarz und dreckig ist wie die anderen, nur ein bißchen übermalt. Pfui Teufel!«

Rock Smitherson, erster Hilfsaufseher im Mustergefängnis Pentonville, haßte seinen Beruf nicht mehr als seine Kollegen, aber an den schrecklichen Abenden vor Hinrichtungen empörte es ihn, einen gefesselten Menschen sterben sehen zu müssen, dem niemand in seiner höchsten Not zu Hilfe kommen würde, sogar wenn die arme, einem schmachvollen Tod bestimmte Kreatur ein Spitzbube war, der das Leben seines Nächsten geringgeachtet hatte.

»Der Herr hat gesagt: du sollst nicht töten!« schloß der Aufseher, den ein dritter und letzter Grog mit Wacholderschnaps noch empfindsamer gemacht hatte.

Er ging in flinkem Tempo durch die Bride Street, denn die halbstündige Galgenfrist war beinahe zu Ende.

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