Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
»Gut,« sagte der König, »hernach?«
»Euer Bote, der besondere Gründe des Hasses gegen Herrn von Mayenne zu haben scheint...,« der König lächelte, »wollte seinem Feind den Garaus machen; vielleicht hatte er das Recht dazu; doch ich dachte, in meiner Gegenwart, in Gegenwart eines Mannes, dessen Schwert Eurer Majestät gehört, würde diese Rache ein politischer Mord, und...« Ernauton zögerte.
»Vollendet!« sagte der König.
»Und ich beschützte Herrn von Mayenne vor Eurem Boten, wie ich Euren Boten vor Herrn von Mayenne beschützt hatte.«
Epernon zuckte die Achseln, Loignac biß sich auf seinen langen Schnurrbart, der König blieb kalt.
»Fahrt fort!« sagte er.
»Auf einen einzigen Gefährten angewiesen – die anderen waren getötet –, hat sich Herr von Mayenne, der sich nicht von diesem Gefährten trennen wollte und nicht wußte, daß ich in Euren Diensten stehe, mir anvertraut und mich ersucht, seiner Schwester einen Brief zu überbringen. Ich habe diesen Brief hier; ich biete ihn Eurer Majestät an, damit sie darüber verfüge, wie sie über mich verfügen würde. Meine Ehre ist mir teuer, Sire, doch sobald ich, um meinem Gewissen zu begegnen, die Gewährschaft des königlichen Willens habe, verleugne ich meine Ehre, denn sie ist in guten Händen.«
Immer noch auf den Knien, reichte Ernauton dem König den Brief.
Der König schob ihn sanft mit der Hand zurück und sagte: »Was sagtet Ihr denn, Epernon? Herr von Carmainges ist ein Ehrenmann und ein treuer Diener.«
»Ich, Sire,« versetzte Epernon, »Eure Majestät fragt, was ich sagte?«
»Ja, hörte ich denn nicht, als ich die Treppe herabging, das Wort Gefängnis aussprechen? Gottes Tod! Ganz im Gegenteil. Der Brief gehört immer dem, der ihn trägt, Herzog, oder dem, dem man ihn bringt.«
Epernon verbeugte sich brummend.
»Ihr werdet Euren Brief an die Adresse abgeben, Herr von Carmainges.«
– »Aber, Sire, bedenkt, was er enthalten kann,« sagte Epernon. »Wir wollen nicht den Zarten spielen, wenn es sich um das Leben Eurer Majestät handelt.«
»Ihr werdet Euren Brief abgeben, Herr von Carmainges,« wiederholte der König, ohne seinem Günstling zu antworten.
»Ich danke, Sire,« sagte Carmainges, indem er sich zurückzog.
»Wohin tragt Ihr ihn?«
»Zu der Frau Herzogin von Montpensier. Ich glaubte die Ehre gehabt zu haben, es Eurer Majestät zu sagen.«
»Ich drücke mich schlecht aus. An welche Adresse, wollte ich sagen. In das Hotel Guise, in das Hotel Saint-Denis oder nach Bel...«
Ein Blick Epernons hielt den König zurück.
»Ich habe in dieser Hinsicht keine besondere Instruktion von Herrn von Mayenne, Sire; ich werde den Brief in das Hotel Guise tragen und dort erfahren, wo Frau von Montpensier ist.«
»Ihr sucht also die Herzogin auf?« – »Ja, Sire.«
»Und wenn Ihr sie gefunden habt?« – »Übergebe ich ihr meine Botschaft.«
»Ganz gut. Sagt nun, Herr von Carmainges...« und der König schaute den jungen Mann fest an. – »Sire?«
»Habt Ihr Herrn von Mayenne etwas anderes versprochen, als diesen Brief eigenhändig seiner Schwester zu übergeben?« – »Nein, Sire.«
»Ihr habt nicht etwa Geheimhaltung des Ortes versprochen, wo Ihr die Herzogin treffen könntet?« – »Nein, Sire, ich habe nichts dergleichen versprochen.«
»Ich werde Euch eine einzige Bedingung stellen.« – »Sire, ich bin der Sklave Eurer Majestät.«
»Ihr übergebt diesen Brief an Frau von Montpensier, und sobald er übergeben ist, kommt Ihr zu mir nach Vincennes, wo ich diesen Abend sein werde.« – »Ja, Sire.«
»Und Ihr legt mir sodann getreulich Rechenschaft ab, wo Ihr die Herzogin gefunden habt.« – »Sire, Eure Majestät kann darauf zählen.«
»Ohne eine andere Erklärung oder ein anderes Bekenntnis, versteht Ihr?« – »Sire, ich verspreche es.«
»Welche Unklugheit! oh! Sire!« sagte der Herzog von Epernon.
»Ihr versteht Euch nicht auf die Menschen, Herzog, oder wenigstens nicht auf gewisse Menschen. Dieser ist redlich gegen Mayenne, folglich wird er auch redlich gegen mich sein.«
»Gegen Euch, Sire, werde ich mehr als redlich, ich werde treu ergeben sein,« rief Ernauton.
»Nun, keinen Streit mehr hier, Epernon,« sagte der König, »Ihr werdet auf der Stelle diesem braven Diener vergeben, was Ihr als einen Mangel an Ergebenheit betrachtet, und was ich als, einen Beweis von Rechtschaffenheit ansehe.«
»Sire,« sagte Carmainges, »der Herr Herzog von Epernon ist ein zu erhabener Mann, um nicht bei meinem Ungehorsam gegen seine Befehle, worüber ich ihm mein Bedauern ausdrücke, gesehen zu haben, wie sehr ich ihn achte und liebe; ich habe nur vor allem getan, was ich für eine Pflicht hielt.«
»Parfandious!« rief der Herzog, indem er die Physiognomie mit derselben Schnelligkeit veränderte, wie ein Mensch, der eine Maske aufsetzt oder ablegt, »das ist eine Prüfung, die Euch Ehre macht, und Ihr seid in der Tat ein hübscher Junge, nicht wahr, Loignac? Wir haben ihm schön angst gemacht.« Und der Herzog schlug ein Gelächter auf.
Loignac drehte sich auf den Absätzen, um nicht zu antworten; obgleich Gaskogner, fühlte er sich nicht stark genug, mit derselben Unverschämtheit zu lügen, wie sein erhabener Chef.
»Nun, da alles abgemacht ist, brechen wir auf, meine Herren,« sagte der König.
Epernon verbeugte sich.
»Ihr kommt mit mir, Herzog!«
»Was heißt, ich begleite Eure Majestät zu Pferde; so lautet, glaube ich, der Befehl, den sie gegeben hat?« – »Ja... Wer wird am anderen Kutschenschlag sein?«
»Ein ergebener Diener Eurer Majestät, Herr von Sainte-Maline,« antwortete Epernon und schaute dabei Ernauton an, um zu sehen, welche Wirkung dies bei ihm hervorbrächte.
Ernauton blieb unempfindlich.
»Loignac,« fügte er hinzu, »ruft Herrn von Sainte-Maline!«
»Herr von Carmainges,« sagte der König, der die Absicht des Herzogs von Epernon begriff, »Ihr werdet Euren Auftrag besorgen, nicht wahr, und Ihr kommt dann sogleich nach Vincennes?« – »Ja, Sire.«
Trotz aller Philosophie war Ernauton doch froh, nicht dem Triumphe beizuwohnen, der das ehrgeizige Herz Sainte-Malines so sehr ergötzen mußte.
Magdalenas sieben Sünden.
Wer König warf einen Blick auf seine Pferde, und als er sie so kräftig und so feurig sah, wollte er es nicht wagen, allein im Wagen zu fahren; nachdem er Ernauton, wie wir erzählt, recht gegeben, hieß er den Herzog durch ein Zeichen in der Karosse Platz nehmen. Loignac und Sainte-Maline nahmen ihren Platz am Kutschenschlage; ein einziger Piqueur ritt voraus.
Der Herzog saß allein auf dem Vordersitze des schweren Wagens, und der König setzte sich mit allen seinen Hunden in den Fond.
Unter diesen war ein bevorzugter; er hatte ein besonderes Kissen, auf dem er ganz sanft schlief. Zur Rechten des Königs stand ein Tisch, dessen Füße im Boden der Karosse befestigt waren; dieser Tisch war mit gemalten Zeichnungen bedeckt, die Seine Majestät, trotz der Stöße des Wagens, mit einer wunderbaren Geschicklichkeit ausschnitt.
Es waren meistens heilige Gegenstände, das heißt, nach damaliger Sitte stark mit heidnisch mythologischen Anschauungen versetzt. Stets methodisch, hatte der König im Augenblick eine Auswahl unter diesen Zeichnungen gemacht, und er beschäftigte sich damit, das Leben Magdalenas der Sünderin auszuschneiden. Man sah Magdalena, jung, schön, gefeiert; kostbare Bäder, Bälle, Vergnügungen aller Art reihten sich aneinander. Der Künstler hatte den geistreichen Gedanken gehabt, die Launen seines Grabstichels mit dem gesetzlichen Mantel der kirchlichen Autorität zu bedecken; so war jede Zeichnung, mit dem laufenden Titel der sieben Todsünden, durch eine besondere Legende erklärt. Magdalena unterliegt der Sünde des Zorns, Magdalena unterliegt der Sünde der Schwelgerei, Magdalena unterliegt der Sünde der Hoffart, Magdalena unterliegt der Sünde der Unkeuschheit, und so fort bis zur siebenten und letzten Todsünde.