Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
»Zu eigenen Händen?« – »An die Frau Herzogin von Montpensier selbst.«
Der Herzog drückte seinem Gefährten die Hände und sank dann ermattet, Schweiß auf der Stirn, auf das frische Stroh zurück.
»Mein Herr,« sagte der Soldat in einer Sprache, die Ernauton sehr wenig mit der Tracht im Einklang zu stehen schien, »Ihr habt mich gebunden wie ein Kalb, das ist wahr; aber, wollt Ihr oder wollt Ihr nicht, ich sehe dieses Band als eine Kette der Freundschaft an und werde es Euch geeigneten Orts und zu geeigneter Zeit beweisen.«
Und er reichte ihm eine Hand, deren Weiße der junge Mann schon wahrgenommen hatte.
»Es sei,« sagte Carmainges lächelnd, »ich habe also nun zwei Freunde mehr.«
»Spottet nicht,« erwiderte der Soldat, »man hat nie zu viel.«
»Es ist wahr, Kamerad,« sagte Ernauton und entfernte sich.
Der Pferdehof.
Gegen die Mitte des dritten Tages kam Ernauton in Paris an. Um drei Uhr nachmittags erschien er im Louvre bei den Fünfundvierzig.
Als ihn die Gaskogner sahen, stießen sie ein Geschrei des Erstaunens aus. Herr von Loignac trat auf dieses Geschrei ein und nahm, als er Ernauton erblickte, das verdrießlichste Gesicht an, was Ernauton nicht abhielt, gerade auf ihn zuzugehen.
Herr von Loignac hieß den jungen Mann durch ein Zeichen in ein Kabinett kommen, das am Ende des Schlafsaales lag.
»Benimmt man sich so, mein Herr?« sagte er sogleich; »Ihr seid nun, wenn ich richtig zähle, fünf Tage und fünf Nächte abwesend, und Ihr, den ich für einen der Vernünftigsten hielt, gebt das Beispiel einer solchen Übertretung?« – »Mein Herr,« entgegnete Ernauton, sich verbeugend, »ich habe getan, was man mich tun hieß.«
»Und was hat man Euch tun heißen?« – »Man hat mir befohlen, Herrn von Mayenne zu folgen, und ich bin ihm gefolgt.«
»Fünf Tage und fünf Nächte hindurch?« – »Fünf Tage und fünf Nächte hindurch.«
»Der Herzog hat also Paris verlassen?« – »An demselben Abend, und das kam mir verdächtig vor.«
»Ihr hattet recht... sodann?«
Ernauton erzählte gedrängt, aber mit der Wärme und Energie eines Mannes von Herz das Abenteuer auf dem Wege und die Folgen, die dieses Abenteuer gehabt hatte. Je weiter er in seiner Erzählung vorrückte, desto mehr strahlte Loignacs bewegliches Gesicht alle Eindrücke wider, die der Redende in seiner Seele hervorbrachte.
Als aber Ernauton auf den Brief zu sprechen kam, den ihm Herr von Mayenne anvertraut hatte, rief Herr von Loignac: »Ihr habt diesen Brief?« – »Ja.«
»Teufel! das verdient einige Aufmerksamkeit,« sagte der Kapitän; »erwartet mich oder vielmehr kommt mit mir, ich bitte Euch.«
Ernauton ließ sich führen und gelangte hinter Loignac in den Pferdehof des Louvre, wo alles zu einer Ausfahrt des Königs vorbereitet war. Herr von Epernon sah zu, wie man zwei neue Pferde probierte, die als Geschenk Elisabeths an Heinrich III. aus England gekommen waren.
Während Ernauton am Eingang des Hofes blieb, näherte sich Loignac Herrn von Epernon und berührte ihn unten an seinem Mantel.
»Neuigkeiten, Herr Herzog,« sagte er, »große Neuigkeiten.«
Der Herzog verließ die Gruppe, bei der er stand, und ging zu der Treppe, auf der der König herabkommen mußte.
»Sprecht, Herr von Loignac, sprecht!« – »Herr von Carmainges kommt von jenseits Orleans; Herr von Mayenne liegt in einem Dorfe gefährlich verwundet.«
Der Herzog ließ einen Ausruf vernehmen und wiederholte: »Verwundet!« – »Mehr noch,« fuhr Loignac fort, »er hat an Frau von Montpensier einen Brief geschrieben, den Herr von Carmainges in seiner Tasche trägt.«
»Oh! oh!« machte Epernon. »Parfandious! Laßt Herrn von Carmainges kommen, damit ich selbst mit ihm sprechen kann.«
Loignac holte Ernauton herbei, »Herr Herzog,« sagte er, »hier ist unser Reisender.«
»Gut, mein Herr, Ihr habt, wie« es scheint, einen Brief vom Herrn Herzog von Mayenne?« fragte Epernon. – »Ja, gnädigster Herr.«
»Geschrieben in einem kleinen Dorfe bei Orleans?« – »Ja, gnädigster Herr.«
»Und adressiert an Frau von Montpensier?« – »Ja, gnädigster Herr.«
»Habt die Güte, mir diesen Brief zu geben.«
Der Herzog streckte die Hand mit der ruhigen Nachlässigkeit eines Mannes aus, der nur seinen Willen ausdrücken zu dürfen glaubt, wie er auch lauten mag, daß diesem Willen entsprochen werde.
»Verzeiht, Monseigneur,« sagte Carmainges, »habt Ihr mir nicht gesagt, ich soll Euch den Brief von Herrn von Mayenne an seine Schwester geben?« – »Allerdings.«
»Der Herr Herzog weiß nicht, daß dieser Brief mir anvertraut worden ist.« – »Was liegt daran?«
»Es liegt viel daran, gnädigster Herr; ich habe dem Herrn Herzog mein Ehrenwort gegeben, daß dieser Brief der Herzogin selbst zugestellt werde.«
»Seid Ihr im Dienste des Königs oder in dem des Herrn von Mayenne?« – »In dem des Königs, Monseigneur.«
»Nun wohl! Der König will diesen Brief sehen.« – »Gnädigster Herr, Ihr seid nicht der König.«
»Ich glaube in der Tat, Ihr vergeßt, mit wem Ihr sprecht, Herr von Carmainges?« sagte Epernon, vor Zorn erbleichend.
Aber Ernauton blieb bei aller Erregung und Empörung des Herzogs völlig kühl, was seinen Vorgesetzten schließlich so in Wut versetzte, daß er brüllte:
»Ins Gefängnis, und man nehme ihm seinen Brief ab!«
»Niemand soll ihn berühren,« rief Ernauton, indem er einen Sprung rückwärts machte und Mayennes Schreiben aus der Brust zog; »ich zerreiße den Brief in Stücke, da ich ihn nur um diesen Preis retten kann. Und wenn ich dies tue, wird Herr von Mayenne mein Benehmen billigen, und Seine Majestät wird mir verzeihen.«
Schon war der junge Mann im Begriff, den kostbaren Brief in zwei Stücke zu zerreißen, als eine Hand sanft seinen Arm zurückhielt.
Wäre der Druck heftig gewesen, so würde Ernauton ohne Zweifel den Brief sofort vernichtet haben; als er aber sah, daß man schonend zu Werke ging, hielt er inne und wandte den Kopf um.
»Der König!« sagte er.
Der König hatte wirklich, die Treppe des Louvre herabsteigend, einen Augenblick stillgestanden, er hatte das Ende des Streites mit angehört, und sein königlicher Arm hielt Carmainges' Arm zurück.
»Was gibt es denn, meine Herren?« fragte er mit jenem Tone, dem er, wenn er wollte, eine so gebieterische Macht zu verleihen wußte.
»Sire,« rief Epernon, ohne daß er sich die Mühe gab, seinen Zorn zu verbergen, »dieser Mensch, einer von Euren Fünfundvierzig, zu denen er übrigens nicht mehr gehören wird, dieser Mensch, den ich in Eurem Namen beauftragte, Herrn von Mayenne während seines Aufenthalts in Paris zu überwachen, ist diesem bis jenseits Orleans gefolgt und hat dort von ihm einen an Frau von Montpensier adressierten Brief erhalten.«
»Ihr habt von Herrn von Mayenne einen an Frau von Montpensier adressierten Brief erhalten?« fragte der König. – »Ja, Sire,« antwortete Ernauton; »doch der Herzog von Epernon sagt Euch nicht, unter welchen Umständen.«
»Nun, wo ist dieser Brief?« – »Das ist gerade die Ursache des Streites, Sire; Herr von Carmainges weigert sich durchaus, ihn mir zu geben, und will ihn an seine Adresse überbringen. Eine Weigerung ist meiner Ansicht nach die Sache eines schlechten Dieners.«
Der König schaute Carmainges an.
Der junge Mann setzte ein Knie auf die Erde und sagte: »Sire, ich bin ein armer Edelmann, ein Mann von Ehre und nichts anderes. Ich habe Eurem Boten, den Herr von Mayenne und fünf von seinen Anhängern ermorden wollten, das Leben gerettet, denn ich kam gerade zu rechter Zeit an, um dem Kampfe eine Wendung zu seinen Gunsten zu geben.« »Und während dieses Kampfes ist Herrn von Mayenne nichts begegnet?« fragte der König. – »Doch, Sire, er wurde verwundet, und zwar schwer verwundet.«