Das Kloster der toten Seelen
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #11
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Das Kloster der toten Seelen». Краткое содержание книги:
Aus einer kleinen religiösen Gemeinschaft sind sämtliche Mönche verschwunden, im Refektorium steht noch ihr beinahe unberührtes Mahl. Es ist, als hätte sich die Erde geöffnet und die Klosterbrüder verschlungen. Da entdeckt man sieben der Mönche ermordet auf den Klippen am Meer und unweit davon ein angelsächsisches Schiff. Trotzdem liegen die Dinge weniger klar, als sie scheinen. Und es wird entschieden gefährlich für Schwester Fidelma und Bruder Eadulf, ehe sie wissen, welche handfesten irdischen Absichten und Interessen hinter dem mystisch anmutenden Vorfall und einigen weiteren Morden in der Gegend stecken.
Aus dem Englischen von Susanne Olivia Zylla
Die Originalausgabe unter dem Titel »Smoke in the Wind« erschien 2001 bei Headline Book Publishing, London.
Auf einmal hielt der Trupp an und verstummte.
Jemand mußte Eadulf auf seinem Pferd entdeckt und Befehl zum Halten gegeben haben. Er hoffte, daß niemand von den Kriegern beschloß, mit Pfeil und Bogen auf ihn zu zielen, ehe er in Hörweite sein würde. Langsam bugsierte er sein Pferd hinunter zu den wartenden Kriegern.
»Willkommen, Brüder!« rief er in seiner Sprache und hielt fünf Meter vor ihnen an. »Was führt euch in dieses Land?«
Der Trupp stand schweigend da. Dann antwortete ihm eine angelsächsische Stimme.
»Wer bist du, daß du unsere Sprache sprichst?«
»Ich bin Eadulf von Seaxmund’s Ham aus dem Land des Südvolkes.«
»Ein Christ?«
»Ja, so ist es.«
»Wir sind Hwicce!« wurde ihm kühl geantwortet.
Eadulf spürte, wie ihn ein kalter Schauer durchfuhr. Da standen nun genau jene Leute, von denen er Fidelmaberichtet hatte. Sachsen, deren Heldentaten so legendär waren und die immer noch den alten Glauben verfochten, Wotan, den Allvater, den Herrn der Welt, anbeteten, das Oberhaupt der Rabensippe.
»Ich habe schon von den Hwicce gehört.« Eadulf brachte ein Lächeln zustande. »Die Hwicce sind in allen Königreichen der Sachsen, Angeln und Jüten bekannt. Doch die Hwicce, von denen ich gehört habe, sind ein mutiges und hochherziges Kriegsvolk, das Fremden gegenüber höflich ist - sogar christlichen Brüdern in fremden Ländern gegenüber.«
Einen Augenblick herrschte Stille. Jemand murmelte etwas einem anderen zu, dann lachte einer laut los. Eadulf versuchte, sein Unbehagen darüber zu überspielen.
»Du bist recht geschickt mit deinen Worten, Eadulf, der Christ«, sagte jemand. »Sag uns, was du hier tust.«
Eadulf beschloß, sparsam mit der Wahrheit umzugehen. »Ich reise in Begleitung zum Königreich von Kent, nach Canterbury. Vor ein paar Tagen hat ein Unwetter mein Schiff an Land gezwungen.«
»Sind dir, einem Sachsen, die Welisc nicht feindselig begegnet?« fragte überrascht jemand.
»Man hat mir auf verschiedene Weise zu verstehen gegeben, daß ich nicht erwünscht bin, doch ich habe
überlebt. In diesem Land wohnen immerhin Christen, und sie bringen niemanden ohne guten Grund um.«
»Allein Sachse zu sein genügt vielerorts meist. Zweifellos verschonen dich diese Hunde, weil du ein Christ bist, Eadulf«, erwiderte die Stimme. »Sag mir, ob du weißt, wo die feindlichen Krieger der Welisc stecken? Werden wir bald angegriffen?«
Eadulf dachte schnell nach. Was wäre hilfreicher? Die Wahrheit zu sagen oder zu lügen, daß die Krieger ganz in der Nähe seien? Er hatte das Gefühl, es sei besser, aufrichtig zu sein.
»Es sind keine Krieger in der Nähe, Hwicce. In diesem Land leben friedvolle Schäfer und Viehhirten.«
»Beschwörst du das? Schwörst du das bei dem Schwerte Wotans?«
Eadulf schüttelte den Kopf. »Ein Eid auf das Schwert Wotans bedeutet mir nichts. Doch ich werde auf das Kreuz Christi schwören.«
»Das geht in Ordnung. Schwörst du also?«
»Ja. Innerhalb eines halben Tagesritts befinden sich keine größeren Kriegstruppen der Welisc. Das schwöre ich beim heiligen Kreuz!«
Auf einen Befehl trat die Zweierreihe der Krieger auseinander. Die Schilde wurden abgesetzt, die beiden Reihen lösten sich auf, und auf Eadulf kam jener Krieger zu, der mit ihm gesprochen hatte. Der Mann stellte seinen Schild beiseite und nahm seinen Helm ab. Zu Eadulfs Überraschung handelte es sich um einen blonden jungen Mann, der sicher erst Anfang zwanzig war. Er hatte ein schönes Gesicht, das von tiefliegenden Augen beherrscht wurde, die so graublau waren, daß sie schon fast violett wirkten. Er war hochgewachsen, hatte eine muskulöse Figur und sah wie jemand aus, der im Kriegsberuf seine Bestimmung gefunden hatte. Eadulf waren die offenen, jugendlichen Züge seines Gegenübers sofort sympathisch.
»Sei gegrüßt in diesem Land der Welisc, Eadulf, der Christ.« Der junge Mann lächelte. »Ich bin Graf Osric aus dem Gefolge Eanfriths, des Königs der Hwicce.«
Eadulf stieg von seinem Pferd und lief ein paar Schritte auf den Grafen zu. »Sei gegrüßt, Osric von den Hwicce. Pax tecum!«
Osric lächelte wieder. »Ich kann kein Latein, Eadulf. Sprich Sächsisch. Ich bin kein Christ. Die Götter meiner Vorfahren sind gut genug für mich.«
»Ich wollte dich um ein quid pro quo bitten, doch da du kein Latein sprichst, werde ich es dir übersetzen: >Etwas für etwas.< Ich habe dir mitgeteilt, daß hier keine Krieger der Welisc sind. Jetzt sag du mir im Gegenzug auch etwas.«
Osric lachte vergnügt auf. »Warst du ein Händler, ehe du in die merkwürdige Bruderschaft der Christen eingetreten bist, mein Freund?«
»Ich war nach der Erbfolge gerefa, ein Friedensrichter meines Volkes«, erklärte ihm Eadulf.
»Ein Friedensrichter. Das hätte ich wissen können«, erwiderte der junge Adlige. »Gut, handeln wir miteinander. Was möchtest du von mir wissen?«
»Was führt euch an dieses Ufer? Wollt ihr den Leuten hier Schaden zufügen?«
Osric zeigte auf den Wald. »Wir sind hier, um den höchsten Baum zu fällen, den wir finden können.«
Das war eine so unerwartete Antwort, daß er ganz verdutzt dreinschaute.
Der junge Adlige lachte. »Mein FriedensrichterFreund«, sagte er, »das stimmt wirklich. Unser Schiff hat keinen Mast mehr, doch es ist uns gelungen, es in die Bucht hinter der Landspitze zu steuern.« Er winkte mit der Hand hinter sich. »Wir müssen einen neuen Mast bauen. Doch da dies hier das Land der Welisc ist, haben wir uns auf Auseinandersetzungen eingestellt.«
»Und deshalb habt ihr den Schlachtruf von euch gegeben?«
»Wir dachten, das würde die Leute so verängstigen, daß wir in Ruhe unseren Baum fällen könnten.«
Er drehte sich um und erteilte einen Befehl, woraufhin seine Männer in den nahe gelegenen Wald liefen und nach einem passenden Baum Ausschau hielten.
Einer von ihnen, offensichtlich der oberste Zimmermann, zeigte auf eine hohe, schlanke Eiche. Zwei Männer mit Äxten traten vor und machten sich an die Arbeit. Der Klang der Äxte hallte in der ganzen Umgebung wider. Sie verschwendeten keine Zeit und arbeiteten rasch und äußerst geschickt.
»War es euer Schiff, daß vor einigen Tagen an der Küste weiter unten vor Anker lag?« wollte Eadulf wissen.
Osric drehte sich amüsiert zu ihm um. »Eine weitere Frage? Ich dachte, dein lateinischer Händlerspruch bedeute Frage gegen Frage?«
»Wenn du noch etwas wissen willst, so bin ich gern bereit zu antworten«, erbot sich Eadulf. Ob nun Hwicce oder nicht, Heide oder nicht, es waren Leute aus seinem eigenen Volk, und er fühlte sich wohl in ihrer Gesellschaft.
»Ja, da hast du recht. Die ganze letzte Woche sind wir die Küste hoch und runter gesegelt. Wir haben ein Schiff der Welisc gejagt.«
»Habt ihr vielleicht dabei das Kloster der Welisc in der Nähe überfallen, südlich von hier?«
Osric schüttelte entschieden den Kopf. »Wir hatten Besseres zu tun.«
Von dieser Antwort war Eadulf überrascht. »Ihr wart es nicht?« erkundigte er sich noch einmal beharrlich.
»Warum fragst du? Behaupten die Welisc etwa, daß sie von uns überfallen wurden?«
»Ja, manche schon. Vor einigen Tagen hat man ein sächsisches Schiff in einer kleinen Bucht in dieser Richtung liegen sehen.« Er wies mit der Hand dorthin.
»Das war mein Schiff, die Wellenbrecher«, erwiderte Osric.