Das Kloster der toten Seelen
- Автор: Тримейн Питер
- Серия: Schwester Fidelma ermittelt #11
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические детективы
Электронная книга - «Das Kloster der toten Seelen». Краткое содержание книги:
Aus einer kleinen religiösen Gemeinschaft sind sämtliche Mönche verschwunden, im Refektorium steht noch ihr beinahe unberührtes Mahl. Es ist, als hätte sich die Erde geöffnet und die Klosterbrüder verschlungen. Da entdeckt man sieben der Mönche ermordet auf den Klippen am Meer und unweit davon ein angelsächsisches Schiff. Trotzdem liegen die Dinge weniger klar, als sie scheinen. Und es wird entschieden gefährlich für Schwester Fidelma und Bruder Eadulf, ehe sie wissen, welche handfesten irdischen Absichten und Interessen hinter dem mystisch anmutenden Vorfall und einigen weiteren Morden in der Gegend stecken.
Aus dem Englischen von Susanne Olivia Zylla
Die Originalausgabe unter dem Titel »Smoke in the Wind« erschien 2001 bei Headline Book Publishing, London.
Die Pferde im Hof fingen unruhig zu wiehern an. Der Hund knurrte und bellte beleidigt. Eadulf sah sich voller Verzweiflung um, packte dann Fidelma am Arm und schob sie auf ein kleines Gebäude zu, das von einer niedrigen Mauer umgeben war. Er sprang über die Mauer und half dann Fidelma auf die andere Seite. Um sie herum regte es sich. Dem Gestank nach mußten sie in einem Schweinekoben gelandet sein.
Die Schweine beschnüffelten sie eingehend, legten sich dann aber - gleichgültig gegenüber den beiden Eindringlingen - wieder hin.
Vorsichtig hoben Fidelma und Eadulf die Köpfe. Am anderen Ende des Hofes ging gerade die Tür des Bauernhauses auf. Ein Mann hielt eine Laterne hoch. Der Hund bellte immer noch aufgebracht.
»Still, Ci!« fuhr ihn der Mann schroff an. »Was zum Teufel ist denn nur los mit dir?«
Sie erkannten Iestyn. Ein anderer Mann stellte sich neben ihn. Fidelma holte tief Luft und flüsterte dann Eadulf ins Ohr: »Das ist Corryn.«
Der Hund winselte ungeduldig, als er seinen Herrn sah.
»Was hat den Hund so aufgebracht?« fragte Cor-ryn.
»Da draußen ist nichts«, erwiderte Iestyn. »Die Pferde sind scheu. Vielleicht haben sie ihm einen Schrecken eingejagt.«
»Vielleicht«, stimmte ihm Corryn zögernd zu. Er blickte sich im Dunkel um.
Nun gesellte sich ein Dritter dazu. »Dein Haus liegt weitab von der Ortschaft«, sagte dieser. »Da würde doch sicher niemand mehr so spät hier vorbeikommen, oder?«
Iestyn lachte bitter.
»Niemand kommt hier in einer solchen Nacht vorbei. Das da vorn ist der einzige Weg vom und zum Ort. Das weißt du. Und überhaupt, warum macht ihr euch solche Sorgen? Ich hätte mir mehr Gedanken darüber gemacht, am hellichten Tag in den Ort zu reiten. Man hätte dich erkennen können.«
Der dritte Mann lachte auf. »Ich glaube nicht, daß man mich erkannt hat. Dagegen habe ich das Mädchen wiedererkannt. Doch ich bin mir sicher, daß sie nicht wußte, wer ich bin. Egal, ich weiß ja nun, wer sie ist. Gwndas Tochter.«
»Genau«, warf Corryn ein. »Was ist, wenn sie jemandem etwas erzählt hat? Das Ganze war sehr gefährlich. Es könnte alle unsere Pläne zunichte machen.«
»Doch nur, wenn sie etwas aufgeschnappt hat. Sie hat wahrscheinlich gar nichts mitbekommen. Dennoch geht alles viel zu schleppend voran. Ceredigion kann nicht länger hingehalten werden.«
»Wenn Artglys mit Dyfed ein Bündnis eingehen will, muß er warten«, hielt ihm Corryn vor. »Wir haben soviel Zeit damit zugebracht, den Plan heranreifen zu lassen, da werden wir ihn doch jetzt nicht einfach aufgeben. Und welche Wahl hätte Artglys denn? Er hat keine.«
Der andere zuckte mit den Schultern. »Die Krieger von Ceredigion sind gut ausgebildet und bereit zum Kampf. Wir können sofort in den Krieg ziehen.«
Corryns Stimme klang herausfordernd. »Glaubst du denn etwa, daß in Dyfed Schwächlinge leben? Wie oft ist Ceredigion schon gegen Dyfed in den Krieg gezogen? Seit Ceredigs Zeiten habt ihr immer neidisch auf dieses Königreich geschaut. Oft habt ihr versucht, es zu erobern, aber es hat euch widerstanden. Es wird sich nicht bezwingen lassen, nur weil Ceredigion in die Schlacht zieht; es wird nur durch eine List zu erobern sein. Also wollen wir uns schön an den Plan halten, den wir so sorgfältig ausgearbeitet haben.«
Der Dritte schob zornig die Kinnlade vor. »Der Plan wird befolgt, solange mein Lord Artglys es sagt!«
»Dann solltest du besser deinen König fragen, ob er an dem Bündnis noch interessiert ist oder nicht.« Corryn wandte sich ab.
»Und du solltest Clydog nach seinen Absichten fragen!« rief ihm der Krieger zu.
Corryn drehte sich rasch um. »Clydogs Absichten sind nicht die meinen!« fuhr er ihn barsch an. »Geh nur und teile Artglys’ Handlanger, dem guten Morgan, mit, daß er mit der nächsten Stufe des Plans beginnen sollte. Wir müssen dafür sorgen, daß Gwlyd-dien selbst bald loslegt. Offensichtlich braucht es noch ein paar Leichen mehr, um seine Wut zum Überkochen zu bringen. Noch ein paar niedergemetzelte Mönche am Strand könnten ihn vielleicht in Rage versetzen. Verstehst du?«
Der dritte Mann schien zu zögern. »Nun gut«, sagte er dann. »Ich begreife jetzt, warum man dich die Spinne nennt, mein Freund. Warten, Ränke schmieden, beobachten, und dann ... Wollen wir hoffen, daß wir Geduld bewahren. Ich werde Artglys sagen, was du wünschst.«
Ohne ein weiteres Wort ließ er die anderen beiden stehen und ging zu seinem Pferd. Er saß auf und verschwand im Dunkel der Nacht, ohne sich noch einmal umzusehen.
Iestyn stand noch neben Corryn und hielt die Laterne hoch, so als würde er dem Davonreitenden hinterherblicken.
»Ist das ein arroganter Kerl, mein Herr«, sagte der Bauer abschätzig.
»Ein wahres Wort«, stimmte ihm Corryn zu. »In den kommenden Tagen sollten wir uns ein Urteil über ihn bilden. Denk daran, daß es sich hier nicht um einen foedus amorum handelt, sondern um einen Vertrag zu unserem Nutzen, der aufgelöst werden kann, sobald das Ziel erreicht ist.«
»Vertraust du Clydog, Herr?«
»Überhaupt nicht.« Corryn lachte laut. »Sein Vater tut das wohl auch nicht, wie mir scheint. Hat er Cly-dog nicht losgeschickt, um in Dyfed Unruhe zu stiften und nicht in seinem Haus? Da fällt mir ein, daß ich zu ihm muß. Gibt es sonst noch etwas Neues von dieser Frau ... der Gwyddel und ihrem sächsischen Freund?«
»Sie sind wieder da und haben sogar mich und Ior-werth ausgehorcht. Die Gwyddel interessiert sich aber mehr für Mairs Mörder als für unsere Machenschaften.«
»Könnte Iorwerth etwas ausgeplaudert haben, was sie auf unsere Spur führt? Dieser Idiot aus Ceredigion hätte nicht sein Pferd in Iorwerths Schmiede beschlagen lassen dürfen.«
Iestyn schüttelte schnell den Kopf. »Was sollten sie erfahren haben? Geheime Informationen überbringen wir im geheimen. Iorwerth hat damit nichts zu tun; es besteht keine Möglichkeit, unserem Plan zuvorzukommen.«
Corryn schwieg eine Weile. »Du hast vielleicht recht, mein Freund. Doch die Schwester ist keine Närrin. Ich habe gehört, daß diese Richter an den Gerichten von Ei-reann sehr listenreich und findig arbeiten. Sie sicher auch. Und der Sachse ebenso. Mir ist es unbegreiflich, wie leicht sie Clydog reinlegten und aus seinem Lager fliehen konnten. Doch es ist ihnen gelungen!«
»Wenn die Zeit reif ist, wirst du mit ihnen abrechnen können, Herr«, sagte Iestyn. »Jedenfalls haben sie keine Ahnung.«
»Trotzdem, Iestyn, mir gefällt es nicht, daß sie hier die Leute verhören.«
Iestyn lachte in sich hinein. »Mich mögen sie befragen, Herr. Hab keine Angst. Der Plan ist sicher. Sie scheinen sich nur für Mairs Tod zu interessieren.«
»Ich verlasse mich auf dich, Iestyn«, erwiderte der andere, »denn du weißt, was dir Verrat einbringt.«
Auf einmal herrschte Schweigen zwischen ihnen. Dann ging Corryn zu seinem Pferd und saß auf.
»Halte mich über die üblichen Kanäle auf dem laufenden, Iestyn. Wenn Morgan seine Anweisungen befolgt, wird Gwlyddien bald etwas unternehmen. Wenn er erst einmal angestachelt ist ... Das Königreich gehört uns!« Er hob zum Abschied die Hand und ritt in die Nacht hinein.
Iestyn sah ihn in der Dunkelheit verschwinden und ging zu seinem Hund. Der lag vor der Scheune, den Kopf zwischen den Pfoten; er jaulte.
»Gib Ruhe, Ci, du dummes Tier.«
Der Hund stand auf und bellte.
Iestyn sah sich zögernd um. Fidelma und Eadulf duckten sich tief hinter die Schweinestallwand.
»Oh, ich weiß«, sagte Iestyn. »Ich habe vergessen, dich zu füttern. Keine Sorge. Ich habe einen Knochen für dich.« Er ging zum Haus zurück.
Fidelma packte Eadulf am Arm, und kurz darauf waren sie beide über die Mauer geklettert. Der Hund hatte sie bemerkt und fing wieder an zu bellen. Sie hörten Iestyns verärgerte Stimme.
»Halt die Schnauze, du dummer Köter! Ich bringe den Knochen sofort!«