Die Gedanken Des Bösen
- Автор: Крайтон Майкл
- Язык: немецкий
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Gedanken Des Bösen». Краткое содержание книги:
»Ein atemberaubend spannendes Buch.« (»New York Times Book Review«)
Zu diesem Buch
Michael Crichton hat in seinem Roman kenntnisreich und mit großer Fabulierkunst das heute technisch Machbare und das vielleicht morgen schon Mögliche verbunden. Er führt den Leser zugleich in die fernsten Regionen des Alls und in die Tiefen des Unterbewußtseins.
»>Die Gedanken des Bösen< bestätigen Crichtons Rang als Mitbegründer und erfolgreichsten Vertreter des Genres >Science-Thriller<: spannend bis zur letzten seite.« (»welt am sonntag«)
Michael Crichton, geboren 1942 in Chicago, studierte Philosophie und Medizin an der Universität Harvard. Seine Romane und populärwissenschaftlichen Bücher (u. a. »Im Kreis der Welt«, rororo Nr. 12946) sind internationale Bestseller. Michael Crichton ist auch ein erfolgreicher Filmregisseur, so drehte er u. a. »Der erste große Eisenbahnraub« (nach seinem eigenen Roman), »Kein Mord von der Stange« und »Runaway«.
»med. hilfscode 103«.
»Hast du 'ne Ahnung, was das heißt?«
Sie nickte. »Es ist ein Computer-Code. Ich hab ihn abgerufen.« »Und?«
»Nicht besonders ermutigend«, sagte sie. »Tatsächlich?« Er setzte sich an den Terminal im Labor und gab 103 ein. Auf dem Bildschirm erschien:
SATURIERTE UMGEBUNG UNTER ÜBERDRUCK -MEDIZINISCHE KOMPLIKATIONEN (GRÖSSERE -TÖDLICHE)
1.01 LUNGENEMBOLIE
1.02 HOCHDRUCK-NERVENSYNDROM
1.03 ASEPTISCHE KNOCHENNEKROSE
1.04 SAUERSTOFFVERGIFTUNG
1.05 TEMPERATUR-BELASTUNGSSYNDROM
1.06 UBIQUITÄRE PSEUDOMONAS-INFEKTION
1.07 ZEREBRALINFARKT
BITTE WÄHLEN:
»Tu's nicht«, sagte Beth. »Wenn du die Einzelheiten siehst, machst du dir nur unnötig Sorgen. Es genügt zu wissen, daß wir uns in einer äußerst gefährlichen Umgebung befinden. Barnes hat uns die schlimmsten Einzelheiten lieber gar nicht erst mitgeteilt. Weißt du, warum es eine Vorschrift der Navy gibt, daß jeder nach spätestens zweiundsiebzig Stunden hier raus muß? Weil danach die Gefahr der >aseptischen Knochen-nekrose< steigt. Niemand weiß warum, aber die ÜberdruckUmgebung führt zur Zerstörung des Knochens in Beinen und Hüften. Und weißt du auch, warum sich das Habitat beständig anpaßt, wenn wir uns von einem Raum zum anderen bewegen? Nicht etwa, weil wir uns mit unserer hochentwickelten Technik hervortun wollen, o nein, sondern weil die Heliumatmosphäre die Einhaltung einer gleichmäßigen Körpertemperatur äußerst schwierig macht. Man kann blitzschnell einen Wärmestau bekommen und sich ebenso schnell eine Unterkühlung holen, und zwar so gründlich, daß man daran krepiert. Das kann so rasch gehen, daß man es erst merkt, wenn es zu spät ist. Man fällt dann einfach tot um. Außerdem kann es zu einem >Hoch-druck-Nervensyndrom< kommen - dabei treten plötzliche Zuckungen und Lähmungen auf, und wenn der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre zu stark abfällt, tritt der Tod ein. Dafür haben wir hier diese Kärtchen - wir sollen sehen können, ob genug CO2 in unserer Atemluft ist. Aus keinem anderen Grund tragen wir sie. Nett, nicht?«
Norman schaltete den Bildschirm aus und lehnte sich zurück. »Nun, ich komme immer wieder zum selben Ergebnis - wir können jetzt nicht viel unternehmen.«
»Genau, was Barnes gesagt hat.« Nervös schob Beth auf ihrem Arbeitstisch Laborgegenstände hin und her und ordnete sie neu.
»Schade, daß wir kein Exemplar von diesen Quallen haben«, sagte Norman.
»Ja. Allerdings weiß ich ehrlich gesagt nicht, was uns das nützen würde.« Sie runzelte die Stirn und spielte mit den Unterlagen auf dem Tisch. »Norman, ich kann hier unten nicht besonders klar denken.«
»Wieso?«
»Nach dem, äh, Unfall bin ich hergekommen, um meine Notizen durchzugehen und alles noch mal zu überdenken. Weißt du noch, daß ich dir gesagt hatte, die Garnelen hätten keinen Magen? Ich habe sie mir noch mal vorgenommen, und jetzt stellt sich heraus, sie haben doch einen. Ich hatte einen schlechten Schnitt gemacht, bin neben der mittleren Sagittale-bene gelandet und habe damit an allem vorbeigeschnitten, was in der Mitte liegt. Die Garnelen sind völlig normal. Und wie sich herausstellte, hatte der Kalmar, den ich seziert habe, nur eine leichte Anomalie. Seine Kiemen waren atrophiert, aber er besaß welche. Die anderen Kalmare sind völlig normal, alles ist da, was sie zum Leben brauchen. Damit war ja auch zu rechnen. Ich hab mich geirrt und übereilte Schlüsse gezogen. Das ärgert mich.«
»Hast du deswegen das Valium genommen?«
Sie nickte. »Ich hasse es, schlampig zu arbeiten.«
»Niemand macht dir Vorwürfe.«
»Wenn sich Harry oder Ted meine Arbeit ansähen und merkten, was für alberne Schnitzer ich gemacht habe ...«
»Jeder macht mal einen Fehler.«
»Ich höre sie schon: >Typisch Frau, nicht sorgfältig genug, zu sehr darauf bedacht, eine Entdeckung zu machen, möchte sich beweisen, zieht voreilige Schlüsse. Ist von einer Frau nicht anders zu erwarten<.«
»Keiner macht dir einen Vorwurf, Beth.«
»Doch, ich.«
»Aber sonst niemand«, sagte Norman. »Ich finde, du solltest nicht so streng mit dir ins Gericht gehen.«
Sie sah auf den Labortisch und sagte schließlich: »Ich muß.«
Etwas an der Art, wie sie das sagte, rührte ihn an. »Ich verstehe«, sagte Norman, und eine Erinnerung kam ihm. »Weißt du, als Junge bin ich mal mit meinem kleinen Bruder Tim an den Strand gegangen. Er lebt jetzt nicht mehr; aber damals war er sechs und konnte noch nicht schwimmen. Meine Mutter hatte mir aufgetragen, gut auf ihn aufzupassen, doch als ich an den Strand kam, waren da alle meine Freunde und machten sich einen Spaß daraus, unter den Brechern hindurchzutauchen. Ich wollte auch draußen in der Brandung bei den anderen sein, aber Tim mußte dicht am Ufer bleiben. Er hing an mir wie eine Klette. Das war für mich sehr schwer.
Jedenfalls bin ich zu den anderen. Irgendwann am Nachmittag ist Tim dann laut brüllend aus dem Wasser gekommen und hat sich die rechte Seite gehalten. Irgendeine Qualle hatte sich in ihn verbissen, klebte noch an ihm. Am Ufer ist er zusammengebrochen. Eine von den Müttern kam zu uns gelaufen und hat Timmy ins Krankenhaus gebracht, bevor ich aus dem Wasser war. Ich wußte nicht mal, wo sie ihn hingebracht hatten. Als ich später ins Krankenhaus kam, war meine Mutter schon da. Tim stand unter Schock, vermutlich war das Gift für seinen kleinen Körper eine starke Dosis gewesen. Niemand hat mir Vorwürfe gemacht. Auch wenn ich am Strand gesessen und mit Argusaugen auf ihn aufgepaßt hätte, wäre er gebissen worden, es hätte also keinen Unterschied gemacht. Aber ich hatte nun mal nicht am Strand gesessen und habe mir deshalb noch jahrelang Vorwürfe gemacht, als es ihm schon längst wieder gut ging. Jedesmal, wenn ich die Narben an seiner Seite sah, hatte ich schreckliche Schuldgefühle. Aber man kommt darüber hinweg - man ist nicht für alles verantwortlich, was auf der Welt geschieht.«
Es entstand eine Pause. Norman hörte außer dem unablässigen Summen der Belüftungsanlage ein leises, gleichmäßiges Schlagen, es kam von irgendwoher aus dem Habitat.
Beth sah ihn unverwandt an. »Dann muß es für dich ja besonders schlimm gewesen sein, Edmunds so sterben zu sehen.«
»Merkwürdig«, sagte Norman, »den Zusammenhang sehe ich erst jetzt, wo du das sagst.«
»Hast es vielleicht verdrängt. Wir wär's mit 'ner Valium?«
Er lächelte. »Nein, danke.«
»Du scheinst nahe daran loszuheulen.«