Die Stunde der Diebe. Finstere Pläne
- Автор: Кирчофф Мери, Winter Steve
- Серия: Der Bund der Drachenlanze #2
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Stunde der Diebe. Finstere Pläne». Краткое содержание книги:
»Ob es noch einen anderen Eingang gibt?« fragte Tanis.
Alle Augen wandten sich Hoto zu, der geschwiegen hatte, seit sie das Turmdorf der Phaetonen verlassen hatten. Wie gewöhnlich antwortete er erst nach einer Weile. »Es gibt noch eine Öffnung, doch dies ist kein guter Eingang. Es ist eine Art Schornstein, der in den Fels gemeißelt wurde. Ich beobachte die Gegend seit Jahren und habe festgestellt, daß dieser Schornstein in den Raum führt, in dem der Zauberer seine Riten vollzieht. So kann er während der Zeremonie die Monde sehen.«
»Ist er so breit, daß man hinunterklettern kann?« fragte Tanis.
»Zu breit«, erwiderte Hoto. »Die Wände sind glatt, steil und mehr als zwei Armlängen voneinander entfernt. Ohne Seile würdet ihr nicht hinunterkommen.«
Tanis spürte, daß Hoto auf etwas hinauswollte. »Aber ein Phaeton mit Flügeln könnte doch runterfliegen?«
»Ja, wenn er vorsichtig ist und keine schwere Last trägt.«
Flint warf Tanis einen Blick zu. »Denkst du, was ich denke, was du denkst?«
Der Halbelf nickte. »Sieben von uns gehen am Haupteingang rein. Dort wird der Widerstand wahrscheinlich am stärksten sein, und wir müssen dort ebenfalls stark sein. Nanda, drei von deinen Leuten sollen diesen Kamin suchen und dort warten. Wenn wir Balkoms Zeremonienraum erreichen, muß er sich auf uns konzentrieren.
Dann kommt die Überraschung durch den Schornstein. Mit etwas Glück erwischt ihn einer von hinten.«
Nanda überlegte sich den Vorschlag. Er warf Hoto einen Blick zu. »Du bist nicht unser Anführer, Urgroßvater, aber unser weisester Ratgeber. Hört sich Tanis’ Plan erfolgversprechend an?«
»Jedenfalls ist er nicht schlechter als andere.« Hoto sah Tanis direkt ins Gesicht. Dem Halbelfen fiel zum ersten Mal auf, wie die Augen des Mannes in der Dunkelheit glühten. »Auch wenn der Erfolg seinen Preis haben wird. Wie der Zwerg schon sagte, euer Feind ist ein mächtiger Zauberer. Heute nacht wird er mehr als einen von uns töten. Ist diese Elfenfrau einen solchen Preis wert, Nanda Lokir?«
Nanda hatte gewußt, daß diese Frage kommen würde, und seine Antwort kam ohne Zögern. »Nein, Urgroßvater, die Frau selbst ist für uns ohne Bedeutung. Aber das Böse in diesem Mann kann unsere Familien bedrohen. Das ist es, was wir verhindern müssen.«
Der Alte schien mit dieser Antwort zufrieden zu sein.
Nanda wandte sich den anderen Phaetonen in der Gruppe zu. »Cele, nimm Jito und Satba mit zum Schornstein. Hoto wird euch beschreiben, wo das ist. Dort wartet ihr, bis wir kommen. Wir anderen gehen zum Haupteingang. Ich gehe voraus, dann kommt Hoto, dann Kelu, Tanis, Tolpan und Flint, zum Schluß Baji. Wir rücken so schnell und still wie möglich vor.«
Plötzlich stand Tolpan neben Nanda. »Laß mich vorgehen, Nanda. Ich bin der Kleinste, und ich habe so was schon eher mal gemacht.«
»Nein. Du bleibst hinter Tanis und Flint. Alle mir nach.« Auf der Stelle war der Anführer der Phaetonen auf den Beinen und schlich über den Grat. Er verschmolz mit den Büschen und suchte sich vorsichtig einen Weg durch das dornige Gestrüpp. Die Gruppe brauchte fast zwanzig Minuten, um das Tal hinter sich zu bringen, doch schließlich erreichten sie zerkratzt und verschwitzt den Höhleneingang.
»Kann jemand diese Zeichen lesen?« fragte Nanda.
Tanis suchte den weißen Fels um den Eingang ab und bemerkte zum ersten Mal, daß wirklich eine Art Schrift in den Stein eingemeißelt war. Er hatte keine Ahnung, was sie bedeutete, oder auch nur, welche Sprache es war.
Wieder schob Tolpan sich nach vorne. »Das ist eine religiöse Inschrift, eine Art rituelles Gebet. Ich habe genau so etwas schon einmal über einer Tempeltür südlich von Shalost an der Grenze zu Silvanesti gesehen, kurz bevor die Elfen den Tempel niederbrannten. Ich weiß nicht, was es bedeutet, aber es sind dieselben Zeichen. Das hier, an der Spitze«, er deutete mit seinem Hupak hin, »ist das Siegel von Hiddukel.«
Flint fingerte unsicher an seiner Axt herum und fragte: »Was war das für ein Tempel, der bei Shalost?«
»Der gehörte einem Seelenkannibalenkult.«
Die Gruppe schwieg einen Moment lang, bis Tanis sagte: »Na schön, das paßt zu dem, was du mit Selana in Balkoms Labor belauscht hast. Gehen wir rein.«
Geduckt, als würde er in starken Gegenwind laufen, drang Nanda in die Höhle ein. Der Rest der Gruppe folgte in einer Reihe hintereinander.
Baji, der als letzter der Phaetonen eintrat, warf schnell einen Blick über die Schulter. Nachdem er sich vergewissert hatte, daß ihnen niemand folgte, drehte er sich wieder um und schloß mit Flint auf.
Hätte er den Eingang etwas länger beobachtet, so hätte er vielleicht gesehen, wie zwei weiße Steinkörper in Gestalt von Minotauren mit pulsierenden, roten Adern sich aus dem Fels beiderseits der Höhle lösten, langsam zum Eingang liefen und den Eindringlingen folgten.
Nanda führte die Gruppe langsam den Gang hinunter. Obwohl es eine natürliche Höhle war, sah man, daß manches daran bearbeitet war. Wände und Boden waren teilweise geglättet oder eingeebnet. Von weiter vorne drang ein schwaches Licht in den Tunnel, das lange Schatten zum Eingang hin warf.
Der Anführer ging vorsichtig vor und tastete den Boden vor sich mit seinem Stab ab. Sekunden später klickte und zischte etwas, und Nanda brach auf dem Boden zusammen. Alle aus der Gruppe blieben erst wie erstarrt stehen. Dann rannten Kelu und Tanis zu dem Getroffenen.
Ein Eisenpfeil ragte zwei Fingerbreit aus seiner Hüfte, und darum breitete sich eine Blutlache aus. Kelu nahm ihn vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger und versuchte ganz sanft, ihn aus der Wunde zu ziehen. Nandas Halsmuskeln spannten sich an, weil er dagegen kämpfte, laut aufzuschreien.
Kelu schüttelte den Kopf. »Er steckt im Knochen, Nanda.«
»Und hat wahrscheinlich auch Widerhaken«, fügte Tanis hinzu. »Um den sicher herauszubekommen, brauchen wir Magie. Kannst du überhaupt noch gehen?«
Der bleiche Anführer der Phaetonen nickte und murmelte: »Ich glaube schon.« Die beiden Männer halfen ihm auf und stützten ihn. Tolpan hob den Stab auf, den Nanda fallengelassen hatte, und gab ihn zurück. Wenn er sich auf den Stab stützte, konnte Nanda eigenständig weiterhumpeln, doch jeder konnte sehen, wie er unter Schmerzen litt.
Tolpan tippte Nanda an die Schulter und sagte wieder: »Das hätte ich bestimmt entdeckt. Laß mich vorgehen.« Als er das Zögern in Nandas Augen sah, beharrte er: »Ich kann so was. Ist eine Art Hobby.«
Nanda sah Tanis fragend an. Der Halbelf erklärte: »Ich kenne ihn nicht viel länger als du, aber er scheint wirklich sehr geschickt darin zu sein, irgendwo rein und wieder raus zu kommen, wo Besucher unerwünscht sind. In dieser Hinsicht hat er uns bisher immer gut geführt.«
Nanda schlug die Augen nieder und winkte mit der Hand.
»Geh vor«, sagte Tanis. »Nanda kann deinen Platz zwischen Flint und mir einnehmen.«
Etwas erleichtert, weil jemand anders ihm die Verantwortung abnahm, stützte sich Nanda schwer auf seinen Stab, um dem verwundeten Bein möglichst viel Gewicht abzunehmen.
Tolpan grinste von einem Ohr zum anderen, während er seine Beutel und Taschen zurechtrückte und sagte: »Beste Entscheidung, die du je getroffen hast. Guckt gut zu!« Er drehte sich um und ging leichtfüßig bis zu der Stelle zurück, wo Nanda gestürzt war. »Ich bin fertig, ihr auch, Tanis?« Ohne ein Zeichen abzuwarten, ging er an die Arbeit.
Bevor er weiter den Tunnel hinunterlief, nahm sich der Kender die Zeit, den Auslösemechanismus der Falle zu untersuchen, die Nanda verletzt hatte. Er stocherte nur ein paar Sekunden mit dem Dolch in dem rauhen Steinboden herum, bevor er murmelte: »Aha!« Einer der größeren Steine verschob sich etwas und gab dabei ein hörbares Klicken von sich. Tolpan sah ihn sich noch ein paar Sekunden an, bevor er die gegenüberliegende Wand absuchte. Rasch fand er das kleine Loch für den Pfeil und nickte anerkennend.