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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp

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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp
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Grover schüttelte den Kopf und schien das alles überaus rätselhaft zu finden.

Annabeth sah mich an, als wüsste sie schon, was ich jetzt fragen würde, und wollte mich bitten, es nicht zu tun.

»Du ahnst, was da in der Grube sitzt, nicht wahr?«, fragte ich sie. »Ich meine, wenn es nicht Hades ist?«

»Percy … reden wir nicht davon. Denn wenn es nicht Hades ist … nein. Es muss Hades sein.«

Wir fuhren durch die Wüste. Wir kamen an einem Schild vorbei, auf dem stand: KALIFORNIEN 20 KILOMETER.

Ich hatte das Gefühl, dass mir ein simples, wichtiges Stück Information fehlte. Es war wie in den Momenten, wenn ich ein ganz normales Wort anstarrte, das ich eigentlich kennen müsste, dem ich aber keinen Sinn entnehmen konnte, weil ein oder zwei Buchstaben umhertanzten. Je mehr ich über meine Aufgabe nachdachte, umso sicherer wurde ich, dass die Begegnung mit Hades nicht die eigentliche Lösung sein würde. Es ging noch um etwas anderes, etwas, das noch gefährlicher war.

Das Problem war: Wir jagten mit hundertfünfzig Kilometern in der Stunde auf die Unterwelt zu und setzten ganz und gar darauf, dass Hades den Herrscherblitz hatte. Wenn wir bei ihm ankamen und feststellten, dass wir uns geirrt hatten, würde keine Zeit mehr sein, einen neuen Plan zu machen. Der Stichtag Sommersonnenwende wäre gekommen und der Krieg würde beginnen.

»Die Antwort liegt in der Unterwelt«, versicherte Annabeth mir. »Du hast die Geister der Toten gesehen, Percy. Und das kann nur einen einzigen Ort bedeuten. Wir machen das Richtige.«

Sie versuchte uns aufzumuntern, indem sie kluge Strategien entwickelte, wie wir ins Reich des Todes gelangen könnten, aber ich war nicht mit dem Herzen bei der Sache. Es gab einfach zu viele unbekannte Faktoren. Es war wie das Büffeln für eine Klausur, deren Thema man nicht weiß. Und glaubt mir, das hatte ich oft genug gemacht.

Das Taxi jagte westwärts. Jeder Windstoß im Death Valley hörte sich an wie ein Totengeist. Immer wenn hinter einem LKW die Bremsen ächzten, erinnerte mich das an Echidnas Reptilienstimme.

Bei Sonnenuntergang setzte das Taxi uns in Santa Monica am Strand ab. Der sah genauso aus wie im Film, nur dass er stank. Auf der Pier gab es allerlei Buden, am Straßenrand standen Palmen, Penner schliefen in den Dünen und blöde Surfer warteten auf die perfekte Welle.

Grover, Annabeth und ich gingen bis ans Wasser.

»Und jetzt?«, fragte Annabeth.

Der Pazifik färbte sich im Sonnenuntergang golden. Ich dachte darüber nach, wie lange es schon her war, dass ich am Strand von Montauk gestanden hatte, am anderen Ende des Landes, an einem anderen Meer.

Wie konnte ein Gott das alles unter Kontrolle halten? Was hatten wir im Naturkundeunterricht gelernt – dass zwei Drittel der Erdoberfläche von Wasser bedeckt sind? Wie war es möglich, dass ich der Sohn eines dermaßen mächtigen Wesens war?

Ich trat in die Brandung.

»Percy?«, fragte Annabeth. »Was machst du da?«

Ich ging weiter ins Wasser, bis zur Taille, bis zur Brust.

Sie rief hinter mir her: »Weißt du, wie verdreckt das Wasser hier ist? Da drin gibt es alle Arten von Giften …«

Mein Kopf war unter Wasser.

Zuerst hielt ich den Atem an. Es ist schwer, ganz bewusst Wasser einzuatmen. Endlich konnte ich es nicht mehr aushalten. Ich schnappte nach Luft. Und natürlich konnte ich ganz normal atmen.

Ich ging weiter. Durch den vielen Schlamm hindurch hätte ich eigentlich nichts sehen dürfen, aber irgendwie wusste ich, wo alles war. Ich konnte den Sandboden spüren. Ich konnte Sandbänke und Wellen und Sandwürmer im Boden ahnen. Ich konnte sogar die Strömungen sehen, warmes und kaltes Wasser, das umeinanderwirbelte.

Ich spürte, dass sich etwas an meinem Bein rieb. Ich schaute nach unten und wäre fast wie eine Kanonenkugel aus dem Wasser geschossen. Neben mir glitt ein zwei Meter langer Makohai dahin.

Aber er griff mich nicht an. Er streichelte mich. Rieb sich an mir wie ein Hund. Vorsichtig berührte ich seine Rückenflosse. Er machte eine Art Buckel und schien mich auffordern zu wollen, fester zuzupacken. Ich fasste die Flosse mit beiden Händen. Der Hai schwamm los und zog mich mit sich. Er zog mich in die Dunkelheit nach unten und brachte mich zum Rand des eigentlichen Ozeans, wo die Sandbank in einen tiefen Abgrund abfiel. Ich kam mir vor wie um Mitternacht am Rand des Grand Canyon; ich konnte nicht viel sehen, wusste aber, dass unter mir die Schlucht klaffte.

Die Wasseroberfläche schimmerte vielleicht fünfzig Meter über mir. Ich wusste, dass mich der Wasserdruck eigentlich zerquetschen müsste. Aber ich dürfte ja eigentlich auch nicht atmen können. Ich fragte mich, ob es wohl eine Grenze dafür gab, wie tief ich gehen, oder ob ich bis auf den Grund des Pazifiks sinken könnte.

Dann sah ich in der Dunkelheit unter mir etwas funkeln, es wurde größer und heller, als es auf mich zukam. Eine Frauenstimme, wie die meiner Mutter, rief: »Percy Jackson!«

Als sie näher kam, konnte ich sie deutlicher erkennen. Sie hatte wogende schwarze Haare und ein Kleid aus grüner Seide. Licht umflackerte sie und ihre Augen waren so hinreißend schön, dass ich kaum das Seepferd registrierte, auf dem sie saß.

Sie stieg ab. Seepferd und Hai verzogen sich und vertieften sich in ein Spiel, das aussah wie Fangen. Die Unterwasserdame lächelte mich an. »Du bist weit gekommen, Percy Jackson. Gut gemacht.«

Ich wusste nicht so recht, wie ich mich verhalten sollte, deshalb verbeugte ich mich. »Du bist die Frau, die im Mississippi mit mir gesprochen hat.«

»Ja, Kind. Ich bin eine Nereide, ein Meeresgeist. Es war nicht leicht, so tief im Flussinneren zu erscheinen, aber die Najaden, meine Süßwasserkusinen, haben mir geholfen, meine Lebenskräfte zu erhalten. Sie ehren den Herrn Poseidon, auch wenn sie nicht zu seinem Hof gehören.«

»Aber … du gehörst zu Poseidons Hof?«

Sie nickte. »Es ist schon viele Jahre kein Kind des Meeresgottes mehr geboren worden. Wir haben dich mit großem Interesse beobachtet.«

Plötzlich fielen mir Gesichter in den Wellen vor Montauk ein, die ich gesehen hatte, als ich klein war, Bilder lächelnder Frauen. Wie bei so vielen seltsamen Dingen in meinem Leben hatte ich bisher nicht weiter darüber nachgedacht.

»Wenn mein Vater so großes Interesse an mir hat«, sagte ich, »warum ist er nicht hier? Warum spricht er nicht mit mir?«

Eine kalte Strömung kam aus der Tiefe herauf.

»Urteile nicht zu streng über den Herrn des Meeres«, sagte die Nereide. »Er steht am Rande eines Krieges, den er nicht wünscht. Er hat zu viel zu tun. Außerdem darf er dir nicht auf direktem Wege helfen. Die Götter dürfen niemanden bevorzugen.«

»Nicht einmal ihre Kinder?«

»Vor allem die nicht. Die Götter können nur durch indirekten Einfluss tätig werden. Deshalb soll ich dir eine Warnung und ein Geschenk bringen.«

Sie streckte die Hand aus. Drei weiße Perlen funkelten auf ihrer Handfläche.

»Ich weiß, dass du ins Reich des Hades unterwegs bist«, sagte sie. »Nur wenige Sterbliche haben das bisher gewagt und überlebt: Orpheus, der große musikalische Fähigkeiten besaß, Herkules, der überaus stark war, Houdini, der sogar den Tiefen des Tartarus entkommen konnte. Besitzt du eine dieser Gaben?«

»Äh … nein, Ma’am.«

»Ah, aber du besitzt etwas anderes, Percy. Du hast Talente, die du gerade erst entdeckst. Die Orakel haben für dich eine große und entsetzliche Zukunft vorausgesagt, wenn du bis zum Mannesalter überlebst. Poseidon will nicht, dass du stirbst, ehe deine Zeit gekommen ist. Deshalb nimm dieses Geschenk und zerbrich vor deinen Füßen eine Perle, wenn du in Not gerätst.«

»Was passiert dann?«

»Das«, sagte sie, »kommt auf die Notlage an. Aber denk daran: Was dem Meer gehört, wird immer zum Meer zurückkehren.«

»Und die Warnung?«

In ihren Augen flackerte grünes Licht. »Folge der Stimme deines Herzens, sonst wirst du alles verlieren. Hades ernährt sich von Zweifeln und Hoffnungslosigkeit. Er wird versuchen dich auszutricksen, er wird dafür sorgen, dass du deinem eigenen Urteil misstraust. Wenn du dich erst einmal in seinem Reich befindest, wird er dich freiwillig nicht mehr gehen lassen. Verlier nicht den Mut. Viel Glück, Percy Jackson.«

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