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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp

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Percy Jackson 01 - Diebe Im Olymp
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Und er hat wirklich keinen Verdacht?, fragte er.

Eine andere Stimme, die mir bekannt vorkam, antwortete dicht hinter mir: Nein, hoher Herr. Er weiß ebenso wenig wie die anderen.

Ich schaute mich um, aber da war niemand. Der Sprecher war unsichtbar.

Trug um Trug. Das Ding in der Grube schien laut zu denken. Hervorragend.

In der Tat, hoher Herr, sagte die Stimme neben mir. Ihr werdet nicht umsonst als der Gerissene bezeichnet. Aber war das wirklich nötig? Ich hätte Euch sofort das bringen können, was ich gestohlen habe …

Du?, fragte das Ungeheuer verächtlich. Du hast uns doch deine Grenzen schon gezeigt. Du hättest total versagt, wenn ich nicht eingegriffen hätte.

Aber hoher Herr …

Schweig, kleiner Knecht. Unsere sechs Monate haben uns viel gebracht. Zeus’ Zorn ist gewachsen. Poseidon hat seine verzweifeltste Karte ausgespielt. Und jetzt werden wir sie gegen ihn verwenden. Bald wirst du die gewünschte Belohnung erhalten und außerdem deine Rache. Sowie beide Gegenstände in meinen Händen liegen … aber warte. Er ist hier.

Was? Der unsichtbare Knecht klang plötzlich angespannt. Ihr habt ihn gerufen, hoher Herr?

Nein. Die geballte Aufmerksamkeit des Ungeheuers richtete sich auf mich und ich erstarrte. Verflucht sei das Blut seines Vaters – er ist zu veränderlich, zu unvorhersagbar. Der Junge ist von selbst hergekommen.

Unmöglich!, rief der Knecht.

Für einen Schwächling wie dich vielleicht, fauchte das Monster. Dann wandte es seine kalte Macht wieder mir zu. Also … du möchtest von deinem Auftrag träumen, junges Halbblut? Den Wunsch will ich dir erfüllen.

Der Schauplatz wechselte.

Ich stand in einem riesigen Thronsaal mit schwarzen Marmorwänden und Bronzeboden. Der leere, entsetzliche Thron bestand aus Menschenknochen, die miteinander verschmolzen waren. Vor der Throntreppe stand meine Mutter, erstarrt in schimmerndem goldenem Licht, mit ausgebreiteten Armen.

Ich wollte auf sie zugehen, aber meine Beine gehorchten mir nicht. Ich streckte die Hände nach ihr aus und sah, dass von ihnen nur noch die Knochen übrig waren. Grinsende Skelette in griechischer Rüstung drängten sich um mich zusammen, hüllten mich in Seidengewänder und wanden Lorbeerkränze um meine Stirn, die vor Chimärengift dampften und sich in meine Kopfhaut einbrannten.

Die böse Stimme brach in Gelächter aus. Heil dir, siegreicher Held!

Ich fuhr hoch.

Grover hatte meine Schulter gepackt. »Wir haben angehalten«, sagte er. »Wir glauben, dass sie gleich nach den Tieren sehen werden.«

»Verstecken«, zischte Annabeth.

Sie hatte gut reden. Sie setzte einfach ihre Tarnkappe auf und war verschwunden. Grover und ich mussten uns hinter die Futtersäcke fallen lassen und konnten nur hoffen, dass wir aussahen wie Rüben.

Die LKW-Türen wurden quietschend geöffnet. Sonnenlicht und Hitze strömten herein.

»Mann!«, sagte einer der LKW-Fahrer und schwenkte die Hand vor seiner hässlichen Nase. »Ich wünschte, wir hätten Waschbecken geladen.« Er stieg ein und goss Wasser aus einem Eimer in die Näpfe der Tiere.

»Ist dir heiß, Großer?«, fragte er den Löwen und kippte ihm den restlichen Inhalt des Eimers ins Gesicht.

Der Löwe brüllte wütend auf.

»Ist ja schon gut«, sagte der Mann.

Grover erstarrte neben mir unter den Rübensäcken. Für einen friedliebenden Gemüsefresser sah er verdammt mordlustig aus.

Der Mann warf der Antilope eine zerdrückte Happy-Meal-Tüte hin. Er feixte das Zebra an. »Na, wie sieht’s aus, Streifi? Immerhin werden wir dich hier los. Findest du Zaubershows toll? Die hier wird dir bestimmt gefallen. Da werden sie dich in Stücke sägen.«

Das Zebra schaute mir ins Gesicht. Es war außer sich vor Angst.

Alles blieb still, aber trotzdem hörte ich genau, wie es sagte: Rette mich, Herr. Bitte.

Ich war zu verblüfft, um zu reagieren.

Dann wurde dreimal ganz laut an die Seitenwand geklopft.

Der Mann, der bei uns im LKW stand, brüllte: »Was ’n los, Eddie?«

Eine Stimme draußen – sicher die von Eddie – brüllte zurück: »Maurice? Was haste gesagt?«

»Wieso klopfst ’n so?«

Klopf, klopf, klopf.

Draußen schrie Eddie: »Ich klopf doch nicht!«

Unser Freund Maurice verdrehte die Augen, stieg aus dem Wagen und verfluchte den blöden Eddie.

Eine Sekunde darauf tauchte Annabeth neben mir auf. Offenbar hatte sie geklopft, um Maurice aus dem Wagen zu locken. Sie sagte: »Dieser Transport kann doch unmöglich legal sein.«

»Sicher nicht«, sagte Grover. Er unterbrach sich und schien auf etwas zu lauschen. »Der Löwe sagt, diese Typen seien Tierschmuggler.«

Genau, hörte ich die Stimme des Zebras.

»Wir müssen sie befreien«, sagte Grover. Er und Annabeth sahen mich an. Sie warteten darauf, dass ich die Führung übernahm.

Ich hatte das Zebra sprechen hören, den Löwen aber nicht. Vielleicht war das auch eine Lernbehinderung … dass ich nur Zebras verstehen konnte? Dann dachte ich: Pferde. Was hatte Annabeth noch darüber gesagt, dass Poseidon die Pferde erschaffen hatte? Und war ein Zebra vielleicht eine Art Pferd? Konnte ich es deshalb verstehen?

Das Zebra sagte: Mach meinen Käfig auf, Herr. Danach komm ich allein zurecht.

Draußen brüllten Eddie und Maurice sich an, aber es war klar, dass sie jeden Augenblick wieder hereinkommen und die Tiere quälen könnten. Ich packte mein Schwert und zerschlug das Schloss vom Zebrakäfig.

Das Zebra kam herausgestürmt. Es drehte sich zu mir um und verbeugte sich. Danke, Herr.

Grover hob die Hände und sagte etwas in Ziegensprache, es klang wie ein Segen.

Als Maurice wieder hereinschaute, um festzustellen, woher der Lärm kam, sprang das Zebra über ihn hinweg und jagte durch die Straße davon. Wir hörten Geschrei und Gebrüll und das Hupen von Autos. Wir stürzten zur Wagentür und konnten gerade noch sehen, wie das Zebra über einen breiten Boulevard voller Hotels, Kasinos und Neonschilder davonstürmte. Wir hatten soeben in Las Vegas ein Zebra freigelassen.

Maurice und Eddie rannten hinterher, gefolgt von ein paar Polizisten, die riefen: »He! Dafür brauchen Sie aber eine amtliche Erlaubnis!«

»Jetzt wäre ein guter Moment zum Aufbruch«, sagte Annabeth.

»Erst die anderen Tiere«, sagte Grover.

Ich zerschlug die Schlösser mit meinem Schwert. Grover hob die Hände und sprach noch einmal den Segen, den er dem Zebra mit auf den Weg gegeben hatte.

»Viel Glück«, sagte ich. Antilope und Löwe sprangen aus ihren Käfigen und verschwanden zusammen auf der Straße.

Einige Touristen schrien auf. Die meisten traten einfach einen Schritt zurück und machten Fotos, sie hielten das alles vermutlich für den Werbegag irgendeines Kasinos.

»Werden die Tiere das denn schaffen?«, fragte ich Grover. »Ich meine, die Wüste und überhaupt …«

»Mach dir keine Sorgen«, sagte er. »Ich habe sie unter den Satyrnschutz gestellt.«

»Was bedeutet?«

»Was bedeutet, dass sie unversehrt die Wildnis erreichen werden«, sagte er. »Sie werden Wasser, Futter, Schatten haben, alles, was sie brauchen, bis sie einen sicheren Ort zum Leben gefunden haben.«

»Warum kannst du uns nicht auch auf diese Weise segnen?«, fragte ich.

»Das klappt nur bei wilden Tieren.«

»Also hätte nur Percy etwas davon«, überlegte Annabeth.

»He!«, protestierte ich.

»Sollte ein Witz sein«, sagte sie. »Also los. Raus aus dieser verdreckten Karre.«

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