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Die Habenichtse

Электронная книга - «Die Habenichtse». Краткое содержание книги:

Isabelle und Jakob treffen sich am 11. September 2001 nach Jahren auf einer Party in Berlin wieder. Sie verlieben sich, heiraten und bekommen die Chance, nach London zu ziehen, wo Jakob Schicksal? Zufall? eine Stelle in einer Anwaltskanzlei antritt, die eigentlich für einen Kollegen vorgesehen war, der bei den Anschlägen auf das World Trade Center umgekommen ist. Isabelle arbeitet von dort aus weiter für ihre Berliner Grafikagentur und genießt, in den spannungsreichen Wochen vor Ausbruch des Kriegs im Irak, ihr Londoner Leben.
Die beiden haben alles, was ein junges, erfolgreiches Paar braucht und stehen doch mit leeren Händen da. Sehnsüchtig und ratlos sehen sie zu, wie ihr Leben aus den Fugen gerät. Jakob ist fasziniert von seinem Chef, Isabelle von Jim, dem Dealer. Die untergründigen Ströme von Liebe und Gewalt werden spürbar, und das Nachbarskind Sara wird ihr Opfer.
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Später übergab sie sich. Ein bißchen Selbstbeherrschung, und man schafft es immer ins Badezimmer, hatte ihre Mutter ihr vorgehalten, und so war es. Jakob würde es nicht erfahren, nicht, weil er so fest schlief, sondern weil er sich unten, in Isabelles Arbeitszimmer, hingelegt hatte. Am Morgen allerdings kam er noch einmal herauf, kniete neben dem Bett, streichelte sie, die scheinbar schlief, denn sie stellte sich schlafend, damit er glauben konnte, es wäre nichts geschehen. Und das war die Schlinge, die sie selbst sich um den Hals legte. Sie hätte die Hand nach ihm ausstrecken und ihn an sich ziehen, mit ihm schlafen sollen, um sich zu versöhnen. Als er gegangen war, lag sie still da und lauschte dem Regen, durch die geschlossenen Fenster spürte man, daß es kühl geworden war. Gegen elf Uhr allerdings schien die Sonne, Isabelle trug die zwei leeren und die halbvolle Flasche zu den Mülltonnen, kühl war es noch immer. Daß ein Auto vor dem Nachbarhaus hielt, registrierte sie erst, als die Beifahrertür zuschlug, der vierschrötige Mann auf die Haustür zustapfte, sie wortlos musterte, als eine blonde Frau hinten ausstieg, etwas rief, die Stimme klang heiser. Sie trug grüne Trainingshosen und ein rosa Sweatshirt, vermutlich war sie hübsch gewesen früher, vermutlich war sie kaum älter als Isabelle. Der Mann kam noch einmal vor die Tür, zog wütend den Schlüssel aus dem Schloß. —Warum kann dieses verdammte Gör nicht mal die Tür aufmachen?

— Du und dein fetter Arsch, erwiderte die Frau; dann schlug die Tür zu.

Die Straße, noch feucht, glänzte wie frisch gewaschen, Isabelle hatte nicht geduscht, sie trug die Kleider vom Vortag. Irgendwann war Alistair gegangen, war sicherlich, wie Jakob, längst im Büro, mit anderem beschäftigt, das nicht neu war, aber nichts war neu, und war das nicht gut so, war es nicht das, was sie gewollt hatten? Sie sehnte sich plötzlich nach Berlin. Die Demütigung des vergangenen Tages blieb, und sosehr sie sich auch bemühte, nicht daran zu denken, fragte sie sich doch, ob Saras Eltern erst jetzt, nicht gestern abend, zurückgekommen waren.

Die Straßen waren nicht dunkler als die in Berlin, doch brannte in kaum einem der Fenster Licht, und die Straßenschilder in Sanskrit verunsicherten sie. In jedem Haus konnten Flüchtlinge, versklavte Arbeiterinnen versteckt sein. Männer musterten sie, Halbwüchsige sprachen sie an, um sie in eines der unzähligen indischen oder bengalischen Restaurants zu locken. Es war nicht ihr erster Ausflug ins Eastend, aber der erste, den sie alleine unternahm. Sie war durch zwei langweilige Kleiderläden (weite, bestickte Kittel, Kapuzenjacken, Stiefel in grellen Farben) geschlendert, hatte einen kleinen Mörser aus Holz in einem indischen Supermarkt gekauft, von außen Buchläden, Schaufenster voller Kassetten und CDs angestarrt und sich gefragt, was an den teils renovierten, teils verfallenden, beinahe dörflichen Häusern die Berühmtheit des Stadtviertels rechtfertige. Es war öde hier und etwas feindselig. Ein hünenhafter Mann folgte ihr hartnäckig, sie suchte schließlich Zuflucht in einem der beiden Bagel-Shops auf der Brick Lane, stand an der verspiegelten Wand gegenüber der Theke, aß einen Bagel, trank zwei Becher sehr heißen, starken Tee, und der Hüne beobachtete sie von draußen so sehnsüchtig, daß sie kurz davor war, ihn hereinzubitten und zu einem Becher Tee einzuladen. Die Frau, die zwischen Würstchen, einem riesigen Stück Braten und der Kasse blitzschnell hantierte, musterte sie aus den Augenwinkeln. — Der geht wieder, keine Sorge. Es geht überhaupt alles am Ende. Isabelle nickte, unsicher, ob sie richtig verstanden hatte. — Deiner ist er ja wohl nicht, ich meine, dein Freund? Sie schnitt eine Scheibe Fleisch ab, zerteilte sie. — Am besten man macht es so, zerteilt sie in kleine Stückchen, statt alles auf einmal zu nehmen. Ehemann, Liebhaber, Freund, Vertrauter. Ist für alle besser so, und du siehst aus, als hätten die Hühner dir das Brot weggefressen. Zögernd stellte Isabelle sich näher an die Theke. — Wir sind erst seit ein paar Monaten hier.

— Na, so klingt das auch. Aus Deutschland, wie?

— Aus Berlin.

— Hör zu, ich hab’ eine Tochter in deinem Alter, auch hübsch, und bestimmt ein gutes Mädchen. Und auch so ein Pflänzchen-rühr-mich-nicht-an, alles immer nur ein bißchen auf Abstand. Bloß gegen den Krieg war sie den halben Tag unterwegs gewesen, das schon, weil es im Grunde eine Art Prinzip ist, nicht wahr? Schau dich an, Mum, sagt sie, von dem ersten Mann verprügelt, vom zweiten verlassen, und die ganzen Jahre hier geschuftet. Schau dich an, Mum. Klar, sage ich ihr. Aber ich habe die beiden Kerle geliebt, auch wenn sie nicht viel getaugt haben. Dem einen bin ich heulend hinterhergerannt, na und? Und ich hab’ dich, sage ich ihr. Du willst dir mein Unglück ersparen? Gut und schön. Aber was hast du dann am Ende gehabt?

— Sie kann doch noch Kinder bekommen, wenn sie so alt ist wie ich.

— Wird sie aber nicht, und wenn, dann wird nicht einmal das was ändern. Ich sage es dir nur, weil du mich an sie erinnerst. Auch nicht glücklich. Und irgendwo braut sich was zusammen. Wäre mir egal. Nur denke ich, es wird etwas Unglückliches sein.

Isabelle schaute auf die Straße, sie war leer. — Will mich nicht einmischen, sagte die Frau, dein Galan hat sich jedenfalls verzogen. Die Frau nickte abschließend, als wäre es jetzt genug Tee, genug Wärme an einem kühlen Tag im Juni, zuviel geredet, verschwand in den hinteren Teil des Ladens, wo, auf riesigen Blechen übereinandergestapelt, Bagel darauf warteten, in den Ofen geschoben zu werden.

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Главный герой
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