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Jaina Prachtmeer: Gezeiten des Krieges

Электронная книга - «Jaina Prachtmeer: Gezeiten des Krieges». Краткое содержание книги:

Die Asche des Weltenbebens ruht über den so unterschiedlichen Königreichen Azeroths. Während sich die geschundene Welt langsam von den Folgen der gewaltigen Katastrophe erholt, setzt die berühmte Zauberhexerin Lady Jaina Prachtmeer alles daran, die Beziehung zwischen Allianz und Horde wieder zu verbessern. Denn unlängst haben wachsende Spannungen die beiden Fraktionen an den Rand eines neuen Krieges geführt, der den letzten Rest an Stabilität zu zerstören droht in der … WORLD OF WARCRAFT®
Düstere Nachrichten erreichen Jainas geliebtes Städtchen Theramore. Eines der mächtigsten Artefakte des Blauen Drachenschwarms – die Fokussierende Iris – wurde gestohlen. Um die mysteriösen Umstände der Tat zu klären, entschließt sich Jaina zu einem ungewöhnlichen Bündnis mit dem ehemaligen Blauen Drachenaspekt Kalecgos. Gemeinsam wollen die beiden ruhmreichen Helden dem dreisten Diebstahl auf den Grund gehen. Doch es droht bereits weiteres Unheil am Horizont.
Garrosh Höllschrei versammelt die Armeen der Horde zu einer Invasion Theramores. Ungeachtet steigender Unzufriedenheit in den eigenen Reihen, strebt der skrupellose Kriegshäuptling eine neue Ära der Herrschaft der Horde an. Seine unstillbare Gier nach Macht, lässt ihn dabei zu den brutalsten Mitteln greifen, um jene mundtot zu machen, die es wagen könnten, seine Position als Anführer in Frage zu stellen.
Allianztruppen sammeln sich in Theramore um den Angriff der Horde abzuwehren. Doch sie rechnen nicht mit dem tatsächlichen Ausmaß der verschlagenen und heimtückischen Strategie des Kriegshäuptlings. Garroshs Angriff wird Jaina unwiderruflich verändern und die Friedenshüterin in eine chaotische, alles verschlingende Macht verwandeln – auch bekannt als: Gezeiten des Krieges.
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Es war Mittag, als der erste Reiter eintraf.

Er trug keine Rüstung, sondern gewöhnliche Kleidung, die mit Schlamm und Blut bespritzt war. Gewiss hatte er sich von seinem Körperpanzer getrennt, um das Pferd zu entlasten, auf dem er herbeigaloppiert war. Dennoch ächzte das Tier schwer, und Schaum stand vor seinem Maul, als es mit klappernden Hufen zum nördlichen Tor hinaufritt. Die Wachen, die dort postiert waren, mussten dem zitternden Boten helfen, als er sich kraftlos vom Rücken des Pferdes fallen ließ, das dem Zusammenbruch ebenfalls nahe zu sein schien. Sie fingen ihn auf, so behutsam es ihnen eben möglich war, und als sein Umhang dabei zur Seite rutschte, sahen sie, dass ein Großteil des Blutes auf seiner Kleidung von dem dunkelhaarigen, bärtigen Reiter selbst stammte. Er versuchte, ihnen etwas zu sagen.

„D-die Triumphfeste i-ist gefallen“, war jedoch alles, was er noch hervorbrachte.

Und so begann es.

Die Armee der Horde war inzwischen um mehrere Klingenwerfer, Ballisten und Katapulte reicher, welche in ihrem Aussehen mächtigen Adlern nachempfunden waren. Waffen der Allianz, die nun gegen ihre Erbauer eingesetzt werden sollten. Einige der Krieger hatten auch andere, grausigere Erinnerungsstücke als Trophäen aus der jüngsten Schlacht mitgenommen, vor allem die Trolle, denen es Spaß zu machen schien, sich mit Fingern und Ohren zu schmücken.

Ohne Zweifel hatte die Besatzung der so unpassend betitelten Triumphfeste geglaubt, sie könnte der Horde trotzen und ihren Marsch nach Süden – nach Theramore – aufhalten. Doch sie hatten ihre eigenen Fähigkeiten heillos über- und die ihres Feindes völlig unterschätzt.

Kriegsgesänge erfüllten die Luft, begleitet vom Donnern der Trommeln. Das Knirschen der gewaltigen Kriegsmaschinen – teils von der Horde, teils von der Allianz herrührend – fügten dieser Musik ihre ganz eigene Melodie hinzu.

Die Horde hatte die Soldaten der Feste Nordwacht überrascht und sie aus diesem Grund auch besiegt. Doch als sie sich nun ihrem nächsten Ziel näherten, machten sie keinen Hehl aus ihrer Gegenwart, sondern grölten auf dem Weg nach Süden vor sich hin, voller Zuversicht ob ihrer gewaltigen Zahl. Theramore hatte mehrere Tage Zeit gehabt, sich auf den Angriff vorzubereiten, aber seine Anwohner hatten auch mehrere schlaflose Nächte durchlitten, gequält von Albträumen über die Horde, wie sie ihre Tore niederriss.

Doch auch Furcht konnte eine Waffe sein.

Die wilden Tiere des Brachlandes machten einen großen Bogen um den Heereszug, und die Zhevras und Gazellen, die sich doch zu nahe heranwagten, wurden erlegt und den hungrigen Truppen vorgesetzt. Die Armee hatte sich inzwischen in einer dünneren, längeren Linie angeordnet, um auf der schmalen Straße durch die Düstermarschen besser voranzukommen. Und die heißen Strahlen der Sonne wurden inzwischen durch hohe, moosbedeckte Bäume gefiltert. Nachdem sie die Ruinen des Gasthauses Zur süßen Ruh passiert hatten, machten sie an einer Kreuzung halt, von der aus Straßen zur Insel Theramore, zum Morastwinkel und nach Brackenwall führten. Hier teilte Garrosh die Armee auf. Er selbst wollte die eine Hälfte nach Brackenwall führen, wo sich ihnen neue Rekruten anschließen würden – mehr Orcs und vermutlich sogar ein paar Oger –, bevor er von Norden aus den Angriff auf Theramore startete. Malkorok würde indes das Kommando über die restlichen Truppen übernehmen und auf der Straße nach Osten weiterziehen.

Die beiden Heeresteile würden dann bei Theramore wieder zusammentreffen, um die Stadt zwischen sich zu zermalmen und einen Sieg zu feiern.

Malkorok und seine Soldaten marschierten tief ins Herz der Düstermarschen und in den Morast, wo sie die Banner der Allianz niederrissen und lachend in den Schlamm warfen. Früher war dieser Weg von Kriegsmaschinen und den Soldaten Theramores blockiert gewesen, doch nun schien er völlig frei zu sein, genauso, wie sie es vermutet hatten.

Von den Grimmtotem gab es ebenfalls keine Spur, doch auch damit hatten sie gerechnet. Die Nachricht vom Nahen der Armee musste sich herumgesprochen haben, und die feigen Tauren, die von der Allianz und der Horde gleichermaßen verachtet wurden, hatten sich in ihre Verstecke verkrochen.

„Ohne Zweifel weiß der Feind, dass wir kommen“, sagte Malkorok. „Ich werde ein paar Läufer ausschicken, und wir werden ab jetzt mit großer Vorsicht …“

Wütendes Gebrüll unterbrach ihn. Nicht weniger als zehn wilde Bestien stürmten plötzlich aus den Marschen, wo sie, getarnt von den zahlreichen kleinen Hügeln und den tief hängenden Ästen der Bäume, auf der Lauer gelegen hatten. Zwei Hexenmeister, ein Magier und ein Schamane gingen zu Boden, bevor sie auch nur die ersten Worte eines schützenden Zaubers ausstoßen konnten. Und die Krieger hinter ihnen fanden sich im Nahkampf mit den Bestien wieder. Klauen zerfetzten Fleisch, gewaltige Kiefer schlossen sich um Kehlen, und als die Horde überhaupt erst realisierte, dass sie von gestaltgewandelten Allianzdruiden angegriffen wurde, hatten einige andere im Schutz der Unsichtbarkeit bereits über ein Dutzend Soldaten niedergestreckt, die nun mit Messern im Rücken auf dem Boden lagen. Weitere Tiere stürmten aus dem Schutz des Sumpfes hervor, Kreaturen der Arktis und der Wüste, die sich eigentlich niemals in dieses schwüle Klima verirrt hätten, die nun aber dennoch hier waren, um sich auf die Krieger der Horde zu stürzen.

Der Kampf hatte kaum mehr als ein paar Sekunden gedauert, und schon jetzt lagen mehr als zwei Dutzend Soldaten tot oder sterbend im Dreck.

„Hinterhalt! Angriff!“, schrie Malkorok, dann ließ er diesen Worten Taten folgen und stürmte auf einen gewaltigen Bären zu, dessen braunes Fell ein aufgemaltes Muster zierte. Das Tier zerfleischte gerade einen untoten Hexenmeister, während dieser noch versuchte, dem Druiden seine Lebenskraft zu entziehen und damit seine eigenen magischen Fähigkeiten aufzuladen. Malkoroks Zwillingsäxte wirbelten durch die Luft und schnitten dann in einem solchen Winkel durch das dichte, schützende Fell am Hals des Bären, dass sich die Klingen in der Mitte trafen und der Schädel des Druiden beinahe vollständig von den Schultern getrennt wurde.

Die Schmerzensschreie und das Röhren von Zorn und Blutdurst wurden nun um andere Geräusche ergänzt: das Singen von Pfeilen, die von den Sehnen der Bögen zischten, sowie das Donnern von Gewehrfeuer. Die Jäger – die die Spinnen und Skorpiden, die Wölfe und Krokolisken und Raptoren kontrollierten – griffen jetzt auch direkt ins Kampfgeschehen ein. Malkorok stieß einen gezischten Fluch aus und sprang über die Leichen eines Goblins und einer Hyäne hinweg, die in tödlicher Umarmung vereint auf dem Boden lagen, die Klinge des Goblins im Auge des Tieres versenkt, ihre Kiefer in seiner grünen Kehle verbissen. Die Augen des Schwarzfelsorcs waren auf eine dicht gedrängte Gruppe von Hordekriegern gerichtet, die gegen einen einzigen Feind kämpften. Und als er näher kam, seinen Kriegsschrei auf den Lippen, teilte sich die Menge einen Moment lang, sodass Malkorok den Allianzkämpen sehen konnte. Es war eine Nachtelfin, die sich so schnell bewegte, dass ihre Bewegungen verschwammen, in der Hand hielt sie ein beinahe schon blendend grell leuchtendes Schwert. Ein langer blauer Zopf peitschte hinter ihr durch die Luft, sodass er beinahe wie eine azurblaue Schlange wirkte. Zwei schlanke Leiber lagen zu ihren Füßen, und ein dritter Blutelf war neben ihnen zusammengesunken, die Hände auf seine Seite gepresst, bereit, sich ihnen im Tode anzuschließen.

Einen Augenblick lang hielt die Allianzkriegerin inne. Ihr Blick begegnete dem Malkoroks, dann fiel ihr seine graue Haut auf, und sie grinste. Mit einem wilden Schrei sprang er auf sie zu.

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