Menschen wie Götter
- Автор: Снегов Сергей Александрович
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Год: Verlag MIR Moskau und Verlag Das Neue Berlin
- ISBN: 978-3-45352-519-1
- Переводчик: Heinz Kübart
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Menschen wie Götter». Краткое содержание книги:
Aster hatte uns zugehört. Wo Mary war, da war auch er. Jetzt hockte er auf dem Fußboden und bastelte an einem defekten Spielzeugdrachen.
»Papa, repariere den Gravitator«, bat er. »Ich bin schon zweimal zu Boden geplumpst.«
An dem Drachen waren die Gravitationskontakte schlecht eingepaßt das übliche Malheur bei diesem Spielzeug.
Nachdem ich die Strahler mit einer kleinen Bürste gesäubert hatte, tollte Aster im Laboratorium umher, bald flog er zur Decke, bald rasselte er mit den Flügeln an meinem Ohr.
»Hast du keine Angst, daß er abstürzt?« fragte mich Mary vorwurfsvoll. »Ich war froh, als diese scheußliche Echse streikte. Wenn es doch einmal einen Tag ohne Schrammen und blaue Flecke abginge!«
»Ein Junge ohne Schrammen ist kein richtiger Junge«, versetzte ich und beobachtete Aster verstohlen, um ihm notfalls zu Hilfe zu eilen.
»Wenn Mama mein Tier nicht gefällt, bitte ich Lussin, mit mir auf dem Donnerschleuderer zu reiten!« schrie Aster von der Decke. Er hielt sich oben mit den Händen fest; die Beine zügelten den vorwärts strebenden Drachen.
Ich schimpfte mit ihm. Er schwebte herab.
Mary hatte bald erraten, daß mich etwas bedrückte.
»Es gibt etwas Neues«, antwortete ich. »Die Wege ins Innere des Sternhaufens sind abgeriegelt. Wir werden die Methode anwenden, die Olga bei der Flucht aus dem Perseus benutzte.«
Ich sprach leise, doch Aster hatte ein gutes Gehör.
»Ihr wollt Sterne annihilieren?«
Es hatte keinen Sinn, weiter ein Geheimnis daraus zu machen. »Wo denkst du hin Sterne! Wir beschränken uns auf planetenähnliche Herumtreiber.
Das gibt ein famoses Schauspiel, es wird dir gefallen, Aster.«
Er erklärte stolz: »Ich habe auf dem Raumbildschirm gesehen, wie du mit Kapitän Olga Trondike den bösen Goldenen Planeten annihiliert hast. Das war ein toller Schlag, so einen hat vor euch noch nie jemand geführt!«
»Wir bekamen damals auch tüchtig etwas ab, mein Sohn.
Aber du hast recht: Die Annihilation glückte, wir schufen uns ein Maximum an leerem Raum.«
Mary hatte mir und Aster mißbilligend zugehört.
Jetzt wurde sie böse. »Geh in dein Zimmer, Aster!« sagte sie streng.
Wenn Mary diesen Ton anschlug, stritt man besser nicht mit ihr. Aster ging gehorsam hinaus.
»Ich spüre es, ohne Rüffel komme ich nicht davon«, sagte ich lachend.
»Du vergötterst deinen Sohn maßlos!« rief Mary zornig. »Wie du mit ihm sprichst!«
»Normal. Ich spreche mit ihm, wie ich mit dir oder Romero spreche.«
»Eben. Aber Pawel und ich sind erwachsene Menschen, er ist ein Kind! Ich bedaure, daß es auf den Sternenflugzeugen keine Internate gibt; manche Eltern, zu ihnen gehörst auch du, üben einen schlechten Einfluß auf ihre Kinder aus.«
»Soll ich ihn hätscheln und tätscheln, wie es in alten Zeiten die Ammen taten?«
»Nicht hätscheln und tätscheln, nein! Du sollst nur mit dem Kleinen nicht so sprechen, als wäre er Newton oder Einstein.«
»Mit Newton oder Einstein könnte ich nicht so wie mit Aster sprechen«, erwiderte ich ruhig. »Sie würden mich nicht verstehen. Sie waren Leuchten der Wissenschaft, doch über vieles wußten sie nicht so gut Bescheid wie Aster.«
Marys Zorn schlug in Heiterkeit um. Solche Stimmungsumschwünge hat sie oft.
»Ich bin deiner Paradoxe müde«, erklärte sie.
»Wo siehst du Paradoxe? Das ist doch albern.
Newton war genial, doch von Elektrizität hatte er keine Ahnung. Aster dagegen ist von elektrischem Spielzeug umgeben, von elektrischen Maschinen, er schwärmt für Raumbildschirme, Übertragungen, Signale, Elektrizität wärmt ihn und leuchtet ihm, er ist in der Lage, ohne fremde Hilfe gigantische Elektromotoren in Bewegung zu setzen und anzuhalten.
Newton wäre entsetzt weggerannt, hätte er das Elektronenungeheuer zu Gesicht bekommen, mit dem Aster herumtobt. Und nun zu Einstein.«
»Eli, es langt! Du bist einfach nicht zu schlagen.«
»Nein, nein, reden wir ruhig weiter! Einstein hat die moderne Gravitationstheorie geschaffen. Wußte er etwas vom Übergang der negativen Energie der Schwerefelder in die positive Energie der sich abstoßenden Felder? Das ist doch die Operation, die Aster durch einen einfachen Hebeldruck vollzieht. Warte, ich bin noch nicht fertig! Sag ehrlich: Hätte der große Einstein durch einen Knopfdruck in die Luft fliegen und unter der Decke umherschwirren können? Halte er abstürzen können, ohne sich ein Knöchelchen zu verletzen? Unserem Knirps kostet das nicht die geringste Mühe. Sage mir nach alldem nicht, mit Aster dürfe man nicht ernsthaft sprechen.«
10
Die Zerstörer waren klüger, als es uns recht war.
Weder den Randsternen der Gruppe noch den planetenähnlichen Herumtreibern konnten wir uns nähern. Kaum peilten wir diese Objekte an, da flogen wir auch schon daran vorbei. Das nichteuklidische Netz krümmte sich zunächst, dann warf es uns federnd zurück.
Die gigantische Gruppe, deren scheinwerferähnliche Sterne machtvoll flammten, war in einer anderen Welt, außer Reichweite.
Albert zählte von der Erde aus sechs Gestirne die dem Orangefarbenen glichen, unser alter Bekannter der Drohende, gehörte ebenfalls zu diesem Schwärm von Sternfestungen. Jede verteidigte ihren Abschnitt, und alle zusammen waren so geschickt angeordnet, daß sie die Gruppe mauergleich deckten.
Das Unverständlichste und Beklemmendste: kein von Galakten besiedelter »inaktiver« Stern reagierte auf unsere Rufe, keiner versprach, keiner erwies uns Hilfe! Als wir uns dem Perseus näherten, hatten wir ihre Sendungen lückenhaft aufgefangen, jetzt gab es keine Lebenszeichen von den Galakten!
Nach irdischer Rechnung waren drei Jahre seit dem Tag verstrichen, da wir uns den Perseusklüften genähert hatten, und immer noch irrten wir in ihrer Umgebung. Dann verfiel ich auf ein Projekt, das von den Historikern später äußerst unterschiedlich bewertet wurde. Ich will mich nicht loben, nicht anklagen.
Kürzlich hörte ich eine Lektion, die vom System der Sternengemeinschaft übertragen wurde, darin wurde mein Vorschlag als Wendepunkt in den Beziehungen der Sternvölker bezeichnet. Nur mühsam vermag ich mir das Lachen zu verbeißen.
Ich behaupte, daß eine größere Katastrophe nicht hätte erwartet werden können. Und wenn das Endergebnis anders aussah, als es die Zerstörer erhofft hatten, so war das nicht ihre Schuld und nicht mein Verdienst. In unserem Kampf, der für beide Seiten ein Verzweiflungskampf war, mischte sich unversehens eine andere Macht. Ich will der Reihe nach erzählen.
Auf der »Bootes« waren Allan, Leonid und die anderen Kommandeure eingetroffen, mittels Raumwellen Schiffsrat zu pflegen, wagte ich nicht.
Mein Vorschlag lief auf folgendes hinaus: Beide Geschwader der vereinigten Armada greifen den nichteuklidischen Raum unweit des Orangefarbenen an. Einen so wuchtigen Schlag können die Zerstörer nur dann abwehren, wenn sie die Verteidigungsmechanismen des Orangefarbenen verstärken. Inzwischen schlagen drei Schiffe, an der Spitze die »Bootes«, von der anderen Seite zu, wo in dem Augenblick, da die Hauptkräfte unserer Flotte angreifen, die Verteidigung zweifellos geschwächt ist. Die drei Schiffe dringen ins Innere ein, und auf dem von ihnen gebahnten Weg folgen sofort unsere Hauptkräfte. Ich hatte Einwände erwartet.
Allan sagte: »Albert teilt mit, Olgas Reservegeschwader habe endlich sämtliche Laderäume mit Aktivstoff gefüllt. Wäre es nicht besser, auf Olga zu warten?«
»Das dritte Geschwader würde uns arithmetisch stärken, aber die Schiffsmaschine kann nicht garantieren, daß dieser Kraftzuwachs genügen würde«, entgegnete ich. »Olgas Schiffe sind frühestens in drei Jahren hier. Warum diese drei Jahre vertrödeln? Die Zerstörer können wir nur mit List überwältigen, nicht mit Kraft. Zum Überlisten brauchen wir Olgas Kreuzer nicht. Allerdings besteht das Risiko einer Niederlage«, schloß ich meine Rede. »Aber jeder Krieg ist ein Risiko. Ich verlange nicht sofortige Zustimmung, überlegen Sie, beratschlagen Sie mit den Besatzungen.