Cäsar Cascabel
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Путешествия и география
Электронная книга - «Cäsar Cascabel». Краткое содержание книги:
Der Wagen kam durchaus nicht schnell von der Stelle. Die Räder sanken tief in den Schnee ein, was das Ziehen sehr mühsam machte. Wenn die Radfelgen an die Auswüchse und holperigen Kanten der Schollen ankamen, so entstanden Stöße, denen man nicht auszuweichen vermochte. Zuweilen versperrten auch ungeheure, über einander getürmte Blöcke den Weg und nötigten die Reisenden, sie in weitem Bogen zu umgehen. Aber das war bloß eine Verlängerung der Fahrt und man mußte sich glücklich schätzen, auf Unebenheiten statt auf Risse zu stoßen. Wenigstens wurde dadurch die Festigkeit des Eisfeldes nicht verringert.
Unterdessen stieg das Thermometer und sank das Barometer noch immer mit regelmäßiger Langsamkeit. Herr Sergius wurde immer besorgter. Kurz vor Mittag mußten die Frauen sich wieder in den Wagen zurückziehen. Der Schnee begann dicht zu fallen, in kleinen, durchsichtigen Flocken, als wäre er auf dem Punkte, sich in Wasser aufzulösen. Es war, als ob Tausende von Vögeln einen Schauer von leichten, weißen Flaumfedern herabgeschüttelt hätten.
Cäsar Cascabel forderte Herrn Sergius auf, in der Belle-Roulotte Schutz zu suchen; aber dieser weigerte sich. Konnte er nicht ebenso viel ertragen, wie seine Gefährten? Dieser in halbgeschmolzenem Zustande fallende Schnee beunruhigte ihn aufs äußerste; indem er zerfloß, würde er schließlich die Auflösung des Eisfeldes nach sich ziehen. Man mußte sich schleunigst auf den unerschütterlichen Boden der kleinen Insel Diomedes retten.
Und dennoch gebot die Vernunft, nur mit allergrößter Behutsamkeit vorzudringen. Demzufolge schloß Herr Sergius sich Jean hundert Schritte weit vor dem Fuhrwerk an, während Herr Cascabel und Clou bei den häufig stolpernden Pferden blieben. Wenn dem Gefährt ein Unfall zustieß, so würde nichts anderes übrig bleiben, als es mitten auf dem Schneefeld im Stiche zu lassen - ein unersetzlicher Verlust.
Während er neben Jean herschritt, versuchte Herr Sergius, mit seinem Fernrohr bewaffnet, den im Schneegestöber verschwimmenden westlichen Horizont zu erforschen. Der Gesichtskreis war außerordentlich beschränkt. Man konnte die Richtung nur mehr erraten und Herr Sergius würde sicher das Zeichen zum Halten gegeben haben, wäre ihm die Festigkeit des Eisfeldes nicht ernstlich gefährdet erschienen.
»Koste es, was es wolle,« sagte er, »wir müssen die Insel Diomedes noch heute erreichen und dann dort den Eintritt neuer Fröste abwarten!«
»Wie weit glauben Sie, daß wir davon entfernt sind?« fragte Jean.
»Etwa anderthalb Meilen, Jean. Da wir noch zwei Stunden lang Tageslicht oder vielmehr jenes Halbdunkel haben werden, welches uns gestattet, die Richtung einzuhalten, so müssen wir unser möglichstes thun, um vor völliger Dunkelheit dort einzutreffen.«
»Herr Sergius, soll ich vorauseilen, um die Lage der Insel zu ermitteln?.«
»Nein, Jean, nein!« Du würdest Gefahr laufen, dich in diesem Schneegestöber zu verirren, und das wäre eine noch ärgere Verwicklung! Suchen wir uns nach dem Kompaß zu orientieren. Denn wenn wir die Insel Diomedes verfehlen sollten, so weiß ich nicht, was aus uns werden würde.«
»Hören Sie, Herr Sergius?« rief Jean, der sich gebückt hatte.
Herr Sergius folgte seinem Beispiel und vernahm ebenfalls das dumpfe, dem Brechen von Glas ähnliche Krachen, welches über das Eisfeld hinlief. War es der Vorbote eines Eisbruches oder doch einer teilweisen Auflösung? Trotzdem durchschnitt kein Riß die Fläche, soweit man sehen konnte.
Die Lage war äußerst gefährlich geworden. Wenn die Nacht sie unter diesen Umständen überraschte, so liefen die Reisenden Gefahr, irgend einer Katastrophe zum Opfer zu fallen. Die kleine Insel Diomedes war der einzig mögliche Zufluchtsort und man mußte um jeden Preis dort an Land gehen. Wie tief Herr Sergius bedauern mochte, sich nicht noch einige Tage in Port-Clarence geduldet zu haben!
Jean und Sergius kehrten zum Fuhrwerk zurück und Herr Cascabel wurde von der Sachlage unterrichtet. Es war überflüssig, die Frauen mit der etwaigen Gefahr bekannt zu machen. Man würde sie unnütz erschreckt haben. Man beschloß also, sie im Wagen zu belassen, und die Männer stemmten sich an die Räder, um die erschöpften, im Winde schwitzenden Pferde zu unterstützen.
Gegen zwei Uhr ließ der Schneefall merklich nach. Bald fielen nur mehr einzelne Flocken, die der Wind durch die Luft wirbelte. So fiel es leichter, das Gefährt zu lenken. Man trieb die Pferde kräftig an. Herr Sergius war fest entschlossen, nicht eher Halt zu machen, als bis die Belle-Roulotte auf dem Felsen der Insel Diomedes ruhen würde.
Seiner Berechnung gemäß mußte die Insel jetzt kaum mehr eine halbe Meile gen Westen entfernt sein; und vielleicht würde man, wenn das Gespann tüchtig anzog, binnen einer Stunde das Ufer derselben erreichen.
Zum Unglück wurde das bereits unsichere Licht immer schwächer, bis kaum mehr ein matter Widerschein übrig blieb. War man auf dem rechten Wege oder nicht?. Sollte man die eingeschlagene Richtung verfolgen?. Wie konnte man's wissen?
In diesem Augenblick schlugen die Hunde heftig an. Meldeten sie die Nähe einer Gefahr? Hatten sie etwa eine auf dem Übergang begriffene Eskimo- oder Tschuktschenbande aufgespürt? In diesem Falle würde Herr Sergius nicht zögern, die Hilfe dieser Eingeborenen in Anspruch zu nehmen, sich wenigstens von der genauen Lage der kleinen Insel zu unterrichten.
Inzwischen hatte sich eines der Wagenfensterchen geöffnet und man hörte Cornelia fragen, warum Wagram und Marengo so wütend bellten.
Man antwortete ihr, daß man es noch nicht wisse, daß aber kein Grund zu Besorgnis vorhanden sei.
»Sollen wir aussteigen?« fügte sie hinzu.
»Nein, Cornelia!« antwortete Herr Cascabel. »Ihr seid da drinnen am besten geborgen!. Bleibt wo ihr seid!«
»Aber wenn die Hunde irgend ein Tier. zum Beispiel einen Bären. wittern?« »Nun, dann werden wir es schon erfahren! Halte die Flinten in Bereitschaft! Aber steigt nicht aus!«
»Schließen Sie Ihr Fenster, Frau Cascabel,« sagte Herr Sergius. »Es ist keine Minute zu verlieren.. Wir fahren gleich weiter!«
Das Gespann, das beim ersten Gekläff der Hunde stehen geblieben war, setzte seinen mühseligen Weg fort.
Eine halbe Stunde konnte die Belle-Roulotte etwas schneller vorwärts kommen, da die Oberfläche des Eismeeres weniger holperig war. Die wirklich überarbeiteten Pferde zogen aus allen Kräften, mit gesenktem Kopfe und gespanntem Knie. Man fühlte, daß das eine letzte Anstrengung war und daß sie bald unterliegen würden, wenn die Sache noch länger dauerte.