Centurio der XIX Legion
- Автор: Pollmann Klaus
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Centurio der XIX Legion». Краткое содержание книги:
„Bei Venus, das ist mir scheißegal!“, polterte Promptus. „Das sind unsere Kameraden, sie müssen es wissen! Es sind schon Männer von der langen Enthaltsamkeit wahnsinnig geworden. Sie sind entweder total verblödet oder haben sich über Schafe hergemacht!“
„Aber dann ist es doch gut, wenn wir Inprocerus bekommen“, wagte jemand einen Einwand.
„Jaa!“, sagte Ripanus gedehnt. „Auf der einen Seite schon, aber auf der anderen Seite, wenn man es zu lange bekommt, kommt der Schwanz nie wieder hoch!“
„Bei Jupiter!“, jammerte ein Legionär ängstlich. „Was können wir tun?“
„Ich würde an eurer Stelle heute einen Puff aufsuchen und nochmal ordentlich vögeln“, sagte Ripanus. Dem Stimmengewirr nach zu urteilen, hielten das alle für eine gute Idee.
„Wir kennen uns in Geneva doch gar nicht aus!“, bemerkte der ängstliche Legionär wiederum.
„Kein Problem, das beste Lupanar ist in der Straße …“, wollte Ripanus gerade erklären, als Promptus ihn unterbrach: „Spinnst du? Wenn du die alle dahin schickst, bleibt nichts mehr für uns und unsere Freunde.“
„Das hättest du dir überlegen sollen, bevor du ihnen das alles erzählt hast!“, fauchte Ripanus angriffslustig.
„Ja, hätte ich sie denn in ihr Unglück rennen lassen sollen?“, schnauzte Promptus zurück.
„Aber dass du uns jetzt ins Unglück stürzen willst! Uns bleibt dann nur noch das andere, kleine Lupanar, das aber viel teurer ist!“
„Wir zahlen für euch!“, rief eine eifrige Stimme. „Wir geben jeder zwei Asse für euch!“, schlug jemand vor und zustimmendes Gemurmel erhob sich.
Bei Merkur, dachte sich Lucius, jetzt wird es Zeit einzugreifen, und richtete sich auf. Wenn die beiden Veteranen von jedem Legionär ihres Contuberniums zwei Asse bekamen, hatten sie mit dieser Schauergeschichte ihren Tagessold mehr als verdoppelt.
„Drei Asse!“, sagte Ripanus ruhig. „Schließlich müssen wir unseren Freunden auch noch was abgeben!“
„Gut, einverstanden!“, sagte die eifrige Stimme, und Lucius hörte das Klirren von Geld.
Also, ich muss etwas tun, dachte er und stand auf. Das Zelt war zu niedrig, um aufrecht zu stehen, und so verharrte Lucius in gekrümmter Haltung, als sich plötzlich eine weitere Stimme einmischte.
„Lass dein Geld stecken, Tertinius! Es gibt kein Inprocerus“, sagte Mallius, der Signifer, ruhig. „Wenn Promptus und Ripanus keinen mehr hochbekommen, liegt es an ihrem Alter und nicht an einem geheimnisvollen Pulver. Da nützt ihnen das teuerste Lupanar von Rom nichts mehr.“ Gelächter brandete auf, Lucius löste sich aus seiner gebückten Haltung, ergriff seine Vitis und kroch aus dem Zelt. Er blieb vor dem Eingang stehen und besah sich die Szene. Vor den Zelten des ersten und zweiten Contuberniums saßen rund zwanzig Legionäre im Kreis um Ripanus und Promptus herum, welche mit bösen Blicken zu Mallius sahen, der am Rande des Kreises stand.
Der hob seine rechte Hand und zeigte ihnen seine fünf Finger: „Ihr seid, glaube ich, alt genug, um zu wissen, was man tun kann, wenn der Druck zu groß wird!“
Jetzt grinsten alle. Mallius winkte in die Runde. „Aber die beiden haben für ihre tadellose Aufführung eine kleine Aufmerksamkeit verdient. Los, ein halbes As von jedem.“
Die Männer lachten, kramten die kleine Bronzestücke raus und warfen sie den beiden zu.
Immer noch kein schlechter Verdienst, dachte sich Lucius und ging nun an der Gruppe vorbei, als sei nichts gewesen. Die Legionäre bemerkten ihn nicht, aber Mallius warf ihm einen kurzen Blick zu.
JULIA • EQUESTRIS
Fünf Centurionen der 8. Kohorte standen vor Valens und warteten auf den sechsten und jüngsten Centurio. Endlich kam er angerannt.
„Centurio Marcellus, schön, dass du dich auch mal blicken lässt!“, begrüßte ihn Valens höhnisch. Lucius war ganz außer Atem, trotzdem versuchte er, sich gegenüber der ungerechtfertigten Anschuldigung zu verteidigen: „Hatte Wache, dein Bote, spät, gewartet!“, stieß er keuchend hervor.
Valens machte eine unwirsche Handbewegung. „Wir sind nicht hier, um dein Gestammel zu hören! Ihr habt einen Auftrag. Die 8. Kohorte wird hier in Julia Equestris zurückbleiben, wenn die Augusta morgen abmarschiert. Jeden Tag kommen Versorgungsschiffe aus Lugdunum an. Der Nachschub wird auf Ochsenkarren umgeladen und dann nach Vindonissa gebracht. Das ist eure Aufgabe. Die Einzelheiten wird euch Galarius mitteilen. Er bleibt zunächst mit euch hier. Viel Spaß!“ Er grinste, warf Lucius einen höhnischen Blick zu und verschwand.
Den anderen fünf Centurionen war der Blick nicht entgangen. Sextus Hilarius, der Hastatus prior, sagte laut, was alle dachten: „Dann müssen wir also wegen diesem Grünschnabel hier die Kuhtreiber spielen!“ Er spuckte aus und rempelte Lucius im Vorbeigehen schmerzhaft an. Die anderen würdigten ihn keines Blickes und gingen wortlos weg.
Nach dem Abmarsch der Augusta wirkten die 8. Kohorte und die zwei Turmae Reiter in dem großen Lager ein wenig verloren. Lucius fand sich mit den anderen Centurionen bei Galarius ein, der von zwei Männern begleitet wurde, die unterschiedlicher nicht sein konnten: Der eine war ein junger Mann von Anfang zwanzig, der eine Tunica trug, die mehr gekostet haben dürfte, als ein Legionär im Monat verdiente. Er machte einen reichlich hochnäsigen Eindruck, so dass Lucius nur zu dem Schluss kommen konnte, einen Tribun vor sich zu haben. Der andere Mann trug Hemd und Hose und wäre allein dadurch, auch ohne die gekalkten Haare, als Gallier zu erkennen gewesen.
„Das ist Quintus Ostorius Scapula, Tribun der Augusta!“, stellte Galarius den Tribun vor und wies dann auf den Gallier. „Das ist Decurio Induomix. Er befehligt einer der beiden Turmae häduischer Reiter.“ Dann klatschte er in die Hände und sagte: „So, genug der Förmlichkeiten! Es werden drei Lastschiffe aus Lugdunum erwartet. Sie bringen Getreide, Bohnen und Speck. Ihr werdet diese Verpflegung auf die Ochsengespanne verladen und immer, wenn vierunddreißig Gespanne beladen sind, bricht eine Centurie nach Vindonissa auf. Jede Centurie wird von einem Contubernium Reiter begleitet. Es wird in Kampfbereitschaft marschiert und jeden Abend ein befestigtes Lager errichtet, das groß genug für die Centurie, die Gespanne und die Reiter ist.“
Lucius warf den anderen Centurionen einen verstohlenen Blick zu. Sie zogen lange Gesichter. Galarius hatte die Reaktion auch bemerkt und fügte entschieden hinzu: „Die helvetischen Stämme sind mit uns verbündet, aber trotzdem wird kein Risiko eingegangen. Klar?“
Missmutig nickten die Centurionen und Galarius fuhr fort: „Da unsere Brüder von der Gallica hier eine prima Straße gebaut haben, sollte die Reise in drei Wochen zu schaffen sein. Wenn wir uns beeilen, bricht der letzte Zug Ende September auf und wird dann Mitte Oktober in Vindonissa sein. Bei schlechtem Wetter sollten wir es aber noch vor dem ersten Schnee schaffen, also an die Arbeit!“
Ein Arbeitskommando entlud das Frachtschiff, das von Geneva über den Lacus Lemanus kommend eingetroffen war. Ein zweites Arbeitskommando lud die bereits eingelagerten Amphoren auf die Gespanne, so dass sich bereits am nächsten Tag die erste Centurie auf den Weg machen konnte. Einen Tag später folgte die zweite Centurie, und als drei Tage später die dritte Centurie aufbrach, schloss sich Galarius diesem Transport an. Er übertrug Scapula die Aufsicht über den restlichen Nachschub. Der Tribun wirkte verdrossen und kam seinen Pflichten mit wenig Begeisterung nach. Als sie nach der Entladung des ersten Schiffes einige Tage auf das nächste Schiff warten mussten, freute er sich über die Pause und verschwand – wohin, wusste niemand. Dies führte zu einigem Unmut unter den Centurionen, als endlich das Schiff eintraf und der Kapitän die Ladung nicht löschen lassen wollte, bevor der Empfang nicht quittiert war. Die drei anwesenden Centurionen akzeptierte der Schiffsführer nicht als Empfänger, und so mussten sie erst den ganzen Ort auf den Kopf stellen, bis sie Scapula vollkommen betrunken im Hinterzimmer einer Taverne fanden. Lucius kippte ihm einen Eimer Wasser über den Kopf und dann schleiften sie ihn ins Lager zurück, wo sie ihm seinen Sklaven übergaben, die ihn anständig herrichten sollten. Schließlich stand Scapula schwankend, mit rot unterlaufenen Augen vor dem Kapitän und unterschrieb die Empfangsbestätigung.