Die Klinik
- Автор: Гордон Ной
- Год: 1992
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Die Klinik». Краткое содержание книги:
Kurz nach zehn Uhr abends kam ein farbiges Paar namens Sampson mit seinem vierjährigen Kind, das schrie und aus einer zerschnittenen Handfläche blutete. Nachdem er Glassplitter entfernt hatte, legte er ein Dutzend Nähte an; der kleine Junge war irgendwie vom Waschbecken im Badezimmer heruntergefallen, während er eine Medizinflasche in der Hand hielt.
»Was war in der Flasche?«
Die Frau blinzelte. »Irgendein altes Zeug. Ich habe vergessen, was. Es war rötlich. Ich hatte es schon sehr, sehr lange.«
»Sie haben Glück. Er hätte den Inhalt auch trinken können. Jetzt wäre er vielleicht tot.«
Sie schüttelten verständnislos den Kopf, als spräche er eine fremde Sprache.
Diese Leute, dachte er.
Er konnte ihnen nur eine kleine Flasche Ipecac geben und hoffen, daß sie, falls der Junge je etwas Giftiges, aber Nichtätzendes schluckte, daran denken würden, ihm sofort eine Dosis davon zu geben, so daß er speien würde, während sie auf den Arzt warteten.
Falls sie einen Arzt rufen, dachte er.
Knapp nach Mitternacht brachte ein Polizeistreifenwagen Mrs. Therese Donnelly herein; sie war angeschlagen, aber wütend.
»Ich habe ein Rätsel für Sie. Was wird aus einem Iren, wenn man ihn zum Polizisten macht?«
»Ich passe«, sagte er.
»Ein Engländer.« Der Polizist an ihrer Seite bewahrte sorgfältig eine ausdruckslose Miene.
Mrs. Donnelly war einundsiebzig. Sie war mit ihrem Wagen mit voller Wucht an einen Baum gefahren. Sie hatte sich bei dem Aufprall den Kopf angeschlagen, behauptete jedoch, sie fühle sich wohl. Es war erst der dritte Unfall, den sie in mehr als achtunddreißig Jahren vorsichtigen Fahrens gehabt hatte, betonte sie.
»Die beiden anderen waren ganz winzig, verstehen Sie, und ich war nie schuld. Die Männer, diese Esel, zeigen ihre wahre Natur erst, wenn man sie hinter ein Steuer setzt.« Und gab, zusammen mit ihrer Empörung, die schwachen Dünste von geistigen Getränken von sich.
»Jetzt habe ich ein Rätsel für Sie«, sagte Spurgeon und zog aus irgendeiner Gedächtnislade die Witzfrage heraus, die er vor Jahren in einem zweifellos schon lange verbrannten Witzbuch gelesen hatte: »Falls Irland versinkt, was würde auf dem Wasser schwimmen?«
Der Polizist und die alte Dame dachten angestrengt nach, sagten jedoch nichts.
»Kork«, sagte er.
Sie kreischte vor Entzücken. »Was ist der größte Teil eines Pferdes?«
Über ihren Kopf hinweg tauschten er und der Polizist ein Grinsen wie einen heimlichen brüderlichen Händedruck.
»Nein, ihr Schmutzfinken! Die Antwort lautet: der Haupt-teil!«
Senilität? fragte er sich. Sie war munter genug, um bissig zu sein, und protestierte während der ganzen Untersuchung, die nichts Bemerkenswertes ergab.
Er ordnete Schädelaufnahmen an und studierte eben das feuchte Röntgenbild, als ihr Sohn eintraf. Arthur Donnelly hatte ein fleischiges Gesicht und war sichtlich besorgt.
»Ist sie in Ordnung?«
Die Filme zeigten keine Schädelfrakturen. »Anscheinend ja. Aber ich halte es für unklug, sie in ihrem Alter noch selbst fahren zu lassen.«
»Ich weiß, ich weiß. Aber es ist ihr größtes Vergnügen. Seit dem Tod meines Vaters ist es ihre einzige Freude, mit dem Wagen Freundinnen zu besuchen. Sie spielen Bridge zu dritt und genehmigen sich vielleicht hier und da einen kleinen Schluck.«
Oder auch zwei, dachte Spurgeon. »Sie scheint ausgezeichnet in Form zu sein«, sagte er. »Aber angesichts der Tatsache, daß sie einundsiebzig ist, behalten wir sie vielleicht über Nacht zur Beobachtung hier.«
Mrs. Donnelly machte bei dem Vorschlag ein steinernes Gesicht. »Was ist ein Narr?« fragte sie.
»Ich passe«, sagte er hilflos.
»Jemand, der nicht verstehen kann, daß ich nach dem, was ich durchgemacht habe, im eigenen Bett schlafen will.«
»Schauen Sie, wir kennen dieses Haus«, sagte ihr Sohn. »Mein Bruder Vinnie - Sie kennen ihn, Vincent X. Don-nelly, den Abgeordneten?«
»Nein«, sagte Spurgeon.
Donnelly sah verärgert drein. »Nun, er ist einer der Treuhänder des Krankenhauses, und ich weiß, er würde wünschen, daß sie heimgeht.«
»Wir werden Ihrer Mutter hier alle Pflege angedeihen lassen, Mr. Donnelly«, sagte Spurgeon.
»Lassen Sie das. Wir kennen dieses Haus. Es ist kein Rosenbeet. Euch fallen genug Menschen zur Last, ohne daß ihr euch auch noch um unsere alte Dame Sorgen machen müßt. Seien Sie nett und lassen Sie sie mich heimnehmen in ihr eigenes Bett. Wir werden Dr. Francis Dela-hanty rufen, der sie seit dreißig Jahren kennt. Wir stellen sogar Privatschwestern zu ihrer Pflege an. Solange Sie wollen.«
Spurgeon rief Meomartino an, der ungeduldig zuhörte, während Spurgeon kurz die Befunde umriß.
»Ich beobachte unter anderem gerade einen Herzstillstand«, sagte Meomartino. »Außerdem brauche ich heute abend unbedingt noch etwas Schlaf. Brauchen Sie mich wirklich?«
Es war bestenfalls ein stillschweigender Vertrauensbeweis, aber er klammerte sich daran. »Ich kann es selbst erledigen«, sagte er. Er entließ die alte Frau aus dem Krankenhaus und kam sich wie ein richtiger Arzt vor.
Der Rest der Nacht verlief ruhig. Er machte seine eigenen Nachtvisiten, gab Medikamente aus, wechselte einige Verbände, sagte dem gespenstigen alten Gebäude gute Nacht, es gelang ihm sogar, drei Stunden ununterbrochener Ruhe vor dem Morgen zu erhaschen, und er kehrte am Ende seiner Schicht ins Bett zurück, um bis mittags zu schlafen.
Auf dem Weg zum Eßsaal der Hausärzte änderte er seinen Entschluß fast mitten in einem Schritt, und ohne erst seine Badesachen zu holen, verließ er das Krankenhaus und fuhr zum Revere-Strand.
Sonja Cohen war nirgendwo zu sehen, aber das Mädchen lag auf dem Platz, wo er sie zuerst gesehen hatte, und beobachtete ihn, als er mit Sand in seinen Wildlederschuhen auf sie zuging.
Er meinte etwas zu erkennen - ein kurzes freudiges Aufblitzen in den Augen? -, bevor sie ihn anblickte, als hätte sie ihn noch nie gesehen.