Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
»Nein, das nicht. Ich liebe dich stets, und mehr zu lieben ist unmöglich; aber dies ist etwas Besonderes … Nun ja …« Er sprach nicht zu Ende, weil ihre Blicke, die sich trafen, das übrige ergänzten.
»Was die Leute für Dummheiten reden«, sagte Natascha auf einmal, »von den Flitterwochen, und daß die erste Zeit die glücklichste sei. Im Gegenteil; jetzt ist die beste Zeit. Wenn du nur nicht so oft fortreistest! Erinnerst du dich wohl noch, wie heftig wir uns manchmal gestritten haben? Und immer hatte ich unrecht. Jawohl, immer ich. Und worüber wir uns gestritten haben, darauf kann ich mich gar nicht einmal mehr besinnen.«
»Es war immer derselbe Grund«, erwiderte Pierre lächelnd, »Eifer …«
»Sprich es nicht aus; ich mag es nicht hören!« rief Natascha, und ein kalter, böser Glanz leuchtete in ihren Augen auf. »Hast du sie gesehen?« fügte sie nach kurzem Stillschweigen hinzu.
»Nein; und wenn ich sie gesehen hätte, so würde ich sie nicht wiedererkannt haben.«
Sie schwiegen einen Augenblick.
»Ach, weißt du? Als du in Nikolais Zimmer sprachst, habe ich dich betrachtet«, begann Natascha wieder zu sprechen; sie bemühte sich offenbar, die Wolke zu verscheuchen, die sich an dem reinen Himmel gezeigt hatte. »Ihr seid euch ähnlich wie ein Ei dem andern, du und der Junge.« (So nannte sie ihr Söhnchen.) »Ach, ich muß zu ihm gehen … Seine Zeit ist gekommen … Aber es tut mir leid fortzugehen.«
Sie schwiegen wieder einige Sekunden. Dann wandten sie sich plötzlich gleichzeitig einander zu und begannen zu reden, Pierre voll Begeisterung und voll Zufriedenheit mit dem Erreichten, Natascha mit stillem, glückseligem Lächeln. Sobald sie merkten, daß sie durcheinandersprachen, hielten sie beide inne, und jeder wollte den andern zuerst reden lassen.
»Was wolltest du sagen? Sprich doch, sprich!«
»Nein, sprich du; ich habe weiter nichts, nur Dummheiten«, sagte Natascha.
Pierre sagte nun das, wozu er angesetzt hatte. Es war die Fortsetzung seiner Mitteilungen über seine Erfolge in Petersburg, mit denen er so zufrieden war. Es schien ihm in diesem Augenblick, daß er dazu berufen sei, der gesamten sozialen Entwicklung in Rußland und in der ganzen Welt eine neue Richtung zu geben.
»Ich wollte nur sagen, daß alle Ideen, die einen gewaltigen Erfolg haben, immer einfach sind. Meine ganze Idee besteht darin: wenn die lasterhaften Menschen sich zusammenschließen und dadurch eine Macht werden, so müssen die ehrenhaften Menschen dasselbe tun. Wie einfach, nicht wahr?«
»Ja.«
»Und was wolltest du sagen?«
»Ich? Ach nichts, nur Dummheiten.«
»Nein, sag es doch.«
»Es sind ja nur Torheiten«, sagte Natascha, deren Lächeln noch heller und strahlender wurde. »Ich wollte nur etwas von unserm kleinen Petja sagen: heute als die Kinderfrau zu mir trat, um ihn mir abzunehmen, da lachte er, kniff die Augen zu und drückte sich an mich; er dachte gewiß, daß er sich versteckte. Er ist zu allerliebst. Da! Jetzt schreit er. Nun, dann gute Nacht!« Sie verließ das Zimmer.
Zu derselben Zeit brannte unten in Nikolenka Bolkonskis Schlafzimmer wie immer ein Lämpchen (der Knabe fürchtete die Dunkelheit, und man harte ihm diese Schwäche nicht abgewöhnen können). Dessalles schlief mit hochliegendem Oberkörper auf seinen vier Kissen, und seine römische Nase gab gleichmäßige Schnarchtöne von sich. Der Knabe war soeben, von kaltem Schweiß bedeckt, aufgewacht, saß mit weitgeöffneten Augen auf seinem Bett und blickte vor sich hin. Ein schrecklicher Traum hatte ihn geweckt. Er hatte im Traum sich und Pierre mit Helmen auf dem Kopf gesehen, mit solchen Helmen, wie sie in seiner Ausgabe des Plutarch abgebildet waren. Er und Onkel Pierre zogen vor einem gewaltigen Heer einher. Dieses Heer bestand aus weißen, schrägen Linien, die die Luft nach Art jener Spinnenfäden erfüllten, die im Herbst herumfliegen und die Herr Dessalles fils de la Vierge nannte. Vor ihnen beiden her schwebte der Ruhm, von ähnlicher Beschaffenheit wie diese Fäden, nur etwas kräftiger. Sie beide, er und Pierre, schwebten leicht und freudig immer weiter und näherten sich immer mehr ihrem Ziel. Auf einmal begannen die Fäden, durch die sie vorwärts bewegt wurden, kraftlos zu werden und sich zu verwirren; sie fühlten sich beide schwerer. Und plötzlich stand Onkel Nikolai Iljitsch in strenger, drohender Haltung vor ihnen.
»Habt ihr das getan?« sagte er, indem er auf die zerbrochenen Siegellackstangen und Federn hinwies. »Ich habe euch liebgehabt; aber ich habe Befehl von Araktschejew erhalten und werde den ersten, der noch weiter vordringt, töten.« Nikolenka blickte sich nach Pierre um; aber Pierre war nicht mehr da. Pierre war jetzt zu seinem Vater, dem Fürsten Andrei, geworden, und der Vater hatte keine Gestalt und Form; aber er war da, und bei seinem Anblick fühlte Nikolenka, wie ihn die Liebe schwach machte: er hatte die Empfindung, als ob er keine Kraft, keine Knochen, keinen innern Halt mehr hätte. Der Vater streichelte und bedauerte ihn. Aber Onkel Nikolai Iljitsch rückte ihnen immer näher. Eine furchtbare Angst packte den Knaben, und er erwachte.
»Mein Vater«, dachte er. »Mein Vater« (obgleich im Haus zwei wohlgetroffene Porträts vorhanden waren, stellte Nikolenka sich den Fürsten Andrei niemals in menschlicher Gestalt vor), »mein Vater war bei mir und hat mich gestreichelt. Er hat mich gelobt, er hat Onkel Pierre gelobt. Alles, was er mir sagt, werde ich tun. Mucius Scävola hat seine Hand ins Feuer gehalten und verbrennen lassen. Aber warum sollte sich nicht auch in meinem Leben etwas Ähnliches begeben? Ich weiß, sie wollen, daß ich lernen soll. Ich werde auch lernen. Aber es wird einmal die Zeit kommen, wo ich zu lernen aufhören werde, und dann werde ich handeln. Ich bitte Gott nur um eines, daß er mich in ähnliche Lagen bringe wie die Männer im Plutarch; dann werde ich ebenso handeln; dann werde ich noch besser handeln. Alle Menschen werden mich kennen, alle werden mich lieben, alle werden mich bewundern.« Und plötzlich fühlte er, wie ein Schluchzen ihm die Brust beengte, und er brach in Tränen aus.
»Sind Sie nicht wohl?« fragte Dessalles.
»Mir fehlt nichts«, antwortete Nikolenka und legte sich auf das Kissen.
»Er ist so gut und freundlich, und ich habe ihn lieb«, dachte er mit Bezug auf Dessalles. »Und Onkel Pierre? Oh, welch ein großartiger Mann! Und mein Vater? Mein Vater! Mein Vater! Ja, ich werde so handeln, daß auch er mit mir zufrieden sein wird …«
Bildanhang
Abbildung 1: Kartenskizze
Abbildung 1
Kartenskizze
Table of Contents
Titelseite
Erster Teil
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
22.
23.
24.
25.
26.
27.
28.
Zweiter Teil
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
20.
21.
Dritter Teil
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.
15.
16.
17.
18.
19.
Vierter Teil
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.
11.
12.
13.
14.