Sand
- Автор: Herrndorf Wolfgang
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: Rowohlt
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Sand». Краткое содержание книги:
Während in München Palästinenser des Schwarzen September das Olympische Dorf überfallen, geschehen in der Sahara mysteriöse Dinge. In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Ein verwirrter Atomspion, eine platinblonde Amerikanerin, ein Mann ohne Gedächtnis — Nordafrika 1972.
Ein mitreißender Agententhriller — und noch viel mehr: ein literarisches Abenteuer, ein außerordentlicher Roman. (rowohlt)
Millimeterdünn stand die Mondsichel zwischen raketenförmigen Minaretten, als die beiden Männer gegen Mitternacht vors Haus traten. Die Luft war warm und trocken. Dr. Cockcroft hatte die Sache mit den Ärmeln aufgegeben und sich den Kittel nachlässig über die Schultern geworfen. Er wirkte damit weder wie ein Arzt noch wie ein Maler, eher wie der verrückte Physiker in schlechten Filmen, patschte seinem Patienten jovial auf die Schulter, ihn dabei einladend, jederzeit wiederzukommen, und murmelte etwas von einer geheimnisvollen Wüstenkrankheit, die man nun wahrscheinlich bald Cockcroft-Syndrom nennen würde.
«Wie hieß Ihr Vorgänger?», fragte Carl.
«Bitte?»
«Wie hieß der?»
«Ach nein, ach nein. Glauben Sie mir … Sie sind doch kein Österreicher. Er soll außerdem klein und drahtig gewesen sein. Sie sind doch eher so mittelgroß und drahtig. Geiser. Oder Geisel. Ortwin Geisel.»
Er winkte Carl mit steifer Herzlichkeit hinterher, als dieser blicklos und gesenkten Kopfes die Straße überquerte. Auf der anderen Seite trat Carl in den Schatten eines Hauseingangs und drehte sich um. Er sah Cockcroft leicht schwankend im Haus verschwinden. Nach wenigen Minuten erlosch das Licht in der Praxis. Kurz darauf konnte Carl einen vollbärtigen Schattenriss auf einer der Jalousien im ersten Stock ausmachen. Er wartete noch eine Weile, hastete dann zurück über die Straße und zog seinen Schlüsselbund aus der Tasche. Die Tür zur Praxis hatte ein Sicherheitsschloss. Carl hatte vier Sicherheitsschlüssel an seinem Bund. Er versuchte, sie nacheinander leise ins Schloss zu stecken. Keiner passte.
Es war eher Erleichterung als Enttäuschung.
Helen, die am Bungalow wartete, legte ihm einen Arm um die Schulter. Carl interpretierte es zuerst als Geste der Zärtlichkeit, dann merkte er an ihrem Gesichtsausdruck, dass es keine Zärtlichkeit war. Sie stützte ihn. Er schwankte.
«Und?», fragte sie.
«Weiß nicht», sagte er.
«Hattest du Schwierigkeiten, ihm zu vertrauen?»
«Genau dasselbe hat er mich auch gefragt.»
«Ob du Schwierigkeiten hast, ihm zu vertrauen?»
«Ob ich Schwierigkeiten hätte, dir zu vertrauen.»
«Und? Hast du?»
Carl antwortete nicht.
«Wirkte der denn wenigstens einigermaßen kompetent?», fragte Helen, als sie nebeneinander im Dunkel im Bett lagen. «Oder eher so wie sein Zettel?»
Abermals lange keine Antwort. «Er ist auf jeden Fall kein Scharlatan», sagte er, als Helens Atem schon regelmäßig wurde. «Ein Scharlatan hätte sich mehr Mühe gegeben, wie ein Arzt zu wirken.»
34. DIE BANANE
God made some men small, and some men large; but Colt made them all equal.