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Die Stunde der Diebe. Finstere Pläne

Электронная книга - «Die Stunde der Diebe. Finstere Pläne». Краткое содержание книги:

Der leicht verschrobene, doch gutherzige Zwerg Flint ist ein Kunstschmied, wie man ihn auf Krynn kein zweites Mal findet. Eines Tages gibt ihm eine geheimnisvolle, verhüllte junge Frau den Auftrag, für sie ein ganz besonderes Kupferarmband herzustellen. Doch kaum ist das Armband fertig, wird es schon gestohlen. Eine abenteuerliche und gefahrvolle Verfolgungsjagd beginnt, denn Flint muß das Armband um jeden Preis zurückhaben...
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Tanis schrie: »Lauf, Tolpan, und bleib bloß nicht stehen!«, während Flint fluchend mit dem Netz kämpfte.

Instinktiv schnappte der Kender Selana an der Taille und stieß sie zur Tür. Dort blieb er einen Moment stehen und blickte in den schwach erleuchteten Raum zurück. Balkom schüttelte bereits die Scherben ab und bereitete einen neuen Spruch vor. Der Kender sah zu Tanis und Flint hin, die immer noch mit dem verhedderten Netz kämpften.

»Kümmer dich nicht um uns, du Türknauf! Bring bloß Selana in Sicherheit!«

Tolpan drehte sich um und rannte hinter Selana durch den dunklen Gang. Plötzlich löste sich aus Balkoms Fäusten ein Blitz. Entsetzlich donnernd, zuckte er durch den engen Korridor hinter den Fliehenden her. Mit einem Blick über die Schulter sah Tolpan das gleißend blaue Licht im Zickzack zwischen den Wänden hinter sich herrasen, wobei es bei jedem Aufschlag riesige Brocken aus der Wand riß. Er hatte Selana inzwischen fast eingeholt, und mit einem weiten Satz warf er sie auf den kalten Boden. Der magische Blitz sauste an ihnen vorbei und bedeckte sie mit Mörtel und Steinchen aus den Wänden. Einen Augenblick später war Tolpan schon wieder auf den Beinen und zerrte Selana weiter.

Als Balkom um die Ecke spähte, war nur noch Geröll zu sehen, das den engen Gang herunterkullerte. Beißender Ozongeruch drang ihm, mit Staub vermischt, in die Nase, doch den charakteristischen Gestank von verbranntem Fleisch roch er nicht.

Hämisch grinsend, kehrte der aufgebrachte Magier zu den beiden Gefangenen im Netz zurück. »Eure Freunde sind erst mal entkommen. Aber es wäre besser für sie, wenn sie im Tunnel gestorben wären.«

Balkom zog eine Schriftrolle aus den Tiefen seines Umhangs. Nachdem er das Wachssiegel aufgebrochen und sie entrollt hatte, las er laut vor, verdrehte die Zunge und gab unnatürliche, magische Laute von sich. Beim Rezitieren ringelten sich Rauchfähnchen von der Schriftrolle hoch. Tanis konnte sehen, wie sich braune Flecken bildeten, als ob große Hitze das Pergament von der anderen Seite her verbrannte. Nachdem er am Ende des Zaubers angelangt war, ließ Balkom die Schriftrolle los, so daß sie zu Boden flatterte. Bevor sie auch nur einen Fuß gefallen war, ging sie in Flammen auf, und puderfeine Asche rieselte zu Boden. Der Raum wurde sehr heiß und still, bis ein gewaltiger Windstoß Flint und Tanis Staubwolken ins Gesicht trieb und Balkoms Umhang erfaßte. Der Zauberer stand ungerührt da und starrte geradeaus.

Tanis sträubten sich die Haare, als ein schwarzer Punkt im Raum erschien, wirbelnd größer wurde, schreckliche Gestalt annahm und sich dann wieder auflöste, nur um etwas noch Größeres und Scheußlicheres zu werden. Als er seine volle Größe erreicht hatte, stand das Monster Balkom Auge in Auge gegenüber. Es war eine Art Riesenkatze, ein Panther oder Puma, aber es war nicht wirklich. Für Tanis sah es aus, als wäre es aus verfestigtem Schatten, der sich in einem seltsamen, inneren Rhythmus bewegte und veränderte.

Balkom sprach zu der unheimlichen Gestalt: »Ein männlicher Kender und eine Elfin haben mir Ärger gemacht. Töte sie.« Er warf einen bösen Seitenblick auf seine Gefangenen.

Ein seltsam wischendes Geräusch hallte durch den Raum und verschwand dann im Tunnel, als das Schattenwesen seiner Beute nachjagte.

Tolpan riß die Tür am Ende des aufsteigenden Gangs auf, und er und Selana stürzten in den geschützten Eingang, wo sie in die helle Sonne blinzelten.

»Wo können wir uns verstecken?« rief Selana, die sich Staub und Schmutz vom Gesicht wischte.

»Nirgends«, antwortete Tolpan, »jedenfalls jetzt noch nicht. Dieser Zauberer ist bestimmt hinter uns her. Wir müssen weit weg sein, bevor wir uns ausruhen können. Schnell weiter.«

Er versuchte, Selana wieder auf die Beine zu zerren, doch die junge Elfin wehrte sich. »Wohin?«

»Zum Marktplatz. Auf einem Marktplatz häng’ ich jeden ab, besonders, wenn etwas los ist.« Er zog Selana auf die Beine, und schon rannten beide zum Markt.

Da hörten sie es hinter sich krachen. Als sie sich umschauten, sahen sie, daß die Tür, aus der sie gerade herausgekommen waren, aus den Angeln gerissen war und über die Erde schlidderte. Riesige Klauen hatten sie zerfetzt, und die Monsterhände zerbrachen jetzt die dicken Holzbretter und schlitzten sogar ein verstärkendes Eisenband auf. Dann brach es aus dem Schatten, ein gewaltiges, magisches Phantom, das in großen Sätzen auf sie zusprang.

»Was ist das?«

»Ein Problem!« schrie Tolpan, während er die vor Angst erstarrte Meerelfin voranstieß. Mit dem Mut der Verzweiflung rannten Kender und Prinzessin über den offenen Platz in den überfüllten Basar. Als Tolpan einen Blick nach hinten wagte, sah er die schwarze Gestalt unaufhaltsam näherkommen, wobei sie eine wehende Staubfahne hinter sich her zog.

Sie rannten um eine Ecke und stießen gegen einen Bauernkarren, der mit Frühlingszwiebeln und Knoblauch beladen war. Tolpan ging auf die Knie und kroch darunter; Selana folgte seinem Beispiel.

Keuchend fragte Selana: »Was ist das? Hat sich der Zauberer in dieses Wesen verwandelt?«

»Ganz bestimmt nicht. Ich vermute, daß er irgendein magisches Monster beschworen hat, so was wie einen unsichtbaren Pirscher, nur den hier kann man als Schatten sehen. Die Zauberer holen sie von anderen Ebenen, damit sie ihnen dienen. Es sind grauenvolle Biester, die aber ein kurzes Leben haben. Wir müssen einfach in Bewegung bleiben.« Tolpan suchte die engen Gassen ab und wählte rasch den besten Fluchtweg aus. Sobald Selana wieder stand, waren sie auf und davon.

Hinter ihnen zerbarst der Wagen mit den Zwiebeln. Das Untier war hineingeknallt und zerfetzte ihn, wobei es in der ganzen Umgebung Zwiebeln und Knoblauch regnete. Das Geschrei und Gebrüll der Händler vermischte sich mit dem entsetzlichen Brüllen des Biests, das zwischen den Überresten des Wagens kurz innehielt, um die Leute, die im Weg standen, zu verjagen.

Die Flüchtlinge verschwendeten keine Zeit. In einem schwindelerregenden Zickzackkurs rannten sie durch den Basar, mal rechts, dann links, dann wieder links, bis Selana jede Vorstellung davon verloren hatte, in welche Richtung sie rannten. Vor lauter Herzklopfen konnte sie kaum noch Tolpans Anweisungen verstehen, während er ihnen den Weg kreuz und quer durch die Gassen suchte.

Selana japste nach Luft und ihr wurde vor Seitenstechen fast schwindelig, da endlich blieb Tolpan in einer engen Gasse stehen. »Ich glaube, wir haben das Schattenmonster abgehängt«, keuchte er, während er sich mit den Händen auf den Knien abstützte, »vorläufig…«

Selanas Brust keuchte nur, sie konnte noch nicht wieder sprechen. Sie sah Tolpan an und brachte schließlich heraus: »Du glaubst nicht, daß es schon aus ist mit ihm?«

»Nein, wir sind noch nicht einmal halb so lange gerannt, wie es sich anfühlt. Ich vermute, es ist immer noch irgendwo in der Gegend.«

»Was kann ein Schatten uns antun?« fragte sie.

»Du bist eine Zauberin und fragst solche Sachen?« Er schüttelte den Kopf. »Ich habe vor allem Respekt, was von anderen Ebenen herbeigerufen wird.«

Stöhnend wollte Selana gerade zu Boden sinken, als Tolpan sie am Arm packte. »Riechst du das?« Er blickte sie durchdringend an. »Knoblauch und Zwiebeln…«

Nachdem sie einander entsetzt angestarrt hatten, sahen sie sich beide um. Plötzlich spähte ein dunkler, verschwommener Kopf um die Ecke. Eine geisterhafte Pranke schlug zu, und Selana schrie auf. Wieder ging es weiter. Tolpan hielt Selana am Ärmel fest, während das Untier ihnen nachjagte.

Tolpan machte eine Kurve nach der anderen, bis er sich umschaute. Da entdeckte er – das Schattenmonster, aber keine Selana! Er hielt immer noch einen Fetzen von ihrem Ärmel in der Hand, aber sie hing nicht dran.

Den Panther dicht auf den Fersen flitzte Tolpan durch die auseinanderspringenden Zuschauer. Als er um eine weitere Ecke bog, stolperte er über einen Stapel Körbe. Er rutschte über einen Teppich voller Stiefel und Schuhe und knallte gegen einen Pfosten. Der Aufprall preßte ihm die Luft aus den Lungen, und er japste nach Luft. Während er versuchte, den Schmerz unter Kontrolle zu bekommen, krabbelte er auf die Beine. Über den Korbstapel spähte das Schattenmonster, dessen schwarze Zähne unter seinen schwarzen Augen leuchteten. Hinter ihm war zu Tolpans Entsetzen nur eine Sackgasse. Die Dorfbewohner brachten sich eilig in Sicherheit, und Tolpan hörte, wie die wenigen Türen und Fenster in der Sackgasse verriegelt und verrammelt wurden.

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