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Die Stunde der Diebe. Finstere Pläne

Электронная книга - «Die Stunde der Diebe. Finstere Pläne». Краткое содержание книги:

Der leicht verschrobene, doch gutherzige Zwerg Flint ist ein Kunstschmied, wie man ihn auf Krynn kein zweites Mal findet. Eines Tages gibt ihm eine geheimnisvolle, verhüllte junge Frau den Auftrag, für sie ein ganz besonderes Kupferarmband herzustellen. Doch kaum ist das Armband fertig, wird es schon gestohlen. Eine abenteuerliche und gefahrvolle Verfolgungsjagd beginnt, denn Flint muß das Armband um jeden Preis zurückhaben...
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Flint, der mit dem rechten Arm beschäftigt war, hatte ebensowenig Glück. »Was meinst du, woran unser Freund hier gestorben ist?« fragte er sich und blickte Tanis an. »Ich kann keine Wunde erkennen.«

In diesem Moment holte Tanis erschreckt tief Luft. Flint sah wieder in die Kiste, und ihm stockte fast das Blut in den Adern.

Die Hand des Toten, an deren grauen Fingern Ringe blitzten, hatte sich um Tanis’ linken Unterarm geschlossen. Seine leblosen Augen waren weit offen, wenn auch blicklos. Der Körper richtete sich zum Sitzen auf, und sein bleicher Kopf baumelte gräßlich an einem überlangen Hals herunter, als wäre der jetzt nur eine überspannte, gebrochene Feder.

»Ein Zombie!« schrie der Halbelf, der verzweifelt mit seiner rechten Hand nach dem Dolch an seiner linken Hüfte tastete. Er riß die Waffe heraus und setzte sie an Delbridges kaltem, totem Unterarm an, doch der Zombie reagierte kaum, als die Klinge seine Haut durchstieß.

Flint war blitzschnell zur Stelle und hackte bereits mit seiner Axt auf den Arm ein. Tanis taumelte von der Kiste zurück, als der Zombie – ohne seine linke Hand – zurückfiel. Die abgetrennte, zuckende Hand des Toten hielt den Halbelfen weiter fest, doch Tanis löste die beringten Finger einen nach dem anderen mit seiner Klinge, bis die Hand zu Boden fiel und dumpf aufprallte. Ohne zu zögern oder gar aufzuschreien, mühte sich der Zombie weiter ab, mit seinem triefenden Stumpf den Rand der Kiste zu erwischen.

Flint war bereit. Der beherzte Zwerg hob die Axt hoch und ließ sie wie ein geübter Holzhacker immer wieder im Takt heruntersausen, ohne auf das Blut zu achten, das bei jedem Schlag aufspritzte, oder wenigstens auf Tanis, der neben ihm mit seinem Messer zustach. Er wußte, daß ein Zombie nie von seinem Ziel abließ, bis er zerstört, von einem Priester vertrieben oder von seinem Herrn zurückgerufen wurde.

»Ich glaube, du kannst jetzt aufhören, Flint«, keuchte Tanis neben ihm, wobei er den Zwerg an der Schulter berührte. Der Untote – oder das, was von ihm übrig war – zuckte noch zweimal reflexartig und lag dann still.

In Flints Ohren rauschte donnernd sein eigenes Blut, während sich seine grausig verschmierten Hände immer wieder um den Stiel seiner mörderischen Axt schlossen.

Selana und Tolpan hatten entsetzt zugesehen. In dem Raum, der immer noch in das gelbliche Licht des Zaubers der Elfin getaucht war, hörte man nur noch das Keuchen des Zwergs und des Elfen.

Fast teilnahmslos beobachtete Tolpan eine kleine, rote Motte, die zwischen den Deckenbalken tanzte. Sie schien vor seinen Augen zu wachsen und wurde zu einem wirbelnden Gewebe aus unzähligen Rottönen, bis sie schließlich die Größe seines Kopfes erreicht hatte.

Inzwischen hatten auch die anderen die schwirrende, wachsende Motte entdeckt, und ihnen war klar: Ein Raum mit einem Zombie konnte nichts Gutes bedeuten.

»Weg hier!« schrien Tanis und Flint wie aus einem Mund.

Aber bevor sich noch irgend jemand regen konnte, zuckte in dem winzigen Raum ein Blitz durch die Luft, der Flint den Bart und Tolpan den Haarknoten ansengte und eine stickige, ölige Rauchwolke hinterließ.

Zwischen den Rauchschwaden stand eine mehr als sechs Fuß große, breite Gestalt. Beim Anblick des gehörnten Kopfes und der dunklen, ledrigen Flügel schrie Selana auf, doch dann rief Tolpan neben ihr: »Das ist ein Mensch, kein Monster!« Sie erkannte, daß die Hörner eine Kappe aus einem Widderkopf und die Flügel ein Umhang waren, der hinter seinen Schultern von einem Gestell gestützt wurde.

Eine riesige Narbe verlief über seine rechte Gesichtshälfte und durch eine leere Augenhöhle. Das verbliebene Auge funkelte vor Mut.

»Wen haben wir denn da?« Der Zauberer starrte den rothaarigen Halbelfen und den Zwerg an, die über dem zerhackten Zombie standen, und dann den staunenden Kender und die zitternde Frau an der anderen Seite der Katakombe. »Was habt ihr denn mit dem armen Omardicar, dem Allwissenden, gemacht?«

Sein Tonfall war leichthin und spöttisch, doch sein linkes Auge glitzerte hart und zornig, als er den Blick wieder Tanis und Flint zuwandte. Blitzschnell hob der Zauberer die Arme und murmelte ein einziges, unverständliches Wort. Ein riesiges Spinnennetz, das vom Boden bis zur Decke ging, erschien aus dem Nichts und wickelte sich um Tanis und Flint. Von den Strängen tropfte klebrige Flüssigkeit, die an den zappelnden Opfern hängenblieb. Je mehr sie sich darum bemühten, sich zu befreien, desto fester legte sich das Netz um sie, bis sie sich kaum noch bewegen konnten und schließlich auf dem Boden zusammenbrachen.

Dann wendete der Zauberer seine Aufmerksamkeit den beiden an der Tür zu. Wieder murmelte er das magische Wort, und die verdrehten Stränge wollten Tolpan und Selana umschlingen. Doch anstatt sich um sie zu wickeln, traf das Netz auf eine unsichtbare Barriere und glitt auf den Boden, wo es kurz aufleuchtete und dann verschwand. Selana grinste ihren Gegner finster an.

»Du überraschst mich, Frau«, sagte der Magier in seiner eindrucksvollen Baritonstimme, wobei auf seinem häßlichen Gesicht eine Mischung aus Bewunderung und Ärger stand, »aber das gelingt Euch kein zweites Mal.«

Selana bereitete schon ihren nächsten Spruch vor, der genau dem Zweck diente, Balkom zu überraschen. Mit ausgebreiteten Fingern streckte die Meerelfin ihre Hände aus und rief: »Dasen filinda

Ein bunter Farbenschwall drang aus ihren Fingern, spritzte über den Zauberer, lief seinen Körper entlang und drehte ihn halb um. Als er rückwärts gegen die Wand taumelte, stolperte er über ein gebrochenes Brett und fiel auf den schmutzigen Boden. Die scheußliche Widderschädelkappe rutschte ihm vom Kopf und rollte in eine dunkle Ecke, das Flügelgestell des Umhangs zerbrach. Die schwirrenden Farben umzuckten seinen um sich schlagenden Körper weiterhin, während er versuchte, den ruinierten Umhang abzustreifen.

»Leg dich bloß nicht mit Selana an, sonst verwandelt sie dich in eine Wanze!« krähte Tolpan und rannte mit der Meerelfin los, um Tanis und Flint zu befreien. Aber Balkoms Netz war fest und klebrig. Tolpan riß den Dolch aus seinem Hosenbein und säbelte genug Stränge durch, um Tanis’ Messerhand zu befreien. Während der Elf sich selbst weiter herausschnitt, widmete Tolpan sich Flint.

»Schnell, der Spruch hält nicht lange an«, drängte Selana. Aber die klebrigen Netzteile wickelten sich um ihre Messerklingen und hingen fest an Tanis’ und Flints Armen und Beinen.

»Ich hatte viel Glück, daß meine Sprüche bei ihm gewirkt haben«, flüsterte sie dem Halbelfen zu. »Wer er auch ist, er ist viel mächtiger als ich. Ich habe keine Sprüche und auch keine Kräuter mehr.«

Noch während sie sprach, stieß Balkom seine daumenlose rechte Faust durch den Farbenwirbel in die Luft. Ein Ring an seinem Finger glühte.

»Weg!« schrien sowohl Flint als auch Tanis gleichzeitig. Balkoms Hände malten Muster in die Luft, als er – immer noch auf dem Rücken liegend – etwas murmelte. Funken sprühten um ihn herum, und seine Hände wurden heiß und rot.

Sobald Tolpan seinen Dolch von den klebrigen Netzsträngen befreit hatte, sprang er vor und stach nach dem Zauberer. Doch die Klinge ging dicht an der Kehle des Zauberers vorbei, als hätte eine unsichtbare Hand sie weggestoßen. Mit einem teuflischen Grinsen griff Balkom nach Tolpans Arm, wobei blaue Funken wie winzige Blitze über seine Finger liefen.

Tolpan sprang zur Seite und konnte der glühenden Hand knapp ausweichen. Dabei prallte er gegen die Urne in der Ecke. Mit beiden Händen kippte er sie auf Balkom und trat den Magier dann kräftig in den Magen. Die Urne zerbrach, als Balkoms Hand sie berührte, und Tolpans Tritt glitt genauso ab wie zuvor der Dolch, doch immerhin hatte der Magier das Gleichgewicht verloren.

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