Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]
- Автор: Мартынов Георгий Сергеевич
- Год: 1969
- Язык: немецкий
- Год: Kultur und Fortschritt
- Переводчик: Traute Stein
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Illustrationen: L. Rubinstein]». Краткое содержание книги:
Die Kabine sank langsam, aber unaufhaltsam tiefer. Das Wasser reichte schon bis zum Rand des Plastedaches. Oft zog Regen herauf, und die Wucht der Wassermassen drückte das Flugzeug noch tiefer in den Sand. Bald mußten die beiden Männer das Plastedach wieder schließen und statt der gefilterten Außenluft wieder mit Hilfe der Sauerstoffballons atmen, weil sonst das Wasser in die Kabine gedrungen wäre. Es stieg schon mehrere Zentimeter über die Bordwand.
„Schade, daß wir keine Taucheranzüge bei uns haben“, sagte Melnikow.
Sobald es aufklarte, betrachteten sie prüfend durch die Ferngläser das Ufer, das sie von drei Seiten umgab. Sie hatten zweifellos richtige Bäume, gigantische Vertreter der Pflanzenwelt, vor sich. Das Laub war hellorange gefärbt.
Ein heftiger Windstoß fegte durch die Bucht. Die Wasseroberfläche kräuselte sich, das Gras am Ufer wippte, stärker wiegten sich die Kronen der Bäume.
„Ein ganz anderes Bild als die Insellandschaft“, sagte Wtorow. „Dort herrscht Totenstille, hier regt sich Leben. Es fehlen bloß noch Vögel.“
„Sieh dir einmal das Laub an.“ Melnikow wies mit der Hand auf das Ufer. „Dort — etwas ganz Merkwürdiges! Wie können sich Blätter bei solchen Regengüssen halten?“
„Sie sind wahrscheinlich anders gebaut als die Baumblätter auf der Erde.“
„Sicherlich. Die müssen wir uns auch noch ganz genau ansehen.“ Ein kurzes, aber schweres Gewitter unterbrach die Unterhaltung. Beim Rauschen des Regens, beim Einschlagen der Blitze und beim Donner konnten sie einander nicht verstehen.
Brodelnder Schaum bedeckte die Kabine.
Als es wieder aufklarte, sahen sie, daß das Plastedach kaum noch aus dem Wasser ragte. Noch ein, zwei Gewitter, und die Wasser der Bucht würden über ihnen zusammenschlagen.
„Jetzt wird es Zeit, daß das Boot kommt“, meinte Wtorow.
„Es wird zur rechten Zeit da sein.“ Am Funkgerät flammte ein Lämpchen auf. Toporkow meldete sich.
„Wie ist die Lage?“ Melnikow kam seinem Genossen zuvor, der schon antworten wollte.
„Keine besonderen Veränderungen“, sagte er hastig.
„Und das Absacken?“
„Verläuft normal. Keine ernsten Gefahren.“
„Ich habe schon lange keine Verbindung mehr mit dem U-Boot“, sagte Toporkow. „Wo steht es?“
„Fünfzig Kilometer von hier.“ Man hörte Igor Dmitrijewitsch tief atmen.
„Wir machen uns große Sorgen um euch.“
„Dazu haben Sie nicht den geringsten Grund.“ Abermals brach die Verbindung ab. Der Funkverkehr auf der Venus gestaltete sich äußerst launisch.
„Warum machen Sie den Genossen etwas vor?“ fragte Wtorow. „Wäre es nicht besser, die Wahrheit zu sagen?“ Melnikow blickte Wtorow schweigend an, als studiere er sein Gesicht.
„Ich weiß aus eigener Erfahrung“, sagte er langsam, „daß es bedeutend schwerer fällt, einen Kameraden in Not zu wissen, als selbst in Not zu sein. Die Genossen an Bord können außer dem, was sie bereits unternommen haben, nichts für uns tun.
Was soll ich ihnen sagen? Daß das Boot frühestens in einer Stunde hier sein kann, wissen sie selber. Daß wir endgültig ins Wasser absinken werden, wenn noch zwei Platzregen kommen, und es dann bedeutend schwieriger sein wird, uns zu finden?
Daß jedes neue Gewitter ebensolange anhalten kann wie jenes, dem wir unsere jetzige Lage verdanken?“ Er versank in ein längeres Schweigen. Dann erklärte er ruhig: „Die Wahrheit ist immer gut, aber um die Freunde nicht zu beunruhigen, muß sie manchmal geopfert werden. Sie sollen ruhig denken, bei uns sei die Lage unverändert.“
„Sie halten unsere Rettung noch für fraglich?“ Melnikow lächelte.
„Du kennst selber den ›lieblichen‹ Charakter der Venus. Bevor wir nicht im Boot sitzen, bin ich von nichts überzeugt. Immerhin haben wir jetzt unvergleichlich mehr Chancen als vor der Instandsetzung des Funkgerätes. Aber auch da war noch kein Grund zum Verzweifeln.“
„Aber wenn wir nicht hätten funken können?“
„Dann wäre unsere Lage ernst geworden.“ Die letzte Stunde des Wartens zog sich besonders in die Länge.
Balandin teilte mit, daß der Radarprojektor fünfzehn Kilometer voraus festes Land anzeige. Das konnte nur jenes Land sein, vor dem das Flugzeug lag. Das Boot hielt geraden Kurs darauf.
Noch zwanzig Minuten vergingen, in denen über der Bucht kein Regen niederging; und das Boot kam schon ganz nahe. Das Funkorientierungssignal wurde abgestellt, es wurde nicht mehr gebraucht.
„Jetzt wird uns also die Chance gegeben, von der Sie gesprochen haben“, sagte Wtorow vergnügt.
Ohne zu antworten, beugte Melnikow stell hastig zum Mikrofon vor.
„Sinowi Serapionowitsch!“
„Ich höre.“.
„Tauchen Sie nicht auf! Legen Sie sich auf Grund! Ein mächtiges Gewitter zieht auf!“ Über die Wipfel des Waldes schob sich immer höher und schneller eine breite schwarze Wand. An den vielen Blitzen und an dem lauter werdenden Gepolter des Donners erkannte Wtorow, daß dies kein kurzes, sondern ein langes Unwetter war.
Die Enden des Wasservorhanges verbargen sich in nebliger Ferne.
„Halte die Ohren steif, Gennadi!“ sagte Melnikow. „Das wird die letzte und schwerste Prüfung.“ Vierzig Minuten wüteten ringsum die entfesselten Naturgewalten. Die zwei Männer im Flugzeug sahen über sich nur weißen Schaum. Gedämpft drangen die Donnerschläge zu ihnen.
Das konnte nur daran liegen, daß die Kabine unter die Wasseroberfläche abgesunken war.
Für Melnikow und Wtorow stand es daher fest, daß sie nach diesem Gewitter den Himmel nicht mehr erblicken würden.
Aber nachdem die Gewitterfront endlich abgezogen war, nahmen sie zu ihrer großen Verwunderung keine Veränderung ihrer Lage wahr. Das Wasser stand ebenso hoch wie vorher.
Vierzig Minuten hatten die Wassermassen auf die Kabine getrommelt, aber sie war keinen Zentimeter tiefer gesunken.
„Wie ist das zu erklären?“ fragte Wtorow verdutzt.
„Wahrscheinlich liegen wir jetzt auf festem Grund.“ Das war die einzige und anscheinend auch richtige Erklärung.
Nun drohte ihnen keine Gefahr mehr, und sie konnten in Ruhe noch ein paar Stunden warten, solange die Sauerstoffvorräte reichten. Aber das erübrigte sich, das Boot lag schon ganz in ihrer Nähe.
„Sie haben recht gehabt, Boris Nikolajewitsch“, sagte Wtorow. „Wenn wir die Wahrheit gesagt hätten, wären alle unnötig in Sorge gewesen.“
„Merke es dir!“ erwiderte Melnikow. „Oberster Grundsatz: Bevor du an dich denkst, denke immer an die anderen! — Das kannst du immer brauchen und ist bei Raumfahrten Gesetz.
Folge diesem Gesetz, und du wirst nie einen Fehler machen.“
„Ich werde Ihre Worte nicht vergessen“, sagte der junge Ingenieur tief bewegt.
Nach wenigen Minuten hatte das Warten ein Ende.
Nicht weit von ihnen wurde plötzlich das Wasser aufgewühlt, und der durchsichtige Rücken des Unterseebootes hob sich aus den Fluten. Man konnte nur staunen, wie geschickt Saizew das Boot durch den völlig unbekannten Ozean der Venus gesteuert und sich dabei nur nach den Funkorientierungssignalen gerichtet hatte.
Das Luk wurde geöffnet, und den Gasschutzhelm auf dem Kopf, beugte sich Professor Balandin heraus. „Genossen ihr seid ja schon untergegangen!“ sagte er über das Sprechfunkgerät.
„Wir holen euch sofort an Bord.“
„Sie können sich Zeit lassen“, antwortete Melnikow. „Die Kabine sinkt nicht tiefer.“ Saizew, der auch herauskam, begrüßte die Freunde lebhaft winkend.
„Wenn ihr noch tiefer gesunken wäret oder wenn Wellengang gewesen wäre, hätten wir euch gar nicht bemerkt.“ Weil alle das Nahen eines neuen Gewitters befürchteten, wurde schleunigst ein Schlauchboot ausgebracht, und Saizew ruderte zu dem Wrack.
Der Ingenieur trug eine wasserdichte Kombination ohne Kühlvorrichtung und hatte daher das Gefühl, er säße vor einem Hochofen. Die auf achtzig Grad erhitzte Luft, die durch den Filter der Gasmaske strömte, versengte ihm schier das Gesicht und erschwerte das Atmen.