Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)
- Автор: Гэблдон Диана
- Серия: Die Outlander #2
- Год: 2015
- Язык: немецкий
- Год: Knaur eBook
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Die geliehene Zeit: Roman (German Edition)». Краткое содержание книги:
»Warte, lass mich.« Ich nahm ihm die silberne Ringbrosche ab und befestigte den flammend roten Stoff auf seiner Schulter. Er zog ihn ordentlich zurecht und glättete die leuchtende Wolle mit den Fingern.
»Mir hat er Ähnliches beschieden, Sassenach«, sagte er leise und blickte auf mich hinunter. »Auch wenn das Gott sei Dank nicht bedeutet, dass ich Ian einlade, mir den Hintern abzuwischen. Aber ich bin als Gutsherr geboren. Ich bin Hüter des Landes und der Menschen darauf, und auch ich muss das Beste aus meiner Verpflichtung machen.«
Er streckte die Hand aus und berührte sacht mein Haar.
»Deshalb war ich froh, als du gesagt hast, wir würden hierhergehen und sehen, was wir vielleicht vermögen. Denn ein Teil von mir würde nichts lieber tun, als dich und das Kind zu nehmen und weit fortzugehen, den Rest meines Lebens auf den Feldern und mit dem Vieh zu verbringen und abends heimzukommen und mich neben dich zu legen in der Ruhe der Nacht.«
Seine dunkelblauen Augen waren gedankenverloren, und seine Hand legte sich erneut auf die Falten seines Plaids und strich über die leuchtenden Karos des Fraser-Tartans mit dem schwachen weißen Streifen, der Lallybroch von den anderen Sippen und Familien unterschied.
»Aber wenn ich das täte«, fuhr er fort, als spräche er eher mit sich selbst als mit mir, »käme sich ein Teil meiner Seele verraten vor, und ich glaube – ich glaube, ich würde immer hören, wie sich die Stimmen der Menschen, die die Meinen sind, hinter mir erheben.«
Ich legte ihm eine Hand auf die Schulter, und er blickte auf, ein kleines, schiefes Lächeln auf seinem breiten Mund.
»Das glaube ich auch«, sagte ich. »Jamie … was auch immer geschieht, was auch immer wir bewerkstelligen …« Ich hielt inne und suchte nach Worten. Wir schon so oft raubte mir das Ausmaß dessen, was wir auf uns genommen hatten, die Sprache. Wer waren wir, den Verlauf der Geschichte zu ändern, den Verlauf der Ereignisse nicht nur für uns selbst zu ändern, sondern auch für Fürsten und Feldarbeiter, für ganz Schottland?
Jamie legte die Hand über die meine und drückte sie beruhigend.
»Niemand kann mehr von uns verlangen als unser Bestes, Sassenach. Und wenn es dazu kommt, dass Blut vergossen wird, wird es zumindest nicht an unseren Händen kleben – und gebe Gott, dass es nicht dazu kommt.«
Ich dachte an die einsamen grauen Clansteine auf dem Moor von Culloden und an die Highlandmänner, die vielleicht darunter liegen würden, wenn wir erfolglos blieben.
»Gebe es Gott«, wiederholte ich.
Kapitel 8
Ruhelose Geister und Krokodile
Jamie schien sein Leben inmitten königlicher Audienzen und der täglichen Erfordernisse des Weingeschäftes erfüllend zu finden. Jeden Morgen verschwand er kurz nach dem Frühstück mit Murtagh, um die neue Ware im Lagerhaus zu begutachten, Inventurlisten anzufertigen, die Seine-Docks aufzusuchen und seine Runde durch etwas zu machen, was seiner Beschreibung nach extrem unappetitliche Wirtshäuser waren.
»Nun, wenigstens hast du Murtagh dabei«, stellte ich fest, denn das beruhigte mich, »und zu zweit könnt ihr am hellen Tag nicht in allzu große Schwierigkeiten geraten.« Der drahtige kleine Schotte sah zwar nicht sehr beeindruckend aus, und seine Aufmachung unterschied sich nur dadurch von den Nichtsnutzen auf den Docks, dass die untere Hälfte aus Tartanstoff bestand, aber ich war mit Murtagh durch halb Schottland geritten, um Jamie aus dem Gefängnis von Wentworth zu retten, und es gab auf der ganzen Welt niemanden, dem ich sein Wohlergehen lieber anvertraut hätte.
Nach dem Mittagessen widmete sich Jamie Kundenbesuchen und gesellschaftlichen Verpflichtungen – in wachsender Anzahl – und zog sich dann vor dem Abendessen ein oder zwei Stunden mit den Geschäftsbüchern in sein Studierzimmer zurück. Er hatte gut zu tun.
Ich dagegen nicht. Nach ein paar Tagen höflicher Scharmützel mit Madame Vionnet, der Chefköchin, gab es keinen Zweifel mehr, wer im Haushalt das Sagen hatte, und ich war es nicht. Madame kam jeden Morgen ins Wohnzimmer, um den Speiseplan für den Tag mit mir zu besprechen und mir die Liste der Ausgaben zu präsentieren, die sie für die Küche als notwendig erachtete – Obst, Gemüse, Butter und Milch, die jeden Morgen frisch von einem Bauernhof gleich außerhalb der Stadt geliefert wurden, Fisch aus der Seine, der auf der Straße aus einem Karren verkauft wurde, zusammen mit frischen Muscheln, deren fest verschlossene schwarze Rundungen aus welkenden Wasserpflanzenhaufen ragten. Ich warf der Form halber einen Blick auf die Listen, genehmigte alles, lobte das vergangene Abendessen, und das war auch schon alles. Abgesehen davon, dass man mich gelegentlich rief, um mit einem Schlüssel meines Schlüsselbundes den Wäscheschrank, den Weinkeller, den Gemüsekeller oder die Vorratskammer zu öffnen, verfügte ich selbst über meine Zeit, bis die Stunde kam, mich zum Abendessen umzuziehen.
Das gesellschaftliche Leben in Jareds Haus nahm mehr oder minder genauso seinen Lauf wie in seiner Anwesenheit. Mir war zwar immer noch mulmig, wenn ich daran dachte, einen wirklich großen Empfang zu geben, aber wir hatten jeden Abend Gäste beim Essen – Adelsherren und -damen, arme Exiljakobiten, reiche Kaufleute und ihre Ehefrauen.
Allerdings stellte ich fest, dass ich nicht annähernd genug damit zu tun hatte, zu essen und zu trinken und mich auf das Essen und Trinken vorzubereiten. Ich wurde so zappelig, dass Jamie schließlich vorschlug, dass ich ihm bei der schriftlichen Buchführung half.
»Besser das, als an dir selber zu kauen«, sagte er mit einem kritischen Blick auf meine angenagten Fingernägel. »Außerdem schreibst du lesbarer als die Schreiber im Lagerhaus.«
So kam es, dass ich im Studierzimmer über die enormen Geschäftsbücher gebeugt saß, als Mr. Silas Hawkins eines späten Nachmittags zu uns kam, um zwei Fässchen flämischen Brandy zu bestellen. Mr. Hawkins war ein kräftiger, wohlhabender Mann, ein Emigrant wie Jared, der sich darauf spezialisiert hatte, Brandy vom Festland in seine Heimat zu exportieren.
Vermutlich hätte es ein Kaufmann, der wie ein Abstinenzler aussah, schwer gehabt, den Leuten Wein oder Spirituosen in größeren Mengen zu verkaufen. In dieser Beziehung hatte Mr. Hawkins Glück, weil er die permanent geröteten Wangen und das herzliche Lächeln eines echten Genießers hatte, obwohl mir Jamie erzählt hatte, dass er seine eigenen Waren niemals kostete und tatsächlich selten etwas Stärkeres als normales Bier trank – wohingegen sein Appetit in den Wirtshäusern, die er frequentierte, legendär war. In seinen glänzenden braunen Augen lauerte ein Ausdruck wachsamer Berechnung hinter der glatten Jovialität, die seine Geschäfte schmierte.
»Mein bester Lieferant, das muss ich sagen«, erklärte er, während er eine große Bestellung mit einem Schnörkel unterzeichnete. »Immer verlässlich, immer die beste Qualität. Euer Vetter wird mir sehr fehlen, solange er fort ist«, sagte er und verneigte sich vor Jamie, »doch er hat seine Vertretung gut gewählt. Typisch Schotte, das Geschäft in der Familie zu halten.«
Seine leuchtenden Äuglein verharrten auf Jamies Kilt, dessen Fraser-Rot sich hell von der dunklen Holzvertäfelung des Zimmers abhob.
»Seid Ihr gerade erst aus Schottland gekommen?«, fragte Mr. Hawkins beiläufig und tastete in seinem Rock umher.
»Nein, ich bin schon eine Weile in Frankreich«, wiegelte Jamie lächelnd ab. Er nahm Mr. Hawkins die Schreibfeder aus der Hand, doch da er sie als zu stumpf empfand, warf er sie beiseite und zog eine frische aus dem Gänsefedersträußchen, das aus einem kleinen Glasgefäß auf der Anrichte spross.
»Ah. Ich sehe an Eurer Kleidung, dass Ihr Highlandschotte seid; ich hatte gedacht, Ihr könntet mich vielleicht über die derzeitige politische Stimmung in diesem Teil des Landes informieren. Man hört ja Gerüchte, wisst Ihr.« Auf Jamies Handbewegung hin ließ sich Mr. Hawkins in einen Sessel sinken, und sein rundes, rosiges Gesicht schien ganz auf die fette Lederbörse konzentriert zu sein, die er jetzt aus der Tasche gezogen hatte.