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Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]

Электронная книга - «Das Erbe der Phaetonen [Сестра Земли. Наследство фаэтонцев - de]». Краткое содержание книги:

Menschlicher Forschergeist sind keine Grenzen gesetzt. Kurz vor dem Jahre 2000 sind Mond und Mars bereits bezwungen.
Die Venus dagegen, der Schwesterplanet der Erde, hütet hinter einer dichten Wolkenhülle auch vor den stärksten irdischen Teleskopen ihre Geheimnisse.
Deshalb startet die SSSR-KS 3“, ein sowjetisches Raumschiff, mit zwölf Wissenschaftlern an Bord in Richtung Venus. Die Landung gelingt, doch heftige Gewitter und sintflutartige Regen erschweren die Erkundung des Planeten.
Alle bewegt die Frage: Gibt es hier vernunftbegabte Wesen? Sollen es die aufrecht gehenden schildkrötenartigen Geschöpfe sein, die dreien der Kosmonauten zum Verhängnis werden?
Phantasiereich und glaubhaft gestaltet der Autor die Begegnung des Erdenmenschen mit Bewohnern einer anderen Welt und mit der ans Wunderbare grenzende Technik eines fremden Raumschiffs, das vor Jahrtausenden auf der Venus niedergegangen ist.
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Nicht ganz so ausführlich und besonnen, aber ähnlich dachte im selben Augenblick auch Wtorow.

Es ist eine arithmetische Rechnung, sagte er sich im stillen. — Boris Nikolajewitschs Leben ist wertvoller als meins. Wenn das Funkgerät nicht funktioniert, nehme ich mir das Leben. Die Pistole steckt in der Tasche.

Sie sahen einander lächelnd an — mit der gleichen Absicht, die eigenen Gedanken vor dem andern zu verbergen.

„Also — versuchen wir es!“ sagte Melnikow.

„Das Zögern führt zu nichts.“ Als sich der Generator mit einem trockenen Knacken einschaltete, schloß Wtorow unwillkürlich die Augen. Tanjas Gestalt stand ihm so klar vor Augen, daß er glaubte, ihren warmen Atem auf seiner Wange zu spüren. Seine Hand schob sich in die Tasche der Kombination und befühlte den kalten Stahl der Schußwaffe.

„Ich höre, Boris, ich höre! Wo bist du?“ Die Stimme Belopolskis … Warum antwortet er sofort? Hat Melnikow denn etwas gesagt? — Wtorow schlug die Augen auf.

Boris Nikolajewitschs ruhige Stimme klang in der Kabine des gestrandeten Flugzeugs wie ein Aufruf zum Leben.

Langsam, als traute er seinen Ohren nicht, zog Wtorow die Hand aus der Tasche.

Ihm wurde schwindlig. Er hätte am liebsten mit voller Brust die reine Meeresluft eingeatmet. Aber draußen war ja keine reine Luft, sondern die gasgeschwängerte des unbekannten Planeten.

„Ich glaube, daß nur das Unterseeboot…“ Das Lämpchen am Indikator erlosch, der Satz brach ab. Eine Gewitterfront, die sich zwischen sie und die Insel schob, zerriß die Funkverbindung.

„Ich habe offengestanden bezweifelt, daß es uns gelingt“, sagte Melnikow. „Ich dachte, wir würden es nicht fertigbringen, den Sender instand zu setzen.“ „Ich auch“, antwortete Wtorow leise.

Melnikow sah ihm ins bleiche Gesicht und zuckte zusammen.

Das war doch nicht möglich!

Wahrhaftig! Wtorow hatte für ihn zweifellos das gleiche tun wollen wie er für Wtorow. Melnikow packte das unwiderstehliche Verlangen, diesen Prachtjungen mit dem reinen Herzen zu umarmen. Er tat es nicht. Wtorow brauchte nie zu erfahren, was in ihm vor sich ging.

„Sieh nur, Gennadi!“ Er duzte ihn, ohne sich dessen bewußt zu sein. „Unsere Maschine hat keine Tragflächen mehr.“ Tatsächlich waren beide Tragflächen, anscheinend unter der Last der Regengüsse, abgebrochen und verschwunden. Wann dies geschehen war und warum sie das Gepolter und das Knakken des brechenden Metalls nicht gehört hatten, wußte sich weder der eine noch der andere zu erklären.

„Ich habe den Eindruck, das Flugzeug ist tiefer ins Wasser gesunken“, sagte Wtorow.

Er wunderte sich nicht im geringsten darüber, daß Melnikow plötzlich so freundschaftlich mit ihm redete. Er fand es natürlich, daß der Kommandant als der Ältere ihn beim Vornamen nannte. Bloß warum hatte er das früher nicht getan?

„Ich habe nicht nur den Eindruck“, erwiderte Melnikow, „ich bin davon überzeugt. Der Sand saugt den Rumpf in sich hinein.“ Er sagte das so selbstverständlich, daß Wtorow nicht wagte, die sich aufdrängende Frage zu stellen: Was wird geschehen, wenn das Flugzeug ganz im Wasser versinkt? Sie hatten kein Boot bei sich, um an Land zu fahren. Ihr Schlauchboot hatte in der einen Tragfläche gelegen und war mit ihr hinweggespült worden.

Nach zwei Stunden teilte Belopolski ihnen mit, daß das Unterseeboot ausgelaufen sei.

Die Stunden des Wartens zogen sich in die Länge.

Die Kabine sank langsam, aber unaufhaltsam tiefer. Das Wasser reichte schon bis zum Rand des Plastedaches. Oft zog Regen herauf, und die Wucht der Wassermassen drückte das Flugzeug noch tiefer in den Sand. Bald mußten die beiden Männer das Plastedach wieder schließen und statt der gefilterten Außenluft wieder mit Hilfe der Sauerstoffballons atmen, weil sonst das Wasser in die Kabine gedrungen wäre. Es stieg schon mehrere Zentimeter über die Bordwand.

„Schade, daß wir keine Taucheranzüge bei uns haben“, sagte Melnikow.

Sobald es aufklarte, betrachteten sie prüfend durch die Ferngläser das Ufer, das sie von drei Seiten umgab. Sie hatten zweifellos richtige Bäume, gigantische Vertreter der Pflanzenwelt, vor sich. Das Laub war hellorange gefärbt.

Ein heftiger Windstoß fegte durch die Bucht. Die Wasseroberfläche kräuselte sich, das Gras am Ufer wippte, stärker wiegten sich die Kronen der Bäume.

„Ein ganz anderes Bild als die Insellandschaft“, sagte Wtorow. „Dort herrscht Totenstille, hier regt sich Leben. Es fehlen bloß noch Vögel.“ „Sieh dir einmal das Laub an.“ Melnikow wies mit der Hand auf das Ufer. „Dort — etwas ganz Merkwürdiges! Wie können sich Blätter bei solchen Regengüssen halten?“ „Sie sind wahrscheinlich anders gebaut als die Baumblätter auf der Erde.“ „Sicherlich. Die müssen wir uns auch noch ganz genau ansehen.“ Ein kurzes, aber schweres Gewitter unterbrach die Unterhaltung. Beim Rauschen des Regens, beim Einschlagen der Blitze und beim Donner konnten sie einander nicht verstehen.

Brodelnder Schaum bedeckte die Kabine.

Als es wieder aufklarte, sahen sie, daß das Plastedach kaum noch aus dem Wasser ragte. Noch ein, zwei Gewitter, und die Wasser der Bucht würden über ihnen zusammenschlagen.

„Jetzt wird es Zeit, daß das Boot kommt“, meinte Wtorow.

„Es wird zur rechten Zeit da sein.“ Am Funkgerät flammte ein Lämpchen auf. Toporkow meldete sich.

„Wie ist die Lage?“ Melnikow kam seinem Genossen zuvor, der schon antworten wollte.

„Keine besonderen Veränderungen“, sagte er hastig.

„Und das Absacken?“ „Verläuft normal. Keine ernsten Gefahren.“ „Ich habe schon lange keine Verbindung mehr mit dem U-Boot“, sagte Toporkow. „Wo steht es?“ „Fünfzig Kilometer von hier.“ Man hörte Igor Dmitrijewitsch tief atmen.

„Wir machen uns große Sorgen um euch.“ „Dazu haben Sie nicht den geringsten Grund.“ Abermals brach die Verbindung ab. Der Funkverkehr auf der Venus gestaltete sich äußerst launisch.

„Warum machen Sie den Genossen etwas vor?“ fragte Wtorow. „Wäre es nicht besser, die Wahrheit zu sagen?“ Melnikow blickte Wtorow schweigend an, als studiere er sein Gesicht.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung“, sagte er langsam, „daß es bedeutend schwerer fällt, einen Kameraden in Not zu wissen, als selbst in Not zu sein. Die Genossen an Bord können außer dem, was sie bereits unternommen haben, nichts für uns tun.

Was soll ich ihnen sagen? Daß das Boot frühestens in einer Stunde hier sein kann, wissen sie selber. Daß wir endgültig ins Wasser absinken werden, wenn noch zwei Platzregen kommen, und es dann bedeutend schwieriger sein wird, uns zu finden?

Daß jedes neue Gewitter ebensolange anhalten kann wie jenes, dem wir unsere jetzige Lage verdanken?“ Er versank in ein längeres Schweigen. Dann erklärte er ruhig: „Die Wahrheit ist immer gut, aber um die Freunde nicht zu beunruhigen, muß sie manchmal geopfert werden. Sie sollen ruhig denken, bei uns sei die Lage unverändert.“ „Sie halten unsere Rettung noch für fraglich?“ Melnikow lächelte.

„Du kennst selber den ‚lieblichen‘ Charakter der Venus. Bevor wir nicht im Boot sitzen, bin ich von nichts überzeugt. Immerhin haben wir jetzt unvergleichlich mehr Chancen als vor der Instandsetzung des Funkgerätes. Aber auch da war noch kein Grund zum Verzweifeln.“ „Aber wenn wir nicht hätten funken können?“ „Dann wäre unsere Lage ernst geworden.“ Die letzte Stunde des Wartens zog sich besonders in die Länge.

Balandin teilte mit, daß der Radarprojektor fünfzehn Kilometer voraus festes Land anzeige. Das konnte nur jenes Land sein, vor dem das Flugzeug lag. Das Boot hielt geraden Kurs darauf.

Noch zwanzig Minuten vergingen, in denen über der Bucht kein Regen niederging; und das Boot kam schon ganz nahe. Das Funkorientierungssignal wurde abgestellt, es wurde nicht mehr gebraucht.

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