Percy Jackson 02 - Im Bann Des Zyklopen
- Автор: Риордан Рик
- Серия: Percy Jackson #2
- Язык: немецкий
- Жанр: Прочая древняя литература
Электронная книга - «Percy Jackson 02 - Im Bann Des Zyklopen». Краткое содержание книги:
Polyphem zögerte, er hielt einen Quader in der Hand und wollte seine verflossene Braut damit erschlagen.
»Rezept?«, fragte er Grover.
»Aber ja. Du willst mich doch nicht roh verzehren. Davon kannst du E. coli und Botulismus und alle möglichen anderen schrecklichen Krankheiten kriegen. Und ich schmecke viel besser, wenn ich über kleiner Flamme gegrillt wurde. Mit Mango-Chutney! Du könntest jetzt gleich aus dem Wald ein paar Mangos holen. Ich warte solange hier.«
Das Ungeheuer dachte über diesen Vorschlag nach. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Ich fürchtete, dass ein Angriff mein Tod sein würde. Aber ich konnte nicht zulassen, dass dieses Monstrum Grover umbrachte.
»Gegrillter Satyr mit Mango-Chutney«, überlegte Polyphem. Er schaute sich zu Clarisse um, die über dem Kessel mit dem kochenden Wasser baumelte. »Bist du auch ein Satyr?«
»Nein, du Riesenmisthaufen«, schrie sie. »Ich bin ein Mädchen! Die Tochter des Ares! Und jetzt bind mich los, damit ich dir die Arme abhacken kann!«
»Arme abhacken«, wiederholte Polyphem.
»Und sie dir in die Kehle stopfen!«
»Mädchen hat Mumm.«
»Lass mich runter!«
Polyphem schnappte sich Grover wie ein entlaufenes Hundebaby. »Muss jetzt Schafe weiden lassen. Hochzeit auf heute Abend verschoben. Und dann ist Hauptgericht Satyr.«
»Aber … du willst noch immer heiraten?« Grover klang verletzt. »Wer ist die Braut?«
Polyphem schaute zu dem kochenden Kessel hinüber.
Clarisse stieß einen erstickten Schrei aus. »O nein! Das kann nicht dein Ernst sein. Ich bin nicht …«
Ehe Annabeth oder ich eingreifen konnten, packte Polyphem auch Clarisse und warf sie und Grover in die Höhle. »Macht gemütlich. Bei Sonnenuntergang zurück. Zum Fest.«
Dann pfiff der Zyklop und allerlei Ziegen und Schafe – kleiner als die Menschenfresser – kamen aus der Höhle und liefen an ihrem Herrn vorbei. Polyphem streichelte einigen von ihnen den Rücken und nannte ihre Namen: Leckerbissen, Lockenschätzchen und so weiter.
Als das letzte Schaf davongetrottet war, rollte Polyphem einen Quader vor die Höhle, so leicht, wie ich einen Kühlschrank öffnen würde, und damit war das Geschrei von Clarisse und Grover nicht mehr zu hören.
»Mangos«, murmelte Polyphem vor sich hin. »Was sind Mangos?«
Er wanderte in seinem babyblauen Hochzeitsgewand den Hang hinab und ließ uns allein mit einem Kessel voll kochendem Wasser und einem Steinquader, der sechs Tonnen wog.
Wir mühten uns stundenlang ab, so kam es uns zumindest vor, aber es half alles nichts. Der Quader wollte sich nicht bewegen lassen.
Wir brüllten in die Spalten, hämmerten gegen den Felsen, taten alles, was uns nur einfiel, um Grover ein Signal zu geben, aber wir hatten keine Ahnung, ob er uns hören konnte.
Selbst wenn wir auf wundersame Weise Polyphem hätten töten können, hätte uns das nicht geholfen. Grover und Clarisse wären in der verschlossenen Höhle umgekommen. Die einzige Möglichkeit, den Quader zu bewegen, war, es den Zyklopen machen zu lassen.
In totaler Frustration schlug ich mit Springflut gegen den Fels. Funken stoben auf, aber das war auch alles. Ein Felsblock ist nicht die Art von Feind, gegen die ein magisches Schwert etwas ausrichten kann.
Annabeth und ich saßen verzweifelt wieder auf der Felskante und sahen zu, wie die babyblaue Zyklopengestalt sich in der Ferne zwischen den Schafen bewegte. Er hatte seine normalen Tiere klugerweise von seinen menschenfressenden Schafen getrennt; die Gruppen weideten auf verschiedenen Seiten des tiefen Abgrunds, der die Insel teilte. Die einzige Verbindung war die Seilbrücke und ihre Bretter lagen für Schafshufe viel zu weit auseinander.
Wir sahen zu, wie Polyphem seine fleischfressende Herde auf der anderen Seite des Abgrunds besuchte. Leider fraßen sie ihn nicht. Sie schienen ihm überhaupt nichts tun zu wollen. Er fütterte sie mit Fleischstücken aus einem großen Weidenkorb, was die Gefühle, die ich hegte, seit Circe mich in ein Meerschweinchen verwandelt hatte, weiter verstärkte: Ich sollte vielleicht Grovers Beispiel folgen und Vegetarier werden.
»List«, entschied Annabeth. »Mit Gewalt können wir ihn nicht schlagen, also müssen wir zu einer List greifen.«
»Na gut«, sagte ich. »Und zu welcher List?«
»So weit bin ich noch nicht.«
»Klasse.«
»Polyphem muss den Quader bewegen, um die Schafe in die Höhle zu lassen.«
»Bei Sonnenuntergang«, sagte ich. »Aber dann will er Clarisse heiraten und Grover zum Abendessen verzehren. Ich weiß ja nicht, was übler ist.«
»Ich könnte hineingehen«, sagte sie. »Unsichtbar.«
»Und was ist mit mir?«
»Die Schafe«, überlegte Annabeth. Sie bedachte mich mit diesem listigen Blick, bei dem ich immer ganz misstrauisch wurde. »Magst du eigentlich Schafe?«
»Einfach nicht loslassen!«, sagte Annabeth, die irgendwo rechts von mir stand. Sie hatte gut reden. Sie hing nicht kopfüber unter einem Schafsbauch.
Ich muss aber zugeben, dass es nicht so schwer war, wie ich erwartet hatte. Ich war schon mal unter das Auto meiner Mom gekrochen, um einen Ölwechsel vorzunehmen, und so viel anders war es nicht. Dem Schaf schien es egal zu sein. Noch das kleinste Schaf des Zyklopen konnte mein Gewicht tragen und alle hatten dicke Wolle. Ich drehte mir daraus einfach Handgriffe, presste meine Füße gegen die Hüftknochen des Schafs, und schwupp – ich kam mir vor wie ein kleines Känguru, während ich mich an den Schafsbauch schmiegte und versuchte, keine Wolle in meinen Mund und meine Nase zu bekommen.
Falls es euch interessiert, so ein Schafsbauch riecht nicht gerade gut. Stellt euch einen dicken Pullover vor, der durch den Schlamm gezogen worden ist und dann eine Woche lang in einem Korb für schmutzige Wäsche gelegen hat. So ungefähr.
Die Sonne ging unter.
Ich hatte gerade meinen Platz eingenommen, da brüllte der Zyklop auch schon: »Oi! Zicklein! Schäfchen!«
Gehorsam trottete die Herde den Hang hinauf auf die Höhle zu.
»Jetzt«, flüsterte Annabeth. »Ich bin ganz in der Nähe. Mach dir keine Sorgen.«
Ich legte den Göttern das stumme Gelübde ab, dass ich Annabeth sagen würde, dass sie ein Genie war, wenn wir das hier überlebten. Das Beängstigende war, dass ich wusste, dass die Götter dann auch darauf bestehen würden.
Mein Schafstaxi stieg bergauf. Schon nach hundert Metern taten meine Hände und Füße weh. Ich griff fester in die Wolle und das Tier knurrte. Ich konnte ihm da keine Vorwürfe machen. Ich hätte auch nicht gewollt, dass irgendwer sich zum Bergsteigen an meinen Haaren festhielt, aber wenn ich mich nicht festhielt, würde ich dem Ungeheuer vor die Füße plumpsen.
»Hasenpfeffer«, sagte der Zyklop und streichelte eins der Schafe vor meinem. »Einstein! Widget – heda, Widget!«
Polyphem streichelte mein Schaf und hätte mich fast zu Boden geworfen. »Hast noch eine Extraportion zugelegt, was?«
Oha, dachte ich. Jetzt kommt’s.
Aber Polyphem lachte nur, tätschelte dem Schaf das Hinterteil und trieb uns zur Eile an. »Los, Fettsack. Bald wird Polyphem dich zum Frühstück essen.«
Und dann war ich plötzlich in der Höhle.
Ich konnte sehen, wie die letzten Schafe hereinkamen. Wenn Annabeth jetzt nicht bald loslegte …
Der Zyklop wollte schon den Quader wieder zurückrollen, als Annabeth irgendwo vor der Höhle rief: »Na, du Hässlicher?«
Polyphem erstarrte. »Wer hat das gesagt?«
»Niemand«, rief Annabeth.
Das brachte genau die erhoffte Reaktion. Das Ungeheuer lief zornrot an.
»Niemand«, brüllte Polyphem zurück. »An dich erinnere ich mich!«
»Du bist zu blöd, um dich an irgendwen zu erinnern«, spottete Annabeth. »Und an Niemand schon gar nicht.«
Ich flehte zu den Göttern, dass sie machte, dass sie wegkam, als sie das sagte, denn Polyphem brüllte wütend, schnappte sich den nächstbesten Quader, bei dem es sich zufälligerweise um seine Haustür handelte, und schleuderte ihn in die Richtung von Annabeths Stimme. Ich hörte, wie der Quader in tausend Stücke zersprang.