Rialla - Die Sklavin
- Автор: Бриггз Патриция
- Серия: sianim #2
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 9783838754161
- Переводчик: Christina Neuhaus
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Rialla - Die Sklavin». Краткое содержание книги:
Rialla setzte sich auf den rauen Steinboden und schloss seufzend die Augen. Endlich war sie allein. Fast hatte sie befürchtet, dass man ihr Tamas als Bewacher zur Seite stellen würde, womit sie die ganze Nacht damit beschäftigt gewesen wäre, sich ihn vom Hals zu halten.
Plötzlich spürte sie, dass sie dennoch nicht allein im Raum war. Doch bevor sie in Panik verfallen konnte, begriff sie, um wen es sich handelte.
»Tris?«
»Mmmm?«, erwiderte er fast geistesabwesend, als er an dem Verschluss ihres Halsriemens herumfummelte, um ihn abzuschnallen.
»Wie lange bist du schon hier?«
»Noch nicht allzu lang. Du riechst nach nassem Pferd.« Er löste die Fesseln um ihre Arme, und Rialla streckte und reckte sich dankbar, ächzte fast vor Erleichterung, als sie ihre Gliedmaßen wieder frei bewegen konnte.
»Mein Lieblingsduft«, gab sie zurück.
Tris erschuf ein Magierlicht und erhellte so die karge kleine Kammer.
»Nicht gerade ein Palast«, bemerkte er.
»Aber sauber, was mehr ist, als man wohl von den Männerunterkünften im Tempel erwarten darf.« Mit einer einladenden Geste zeigte sie auf den Platz neben sich.
Stattdessen setzte sich Tris ihr gegenüber auf den Boden und nahm seinen Rucksack ab. Er wühlte eine Weile darin herum, bis er ein kleines gekästeltes Spielbrett in Händen hielt, das er nun zwischen ihnen abstellte.
Es war nicht so kunstvoll gefertigt wie das Exemplar in seinem Häuschen, aber es erfüllte seinen Zweck, und so brachten sie den ganzen Nachmittag damit zu, »Drachenraub« zu spielen. Der Heiler gewann alle Partien, aber leicht machte Rialla es ihm nicht.
Nach dem dritten Spiel schob er widerstrebend das Spielbrett beiseite. »Ich muss nun das Licht löschen«, sagte er. »Das Gebäude wirkt zwar massiv, aber ich schätze, es sind doch einige Spalten oder Risse in den Wänden, durch die Licht nach außen fallen könnte. Ich möchte nicht, dass du diesen Leuten erklären musst, wie es dazu kam.« Er machte eine wedelnde Handbewegung, und das Magierlicht erlosch.
»Wie ich bemerkte, hatte Winterseines rattengesichtiger Diener erhebliche Schwierigkeiten damit, seine Hände von dir zu lassen«, meinte Tris. »Hast du mal darüber nachgedacht, diesem kleinen Lustmolch, der dein Pferd führt, zu zeigen, was du davon hältst? Schätze, ein bisschen Empathie würde sich wundervoll dazu eigenen.«
Rialla lachte, dankbar dafür, dass Tris mit seiner Bemerkung Tamas’ Zudringlichkeiten von etwas Bedrohlichem zu etwas Groteskem gemacht hatte. »Bedaure, aber jede Gemeinheit, die ich mir für ihn ausdenken könnte, würde ihn nur noch mehr anheizen.«
»Ja, das wäre möglich …«, erwiderte er betont nachdenklich.
Rialla musste wieder lachen. Sie suchte sich eine bequemere Position, und eine behagliche Stille breitete sich zwischen ihnen aus, bis ihr fast die Augen zufielen.
»Wie willst du beweisen, dass Winterseine Karsten auf dem Gewissen hat?«, fragte Tris plötzlich.
Sie erhob sich leicht vom Boden. »Du hattest erwähnt, dass der Dolch, mit dem Karsten ermordet wurde, einfach verschwand. Wenn ich ihn finde, kann jeder Zauberkundige, der was auf sich hält, sagen, wer ihn benutzt hat.«
»Und wen willst du damit überzeugen?«
»Was meinst du?«, fragte Rialla, und dann: »Bei den Göttern, daran hab ich ja überhaupt nicht gedacht! Welcher Darraner würde überhaupt glauben, was ein Zauberer zu sagen hat?«
Sie dachte einen Moment über das Problem nach und fügte hinzu: »Was, wenn ich die Sache anders anginge? Was würde der Große Rat wohl dazu sagen, wenn ich beweisen könnte, dass Winterseine ein Magier ist? Damit würde ich Laeth zwar nicht entlasten, aber Winterseine würde sich so auch nicht der Ländereien Karstens bemächtigen können. Damit bliebe Lord Jarroh als mächtigstes Mitglied im Rat.«
»Und wie willst du beweisen, dass Winterseine ein Magier ist?«
Sie schüttelte den Kopf, obwohl er es im Dunkeln gar nicht sehen konnte. »Weiß nicht, aber ich werde einen Weg finden.«
Früh am Morgen wurde sie von Tris geweckt, damit er ihr die Fesseln wieder anlegen konnte, bevor irgendwer hereinkam. Gerade als die letzte Schnalle geschlossen war, hörten sie, wie jemand den Riegel von der Tür entfernte.
»Tris!«, zischte Rialla ihm erschrocken zu.
Er lächelte sie nur an, trat einige Schritte zurück, bis er mit dem Rücken an der Wand stand, und machte dann eine seltsame Geste. Im selben Moment verschwamm seine Gestalt und verschmolz mit der Dunkelheit. Fasziniert beobachtete Rialla, wie der Heiler eins wurde mit der Wand und sich Schritt für Schritt der Farbe des Steins anglich, bis die Schatten im Raum jedes Zeichen seiner Anwesenheit verschluckt hatten.
Tamas kam herein, zog Rialla am Arm vom Boden hoch und geleitete sie hinaus, ohne dass er den heimlichen Beobachter in der Steinhütte wahrnahm.
Es war ein kalter und ungemütlicher Tag, und die Pferde wirkten unruhig, weil ein scharfer Wind unangenehme Gerüche zu ihnen herantrug. Rialla zog unter ihrem Umhang den Kopf ein und wünschte sich nichts sehnlicher, als dass Tamas heute nicht ihre Stute führen möge.
Die Sonne ging auf – eine trübe Scheibe an einem grauen Himmel, und nachdem sie die Hälfte ihres Weges zurückgelegt hatte, war sie fast völlig von Wolken verhangen. Als es zu regnen begann, hielt die Gruppe an, während Terran und Winterseine sich kurz berieten.
Tamas nahm den unvorhergesehenen Stopp zum Anlass, sein Pferd direkt neben Riallas zu lenken.
»Ich mag die Hübschen und Sanften, so wie du«, sagte er. »Lord Winterseine sagt, wenn du fürs Tanzen nicht mehr gut genug bist, kann ich dich haben, bevor er dich an sein Bordell schickt. Es würde dir dort nicht gefallen, aber wenn du mich zufriedenstellst, behalte ich dich vielleicht.«
Während er sprach, legte er seine Hand auf ihr lädiertes Bein. Riallas Pferd wurde unruhig, versuchte sich dem Zugriff auf seine Reiterin, deren Widerwillen es bemerkte, instinktiv zu entziehen. Tamas, der noch immer die Führungsleine hielt, grinste, wendete sein Pferd und folgte ihr.
»Warum so ungehalten?« Wieder presste er seine Handfläche auf ihre Wunde, fester diesmal.
Es tat weh, doch Rialla wusste, dass man ihr den Schmerz nicht ansah. Und sie wusste, dass ihre zur Schau gestellte Emotionslosigkeit ihn sehr enttäuschte. Vor allem aber wusste sie, dass irgendwo in der Nähe Tris gerade ziemlich wütend wurde.
Ein Blitz durchzuckte die Luft, Sekunden später folgte ein Donnergrollen. Ihre beiden Pferde reagierten ähnlich heftig auf das Geräusch – begleitet von einem Aufwallen empathisch verströmter Furcht. Die anderen Pferde begannen zu tänzeln und zu bocken; der Herdentrieb überwältigte jegliche genossene Erziehung.
Mit einem Ruck riss Riallas Pferd Tamas die Führungsleine aus der Hand, senkte den Kopf zwischen die Vorderbeine und schlug aus. Rialla lehnte sich zurück, stemmte sich, die Füße voran, in den Sattel. Als der Hinterleib des Pferdes sich wieder absenkte und das Tier sich dadurch zur Seite drehte, verlagerte Rialla ihr Gewicht entsprechend und hielt die Balance. Aufgrund ihrer Gabe wusste sie stets, was die Stute als Nächstes tun würde.
Einer der Wachmänner bekam die Führungsleine zu packen, und sein fester Griff entmutigte Riallas Pferd. Nach einigen halbherzigen Hüpfern beruhigte es sich wieder.
Der Renner, den Tamas ritt, war indes erfolgreicher bei dem Versuch, seinen Herrn abzuwerfen. Winterseines Diener landete unsanft in einem Stechapfelstrauch. Als man ihn wieder aus dem Gestrüpp mit den langen Dornen gezogen hatte, bestanden seine Verletzungen nicht nur aus Stichen und Kratzern – sein Arm hing schlaff zur Seite und war bei dem Sturz offensichtlich gebrochen. Einer der Wachleute hatte Tamas’ Pferd wieder eingefangen; es tänzelte nervös herum und verteilte dabei jede Menge Matsch über jeden, der sich in seiner Nähe befand.