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Jaina Prachtmeer: Gezeiten des Krieges

Электронная книга - «Jaina Prachtmeer: Gezeiten des Krieges». Краткое содержание книги:

Die Asche des Weltenbebens ruht über den so unterschiedlichen Königreichen Azeroths. Während sich die geschundene Welt langsam von den Folgen der gewaltigen Katastrophe erholt, setzt die berühmte Zauberhexerin Lady Jaina Prachtmeer alles daran, die Beziehung zwischen Allianz und Horde wieder zu verbessern. Denn unlängst haben wachsende Spannungen die beiden Fraktionen an den Rand eines neuen Krieges geführt, der den letzten Rest an Stabilität zu zerstören droht in der … WORLD OF WARCRAFT®
Düstere Nachrichten erreichen Jainas geliebtes Städtchen Theramore. Eines der mächtigsten Artefakte des Blauen Drachenschwarms – die Fokussierende Iris – wurde gestohlen. Um die mysteriösen Umstände der Tat zu klären, entschließt sich Jaina zu einem ungewöhnlichen Bündnis mit dem ehemaligen Blauen Drachenaspekt Kalecgos. Gemeinsam wollen die beiden ruhmreichen Helden dem dreisten Diebstahl auf den Grund gehen. Doch es droht bereits weiteres Unheil am Horizont.
Garrosh Höllschrei versammelt die Armeen der Horde zu einer Invasion Theramores. Ungeachtet steigender Unzufriedenheit in den eigenen Reihen, strebt der skrupellose Kriegshäuptling eine neue Ära der Herrschaft der Horde an. Seine unstillbare Gier nach Macht, lässt ihn dabei zu den brutalsten Mitteln greifen, um jene mundtot zu machen, die es wagen könnten, seine Position als Anführer in Frage zu stellen.
Allianztruppen sammeln sich in Theramore um den Angriff der Horde abzuwehren. Doch sie rechnen nicht mit dem tatsächlichen Ausmaß der verschlagenen und heimtückischen Strategie des Kriegshäuptlings. Garroshs Angriff wird Jaina unwiderruflich verändern und die Friedenshüterin in eine chaotische, alles verschlingende Macht verwandeln – auch bekannt als: Gezeiten des Krieges.
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Er öffnete die Kiste mit dem winzigen Schlüssel, den er um den Hals trug, und blickte gedankenverloren auf den kleinen Stapel von Schriftrollen hinab. Jede davon enthielt eine Prophezeiung von Korialstrasz, dem verstorbenen Gefährten von Alexstrasza, der Lebensbinderin. Die Visionen hatten sich ihm im Verlauf der Jahre offenbart, und als er sie an Rhonin weitergegeben hatte, hatte er mit einem Grinsen gesagt: „Das wird dir vielleicht helfen zu verstehen, warum ich manchmal so verdammt schlau wirke.“ Rhonin war zutiefst geehrt gewesen. Anschließend hatte Krasus ihn gebeten, die Weisheit dieser Prophezeiungen zu verbergen, und nach seinem Tod sollte Rhonin den Schlüssel nur einer einzigen Person anvertrauen. „Sie dürfen nicht in die falschen Hände fallen“, hatte er ihn gewarnt.

In jener Nacht war Rhonin bis in die frühen Morgenstunden wach geblieben, um die Schriftrollen zu lesen, und eine von ihnen wollte er sich nun noch einmal zu Gemüte führen.

„Andererseits“, sagte er laut. „Warum musstest du deine Weisheiten nur in so kryptischer Form niederschreiben, Krasus?“

Er war sicher, dass der große rote Drache jetzt irgendwo saß und lachte.

Es war erst Jainas zweiter Besuch bei der Familie Funkenleuchter; beim ersten Mal war sie gekommen, um ihre Tochter in ein weit entferntes Land mitzunehmen. Damals waren sie alle vor Stolz auf Kinndy beinahe geplatzt, aber Jaina hatte auch erkannt, wie stark die Bande in dieser Familie waren, was vielleicht daran liegen mochte, dass sie nur aus drei Personen bestand. Es war jedenfalls deutlich zu spüren gewesen, dass ihnen dieser Abschied schwergefallen war, doch sie hatten Jaina nicht wie einen Eindringling behandelt, der ihnen ihre Tochter wegnahm, sondern waren ihr mit weit offenen Armen begegnet, als wäre sie ein lange verschollener Verwandter. Nichtsdestotrotz zögerte Jaina nun vor der Türschwelle. Hierherzukommen war eine plötzliche Entscheidung gewesen. Sie hatte das Gefühl gehabt, dass sie es den Eltern ihrer Schülerin schuldig war; sie sollten wissen, wie sehr sie von Kinndys Fähigkeiten beeindruckt war, außerdem wollte sie ihnen sagen, dass dieses beeindruckende Mädchen, das sie so innig liebten, bald schon einer großen Gefahr ins Auge sehen würde.

Nachdem sie sich für diese Begegnung gewappnet hatte, klopfte sie an der Tür. Wie beim letzten Mal öffnete sich daraufhin quietschend eine kleinere Tür, die in die eigentliche Tür eingelassen war, und ein älterer, ganz in Violett gekleideter Magier spähte hinaus, erst nach links, dann nach rechts, und schließlich nach oben.

„Guten Tag, Magier Funkenleuchter“, sagte Jaina lächelnd.

Rasch nahm er seinen spitz zulaufenden Hut ab und verneigte sich tief. „Lady Prachtmeer!“, rief er. „Was verschafft uns diese Ehre …“ Seine Augen weiteten sich unmerklich. „Mit unserer kleinen Kinndy ist doch alles in Ordnung, oder?“

„In bester Ordnung sogar. Sie wird den Pflichten eines Lehrlings in bewundernswerter Weise gerecht“, erklärte Jaina. Zu diesem Zeitpunkt entsprachen beide Aussagen schließlich noch der Wahrheit. „Dürfte ich hereinkommen?“

„Oh, gewiss, gewiss!“ Pakke Funkenleuchter duckte sich wieder nach drinnen, schloss die kleine Tür und öffnete die große Haupttüre, damit Jaina eintreten konnte.

Die ordentliche kleine Wohnung war mit vollendeten Miniaturen richtiger Möbel ausgestattet – zumindest kamen sie Jaina wie Miniaturen vor. Auch wenn die Decke hoch genug war, dass sie aufrecht stehen konnte, wäre es ihr also unmöglich gewesen, sich auf einen der kleinen Stühle zu setzen. Glücklicherweise holte Pakke einen Große-Leute-Stuhl, wie er es nannte, herbei.

„Hier. Setzt euch doch ans Feuer!“ Jaina blickte zum Kamin hinüber, in dem zwar Holzscheite platziert waren, aber kein Feuer brannte. Sie musste ein Schmunzeln unterdrücken. Das war ein alter Witz der Familie Funkenleuchter, und sie hatte nicht vor, Pakke die Pointe zu verderben. Der Gnom stieß ein gespieltes Ächzen aus. „Oh, das Feuer brennt ja gar nicht!“, entfuhr es ihm, dann zog er einen Stab hervor, murmelte ein paar leise Worte und richtete die Spitze seines magischen Werkzeuges auf den Kamin. Im selben Moment flackerten helle Flammen auf und verliehen der ohnehin schon heimeligen Wohnung einen noch fröhlicheren Eindruck.

Ein verlockender Geruch wehte herbei, als eine grauhaarige Gnomenfrau durch die Küchentür spähte. Ihr Gesicht war mit Mehl verschmiert. „Pakke, wer war an der – oh, Lady“, sagte sie. „Was für eine Überraschung! Gebt mir nur einen Moment, um diese Kuchen in den Ofen zu schieben. Ich bin gleich wieder da.“

„Lasst Euch nur Zeit, Frau Funkenleuchter.“

„Ich hatt’ es Euch doch schon gesagt, als wir uns zum ersten Mal trafen: Nennt mich Jaxi, sonst gibt es keine Apfeltörtchen“, tadelte sie sanft, und zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit konnte Jaina nicht anders, als zu lachen.

Sie setzte sich in den gemütlichen, ihrer Größe entsprechenden Stuhl und nahm dankbar eine Tasse Tee und ein paar Plätzchen entgegen. Nachdem Pakke und Jaxi ebenfalls Platz genommen hatten, auf ihren eigenen, kleineren Sitzgelegenheiten, ergingen sie sich ein paar Minuten in ungezwungenem Geplauder.

Schließlich stellte Jaina ihre Tasse beiseite und blickte die beiden Gnome an. „Eure Tochter“, begann sie, „ist eine gute Schülerin. Nein“, korrigierte sie sich dann, „eine ausgezeichnete Schülerin sogar. Jeden Tag beeindruckt sie mich mehr, und ich bin sicher, eines Tages, wenn ihre Ausbildung abgeschlossen ist, wird sie die ganze Welt beeindrucken. Viele Lehrlinge haben das Potenzial, aber längst nicht alle können es auch ausschöpfen.“

Das Ehepaar Funkenleuchter strahlte förmlich, dann blickten die beiden einander an und schlossen die Hände fest um die des anderen. „Sie ist unser einziges Kind, müsst Ihr wissen“, erklärte Pakke. „Ich bin sicher, es ist Euch nicht aufgefallen, aber ich werde allmählich alt.“ Dies sagte er mit einem Funkeln in den Augen; der lange weiße Bart war nicht zu übersehen. „Jaxi und ich hatten die Hoffnung auf ein Kind schon aufgegeben. Kinndy ist unser kleines Wunder.“

„Wir machen uns zwar Sorgen um sie, weil sie so weit entfernt in Theramore ist“, fügte Jaxi hinzu, „aber wir freuen uns, dass sie uns so häufig besuchen kommt.“

„Mich freut es auch“, meinte Jaina. „Wenn ich daran denke, dass sie jedes Mal einige Eurer gebackenen Köstlichkeiten mitbringt, würde ich sie am liebsten jeden Tag hierherschicken! Es ist wirklich eine Schande, dass ich sie nicht immer entbehren kann.“

Da mussten sie alle lachen. Die Atmosphäre in dem heimeligen, altmodisch eingerichteten Raum mit dem knisternden Kaminfeuer war so fröhlich, dass Jaina einen Augenblick lang von dem Gedanken an die Gefahr befreit war, die Theramore drohte. Sie wünschte sich, es könnte immer so einfach sein.

„Oh, Lady Jaina“, sagte Jaxi. „Welche unglücklichen Gedanken machen Euch so traurig?“

Sie seufzte. Sosehr sie sich auch wünschte, dass die Situation eine andere wäre, diese guten Gnome hatten ein Recht darauf, zu wissen, in welcher Gefahr ihre Tochter schwebte.

„Theramore braucht die Hilfe der Kirin Tor“, erklärte sie leise. „Um die Wahrheit zu sagen, es war sogar Kinndys Idee, hierherzukommen und um Unterstützung zu bitten. Mehr kann ich Euch leider nicht sagen, aber ich fürchte, ich werde mit leeren Händen nach Theramore zurückkehren.“

„Was für eine …“, setzte Jaxi zu einer Frage an, aber Pakke legte eine faltige Hand auf die ihre und drückte sie.

„Na, na. Lady Jaina scheint wichtige Dinge zu tun zu haben“, sagte er. „Wenn sie meint, sie könne es uns nicht sagen, dann will ich ihr das glauben.“

„Ich natürlich auch“, sagte Jaxi hastig. Ihre andere Hand glitt zu der ihres Mannes hinüber. „Es ist nur … ist Kinndy …“

„Kinndy hat unermüdlich gearbeitet, und ihre Hilfe ist von unschätzbarem Wert für mich“, versicherte ihr Jaina. „Ich gebe Euch mein Wort, ich werde sie beschützen, so gut ich nur kann. Schließlich“ – und sie versuchte, wieder unbesorgt zu klingen – „habe ich schon zu viel Zeit in ihre Ausbildung investiert. Es wäre doch eine Schande, wenn ich noch einmal von vorn anfangen müsste, mit einem Schüler, der ganz grün hinter den Ohren ist!“

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