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Das unvollendete Bildnis

Электронная книга - «Das unvollendete Bildnis». Краткое содержание книги:

Um jeden Preis will Amyas Crale das Porträt der schönen Elsa Greer zu Ende malen. Das kostet ihn das Leben. Um jeden Preis will seine Frau ihre Ehe schützen. Das bezahlt auch sie mit dem Leben. Sechzehn Jahre später ist ihrer Tochter Carla kein Preis zu hoch, um ihr Leben vor den Schatten der Vergangenheit zu schützen...
Titel des Originals: «Five Little Pigs»
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Miss Williams sagte scharf: «Natürlich hätten Sie es gestanden, mein Kind.» Mit einem wütenden Blick auf Hercule Poirot fügte sie hinzu: «Nur ein Narr kann so etwas denken!» Freundlich erwiderte Poirot: «Ich bin kein Narr und denke es auch nicht. Ich weiß sehr genau, wer Amyas Crale getötet hat.» Er machte eine Pause. «Man nimmt immer zu leicht Tatsachen als gegeben hin, die es in keiner Weise sind. Betrachten wir einmal die Lage in Alderbury. Die alte Geschichte: zwei Frauen und ein Mann. Wir haben es als gegeben hingenommen, daß Amyas Crale seine Frau um einer anderen willen verlassen wollte. Aber ich behaupte, daß er das nie beabsichtigt hatte. Er hatte sich ja schon vorher häufig in Frauen verliebt, aber seine Verliebtheit hielt nie lange an. Die meisten Frauen, in die er sich verliebte, besaßen Erfahrung, sie erwarteten nicht zuviel von ihm. Aber diesmal war es anders. Die Frau, in die er sich diesmal verliebte, war keine erfahrene Frau, sie war ein Mädchen, sie war, wie Caroline Crale sich ausdrückte, erschreckend aufrichtig. Sie mag kaltschnäuzig und herausfordernd in ihrem Benehmen, in ihrer Sprache gewesen sein, aber die Liebe nahm sie erschreckend ernst. Da sie von einer tiefen Leidenschaft für Amyas erfüllt war, glaubte sie, daß er die gleiche Leidenschaft für sie empfinde. Sie nahm es als selbstverständlich an, daß es sich um eine Liebe für das ganze Leben handle, deshalb fragte sie ihn auch gar nicht, ob er seine Frau verlassen werde. Sie werden vielleicht einwenden, es sei unverständlich, daß Amyas Crale ihr nicht reinen Wein eingeschenkt habe. Ja, warum tat er es nicht?... Wegen des Bildes! Er wollte das Bild fertigmachen.

Das wird vielen unglaublich vorkommen, nicht aber Menschen, die Künstler kennen. Unter diesem Gesichtspunkt ist auch die Unterhaltung zwischen Crale und Meredith Blake verständlicher. Crale ist verlegen, er klopft Blake auf die Schulter, versichert ihm, daß alles schon wieder in Ordnung kommen werde. Für Amyas Crale ist alles einfach. Er malt ein Bild, wird dabei leicht gestört durch <zwei eifersüchtige, hysterische Weiber> - wie er sich ausdrückte - er will sich aber von keinem Menschen bei dem stören lassen, was für ihn das Wichtigste im Leben ist. Würde er Elsa die Wahrheit sagen, wäre es um das Bild geschehen. Vielleicht hatte er in der ersten Leidenschaft sogar davon gesprochen, Caroline zu verlassen; Männer sagen so etwas, wenn sie verliebt sind. Vielleicht ließ er sie auch in dem Glauben; er kümmert sich nicht viel darum, was Elsa glaubt - sie soll denken, was sie will. Für ihn ist die Hauptsache, daß sie noch ein, zwei Tage bei der Stange bleibt. Dann wird er ihr die Wahrheit sagen, wird ihr sagen, daß zwischen ihnen alles aus ist. Er belastete sich ja nie mit Skrupeln. Als er Elsa kennenlernte, wollte er sich nicht mit ihr einlassen, er warnte sie, sagte ihr, was für ein Mann er sei, aber sie wollte es nicht hören. Sie rannte in ihr Verhängnis. Für Crale waren Frauen Freiwild. Hätte man ihn zur Rede gestellt, würde er leichthin geantwortet haben, Elsa sei ein junges Mädchen und würde bald darüber hinwegkommen. Das war Amyas Crales Einstellung.

Der einzige Mensch, der ihm wirklich etwas bedeutete, war seine Frau; er nahm aber nicht viel Rücksicht auf sie. Im Falle Elsa Greer sollte sie nur noch ein paar Tage Geduld haben. Er war wütend, daß Elsa Caroline die Szene gemacht hatte, aber sorglos, wie er war, glaubte er, daß alles wieder in Ordnung kommen würde. Caroline würde ihm verzeihen, wie sie es schon so oft getan hatte, und Elsa müßte es eben <schlucken>. So einfach sind die Lebensprobleme für einen Menschen wie Amyas Crale.

Am letzten Tage machte er sich aber wirklich Sorgen - wegen Caroline, nicht wegen Elsa. Vielleicht war er in Carolines Schlafzimmer gegangen, und sie hatte sich geweigert, mit ihm zu sprechen. Jedenfalls nahm er sie nach dem Frühstück beiseite und sagte ihr die Wahrheit: er sei in Elsa verliebt gewesen, aber es sei vorbei; sowie das Bild fertig sei, werde er sie für immer fortschicken.

Und darauf rief Caroline empört aus: <Du mit deinen Weibern!> Mit diesen Worten stellte sie Elsa in eine Reihe mit all den andern, die er schon längst vergessen hatte. Und sie fügte entrüstet hinzu: <Eines Tages w;rde ich dich umbringen! > Sie war wütend, empört über seine Gefühllosigkeit, über seine Grausamkeit dem Mädchen gegenüber. Die Worte, die Philip Blake sie in der Halle murmeln hörte - <Es ist so grausam> -bezogen sich auf Elsa.

Als Crale nach der Unterredung aus der Bibliothek kam, forderte er Elsa barsch auf, mit ihm zur Schanze zu kommen. Er wußte aber nicht, daß Elsa, unter dem Bibliotheksfenster sitzend, alles gehört hatte. Stellen Sie sich vor, was für ein Schlag es für sie gewesen sein muß, als sie die Wahrheit hörte, die brutale Wahrheit! Aber sie ließ sich nichts anmerken, und ihr Bericht über diese Unterhaltung entsprach nicht der Wahrheit.

Meredith Blake hat uns berichtet, daß er am vorhergehenden Nachmittag, als er auf Caroline wartete, mit dem Ricken zur Laboratoriumstür stand und sich mit Elsa unterhielt. Das heißt, daß Elsa ihm gegenüb erstand und daher über seine Schulter hinweg sehen konnte, was Caroline tat. Sie sah, daß Caroline das Gift nahm. Sie sagte niemand etwas davon, aber es fiel ihr wieder ein, als sie beim offenen Bibliotheksfenster saß. Als Crale sie aufforderte, mit ihm zur Schanze zu kommen, benutzte sie die Ausrede, daß sie einen Pullover holen wolle, um in Carolines Schlafzimmer zu gehen und nach dem Gift zu suchen. Frauen wissen, wo andere Frauen etwas zu verstecken pflegen. Sie fand das Gift, und vorsichtig, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, füllte sie die Flüssigkeit in den Füller ihres Federhalters.

Dann ging sie mit Crale zur Schanze, wo sie ihm zweifellos ein Glas Bier einschenkte, das er in seiner üblichen Art hinunterleerte.

Inzwischen hatte sich Caroline Crale ernsthafte Gedanken gemacht. Als sie Elsa später ins Haus kommen sah - diesmal, um wirklich einen Pullover zu holen - eilte Caroline hinunter zur Schanze und machte ihrem Mann Vorhaltungen. Sie sagte ihm unter anderem, es sei eine Schande, wie er sich benehme, und sie werde das nicht dulden. Es sei grausam und hart für das Mädchen. Amyas, der über die Störung in seiner Arbeit wütend ist, erwidert, daß das Mädchen ihre Koffer packen müsse, sowie das Bild fertig sei. <Ich lasse sie ihre Koffer packen, das sage ich dir!>

Und dann hören sie die Brüder Blake kommen. Caroline geht hinaus und murmelt leicht verlegen etwas über Angela und das Internat, und sie habe noch viel zu tun. Durch eine verständliche Ideenassoziation glauben die beiden Herren, daß sich die Unterhaltung auf Angela bezogen habe, und aus dem <ich lasse sie ihre Koffer packen>, wird <ich werde für sie packen>. Elsa, den Pullover in der Hand, kommt hinzu, kühllächelnd, und nimmt ihre Pose wieder ein. Sie hat zweifellos damit gerechnet, daß Caroline verdächtigt würde, daß das Koniinfläschchen in ihrem Schlafzimmer gefunden würde, aber nun gibt sich Caroline ihr völlig in die Hand: sie bringt ihrem Mann eine Flasche eisgekühltes Bier und gießt es ihm ein. Amyas schüttet es herunter und sagt: <Alles schmeckt heute miserabel. >

Wie aufschlußreich ist diese Bemerkung! Alles schmeckt miserabel! Er hat also schon vor diesem Bier etwas zu sich genommen, das ihm schlecht schmeckte, und er hat diesen Geschmack noch immer im Mund. Noch etwas: Philip Blake berichtete, daß Crale leicht geschwankt habe und daß er, Philip, überlegt habe, <ob er nicht zuviel getrunken habe>. Aber dieses leichte Schwanken war das erste Zeichen der Wirkung des Giftes, was bedeutet, daß ihm das Gift schon einige Zeit, bevor Caroline das eisgekühlte Bier brachte, verabfolgt worden war. Elsa Greer saß auf der Brustwehr, und damit er keinen Verdacht schöpfen sollte, plauderte sie lustig und vergnügt mit ihm. Sie sah Meredith auf dem oberen Plateau sitzen, winkte ihm zu und spielte ihre Rolle auch seinetwegen. Amyas Crale, der Krankheit verabscheute und sich nicht gehen lassen wollte, malte verbissen weiter, bis die Glieder ihm den Dienst versagten, bis er kaum mehr sprechen konnte; er lag ausgestreckt auf der Bank, hilflos, aber geistig noch klar. Es läutete zum Mittagessen, und Meredith kam zur Schanze. Ich glaube, daß in diesem kurzen Moment Elsa zum Tisch lief und die letzten Tropfen Gift in das Glas mit dem Rest unvergifteten Bieres goß. Den Füller warf sie nachher unterwegs fort und zertrat ihn. Sie geht Meredith entgegen. Wenn man aus dem Schatten der Bäume auf die in Sonnenlicht gebadete Schanze kommt, ist man geblendet. Meredith konnte nicht deutlich sehen, er sah seinen Freund Crale in seiner üblichen Stellung auf der Bank liegen, sah, daß Crale böse blickte. Wieviel wußte oder vermutete Amyas? Was er bewußt empfand, können wir nicht sagen, aber seine Hand und seine Augen arbeiteten exakt.»

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