Das unvollendete Bildnis
- Автор: Кристи Агата
- Год: 1999
- Язык: немецкий
- Жанр: Классические детективы
Электронная книга - «Das unvollendete Bildnis». Краткое содержание книги:
Titel des Originals: «Five Little Pigs»
«Jawohl, sie war um Ihr Glück besorgt, das ist klar; es war ihre größte Sorge. Sie hat ein Kind, aber sie denkt nicht zuerst an das Kind, das kommt später. Nein, sie denkt nur an ihre Schwester. Ihre Schwester muß getröstet werden, muß ermutigt werden, sie soll ein glückliches, erfolgreiches Leben führen. Und damit die Schwester sich nicht zu schwere Gewissensbisse macht, fügt Caroline noch den aufschlußreichen Satz bei: Jeder muß seine Schulden zahlen. >
Dieser Satz erklärt alles. Er ist ein Hinweis auf die Gewissenslast, die Caroline seit vielen Jahren trug - seitdem sie in einem Wutanfall ihrer kleinen Schwester einen Briefbeschwerer an den Kopf warf und sie dadurch für immer entstellte. Nun erhält Caroline Gelegenheit, ihre Schuld abzutragen. Und Ihnen allen zum Trost sage ich, daß Caroline Crale in dem Bewußtsein, ihre Schuld getilgt zu haben, einen Frieden und eine Heiterkeit empfand, wie sie sie seit vielen Jahren nicht mehr empfunden hatte. Das ist der Grund, weshalb ihr die Verhandlung und die Verurteilung nichts ausmachten. Es ist seltsam, so etwas von einer zum Tode verurteilten Mörderin zu sagen: das Urteil machte sie glücklich. Diesen scheinbaren Widerspruch will ich Ihnen jetzt erklären, indem ich die Ereignisse von Carolines Gesichtspunkt aus erläutere.
Zunächst einmal geschieht am Vorabend des verhängnisvollen Tages etwas, was sie an ihre jugendliche Untat erinnert: Angela wirft einen Briefbeschwerer nach Amyas Crale. Dasselbe hatte sie, Caroline, vor vielen Jahren getan. Und Angela wünscht mit lauter Stimme Amyas den Tod. Am nächsten Morgen kommt Caroline in das Treibhaus und überrascht dort Angela, die an einer Bierflasche herumhantiert. Miss Williams sagte in ihrem Bericht: <Angela war dort und sah schuldbewußt aus.> Miss Williams glaubte, sie habe ein schlechtes Gewissen, weil sie am Morgen durchgebrannt war, aber Caroline legte Angelas Schuldbewußtsein anders aus. Denken Sie daran, meine Herrschaften, daß Angela früher einmal Amyas etwas ins Bier geschüttet hatte. Es konnte ja leicht sein, daß sie das wiederholte.
Caroline nimmt die Flasche, die Angela ihr gibt, und bringt sie zur Schanze. Dort schenkt sie das Bier ein, gibt es Amyas, der es trinkt, eine Grimasse schneidet und die aufschlußreichen Worte sagt : <Heute schmeckt alles miserabel.> Caroline schöpft natürlich keinen Verdacht. Doch als sie nach dem Essen zur Schanze kommt und ihren Mann tot vorfindet, zweifelt sie keinen Augenblick daran, daß er vergiftet worden ist. Sie hat es nicht getan. Wer dann? Die Gedanken stürmen auf sie ein: Angelas Drohung, Angelas schuldbewußtes' Gesicht, als sie mit der Bierflasche in der Hand überrascht wurde... schuldig... schuldig... Warum hat das Kind das getan? Aus Rache? Vielleicht wollte sie ihn gar nicht töten, sondern wollte nur, daß ihm übel würde. Oder hatte sie es nur für sie, für Caroline getan? War ihr klargeworden, daß Amyas ihre Schwester verlassen wollte? Caroline erinnert sich nur zu gut - wie gut! -an ihre eigenen Wutausbrüche, als sie in Angelas Alter war. Und sie ist nur von einem Gedanken beherrscht: wie kann sie Angela schützen? Angela hat die Flasche in der Hand gehabt, Angelas Fingerabdrücke werden darauf sein. Rasch wischt sie die Flasche ab. Es muß der Eindruck hervorgerufen werden, daß Amyas Selbstmord begangen habe, also dürfen nur Amyas' Fingerabdrücke darauf gefunden werden. Sie versucht verzweifelt, die Finger des toten Mannes auf die Flasche zu pressen, und lauscht dabei ängstlich, ob jemand kommt...
Wenn man das als gegeben annimmt, wird alles weitere klar. Ihr Verlangen, Angela fortzuschicken, ihre Furcht, daß Angela von der Polizei vernommen werden könnte, ihr eifriges Bestreben, sie vor Beginn der Verhandlung ins Ausland zu schicken. Denn sie lebt in der ständigen Angst, daß Angela...
4 Die Wahrheit
Langsam wandte sich Angela Warren um, blickte verächtlich die Anwesenden an und sagte: «Wie dumm ihr alle seid! Wenn ich es getan hätte, würde ich es auch gestanden haben. Ich hätte nie zugelassen, daß Caroline für meine Tat büßen mußte. Niemals!»
«Aber Sie hatten doch etwas mit der Flasche gemacht», warf Poirot ein. «Was?»
Poirot wandte sich zu Meredith Blake. «In Ihrem Bericht geben Sie an, daß Sie am Morgen des Unglückstages Geräusche aus dem Raum, der unter ihrem Schlafzimmer liegt, gehört haben.»
Blake nickte. «Aber es war eine Katze.»
«Wieso wissen Sie das?»
«Das kann ich Ihnen nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, aber es war eine Katze, ich bin ganz sicher. Das Fenster stand nur so weit offen, daß eine Katze durchschlüpfen konnte.»
«Aber das Fenster war nicht festgemacht, man konnte den Spalt erweitern, und ein Mensch hätte ohne weiteres hineinkommen können.»
«Das schon, aber ich weiß, daß es eine Katze war.»
«Haben Sie eine Katze gesehen?»
Blake blickte ihn verblüfft an und sagte zögernd: «Nein, ich habe sie nicht gesehen..» Stirnrunzelnd fuhr er fort: «Aber trotzdem weiß ich es.»
«Ich werde Ihnen sagen, warum Sie es wissen. Jemand hätte an dem Morgen in Ihr Laboratorium eindringen, etwas vom Regal nehmen und fortgehen können, ohne von Ihnen gesehen zu werden. Wenn es jemand aus Alderbury gewesen wäre, hätten es jedoch weder Philip Blake, noch Elsa Greer, noch Amyas Crale oder Caroline Crale sein können, denn wir wissen genau, was die Betreffenden den ganzen Morgen über getan haben. Es bleiben also nur Angela Warren und Miss Williams. Miss Williams war hier, Sie haben sie ja getroffen, als Sie fortgingen, und sie sagte Ihnen, daß sie Angela suche. Angela war angeblich früh schwimmen gegangen, aber Miss Williams hatte sie weder im Wasser noch am Strand gesehen. Natürlich hätte Angela leicht über die Bucht schwimmen können, was sie auch später an dem Morgen mit Philip Blake getan hat. Es wäre möglich gewesen, daß sie über die Bucht schwamm, zum Haus heraufkam, durch das Fenster kletterte und etwas vom Regal nahm.»
Angela erwiderte: «Aber ich habe es nicht getan.. wenigstens nicht...»
«Ah!» rief Poirot triumphierend aus. «Jetzt erinnern Sie sich. Sie haben mir doch selbst erzählt, daß Sie einmal, um Amyas Crale einen Streich zu spielen, einen Saft entwendet haben, den Sie als <Katzensaft> bezeichneten..» Meredith Blake unterbrach ihn: «Baldrian! Das ist doch klar!»
«Richtig. Darum sind Sie so sicher, daß eine Katze im Laboratorium gewesen war, denn Sie haben einen ausgeprägten Geruchssinn. Sie rochen den schwachen, unangenehmen Geruch von Baldrian, ohne sich darüber klarzuwerden, aber in Ihrem Unterbewußtsein erinnerte Sie das an eine Katze. Katzen lieben Baldrian. Baldrian hat einen widerlichen Geschmack, was Sie bei Ihrem Vortrag erwähnt hatten, und so kam die mutwillige Angela auf den Gedanken, einige Tropfen in das Bier ihres Schwagers zu tun. Amyas pflegte ja, wie sie wußte, das Glas stets in einem Zug zu leeren.»
«War das wirklich an dem Tag?» sagte Angela sinnend. «Daß ich Baldrian entwendet habe, weiß ich ganz genau. Ja, und ich erinnere mich auch, daß ich die Bierflasche aus dem Eisschrank genommen habe und daß Caroline kam und mich beinahe ertappte. Natürlich erinnere ich mich jetzt... Aber ich wußte nicht mehr, daß es am Mordtag gewesen war.»
«Das ist leicht verständlich, denn für Sie bestand ja keine Beziehung zwischen diesen zwei völlig verschiedenen Vorgängen. Das eine war ein mutwilliger Streich, das andere eine Tragödie, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel kam und bei Ihnen die Erinnerung an weniger wichtige Dinge verdrängte. Aber ich habe nicht vergessen, daß Sie mir sagten: <Ich habe etwas gestibitzt, um es in Amyas' Bier zu tun.> Sie haben aber nicht gesagt, daß Sie es wirklich hineingetan haben.»
«Nein, denn ich habe es nie getan. Caroline kam gerade dazu, als ich die Flasche aufmachen wollte... Mein Gott! Und Caroline glaubte... sie glaubte, daß ich es getan hätte...» Sie hielt inne, blickte alle an und sagte in ihrem üblichen, gelassenen Ton: «Ich vermute, daß auch ihr das glaubt! Ich habe Amyas nicht getötet! Weder durch einen mutwilligen Streich noch sonstwie. Hätte ich es getan, würde ich es gestanden haben.»