Unter Dunklen Sternen. Das Siegel des Verräters
- Автор: Уильямс Майкл
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #3
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Unter Dunklen Sternen. Das Siegel des Verräters». Краткое содержание книги:
Bayard machte eine Pause, stellte sich in den Steigbügeln auf und sah sich um. Dann klatschte er Valorus leicht die Zügel an den Hals, als wir in eine Region hochritten, wo das bisher saftige Gras nur noch spärlich wuchs.
»Also stammt die Familie, mit der Er Sich verbinden will…«, setzte Agion nach kurzem Schweigen an.
»Von Gabriel di Caela dem Jüngeren ab, ganz recht. Er entthronte den Bruder, der ihn entthronen wollte. Er vernichtete den Thronräuber, wenn auch nicht vollständig. Nach Norden und Westen floh Benedikt, zur Trotylhalde und weiter nach Estwilde – genau das Estwilde, aus dem dein lächerliches Würfelspiel stammt, Knappe.«
Ich nickte zustimmend und überging den alten Streit, um das Ende von Bayards Geschichte zu hören.
»Dort holten die beiden Gabriels ihn ein – Gabriel di Caela der Jüngere an der Spitze von dreißig Rittern und zweihundert Fußsoldaten und sein Vater an der Spitze einer fast doppelt so starken Streitmacht. Als sich die beiden vereinten, gab es keine Hoffnung mehr für Benedikt.
Unterlegen und schlecht geführt entwarf Benedikt eine Illusion nach der anderen, von denen einige große Verluste verursachten: dreißig Fußsoldaten starben bei der Überquerung der Trotylschlucht, als die Brücke unter ihnen plötzlich verschwand. Sie war nie dagewesen. Dreißig weitere wurden im Schlaf von Skorpionen erstochen.«
Ich setzte mich auf Agion zurück und atmete tief durch, bis der große Zentaur nach hinten langte und mich festhielt.
»Was ist mit Ihm, junger Meister?« fragte Agion, dessen großes, dummes Gesicht sich besorgt verzog.
»Die Höhe, Agion. Die Höhe bekommt mir nicht. Aber wir haben Bayard unterbrochen. Weiter, Sir.«
Bayard sah mich stirnrunzelnd an und fuhr fort.
»Aber alle diese Illusionen waren nutzlos, als es zum Kampf kam – als Gabriel di Caela der Jüngere durch ein Heer aus abtrünnigen Rittern, Goblins und Goblinjägern, Dieben und Söldnern watete, bis er seinem Bruder gegenüberstand. In diesem Moment wußten beide, daß Hunderte von Jahren zukünftiger Ereignisse davon abhängen würden, was jetzt geschah.
Doch es gab keine Wahl, wie es oft so ist in der Hitze der Schlacht. Gabriel der Jüngere erhob sein Schwert und traf seinen Bruder mit der Schnelligkeit und Zielsicherheit, die er beim Orden gelernt hatte. Die Anwesenden sagten, daß die Welt den Atem anhielt, als Benedikt di Caelas Kopf, der über den Schultern abgetrennt war, einen Moment schwankte, sein Gesicht ganz bleich wurde und die Augenlider sich schlossen. Und wer weiß, was der Kopf dachte, als er von den Schultern auf den Boden fiel, wo er ins Vergessen eintauchte.«
»Aber ich fürchte, das war nicht das Ende von Benedikt di Caela«, sagte ich schließlich, als die Stille zwischen uns unbehaglich, beinahe bedrückend geworden war.
»Es lag irgendwie daran, daß man ihn für tot erklärt hatte«, überlegte Bayard, »darum ging die ganze Sache los. Als Gabriel der Jüngere Benedikt erschlug, sah es aus, als wäre das das Ende, als könnten die di Caelas von da an wieder für alle Zeiten auf ihrem Reichtum und ihrem Land sitzen. Aber als Gabriel der Jüngere alt wurde, ging es los – der Fluch auf die Familie di Caela und ihr Schloß begann zu wirken. Es gab eine Rattenplage mit all den Krankheiten, die Ratten mit sich bringen. Gabriel der Jüngere verlor zwei seiner Söhne, den Ältesten durch Krankheit, den Mittleren durch Wahnsinn.
Diesmal war es der Jüngste, der überlebte und zum Äußersten gezwungen war, um den Fluch aufzuheben. Geschwind ordnete der junge Roland die Evakuierung von Kastell di Caela an, wobei er den alten Gabriel den Jüngeren auf den eigenen Schultern durch die eisernen Tore trug, obwohl der alte Mann bei jedem Schritt schrie und wetterte. Und dann setzte er das Schloß in Brand, und als die Flammen durch die Steinbrüstungen, über die Zinnen und durch die obersten Turmzimmer schlugen, hieß es, daß man die Ratten quietschen hörte und über diesen dünnen, fieberhaften Schreien ein gequältes Stöhnen vernehmen konnte, das sich im Rauch und im Krach der zusammenbrechenden alten Balken verlor. Alles, was übrig blieb, war die steinerne Außenmauer, und Roland di Caela baute das Schloß von innen her wieder auf und regierte dreißig Jahre lang in Weisheit und Frieden, bis der Fluch wiederkehrte.
Hier wird die Geschichte unklar, denn Kastell di Caela wird inzwischen seit zwanzig Generationen von dem Fluch heimgesucht, und jedesmal nimmt er eine andere Form an. Die Flut schlug fehl, weil Simeon di Caela Schleusen in den Burggraben einbaute, und Antonio di Caela hielt das Buschfeuer auf, indem er zur rechten Zeit die rechten Schleusen öffnete, Cyprian di Caela schlug die Ogerinvasionen zurück, und Theodor di Caela jagte Räuberbanden davon, die von einem geheimnisvollen Hauptmann in schwarzer Robe angeführt wurden.
Selbst die Umwälzung trug dazu bei, Benedikts Pläne zu vereiteln, denn am Ende der vierten Generation seit Beginn des Fluches trieben Bergarbeiter und Pioniere der Goblins Tunnel bis hundert Meter vor Kastell di Caela, wodurch sie die Bewohner in Angst und Schrecken versetzten, denn sie sahen ihren Feind nicht, sondern wußten ihn nur irgendwo unter sich. Als dann die Umwälzung die Grundfesten von Krynn erschütterte, brachen die Tunnel über ihren Erbauern und über Benedikt zusammen.
So kehrte er in jeder Generation zurück, unermüdlich, unerbittlich. In jeder Generation wurde er geschlagen, manchmal vom ältesten Sohn der di Caela, manchmal vom jüngsten oder mittleren Sohn. Oft vom einzigen lebenden Erben, denn Benedikts Angriffe fordern immer wieder ihren Tribut, auch wenn sie scheitern.
In dieser Generation ist es still geworden, denn Robert di Caela wehrte den letzten Versuch vor etwa vierzig Jahren ab, als sechzehnjähriger Knabe. Seitdem lebt das Haus di Caela in Frieden, und da Lady Enid di Caela die einzige lebende Erbin ist, werden ihre Kinder nach ihrer Heirat den Namen des Vaters annehmen, und das Land wird der Familie di Caela für immer genommen sein. Das jedenfalls glauben die Leute der Gegend.
Zumindest die meisten. Die Familie di Caela ist sich da nicht so sicher.«
»Und Er, Sir Bayard?« fragte Agion, als Bayard erneut eine Pause einlegte. »Ich habe diese vierhundertjährige Geschichte von Verfehlungen, Rache, Gewalt und Unrecht gehört, und ich muß gestehen, daß ich viele Fragen habe. Die wichtigste davon ist, was ist Sein Anteil an einer alten Geschichte des Jammers.«
»Auch das ist eine lange Geschichte«, meinte Bayard abwinkend, als hätte er genug vom Erzählen.
»Oh, bitte erzähl Er sie, Sir Bayard!« beharrte Agion. »Galen und ich lieben Geschichten!«
»Agion, vielleicht ist Sir Bayard ein bißchen müde und…«
»Laß nur, Galen«, sagte Bayard ergeben. »Ihr solltet es beide erfahren, da ihr mitbetroffen seid.«
Und wieder begann er mit einer weiteren reißerischen Geschichte, während seine Zuhörer neben ihm her ritten.»Meine Kindheit hätte der deinen sehr ähnlich sein können, Galen. Ich war Erbe eines großen Schlosses mitten in Solamnia.«
»Was meiner Kindheit wirklich sehr ähnelt, Sir«, stimmte ich sarkastisch zu. »Denn schließlich bin ich der dritte in der Erblinie für eine Rattenfalle von Wasserburg im Küstenlund.«
Bayard ignorierte mich, denn er war darauf versessen, seine Geschichte fortzuführen, und entschlossen, mir etwas beizubringen oder uns beide dabei umzubringen. Gibt es überhaupt erfolgreiche Männer mit einer Kindheit, die nicht von Unglück gezeichnet ist?
»Es waren keine Soldaten von Neraka und keine Räuber aus Estwilde, die mich meines Geburtsrechts, meines Schlosses und meiner Ländereien beraubten. Nein, keiner unserer alten Feinde verschwor sich gegen mich. Statt dessen waren es unsere eigenen Leute, die sich eines Sommerabends gegen meinen Vater auflehnten – ungefähr um diese Jahreszeit –, als ich vierzehn war. Sie töteten Vater und Mutter. Töteten auch die Diener und das Gesinde, weil unsere Leute ›Mitleid mit den Unterdrückern hatten‹. Und als ich vierzehn war, hätten sie auch mich getötet, wenn mein Glück und ihre Aufregung nicht meine Rettung ermöglicht hätten.«