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Im Reich der Mäuse

Электронная книга - «Im Reich der Mäuse». Краткое содержание книги:

Trödler, ein junger Mäuserich, verläßt seine angestammte Hecke. Auf abenteuerlichen Wegen gelangt er zum »Haus«, in dem bereits eine bunte Mäusegesellschaft lebt - auf Kosten der »Nacktlinge«, der Menschen, deren Speisekammer sie nur zu gern bestiehlt. Um aber so recht aus dem vollen schöpfen zu können, beschließen die Tiere, unter denen Trödler eine immer bedeutendere Rolle spielt, die »Nacktlinge« zu vertreiben ...

»Ein wunderbares, witziges Buch. Lesen Sie es, und Sie werden niemals mehr eine Mausefalle kaufen.« William Horwood

Buch
Im Leben einer jeden Maus kommt die Zeit, in der sie ihren bisherigen Lebensraum aufgibt und weiterzieht. So verläßt auch Trödler die Hecke, die ihm bisher als Unterschlupf gedient hat, und begibt sich auf den Marsch in ein fernes Land, das unter dem Namen »Das Haus« bekannt ist. Er kommt in eine aufregende neue Welt. Kriegerische Stämme wohnen in ihr: die Stinkmorcheln des Kellers, die Wilden in der Küche, die Buchfresser in der Bibliothek, die Totenköpfe, die Unsichtbaren und die 13-K-Gang. Des langen Streits untereinander müde, beschließen die Tiere, sich gemeinsam gegen die schlimmste Pest des Hauses zu wenden - die Menschen. Die Vertreibung der »Nacktlinge« und ihrer Satelliten, der Katzen und eines Hundes, will indes nicht so recht gelingen und würde sogar scheitern, wenn die Mäuse nicht so findig wären .

Autor
Garry Kilworth, 1941 geboren, verließ als Fünfzehnjähriger die Schule und trat in den Dienst der britischen Luftwaffe, der ihn in viele Länder der Welt führte. 1974 gewann er einen Preis für die beste Kurzgeschichte. Er schied aus dem Dienst, studierte in London englische Literatur und machte das Schreiben zu seinem Beruf. Seither hat er Romane, Kinderbücher und zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Hongkong.

Aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg
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Frych die Gefleckte antwortete: »Na ja, die Unsichtbaren kennen ihn und seine Schwächen wohl am besten ... Ich hätte gedacht, er sei zu vergreist und unflexibel, um sich nach Gesellschaft zu sehnen. Er hätte jederzeit einer Maus ein Angebot machen können. Vermutlich wünscht er einfach kein Zusammenleben.«

»Jedenfalls ist die Rattennation nicht gerade zahlreich. Er war so lange allein, warum sollte er sich Gesellschaft suchen?« meinte Töricht.

»Im Graben am Ende des Gartens leben ein paar Ratten«, erklärte Trödler. »Ich habe ihre Markierungen auf dem Weg zum Haus gerochen - es sind aber gemeine Ratten, keine Dachratten. Macht das einen Unterschied?«

»Aber sicher«, sagte Gorm. Seine Stimme klang nun etwas milder, als er mit Trödler sprach. »Sie sind anders als wir Mäuse. Dachratten würden lieber sterben, als mit gemeinen Ratten zusammenzuleben. Sie halten sich für etwas Besseres, und wer kann es ihnen verdenken? Gemeine Ratten sind wirklich niedrige Geschöpfe.«

»Obwohl der Stamm der Wilden Kellog mit seinem Tribut ernährt hat, fiel den Unsichtbaren stets die Aufgabe zu, ihn zu bewachen. Wir werden Kellog weiterhin im Auge behalten, wenn die Nacktlinge verschwunden sind«, warf Töricht ein.

»Wie soll das gehen?« fragte Gorm.

»Es wird schon gehen«, erwiderte Töricht vorsichtig. »Mehr möchte ich im Augenblick dazu nicht sagen. Wir beide können uns später unterhalten.«

Gorm zuckte die Achseln. »Also übernehmt ihr diese Aufgabe. Wir unterhalten uns nachher über die Einzelheiten. Jetzt brauchen wir einen handfesten Plan der Vertreibung .«

Ein Sammelsurium an Ideen wurde vorgebracht, das Skrang sorgfältig prüfte. Die Mäuse beschlossen, daß eine umfassende Sabotagekampagne wohl das geeignetste Mittel sei. Zunächst würde jeder Stamm bestimmte Aufgaben übernehmen. Die Buchfresser sollten Stromkabel zernagen, da sie ihre Zähne an Papier und Leder geschliffen hatten. Der Stamm der Wilden würde Säcke mit Mehl und Getreide attackieren. Die Totenköpfe wollten sich derweil um die Gasleitung kümmern .

»Und die Stinkmorcheln«, fügte Gorm zufrieden hinzu, »können die Vorhänge, Kissen und Möbel im Wohnzimmer und im Salon anknabbern.«

»Ist diese Aufgabe nicht sehr gefährlich?« wollte Trödler wissen. »Ich meine, dort leben die Katzen.«

»Stimmt«, erwiderte Gorm hinterhältig.

»Gibt es einen zweiten Plan, falls der erste fehlschlägt?« fragte die praktisch veranlagte Skrang. »Wir brauchen einen Ersatzplan.«

»Falls die Sabotage die Nacktlinge nicht vertreibt, müssen die Buchfresser sie mit Zaubersprüchen davonjagen«, schlug Töricht vor.

Frych die Gefleckte nickte zustimmend. »Die Magie ist unberechenbar - die Ergebnisse entsprechen oftmals nicht den Erwartungen. Da es sich um eine inexakte Wissenschaft handelt, sollten wir sie in Reserve halten.«

Da sich Gorm nicht weiter mit Magie befassen wollte, fragte er: »Wie spät ist es draußen?«

I-kucheng schaute Skrang an, die kürzlich bei Stone gewesen war.

»Als ich das letzte Mal draußen war, hatte des Wanderers Freude noch nicht den Bart des alten Mannes erreicht.«

»Wenn das geschieht, schlagen wir zu. Dann ist es draußen kalt, und die Nacktlinge müssen weit laufen, bis sie ein neues Haus finden - sie hängen doch nicht bei dieser Eiseskälte im Garten herum.«

»Also gut«, meinte Töricht, »am Ende des Sommers, wenn die Heizkörper eingeschaltet werden. Ich schlage vor, wir greifen in der Nacht an, in der die Heizkörper zum ersten Mal heiß werden. Das dürfte bald geschehen. Diejenigen, deren Nester in der Nähe der Heizung oder der Rohre liegen, sollten schleunigst umziehen. Sagt es euren Stämmen weiter. Das Eisen wird im Winter höllisch heiß.«

»Ich kann mich deutlich an die Heizkörper erinnern«, meinte Frych. »Mir kommt es vor, als wären sie seit tausend Nächten nicht mehr angewesen.«

»Vor genau einhundertachtzig Nächten wurden sie zum letzten Mal eingeschaltet«, berichtigte Skrang.

»Ist es wirklich schon so lange her?« erkundigte sich Hakon bei Tostig. »Wie die Zeit ...«

»Haltet den Mund«, tadelte sie Gorm. »Hebt euch das Geplapper für nachher auf.«

»Ja, Herr«, murmelten Tostig und Hakon wie aus einem Mund. In Wirklichkeit waren sie wie gelähmt vor Angst bei dem Gedanken an die bevorstehende Revolution und suchten sich mit banalem Geschwätz abzulenken.

Dann löste sich die Versammlung auf. Jede einzelne Maus bedachte ihre Rolle bei der Vertreibung der Nacktlinge.

Trödler verließ die Versammlung gemeinsam mit Töricht. »Ich bin beeindruckt. Gorm hat das Haus vermutlich nie verlassen, doch er weiß alles über den Herbst. Ich selbst kenne ihn nicht, da ich im Frühling geboren wurde. Es ist doch erstaunlich, daß eine Hausmaus so viel über die Außenwelt weiß.«

»So viel weiß er auch wieder nicht«, erwiderte Töricht, während sie zum Gwenllian-Loch eilten. »Aber selbst hier drinnen schnappt man das eine oder andere auf. Die Totenköpfe besuchen Stone im Garten und geben ihr Wissen weiter. Man muß es nicht unbedingt selbst erlebt haben, oder?«

»Wahrscheinlich nicht. Sag mal, bist du sicher, daß dein Stamm nichts dagegen hat, wenn ich mitkomme? Sollte es Probleme geben, sehe ich mich nach etwas anderem um.«

»Natürlich haben sie nichts dagegen«, beschwichtigte ihn Töricht. »Warum auch?«

Poldar

Astrid hatte sich von Iban verabschiedet und hielt Zweisprache mit ihren Schatten. Das Licht des Vollmonds, das durch das Fenster fiel, weckte ihre alten Freunde aus dem Schlaf. Sie drangen aus den Möbeln, Ecken und Treppenabsätzen hervor und versammelten sich in unheimlicher Stille. Doch Astrid fürchtete sich nicht. Es waren weiche Schatten mit zerfließenden Rändern, ganz anders als die harten, scharfumrissenen Schatten, die bei künstlichem Licht auftauchten.

»Schatten«, sagte sie, »ihr seid meine Freunde, und ich möchte mit euch über ein wichtiges Thema sprechen. Gorm der Alte hat vorgeschlagen, die Nacktlinge aus dem Haus zu vertreiben, damit sie nicht mehr Unmengen an Futter aus der göttlichen Speisekammer verzehren können. Er verspricht uns, daß es Käse für alle geben wird, wenn das Haus erst von Mäusen regiert wird. Ich gebe zu, daß die meisten Stämme diesen Vorschlag attraktiv finden. Sobald das Wort Käse gefallen war, bekamen sie glasige Augen und wiegten sich hin und her. Käse versprechen heißt ungeahnte Reichtümer versprechen. Was haltet ihr von diesem Plan?«

Da ist was faul.

»Wieso?«

An Gorms Plänen ist immer etwas faul.

»Jetzt mal abgesehen davon«, meinte Astrid, tief beeindruckt vom Scharfsinn ihrer Schatten.

Abgesehen davon besteht eine enge Verbindung zwischen einer vollen Speisekammer und den Nacktlingen.

»Wißt ihr, worin sie besteht? Könnt ihr mir das sagen?«

Nein - wir wissen nur, daß es sie gibt.

Astrid seufzte. »Na ja, wir müssen die anderen nur davon überzeugen, daß Gorm unrecht hat. Sie sollen sich auf meinen Ruf als Hohepriesterin verlassen. Manchmal reicht das schon aus. Ich werde jetzt in die Küche gehen, sonst wirft man mir noch geheime Verabredungen zwischen Töpfen und Pfannen vor. Diese Mäuse haben eine schmutzige Phantasie!«

Aber du hast doch Verabredungen zwischen den Töpfen und Pfannen.

»Darum geht es hier nicht«, brummte sie. »Sie haben keine Beweise - und ich verabrede mich ja auch nicht immer.«

Aber fast immer.

»Ab und zu. Gute Nacht, Schatten.«

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