Im Reich der Mäuse
- Автор: Kilworth Garry
- Год: 1997
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Im Reich der Mäuse». Краткое содержание книги:
»Ein wunderbares, witziges Buch. Lesen Sie es, und Sie werden niemals mehr eine Mausefalle kaufen.« William Horwood
Buch
Im Leben einer jeden Maus kommt die Zeit, in der sie ihren bisherigen Lebensraum aufgibt und weiterzieht. So verläßt auch Trödler die Hecke, die ihm bisher als Unterschlupf gedient hat, und begibt sich auf den Marsch in ein fernes Land, das unter dem Namen »Das Haus« bekannt ist. Er kommt in eine aufregende neue Welt. Kriegerische Stämme wohnen in ihr: die Stinkmorcheln des Kellers, die Wilden in der Küche, die Buchfresser in der Bibliothek, die Totenköpfe, die Unsichtbaren und die 13-K-Gang. Des langen Streits untereinander müde, beschließen die Tiere, sich gemeinsam gegen die schlimmste Pest des Hauses zu wenden - die Menschen. Die Vertreibung der »Nacktlinge« und ihrer Satelliten, der Katzen und eines Hundes, will indes nicht so recht gelingen und würde sogar scheitern, wenn die Mäuse nicht so findig wären .
Autor
Garry Kilworth, 1941 geboren, verließ als Fünfzehnjähriger die Schule und trat in den Dienst der britischen Luftwaffe, der ihn in viele Länder der Welt führte. 1974 gewann er einen Preis für die beste Kurzgeschichte. Er schied aus dem Dienst, studierte in London englische Literatur und machte das Schreiben zu seinem Beruf. Seither hat er Romane, Kinderbücher und zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Mit seiner Familie lebt er in Hongkong.
Aus dem Englischen von Susanne Goga-Klinkenberg
»Keine Sorge, meines Wissens fressen Eichhörnchen keine Mäuse. Dieses da zieht Eicheln jeglicher Art von Fleisch grundsätzlich vor .«
»Eicheln?« fragte Fusel verständnislos.
»Eine Art Nüsse«, entgegnete Stone.
»Ach so.« Furz nickte. »Nüsse. Gibt's in Tüten, nicht wahr? Knubblige, harte Dinger.«
»Sie wachsen auf Bäumen«, grollte Stone. »Und sie haben Schalen.«
»War das jetzt nicht eine Offenbarung?« bemerkte Fusel. »Dachte das Gleiche wie du, Furz. Im Haus gibt's die aber nur in Tüten, nicht wahr?«
»Ihr seid typische Hausbewohner, völlig unwissend«, bemerkte Stone.
»Wie?« knurrte Furz. Dann fiel ihm ein, daß sie auf der Suche nach Pilzen hergekommen waren, magischen Pilzen, die
Mäuse auf einen Trip schickten, und sagte freundlich: »Ach so. Ja, klar sind wir das. Na ja, ohne Ausbildung. Kannst uns vielleicht was von deiner abgeben. Ich persönlich kann eine Mücke nicht von einer Schwalbe unterscheiden, du, Fusel?«
»Nicht die Bohne«, bestätigte sein Kamerad. »Kennst du Pilze?«
Furz stieß ihn an. »Nicht so schnell. Das ist ein schwieriger Typ.«
»Will sagen, können wir in dein Nest kommen? Möchten gern was über die Natur lernen.«
Stone runzelte die Stirn und sagte dann nicht unfreundlich: »Kommt mit.«
Die beiden Hausmäuse folgten dem Haselmäuserich zum Klo.
Stone blieb stehen. »Das ist mein Heim. Man sagt mir, der Geruch wäre stark, aber ich merke es schon gar nicht mehr.«
»Riecht wie bei uns«, erwiderte Furz wahrheitsgemäß. Der Geruch des Klos unterschied sich wirklich kaum von seinem eigenen.
»Stimmt genau«, bestätigte Fusel.
»Wie beruhigend«, meinte der Haselmäuserich. »Ihr seid die ersten, die sich nicht beschweren.« Er unterzog die Stinkmorcheln einer genauen Betrachtung. »Ihr wollt also etwas für euren Körper tun? Keine Sorge, euer Fell wird bald glänzen - die kahlen Stellen werden wohl bleiben, aber die Wunden heilen an der frischen Luft .«
Furz merkte, daß es an der Zeit war, die bewußte Frage zu stellen. »Nein, nein, Meister. Nein. Wir kommen in einer Mission. Der, äh, Buchfresser-Stamm hat uns gebeten, nach einem besonderen Pilz zu fragen. Die haben ein paar kranke Junge da oben, brauchen die Pilzkur.«
Stone wurde ernst. »Verstehe. Ich bewundere Frych und ihr Wissen über Naturheilkunde sehr. Kommt vom vielen Bücherfressen. Natürlich ist Papier schlecht für die Verdauung, ver-mutlich der Grund für diese Epidemie. Papier führt zu Verstopfung, keine Frage. Außerdem stecken in Papier keine kleinen grünen Sachen.«
»Kleine grüne Sachen?« stieß Fusel hervor.
»Kleine grüne Sachen«, bestätigte Stone. »Ihr könnt sie nicht sehen, aber sie sind gut für euch. Die Augen funkeln davon, die Schritte werden beschwingter. Mäuse müssen sie fressen, sonst setzt der körperliche Verfall ein. Ohne die kleinen grünen Sachen wird der Körper anfällig für Krankheiten.«
»Hör mal, Meister«, sagte Furz, »da ist bestimmt eine Menge guter Sachen in frischem Kohl - aber wir brauchen was für die Jungen. Vorbeugen geht immer noch, aber erst brauchen wir die Medizin.«
»Ja, ja. Was genau ...?«
Furz antwortete in geschäftsmäßigem Ton: »Die Sache ist so, Meister. Wir brauchen einen Pilz. So ein purpurrotes Ding mit Punkten. Heilt kranke Mäuse. Dachten, du wüßtest, wo's die gibt. Stehst doch auf Natur.«
Stone dachte nach. »Na ja, es gibt den Waldbitterling. Der ist bläulich-malvenfarben. Hat aber keine Punkte. Meint ihr vielleicht den orangeroten Becherling? Nein. Den rötlichen Lack-trichterling? Auch nicht. Augenblick mal ...«
»Ja, ja?« schrie Furz erwartungsvoll.
»Ich glaube, ich weiß, welchen Pilz ihr meint«, erklärte Stone triumphierend. »Es gibt viele davon, also könnt ihr ruhig etwas mitnehmen.«
»Zeig uns den Weg, Meister!«
»Hier entlang.« Stone deutete mit dem Schwanz auf ein Gebüsch. »Kommt im Herbst wieder, dann führe ich euch hin.«
Fusel schaute Stone an, dann seinen Kumpel. »Was ist Herbst?«
»Eine Jahreszeit, du Blödmann.« Furz wandte sich wütend zu Stone. »Willst du damit sagen, der Pilz wächst bloß im Herbst?«
»Exakt.«
»Und was ist mit den ganzen Bibliotheksmäusen, die so krank sind?«
»Mein lieber kleiner Kellermäuserich«, meinte Stone hochmütig, »ich kann die Pilze nicht zwingen, früher zu wachsen. Du mußt schon im Herbst wiederkommen, wenn du sie so dringend brauchst. Dann sehe ich, was ich tun kann. Du weißt hoffentlich, daß du mit diesem Pilz sehr vorsichtig umgehen mußt. Er stimuliert das Gehirn, ist so eine Art Vergiftung.«
»Ach, wirklich?« fragte Furz verbittert. »Wußte ich nicht.« Er seufzte.
Die beiden Kellermäuse traten den Rückweg zum Haus an.
»Der wußte todsicher, wofür wir den Kram brauchen«, brummte Fusel, als sie außer Hörweite waren.
»Klaro, das Schwein hat uns durchschaut«, erwiderte der Stinkmorchel-Anführer boshaft. Er wünschte, er hätte nie den Keller verlassen, wo es Kartoffeln zuhauf gab und der Wein in Strömen floß. Zu seiner Erleichterung erreichten sie bald die Regentonne. »Los, wo ist der Tribut für Tunnelgräberin? Wir müssen vor der Dunkelheit drinnen sein«, sagte Furz.
»Tribut?«
Furz schaute die andere Hälfte seines Stammes an. »Ja, der verfluchte Tribut. Du hattest den für den Rückweg, ich den für den Hinweg. Muß ich alles selbst machen?«
Fusel sah ihn entsetzt an. »Ich - ich glaub' - ich hab' ihn aus Versehen gefressen.«
»Ah!« kreischte Furz.
»Müssen halt einen andern Weg suchen«, schlug Fusel zaghaft vor.
»Es gibt keinen andern Weg«, brüllte sein Anführer. Er ließ jegliche Hemmungen fallen. »Wir sind verdammt, deinetwegen, Tölpel!« Als er sich wieder halbwegs beruhigt hatte, teilte er seinem unglücklichen Stammesangehörigen mit, daß der einzige andere Weg durchs Regenrohr und über den Dachbo-den führe - das Reich von Kellog und Gnadenvoll.
Der Missetäter wünschte sich, er wäre tot, damit er nicht den Schrecken am Ende des Regenrohrs gegenübertreten müßte.
Gorgonzola
Hoch über der Stelle, an der Furz und Fusel ihr bißchen Mut zusammenkratzten, um ins Regenrohr zu schlüpfen, erlitt Trödler grauenhafte geistige Foltern. Als er aus unruhigem Schlaf erwachte, entzündete der Kopfjäger gerade einen Bunsenbrenner. Ein leichtes Geräusch, dann züngelte eine blaue, zischende Flamme empor. Der Kopfjäger griff nach einer kleinen Pfanne, die mit Flüssigkeit gefüllt war, und hielt sie über den Brenner.
Trödler konnte sich einer gewissen Faszination nicht erwehren. Der Vorgang schien ewig zu dauern. Die dämonische Zunge leckte an der Pfanne, bis das Wasser zu sprudeln begann.
Der Kleine Prinz rannte in wahnsinniger Freude in seinem Käfig auf und ab. »Honigfleisch, süß wie Gelee, köstliches, erlesenes Mäusefleisch.«
Trödler zwang sich, die Augen von der höllischen Flamme abzuwenden, und fuhr die Maus zornig an: »Du bist einfach abscheulich!«
Die weiße Maus hielt inne. Sie wirkte verletzt. »Wie kannst du so etwas sagen? Ich bin doch schön. Mein Anblick blendet die Augen. Ich bin eine Oh-und-Ah-Maus. Wenn mich die Nacktlinge streicheln, sagen sie immer: >Oh!< und: >Ah!< Sie halten mich in der Hand und küssen mein Fell.«
»Igitt«, rief Trödler. Er schaute wieder zum Kopfjäger hin, der einen kleinen, festen Gegenstand in seiner Pfanne kochte.
Als der dickliche Nacktling das Ding schließlich mit einer Pinzette herausholte, entpuppte es sich als die Leiche einer Wühlmaus. Trödler saß unter den Händen des Nacktlings. Kochendheißes Wasser tropfte durch das Gitter auf seinen Rük-ken. Er stieß einen Schmerzensschrei aus und fuhr in die Höhe.
Der Kopfjäger hatte seine Reaktion bemerkt und zeigte Trödler seine ebenmäßigen weißen Zähne. Dann riß er den Mund weit auf, als wolle er noch einmal sein dröhnendes Lachen ausstoßen.