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Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde.

Электронная книга - «Die letzten ihrer Art. Eine Reise zu den aussterbenden Tieren unserer Erde.». Краткое содержание книги:

Das Buch
Die eigentliche Profession des Briten Douglas Adams ist das Verfassen von Kultbüchern aus der Science-fiction-Ecke spaßig-hintergründige Weltraumodyssee Per Anhalter durch die Galaxis hat ihm eine weltweite, treue Fangemeinde beschert. Die Expedition, die er hier zusammen mit dem Zoologen Mark Carwardine beschreibt, ist keine Fiktion, und ihr Hintergrund ist durchaus ernst: Es ist eine Reise um die ganze Welt zu den aussterbenden Tierarten unserer Erde. Aber so ernst das Thema auch ist, in Douglas Adams' spritziger Feder wird es zum vergnüglichen Lesestoff. Egal, ob es zu den letzten 20 weißen Nashörnern in Zaire geht, zu den Kakapos, den größten, dicksten und flugunfähigsten Papageien der Welt auf Neuseeland oder zu den Riesenechsen auf der Insel Komodo – diese Spezies findet Adams übrigens nicht nur des penetranten Mundgeruchs wegen gänzlich unsympathisch –, komische Situationen ergeben sich bei so einem abenteuerlichen Unternehmen zwangsläufig. Man muß sie nur erzählen. Und genau das tun Adams und Carwardine in der sicherlich ungewöhnlichsten Reportage über die bedrohten Tierarten der Erde.
Die Autoren
Douglas Adams ist einer der erfolgreichsten englischen Autoren. Vor allem seine absurd-komischen Science-fiction-Romane haben ihm Weltruhm eingebracht.
Mark Carwardine, ein international bekannter Zoologe, hat für den World Wildlife Found (WWF) gearbeitet und bereits mehrere Sachbücher veröffentlicht
Titel der Originalausgabe
LAST CHANCE TO SEE ...
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Unter den zur Zeit fünfundzwanzig Kakapos auf Codfish sind nur fünf Weibchen, und genau das ist der kritische Punkt. Wir wissen nur noch von einem auf Stewart Island verbliebenen Kakapo, und der ist ein Männchen. Wir suchen weiter nach Weibchen, bezweifeln aber, daß es noch welche gibt. Selbst wenn man die vierzehn Vögel von der Barrier Island berücksichtigt, sind insgesamt nur noch vierzig Kakapos übrig.

Und es ist so schwierig, diese Mistkerle zur Fortpflanzung zu bewegen. Früher haben sie sich so langsam vermehrt, weil es der einzige Weg war, den Bestand auf dem gleichen Niveau zu halten. Wenn ein Tierbestand so schnell zunimmt, daß die Ernährungs-und Versorgungskapazitäten des Lebensraumes überstiegen werden, stürzt der Bestand wieder in sich zusammen, nimmt dann wieder zu, wieder ab und so weiter. Wenn eine Population zu heftig schwankt, ist nicht mal eine besondere Katastrophe nötig, um die Art zu gefährden. Die eigentümlichen Paarungsgewohnheiten des Kakapo sind, wie so vieles andere, Überlebenstechniken.

Die aber nur funktioniert haben, weil es keine Konkurrenz von außen gab. Jetzt, wo sie von Räubern umgeben sind, kann man kaum etwas für ihr Überleben tun, abgesehen von unserem unmittelbaren Eingreifen. Solange wir noch eingreifen können.«

Das erinnert mich wieder an den Vergleich mit der Motorradindustrie, den ich taktvollerweise für mich behalten hatte. Motorradkonstrukteuren stehen Heilmittel zur Verfügung, die Zoologen nicht besitzen. Als ich Don während unseres vorsichtigen Rückzuges über den Kamm zum Hubschrauber frage, wie er die langfristigen Aussichten für die Kakapos nun wirklich einschätzt, ist seine Antwort überraschend sachlich.

»Na ja«, sagt er mit seinem ruhigen, höflichen Tonfall, »alles ist möglich, und wenn man die Gentechnologie bedenkt – wer weiß. Falls wir sie erhalten können, solange wir leben, ist es an der nächsten Generation, sich der Vögel mit den dann zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln, Techniken und wissenschaftlichen Methoden anzunehmen. Wir können nicht mehr tun, als ihren Fortbestand zu unseren Lebzeiten sichern, sie unserer Nachfolgegeneration in möglichst gutem Zustand übergeben und auf Teufel komm raus hoffen, daß sie so ähnlich über diese Vögel denkt wie wir.«

Ein paar Minuten später steigt unser Hubschrauber über Kakapo-Castle auf, senkt die Nase und macht sich, eine kleine gekratzte Vertiefung und eine einzelne, schon etwas ältere Süßkartoffel hinter sich zurücklassend, auf den Rückweg zum Milford-Sound.

Blinde Panik

Der Alltag schafft Voraussetzungen, von denen man unbewußt ausgeht, und deshalb ist es so verwirrend, wenn man in Australien zum erstenmal den Stöpsel aus einem Waschbecken herauszieht und das Wasser andersherum als gewohnt in den Abfluß kreiseln sieht. Die Gesetze der Physik führen einem vor Augen, wie weit man von zu Hause entfernt ist.

In Neuseeland sind sogar die Wählscheiben der Telefone entgegen dem Uhrzeigersinn numeriert. Das hat mit den Gesetzen der Physik nichts zu tun – man macht es dort einfach anders. Schockierend ist daran nur, daß es einem bislang nie in den Sinn gekommen ist, daß man es überhaupt anders machen könnte. Tatsächlich hat man darüber nicht mal nachgedacht, und plötzlich ist es einfach da – anders. Man verliert den Boden unter den Füßen.

In Neuseeland zu wählen erfordert ein gehöriges Maß an Konzentration, denn alle Ziffern befinden sich dort, wo man sie am wenigsten erwartet. Wenn man es zügig versucht, wird man sich unweigerlich verwählen, weil unwillkürlich die Gewohnheit einsetzt und alles zunichte macht, bevor man sie unter Kontrolle bekommt. Die Telefoniergewohnheiten sitzen so tief, daß sie zu Voraussetzungen geworden sind, von denen man unbewußt ausgeht.

China liegt auf der Nordhalbkugel, also kreiselt das Wasser, wie bei uns, im Uhrzeigersinn aus dem Waschbecken.

Die chinesischen Wählscheiben sind numeriert wie unsere. Diese beiden Dinge sind einem vertraut. Nur sind sämtliche anderen Dinge anders, und die Voraussetzungen, von denen man unbewußt ausgeht, bescheren einem nichts weiter als Schwierigkeiten und Verwirrung.

Dank dem wenigen, was ich von den China-Erfahrungen anderer Leute wußte, ahnte ich dunkel, daß genau das der Fall sein würde. Ich saß in der Maschine auf dem langen Flug nach Peking, versuchte mir über meine Gewohnheiten klar zu werden, mir alles Vorhandene aus dem Kopf zu schlagen, und kam mir dabei ziemlich dämlich vor.

Ich fing an, mir einen ausgiebigen Rasierwasservorrat zuzulegen. Jedesmal, wenn der Duty-free-Rollwagen vorbeikam, kaufte ich eine Flasche. Derartiges hatte ich in meinem bisherigen Leben noch nie getan. Meine normale, instinktive Reaktion war immer gewesen, bloß den Kopf zu schütteln und weiter in meiner Zeitschrift zu blättern. Diesmal meinte ich, es wäre Zen-gemäßer zu sagen: »Ja, ist gut. Was haben Sie denn so?« Ich war nicht der einzige, den ich damit völlig überraschte.

»Drehst du jetzt völlig durch?« fragte mich Mark, als ich die sechste Flasche in mein Handgepäck gleiten ließ.

»Ich versuche, die festverankerten Grundvoraussetzungen, auf denen mein rational konstruiertes Verhalten fußt, in Frage zu stellen und zu untergraben.«

»Soll das ›ja‹ heißen?«

»Das soll heißen, daß ich lediglich versuche, ein bißchen lockerer zu werden«, sagte ich. »Und da ein Flugzeug einem nicht gerade viel Raum für eigenmächtige und alternative Verhaltensformen bietet, mache ich das Beste aus den zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.«

»Aha.«

Mark rutschte unbehaglich in seinem Sitz hin und her und starrte angestrengt in sein Buch.

»Was willst du denn mit dem ganzen Zeug machen«, fragte er mich etwas später, während wir aßen.

»Weiß nicht«, sagte ich. »Könnte schwierig werden oder?« »Sag mal, bist du wegen irgendwas nervös?«

»Ja.«

»Wegen was?«

»China.«

Inmitten einer der größten, längsten, lautesten, dreckigsten Wasserstraßen der Welt lebt die Reinkarnation einer ertrunkenen Prinzessin oder, besser, leben zweihundert Reinkarnationen ertrunkener Prinzessinnen.

Ob es sich dabei tatsächlich um zweihundert verschiedene Reinkarnationen derselben Prinzessin oder um Reinkarnationen von zweihundert verschiedenen ertrunkenen Prinzessinnen handelt, ist der Legende nicht eindeutig zu entnehmen, und leider sind auch keine Statistiken, wie häufig Prinzessinnen ertrinken, erhältlich, die ein bißchen Licht in die Angelegenheit bringen könnten.

Falls sie alle dieselbe ertrunkene Prinzessin sind, muß diese ein ausgesucht sündhaftes Leben geführt haben, um sich die ständig wiederkehrende Bestrafung, unter den derzeitigen Umständen zu leben, verdient zu haben. Ihre Reinkarnationen werden regelmäßig von Schiffsschrauben zerstückelt, in Fischernetzen voller Haken verwickelt, geblendet, vergiftet und betäubt.

Die Wasserstraße, um die es hier geht, ist der Yangtse Fluß, und die wiedergeborene Prinzessin ist der Baiji, der Yangtse-Delphin.

»Wie stehen eigentlich unsere Chancen, einen Delphin zu finden?« fragte ich Mark.

»Ich habe nicht den blassesten Schimmer«, sagte er. »Es ist sehr schwierig, aus China Informationen, egal, worüber zu bekommen, und was man bekommt, ist meistens verwirrend. Aber man findet die Delphine – oder auch nicht – nur in ein paar Abschnitten des Yangtse. Hauptsächlich in einem etwa zweihundert Kilometer langen Stück, das bei einer Stadt namens Tongling liegt, in der Provinz Anhui. Dort arbeiten Leute an der Rettung des Baiji, und dort liegt unser eigentliches Ziel. Nach Tongling kommen wir mit dem Boot, von Nanking aus, wo ein gewisser Professor Zhou lebt, ein Delphin-Experte. Nach Nanking kommen wir per Zug, von Shanghai aus. Nach Shanghai kommen wir mit dem Flugzeug, von Peking aus. Wir haben erst mal ein paar Tage in Peking, um uns zu akklimatisieren und herauszufinden, ob uns unsere Reisearrangements eigentlich etwas nützen. Wir müssen ein paar tausend Meilen zurücklegen, und Reisen gilt hierzulande als irrwitzig schwierige Sache.«

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