Centurio der XIX Legion
- Автор: Pollmann Klaus
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Centurio der XIX Legion». Краткое содержание книги:
Vulso besah sich dieses Durcheinander eine Weile und brüllte dann los: „Was seid ihr doch für ein jämmerlicher Haufen! Da sind ja degenerierte Syrer richtige Elitesoldaten gegen. Bekotzen ihre guten Kettenhemden. Los, in die Unterkünfte und sauber machen, gleich ist Inspektion!“
Die Rekruten stolperten in ihre Unterkünfte. Mellonius und Carvus löschten erst einmal ihren Durst. Lucius machte sich jedoch sofort ans Säubern seiner Kleidung. Was hatte Saxum gesagt?
„In der Legion muss man jederzeit mit allem rechnen und Mußestunden gibt es nicht.“
Carvus und Mellonius ließen sich Zeit und schüttelten über seinen Eifer nur den Kopf. Lucius war gerade damit fertig geworden, seine Waffen zu reinigen, als Antinius zur Tür hereinkam. Mit entzücktem Gesicht sah er die Dreckspur, die zu Mellonius und Carvus führte.
„Ja, was für Schweine hausen denn hier?“, rief er gespielt fassungslos, als ob er keine Ahnung hätte, dass die Centurie den ganzen Tag im Gelände gewesen war. „Das ist unglaublich, was für Ferkel! Da sind die Höhlen der Briten ja die reinsten Paläste gegen. Los, herkommen und Schwamm mitbringen!“
Mellonius und Carvus kramten ihre Schwämme heraus, die normalerweise in der Latrine für das Säubern des Hinterns gebraucht wurden. Sie bauten sich vor Antinius auf und hielten die Schwämme hoch. Obwohl sie eine halbe Armeslänge von ihm entfernt waren, zuckte Antinius zurück.
„Soll ich vielleicht daran lutschen?“, schrie er sie an. „Los, runter, und macht mit den Schwämmen den Boden sauber – und zwar so, dass man davon essen kann!“
Die beiden gingen auf die Knie und fingen an, den Matsch und Lehm wegzukratzen. Unterdessen ließ sich Antinius die Ausrüstung von Lucius zeigen. Er schien enttäuscht, dass er nichts finden konnte.
„Hm, da du eine so gute Putze bist, hol deinen Schwamm raus und hilf deinen Kameraden!“, befahl er.
Lucius sah ihn verblüfft an. Er sollte also ernsthaft eine Strafarbeit verrichten, nur weil Antinius darüber verärgert war, ihm nichts anhängen zu können? Antinius sah sein Zögern und rief Mellonius und Carvus prompt zu: „Los, aufhören, Marcellus hat sich gerade freiwillig gemeldet, alles alleine sauber zu machen. Ihr könnt euch jetzt um eure Ausrüstung kümmern!“
Antinius ging in den Vorraum, wo er im Vorbeigehen wie zufällig so gegen das Regal stieß, dass ein Teil der Ausrüstung mit lautem Gepolter zu Boden fiel.
„Upps! Hier müsst ihr wohl auch noch aufräumen“, grinste er und stürmte hinaus.
Gleich darauf hörte man sein Gebrüll aus dem Nachbarzimmer.
Lucius machte sich verbissen daran, mit seinem Schwamm den verdreckten Boden zu säubern. Nachdem Mellonius und Carvus ihre Ausrüstung gereinigt hatten, hockten sie sich zu ihm auf den Boden und halfen ihm schweigend.
Den ersten Monat hatten sie hinter sich gebracht. Sie hatten weiteres Marschtraining absolviert: kurze Märsche, lange Märsche, Eilmärsche und Gewaltmärsche. Dazu kam noch das Exerzieren im Verband. Zuerst als Centurie, dann als Manipel und schließlich als Kohorte. Sie mussten in einer bestimmten Ordnung marschieren, auf Kommando drei Kolonnen bilden, sich wieder zu einer vereinen, dann auf der Stelle umdrehen und wieder zurückmarschieren.
Stimmte der Abstand nicht, klappte ein Manöver nicht wie gewünscht oder wurde es nur zu langsam ausgeführt, fielen die Ausbilder mit Verwünschungen und Beschimpfungen über die Rekruten her. Carvus, Mellonius und Lucius wurden mit Argusaugen beobachtet. Jeder ihrer Fehler wurde sofort bestraft. Zunächst wurden sie nur angebrüllt oder bekamen die Vitis zu spüren. Aber als eine Einheit in Unordnung geriet, machte Vulso sie als die Schuldigen aus und setzte sie für eine Woche auf Gerste.
Der harte Drill sorgte dafür, dass Lucius sein Zeitgefühl völlig verlor – ein Monat? Oder bereits fünf? Immer wieder war Lucius dankbar für das harte Training und die Vorbereitung, die sein Vater ihm hatte angedeihen lassen. Ihm machten die Märsche und das Exerzieren nicht viel aus, und er erduldete die Schikanen mit stoischer Ruhe. Nach einem Jahr mit Saxums weinlaunigen Temperamentsausbrüchen hatte er gelernt, einiges zu ertragen, ohne weiter darüber nachzudenken. Er musste grinsen, als er an Saxum dachte. Er war schon eine echte Plage gewesen!
Lucius verließ die Baracke mit Mellonius und Carvus. Die Rekruten versammelten sich auf dem Exerzierplatz. Als Lucius die aufgestellten Pfähle und die vier Markierungen in Kopf-, Brust- und Magenhöhe sah, wusste er schon, was auf sie zukam. Holzschwerter wurden an die Rekruten verteilt.
Dann begann Antinius mit seinen Instruktionen: „Ihr könnt den Feind auf zweierlei Arten töten: durch einen Schlag oder durch einen Stoß. Der Schlag ist der vermeintlich leichtere Weg, aber dies ist ein Trugschluss. Erstens raubt euch der Schlag mehr von eurer Kraft und zweitens beschädigt ihr nur gute Waffen, wenn ihr euer Schwert an einem Helm oder Schild schartig schlagt. Der Gladius könnte außerdem im Schild des Barbaren stecken bleiben. Das wäre ausgesprochen schlecht für euch, denn wenn der Barbar mit seinem Schild und eurem Schwert abhaut, werde ich mich genötigt sehen, euch aufzufordern, euer Schwert zurückzuholen. Schließlich kosten Schwerter Geld. Also stoßt nach Möglichkeit mit dem Schwert zu!“ Er machte eine Pause und zeigte auf den Pfahl. „Trotzdem werden wir beides trainieren. Die Übung ist ganz einfach. Ein Schlag links an den Kopf, ein Schlag rechts an den Kopf, ein Stoß in die Brust und ein Stoß in den Leib – und wieder von vorne. Ihr müsst die Markierungen treffen. Die sind deswegen so klein, weil eure Feinde selten mit entblößter Brust vorbeikommen und sagen: Bitte töte mich! Merkt euch: Der Sieg liebt die Sorgfalt!“
Er zeigte auf Lucius, Mellonius und Carvus. „Los, unsere drei Edelrekruten machen euch mal vor, wie es geht!“
Sie traten vor und begannen mit der Übung. Lucius fand schnell seinen Rhythmus und bearbeitete den Pfahl gleichmäßig. Links, rechts, Stoß, Stoß. Links, rechts, Stoß, Stoß. Wie er es bei Pertinax gelernt hatte, benutzte er den Schwung für elegante Schläge und Stöße, um Kraft zu sparen. Mellonius und Carvus hatten offensichtlich auch schon Schwertkampftraining gehabt, aber ihre Bewegungen waren nicht so flüssig wie die von Lucius. Antinius sah ihnen eine Weile zu und ließ dann die anderen auch beginnen.
Vulso beobachtete das Schwerttraining vom Rande des Platzes. Antinius ging von Pfahl zu Pfahl und gab Anweisungen oder korrigierte falsche Techniken. Je vier Mann teilten sich einen Pfahl, auf ein Hornsignal wurde gewechselt. Lucius beobachtete die anderen Rekruten. Einige hackten wie besessen auf den Pfahl ein. Es dauerte nicht lange, da ließ der Erste das Schwert fallen. Ein harter Schlag gegen den Pfahl hatte ihm das Schwert aus der Hand geprellt. Viele der Rekruten rieben sich bereits die Oberarme. Lucius dankte im Stillen Pertinax dafür, dass ihm zumindest nun die Schmerzen erspart blieben, die die anderen am nächsten Morgen haben würden. Die hatte er bereits oft genug durchlitten! Titus Valens gesellte sich zu Vulso und musterte mit durchdringendem Blick die Rekruten.
Mellonius stieß Carvus an: „Sieh mal, Valens ist wieder auf seinem Kontrollgang. Der Kerl verursacht mir eine Gänsehaut.“
Carvus nickte und spuckte aus: „Wenn der mich ansieht, habe ich das Gefühl, nackt dazustehen!“ – „Seine Augen sind ohne jede Gefühlsregung, wenn ich dem nachts auf der Straße begegnen würde, würde ich mir vor Angst in die Hose scheißen!“
„Du trägst Hosen?“, bemerkte Lucius grinsend, ergriff sein Holzschwert und trat wieder an den Pfahl.
„Das ist eine gallische Redensart!“, erklärte Mellonius ernst. Als er Lucius’ Grinsen bemerkte, fügte er nur noch ein „Scheißkerl!“ hinzu und trat zurück, um ihm Platz zu machen.