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Centurio der XIX Legion

Электронная книга - «Centurio der XIX Legion». Краткое содержание книги:

Als Lucius von dem Angebot an seinen Vater hört, ihn als Centurio zur Legion zu schicken, ist er begeistert und als sein Vater Pertinax einen Exgladiator einstellt, der ihn im Schwertkampf unterrichten soll, kennt sein Glück keine Grenzen. Bei einer Geschäftsreise in Massilia (Marseille), verläuft er sich eines Tages im Hafenviertel und wird von Straßenkindern verprügelt und ausgeraubt. Sein Vater ist über diese Schwäche seines Sohnes und die öffentliche Demütigung der Familie so wütend, dass er Lucius auf das Weingut in der Nähe von Arausio verbannt, welches er als Entlassungsgeld aus der Armee erhalten hat. Dort soll er von Saxum, einem ehemaligen Legionär und Pertinax abgehärtet und auf die Legion vorbereitet werden. Wenn Lucius versagt und den Rang eines Centurio nicht erhält, muss er für den Rest seines Lebens auf dem Weingut bleiben und dort als Verwalter arbeiten. Zwei Jahre quält sich Lucius bei Wind und Wetter durch die Ausbildung und wird endlich als Rekrut angenommen. Seine Schwierigkeiten fangen damit aber erst an. Bald ist er sich nicht mehr sicher, ob die Feinde innerhalb oder außerhalb des Legionslager gefährlicher sind. Neben den Kämpfen gegen die Raeter, Vindelicer und Germanen ist da auch noch der undurchsichtige Centurio Titus Valens. Er macht Lucius das Leben zur Hölle.
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„Dies ist der Abstand zum Vordermann! Alles klar? Links um!“

Ein uneinheitliches Scharren und Scheppern erklang. Aus einer Stelle der Kolonne ertönte ein unterdrücktes „Andersherum, du Blödmann!“

Vulso beobachtete sie mit Argusaugen, ging an die Spitze und bellte seinen nächsten Befehclass="underline"

„Auf links! Los, aequatis passibus, im Gleichschritt!“

Die Spitze der Centurie stampfte los, aber sofort brüllte Vulso: „Halt, stehen bleiben!“

Die Centurie hielt an, hier und da hörte man ein lautes Scheppern, wenn ein Rekrut gegen seinen Vordermann stieß. Vulso war vor dem Rekruten am Anfang der linken Reihe stehen geblieben.

„Ich hatte gesagt mit dem LINKEN Fuß! Weißt du nicht, wo links ist?“

„Doch, Centurio!“, beeilte sich der Angesprochene zu sagen.

„Schön! Und damit du es nicht vergisst!“ Die Vitis sauste durch die Luft und traf den Rekruten auf den Oberschenkel. Der Getroffene heulte auf. „Links ist da, wo dein Oberschenkel schmerzt! Los auf links! Im Gleichschritt!“

Wieder setzte sich die Centurie in Bewegung, aber schon nach wenigen Metern mussten sie erneut anhalten. Diesmal hatte die zweite und dritte Reihe nicht genug Abstand gehalten.

Vulso tobte: „Ihr verdammten effeminati! Wollt ihr eure Vordermänner besteigen oder warum lauft ihr so eng hinter ihnen? Los, Abstand, weiter zurück, noch weiter!“ Ein Schmerzensschrei ertönte, als einer der Männer beim Zurückgehen seinem Hintermann auf den Fuß trat.

„Ich habe noch nie so einen jämmerlichen Haufen gesehen. Auf dem Schlachtfeld seid ihr schneller tot, als ihr ‚Mama’ sagen könnt. Ein Gutes hat dieser Abklatsch von Legionären schon: Die Gallier lachen sich bei eurem Anblick tot, so dass uns anderen viel Arbeit erspart bleibt!“

Auch in den folgenden Tagen fielen Vulso und Antinius mit wüsten Beschimpfungen über sie her, sobald der kleinste Fehler auftrat. Die Centurie marschierte über den Exerzierplatz. Sie schwenkte, machte kehrt Marsch, fiel in den Laufschritt und wieder zurück in den Gleichschritt, immer bemüht, den richtigen Abstand zu halten.

„Halt!“ Nach einer Woche Drill und Geschrei waren die Rekruten so weit, dass sie bei diesem Kommando fast einheitlich zum Stehen kamen. „Abstand messen!“, lautete der nächste Befehl. Gehorsam senkten die Rekruten die Speere. Eigentlich müsste die Pilumspitze jetzt die Schulter des Vordermannes berühren. Fast, dachte sich Lucius, fast perfekt. In der Tat, es fehlte allenfalls eine Handbreit.

„Centurio!“, brüllte Antinius neben Lucius so laut los, dass der erschrocken zusammenfuhr. „Ein Deserteur, hier versucht einer abzuhauen!“

Vulso kam herbeigestürzt und starrte fassungslos die fehlende Handbreite an. Wer ihn so sah, musste glauben, dass Barbaren in das Lager eingedrungen waren und unbemerkt den Adler gestohlen hatten.

„UNGLAUBLICH! EIN FAHNENFLÜCHTIGER! IN MEINER EINHEIT! HAST DU VERGESSEN, DASS DU EINEN EID GELEISTET HAST?“, brüllte ihn der Centurio mit dunkelrotem Gesicht an. „Du glaubst wohl, weil es nur ein vorläufiger Eid war, kannst du dich unerlaubt von der Truppe entfernen?“

Lucius starrte geradeaus und stieß ein heiseres „Nein, Centurio!“ hervor.

„Wie kann man so unfähig sein!“, tobte der Centurio weiter. „Wo soll die Pilumspitze sein, Marcellus?“

„Auf der Schulter meines Vordermanns!“, würgte Lucius hervor.

„Und warum ist sie da nicht? Wann begreift ihr Trottel das endlich!“ Vulsos Stimme überschlug sich. „Marcellus heraustreten, die anderen rechts um!“

Die Centurie schwenkte rechts um, so dass Lucius jetzt die Augen aller Rekruten auf sich spürte. Vulso tat so, als ob er über etwas nachdenken würde, schnippte dann mit den Fingern und brüllte: „Mellonius und Carvus, bei Fuß!“

Die beiden stürzen herbei und nahmen neben Lucius Aufstellung.

Vulso fuhr mit normaler Stimme fort: „Ich werde euch jetzt einige Kampfpositionen zeigen. Marcellus, Mellonius und Carvus, kniet euch auf den Boden, haltet die Schilde schräg, stemmt die Pila gegen den Boden und haltet sie schräg nach oben! Nein, nicht so steil, etwas niedriger. Ja, genau so!“, korrigierte er. „Das ist eine Stellung, um einen Angriff von Kataphrakten abzuwehren. Los, aufstehen und den Schild waagerecht über den Kopf!“

Lucius stand auf und hielt den Schild über den Kopf.

„Dies ist die Stellung, die ihr für die testudo, die Schildkröte, braucht.“ Vulso machte eine Pause. Dann brüllte er: „Los, wieder runter und Verteidigungsstellung gegen Reiter einnehmen! Und wieder rauf, Schild über den Kopf! Und wieder runter, und wieder rauf, und wieder runter!“

Lucius und die beiden anderen knieten sich hin, sprangen wieder auf und rissen ihre Schilde hoch, wieder runter, wieder rauf. Mit jedem Mal wurde der Arm schwerer und der Schweiß lief in Strömen. Vulso sah auf sie herunter und es machte den Eindruck, als würde er den Anblick genießen.

Nach fünfzig Malen Auf und Nieder ließ Vulso sie endlich aufhören.

„Dies blüht von heute an jedem, der nicht in der Lage ist, den Abstand zu halten!“

Nach einigen Tagen hatten alle das Training so verinnerlicht, dass selbst nach einem Marsch um das Lager herum auf unebenem Boden die Abstände perfekt stimmten.

Es folgte ein kleiner Ausflug, wie es Vulso nannte, dem sich Vitellius’ Centurie anschloss. Die beiden Centurien verließen das Lager und marschierten die Straße entlang. „EIN LIED!“, befahl Vulso, und die Legionäre begannen zu singen:

„In ihrem Haar trug sie für mich ’ne Schleife,

sie trug sie durch den Winter bis zum Mai.

Doch als dann die Legionen weiterzogen,

als sie weiterzogen, da war ich mit dabei.

MIT DABEI, als die Legionen weiterzogen,

ja, da war ich mit dabei!“

Lucius schmetterte das Lied mit Begeisterung. Das Lied vom Mädchen mit der Schleife war sehr beliebt bei den Legionären und schon sein Vater hatte es gesungen.

„So ein Jahr später kehrte ich zu ihr zurück,

sie trug für mich die Schleife und da waren wir dann drei.

Doch als dann die Legionen weiterzogen,

als sie weiterzogen, da war ich mit dabei.

MIT DABEI, als die Legionen weiterzogen

ja, da war ich mit dabei!“

Die Ausbilder hetzten die beiden Centurien durch die Umgebung des Lagers. Vormittags noch schlugen sie ein normales Marschtempo an, aber gegen Mittag wurde Eilmarsch befohlen. Nach der Mittagspause ging es wieder in normalem Tempo weiter. Eine ganze Reihe Rekruten hatten, um das Gewicht ihrer Sarcina zu erleichtern, ihre Feldflaschen ein wenig geleert, was sie bald bereuen sollten. Die Maisonne brannte heiß auf sie hernieder und gegen Abend ächzten die meisten Rekruten nach Wasser, weil ihr Vorrat schon lange verbraucht war. Lucius, durch das harte Training mit Saxum bestens vorbereitet, hatte sein Wasser besser eingeteilt. Ihm machte auch das Tempo nicht so viel aus wie seinen Kameraden.

Die ganzen Strapazen und das harte Training des letzten Jahres haben sich doch gelohnt, dachte er sich zufrieden.

Wenige Meilen vor dem Lager befahlen Vulso und Vitellius Laufschritt. Die beiden Centurien stürmten los, den Weg entlang auf das Lager zu. Die Wachen grinsten und feixten, als sie die abgekämpften Rekruten auf sich zustolpern sahen. Die Rekruten stürmten auf den Exerzierplatz, wo das Kommando „Halt!“ ertönte. Die Männer waren viel zu erschöpft, um rechtzeitig anzuhalten. Fast alle Rekruten der Centurie fielen zu Boden, weil einige gestolpert und gestürzt waren und die Nachfolgenden ihren Lauf nicht mehr rechtzeitig bremsen konnten. Einige mussten sich übergeben, andere japsten und hechelten nach Luft wie Hunde.

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