Das Schwert des Königs
- Автор: Berberick Nancy Varian
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #2
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Schwert des Königs». Краткое содержание книги:
Der Wind frischte auf, und die Schatten um den Weg verschwammen und tanzten. Stanach lauschte nach Kelidas Stimme, hörte aber nur alte Blätter über Steine rascheln. »Ich glaube, du hast recht. Geh zurück. Wenn Lavim noch da ist, sag ihm, er soll zu mir kommen.«
Tyorl runzelte die Stirn. Als Stanach seine Zweifel erkannte, schnaubte er. »Ich bin kein Waldläufer, Tyorl, aber ich bin auch nicht blind.« Er deutete mit dem Kopf auf die Spuren. »So was da kann ich folgen, und ich kann mich ruhig verhalten, wenn es sein muß.«
Er mußte es nicht aussprechen: Der Langbogen des Elfen konnte Kelida besser verteidigen als ein einzelnes Schwert. »Geh hier vom Pfad ab, Stanach. Behalte ihn in Sichtweite und geh parallel dazu im Wald. Wenn sie oben warten, werden sie eine Wache aufgestellt haben. Wenn du die entdeckst, kommst du schnell und leise zurück. Wenn wir es schaffen können, erledigen wir sie.«
»Und wenn nicht?«
Tyorl zuckte mit den Schultern. »Dann versuchen wir, den Fluß woanders zu überqueren. Aber eigentlich will ich nicht ständig auf der Hut sein müssen, ob diese Mörder noch einmal vor uns auftauchen.«
»Also, geh. Ich komme zurück.«
Stanach sah ihm nach. Der Zwerg suchte sich so leise wie möglich seinen Weg durch das raschelnde Unterholz, dessen dünne Zweige sich in seinem Bart verfingen und ihm Gesicht und Hände zerkratzten. Einige Dutzend Meter lief er parallel zum Pfad, dann hielt ihn eine breite Felswand auf. Drum herum oder drüber weg, fragte er sich, während er das Hindernis musterte. Der Stein war alt und hart und bot guten Halt. Stanach, der viel zu lange nur Wald gesehen hatte, grinste. Drüber weg, beschloß er. Vorsichtig glitt seine Hand über den Stein und prüfte, wo Hände und Füße Halt fanden. Die Kanten waren fest, und er kletterte geschwind hoch und hatte nach wenigen Augenblicken den oberen Rand des Felsens erreicht. Eine vorwitzige, junge Kiefer klammerte sich auf der Felsnase fest, der ein paar struppige Büsche Gesellschaft leisteten. Ansonsten war der Stein nackt und grau. Tief geduckt verharrte Stanach hinter der Nordseite des Kiefernstamms. Aus dieser Deckung sah er den leeren Pfad da unten. Keine Wache.
Mehrere Meter hinter dem Vorsprung bog der Pfad wieder nach rechts ab, verlief genau unter dem Felsen, auf dem Stanach hockte, und fiel dann plötzlich ab. Stanach rutschte vor, um besser sehen zu können.
Hier hörten die Bäume plötzlich auf, und der Pfad schlängelte sich in ein steiniges Flußtal hinunter. Der Fluß selbst war ein schmales Silberband, die Furt eine seichte Stelle am Ende des Weges, die von braunem Riedgras eingerahmt war. Es gab kein Anzeichen dafür, das diejenigen, die vor ihnen den Pfad entlanggekommen waren, jetzt in dem steinigen Tal lauerten.
Hoch über dem Tal kreiste ein Falke und segelte in weiten, trägen Spiralen auf der Suche nach Beute abwärts. Die vom Wind geriffelte Wasseroberfläche teilte sich, als ein kleiner Barsch wie ein silberner Blitz in der Sonne hochsprang. Noch bevor der Fisch am höchsten Punkt seines Bogens war, schoß der Falke hinunter und fing ihn mit einem triumphierenden Schrei.
Genau, Abendbrot für dich, dachte Stanach, und wahrscheinlich hast du uns noch was übriggelassen.
Das Tal war leer, der Fluß voller Fische, und die Furt würde leicht zu durchqueren sein. Lächelnd stand Stanach auf und drehte sich um.
Vor ihm stand der einäugige Theiwar, der in Thorbardin als der Graue Herold bekannt war.
Kalte Angst breitete sich in seinem Bauch aus. In der Falle!
Noch während er das begriff, duckte sich Stanach instinktiv nach rechts und zog sein Schwert aus der Scheide an seinem Rücken. Das hohe Singen des befreiten Stahls wurde vom harten, trockenen Lachen des Grauen Herolds übertönt. Stanach befürchtete, daß er keine Chance hatte. Er wußte, daß es so war, als sein gewaltiger, beidhändiger Schlag eine Handbreit vor Agus’ Hals zurückprallte. Die Luft um den Zauberer flammte scharlachrot auf, spie heiße, dicke Funken, und Stanach taten die Arme bis zu den Schultern weh, als hätte er gegen einen Felsen geschlagen.
Agus hob, immer noch lachend, die rechte Hand und fuhr sanft durch die Luft. Er flüsterte ein Wort, dann ein anderes, und die sonnendurchflutete Luft um Stanach wurde so kalt wie eine Winternacht. Der Himmel, der eben noch blau gewesen war, wurde drückend und schmeckte nach Angst und Verzweiflung. Als wenn eine riesige Hand ihn von hinten niedergeschlagen hätte, fiel Stanach auf die Knie. Er nahm gerade noch wahr, wie sein Schwert auf den Stein schepperte, und sah, wie Agus danach griff und es aufhob.
Stanach rang nach Luft. Es gab keine. Es war, als hätte ihm der Spruch des Grauen Herolds alle Luft aus der Lunge gesaugt.
So, dachte Stanach, haben sie Pfeifer erwischt. Mit einem Hinterhalt von einem Theiwar-Zauberling.
Der Gedanke an Pfeifer erinnerte ihn an die Flöte seines Freundes, die an seinem Gürtel hing. Obwohl Pfeifer sie mit zahlreichen Sprüchen versehen hatte und obwohl die Flöte ihre eigene Zauberkraft hatte, war sie nutzlos für Stanach, der nicht magiekundig war. Er wußte sofort, daß sie in den Händen des Grauen Herolds ein mächtiges Werkzeug sein würde. Der Theiwar würde sicher herausfinden, wofür sie gut war, wenn er Zeit fand, sie zu untersuchen. Indem er so tat, als würde er sich gegen den Zauber wehren, löste Stanach die Flöte von seinem Gürtel und schob sie in eine Felsspalte.
Wieder hob Agus die Hände. Stanach kannte die Gesten, die er jetzt machte. Er sprach bloß drei seltsam sanfte Worte, die Stanach jedoch überhaupt nicht trösteten. Es waren die Worte eines Transportzaubers.
Agus griff hinunter, berührte Stanachs Kopf und lächelte ihn an. Gefangen im vertrauten Griff eines Transportzaubers, krümmte sich Stanach, als alles Gefühl aus seinen Armen und Beinen, aus Herz und Kopf wich.
Lavim thronte auf einem Felsen abseits des Weges, von wo er den Pfad nach oben und unten überschauen konnte. Seinen Hupak balancierte er auf den Knien, und ein großer Lederbeutel mit Steinen lag zwischen seinen Füßen. Er untersuchte die Steine einen nach dem anderen wie ein Bogenschütze, der seine Pfeile prüft. Einen rötlich braunen Stein mit Grün und mit glänzenden, gelben Pyritstücken und weißen Calcitsprenkeln hielt er für Kelida hoch.
»Dieser Stein hier«, sagte er, während er zusah, wie die Sonne sich in dem Pyrit und Calcit fing, »hat einen Goblin auf hundert Schritte getötet.«
Kelida sah ihn zweifelnd an. »Hundert, Lavim?«
Der alte Kender nickte so beiläufig, als ob seine Glaubwürdigkeit nicht angezweifelt worden wäre. »Vielleicht auch hundertzehn. Ich hatte keine Zeit zum Nachmessen, weißt du.«
»Aber du hast den Stein zurückgeholt, nachdem er diesen Goblin getötet hat?«
»Oh, ja. Es ist ein guter Stein, ein Glücksbringerstein. Ich habe ihn schon lange. Er hat meinem Vater gehört, und der hatte ihn von seinem Vater.«
Kelida unterdrückte ein Lächeln. »So eine Art Familienerbstück, hm?«
Lavim steckte den Stein wieder in seinen Beutel zurück. »Nun, so habe ich es nie gesehen, aber das kommt wohl hin.«
Die Vorstellung, daß zwei Generationen von Kendern diesen Stein pflichtbewußt jedesmal zurückgeholt hatten, wenn er von einer Hupakschlinge geflogen war, war einfach zu absurd. Obwohl sie ihr Lächeln mit der Hand verdeckte, sah Lavim es in ihren grünen Augen.
»Was ist daran so komisch, Kelida?«
»Oh, ich lache nicht, nicht wirklich. Ich – ich lächle, weil es so schön ist, daß du etwas hast, das dich an deinen Vater und Großvater erinnert.«
Kelida zog die Beine fest an ihre Brust und legte das Kinn auf die Knie. Sie sah zu, wie der Kender weiter seine Waffen inspizierte. Dünnes Sonnenlicht lag wie Silber auf seinem langen, weißen Zopf. In seinem braungebrannten, runzligen Gesicht glänzten die grünen Augen wie Frühlingsblätter.